17-02-2010 Spanien (sb) – Wenn Spanien wie Griechenland im Schuldensumpf versänke, könnte dies auch die Wirtschaft in Deutschland und Frankreich in die Knie zwingen. Dies sagte Thomas Meyer, Chefvolkswirt der Deutschen Bank, in einem Interview mit der deutschen Wirtschaftszeitung Handelsblatt.
Im Ringen um die richtige Strategie der europäischen Staaten mit dem hohen Haushaltsdefizit der Griechen stellt sich auch die Frage, wie es mit der Bonität anderer stark verschuldeter Staaten, wie Portugal oder Spanien, aussieht. So stufte die Ratingagentur Moody’s Spanien in ihrem „New Misery Index“ noch schlechter ein, als Griechenland. Nun steigt unter den Finanzinvestoren die Furcht, dass Spanien angesichts einer immens hohen Arbeitslosenquote von fast 20 Prozent, wenig industrieller Substanz und einer in den Boomjahren viel zu einseitigen Ausrichtung auf die Immobilienmärkte, die inzwischen total am Boden liegen, den Weg aus der Krise ohne Unterstützung anderer EU-Länder nicht schaffen könnte. Thomas Meyer gab sich in dem Interview mit dem Handelsblatt optimistisch. Die Schuldenkriste der Griechen sei ein für die EU zu bewältigendes Problem. An ein Auseinanderbrechen der Währungsunion glaube er nicht, das könne lediglich geschehen, wenn sich die Währungsunion zu einer „Weichwährungsunion“ beziehungsweise einer „Transferunion“ entwickle, also die Steuerzahler eines Landes es finanzierten, wenn die eines anderen über ihre Verhältnisse lebten. Hilfe für Wackelkandidaten, so die Meinung Meyers, dürfe es nur unter strikten Voraussetzungen geben. Würden diese nicht eingehalten, so müsste es Kriterien zur „schonenden Abwicklung einer Staatspleite“ geben. Meyer hat entsprechende Vorschläge erarbeitet, deren Strategie es ist, einen Fonds zu gründen, der im Fall einer Staatspleite die Forderungen des betreffenden Landes aufkauft. Einem solchen Sicherungsfonds dürfe allerdings nur beitreten, wer strikte Auflagen zur Führung seiner Staatsbilanzen erfüllt, damit es nicht, wie im Falle Griechenlands, passieren könne, dass die Euro-Staaten durch gefälschte Staatsbilanzen getäuscht werden könnten, so Meyer.
Was Portugal betrifft, so Meyer, da könne die EU möglicherweise noch Garantien abgeben. Spanien dagegen müsse beweisen, dass es auf eigenen Beinen stehen, sich anpassen und eine passende Strategie entwickeln könne. Wenn Spanien dies nicht schaffe und ebenfalls Garantien durch die EU einforderte, würden auch Deutschland und Frankreich langsam in die Knie gehen.
Meyer zeichnete in dem Interview allerdings ein optimistisches Bild der Spanier: Spaniens Banken seien von der Kreise durch ihre funktionierende Bankenaufsicht weitgehend verschont geblieben, das Land habe eine saubere Fiskalpolitik und – auch mit Blick auf Deutschland – eine vergleichsweise niedrige Staatsverschuldung. Außerdem habe das Land in der Vergangenheit bewiesen, dass es sich auf wirtschaftspolitische Ziele einigen und auf diese zusteuern könne. So will Spanien sein Haushaltsdefizit von heute 11,4 Prozent bis 2013 unter die in der Eurozone erlaubten drei Prozent drücken und dafür mindestens 50 Milliarden Euro einsparen.
Ganz ausschließen wollte Meyer den „worst case“, den Rückfall in eine neue Rezession, allerdings nicht. Eine Staatspleite in der Euro-Zone könne ein neues Desaster auslösen. Wenn Griechenland tatsächlich pleite ginge, so der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, könnte es möglicherweise ein zweites Lehman Brothers geben.
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