(11/06 N°4) Kaum zu glauben, aber wahr: Als Petra Wolf und Milena Colja bei einer Wanderung Pause machten, ihre Rucksäcke auf den Boden stellten und ihren Proviant auspackten, sprang ein Frettchen in einen ihrer Rucksäcke. Dem kleinen Kerl hatte man einen Eisenring um das Schnäuzchen geschweißt. Unfähig zu fressen und zu saufen, hatte das Tier in letzter Not in ihrem Rucksack Zuflucht gesucht.
„Ich bin furchtbar erschrocken, als es in meinen Rucksack sprang. Ich wusste nicht, was für ein Tier das ist“, so Wolf. Vorsichtig versuchte sie es wieder aus ihrem Rucksack zu bugsieren. Als es herauskroch, bemerkte sie, dass etwas nicht stimmte: „Es hatte einen Eisenring um die Schnauze und das Metall war bereits ins Fleisch eingewachsen. Wir wussten nicht, was wir machen sollten, ob wir das Tier anfassen können“, erzählt sie.
Sie ließen das Frettchen zurück, legten ein Stück Birne neben das Tier, in der Hoffnung, dass es etwas fressen könne und machten sich auf den Rückweg. Doch der Gedanke an das hilflose Tier ließ sie nicht ruhen. Am nächsten Tag machen sie sich auf, um es zu suchen. Tatsächlich: Nachdem die beiden eine Stunde lang die Gegend abgesucht hatten, kam das Kerlchen wieder angelaufen. Vorsichtig transportierte Petra das Tier nach Hause zu ihrem Gastgeber, Thorsten Arnold, der das Tier zu Tierärztin Margarita Azcorra nach Tías brachte.
Die Tierärztin entsetzt: „So etwas habe ich noch nie gesehen. Das ist eine unvorstellbare Tierquälerei“. Vergebens versucht sie mit Arnold, den Eisenring von der Schnauze des Frettchens zu ziehen. Trotz Narkose bäumte sich der ausgemergelte Körper voller Schmerzen auf. Arnold bleibt nichts übrig, als zur Flex zu greifen und das Eisen, rund um die Schnauze des Frettchens, aufzusägen. Jetzt wird das ganze Ausmaß der Tierquälerei sichtbar. Zwei Metalldorne verhinderten, dass der Eisenring abgenommen werden konnte.
Nachdem die Tierärztin dem völlig dehydrierten Tier Flüssigkeit und Vitamine gespritzt und das geschundene Fleisch um das Mäulchen desinfiziert hatte, durfte Arnold es mitnehmen. Es bekam einen Namen und eine Bleibe in Arnolds Werkstatt. Inzwischen hat sich „Paulchen“ schon prima eingelebt.
Lanzarote37° hat „Paulchens“ Leidensbilder dem zuständigen Jagdbeauftragten Higinio Hernández Rodríguez vorgelegt.
Wir wollten wissen, ob es Jägern erlaubt ist, ihren kleinen Jagdgefährten derartiges zuzufügen.
„Auf keinen Fall“, so Hernández. „Wenn Ihnen solche Tierquälereien begegnen, sollten Sie dies zur Anzeige bringen. Dafür ist die Policía de la Proteción de la Naturaleza, kurz CEPRONA (Telefon 928 592 100), zuständig. Das muss bestraft werden. Es gibt eine Verantwortlichkeit der Besitzer gegenüber ihren Tieren. Dazu trägt auch bei, dass die Jäger verpflichtet sind, ihren Tieren einen Mikrochip implantieren zu lassen, um zurückverfolgen zu können, wem welches Tier gehört.“
Lanzarote37° will von Hernández wissen, ob die Jäger und deren Tierhaltung auf Lanzarote kontrolliert werden?
Hernández: „Auf Lanzarote sind 1586 Jagdlizenzen vergeben. Wir haben drei zuständige Kontrolleure. Diese machen Stichproben, ob Jäger eine Lizenz haben und wie sie ihre Tiere halten. In diesem Jahr brachten sie bisher rund 30 Unregelmäßigkeiten zur Anzeige.“
Jagdgesetze auf der Insel
In der Jagdzeit vom 13. August bis 7. September dürfen jeweils donnerstags und sonntags Kaninchen mit Hunden und Frettchen gejagt werden.
In der Jagdzeit vom 10. September bis zum 26. November dürfen immer sonntags alle erlaubten Tierarten (Kaninchen, Tauben, Rebhühner, Wachteln) mit Hunden, Frettchen und Gewehren gejagt werden. Donnerstags dürfen die Jäger in dieser Zeit mit Hunden und Frettchen auf Hasen gehen.
Außerdem ist festgelegt, wie viel Stück Wild die Jäger erlegen dürfen: Ein Jäger darf acht Stücke Wild pro Jagdtag erlegen. Eine „Cuadrilla“, das sind drei bis fünf Jäger, die gemeinsam jagen, dürfen maximal 24 Stück Wild pro Jagdtag erlegen.
Dann ist noch festgelegt, mit wie vielen Hunden bzw. Frettchen die Jäger jagen dürfen: Ein Jäger darf mit zwei Hunden jagen, eine cuadrilla darf sechs Hunde mit zur Jagd nehmen. Außerdem dürfen pro Jagdlizenz von einem Jäger zwei Frettchen mitgenommen werden, von einer cuadrilla dürfen maximal sechs Frettchen mitgenommen werden. Ausführlich finden Sie die Jagdgesetzte im Internet unter http://www.gobiernodecanarias.org/boc/2006/125/011.html