19-01-2011 Spanien/Las Palmas (bb). Der Artenschutz auf den Kanaren wurde Mitte 2010 per Gesetz drastisch reduziert. Der im Parlament verabschiedete neue Artenschutzkatalog enthält 90 Arten weniger, 170 Arten wurden in der Kategorie herabgesetzt. Wissenschaftler, Fachleute und Umweltschützer sind empört und werfen der kanarischen Regierung vor, sie wolle mit diesem Gesetz den Bau des umstrittenen neuen Hafens von Granadilla durchsetzen.
Presseberichten zufolge hatten beim Gesetzentwurf weder anerkannte Fachleute, noch Wissenschaftler oder Biologen mitgewirkt. Auch die vom Umweltministerium ausgearbeiteten Kriterien für Auswahl und Kategorisierung der Arten sind nicht mit ins Gesetz eingeflossen. Sogar 13 Gemeinden und Inselverwaltungen von El Hierro, La Gomera, Fuerteventura und Gran Canaria waren gegen den neuen Katalog. Nichtsdestotrotz konnte das Gesetz im Parlament mit Hilfe der beiden konservativen Parteien Coalición Canaria und Partido Popular durchgesetzt werden.
Im Zentrum der Kritik steht neben der Herabstufung und dem Ausschluss von Arten auch die Einführung einer neuen Kategorie. Sie nennt sich „Arten von besonderem Interesse für die kanarischen Ökosysteme“ und schützt Pflanzen und Tiere nur innerhalb eines Naturschutzgebiets. Konkret bedeutet das: Fliegt ein Vogel aus dem Naturschutzgebiet, ist er nicht mehr geschützt. Außerdem kann er den Schutz auch innerhalb des Gebiets verlieren, wenn „allgemeines Interesse“ besteht.
An dieser Stelle kommt das Bauvorhaben des Hafens von Granadilla ins Spiel. Der Bau des umstrittenen Millionenprojekts wurde schon kurz nach Beginn gestoppt. Grund dafür ist eine Seegraswiese im Bereich des geplanten Hafenbeckens. Die Seegraswiese fiel unter das Artenschutzgesetz und umfangreiche, kostspielige Kompensationsmaßnahmen wären nötig gewesen um den Bau weiterführen zu können. Die Seegrasart wurde nun kurzerhand der neuen Kategorie im Artenschutzkatalog zugeordnet. Da der Hafen ein Projekt von „allgemeinem Interesse“ ist, sollte der Baustopp mit dem neuen Gesetz aufgehoben werden können. Im September vergangenen Jahres gab es dann allerdings eine erneute Unterbrechung. Nun wurde ein geschützter Käfer der Art Pimelia canariensis auf dem Baugelände gefunden. 30 Exemplare der auf Teneriffa heimischen und einzigartigen Art sollen dort leben. Auch im neuen Artenschutzkatalog gehört dieser Käfer zu den bedrohten Tierarten. Wie grancanariaole.de berichtet, wird nun auf Druck der ortsansässigen Unternehmer (OAG) geprüft ob die Käferart nicht doch aus dem Artenschutzkatalog gestrichen bzw. herabgestuft werden kann. Zudem wurde von der OAG eine Studie in Auftrag gegeben, um zu prüfen, ob der Käfer wirklich des Artenschutzes bedarf. Eventuell soll der Käfer auch in eine andere Gegend umgesiedelt werden. Wie es mit dem Hafenprojekt weitergeht, bleibt abzuwarten. Bereits vor Jahren gab es Proteste mit bis zu 100.000 Teilnehmern gegen das Großprojekt.