30-5-2011 Lanzarote - Der Frankfurter Künstler Alexander Luzius Ziermann beschäftigte sich in seinen Arbeiten schon immer mit der Natur. Zuerst bannte er sie in knalligen Farben auf lose Leinwand und überlies es dem Trockenvorgang, für eine ausgeprägte Dreidimensionalität des Werkes zu sorgen. Inzwischen sind ihm seine künstlich erschaffenen Landschaften zu klein, zu eng, zu unvollkommen. Beim Arbeiten in und mit der Natur wollte er diese nicht mehr abbilden. Vielleicht weil kein Format, und sei es noch so groß, und kein Pinselstrich, und sei er noch so genial, die Wirklichkeit so spiegeln konnten, wie Luzius Ziermann es sich vorstellte. Im Umkehrschluss fand der Künstler seine Lösung: Er wollte signieren, was bereits geschaffen war. Die Landschaft erhöhen, indem er Aufmerksamkeit auf sie lenkt. 2506 alte Auto-Außenspiegel machte er sich zum Werkzeug, um außergewöhnlichen Landschaften auf allen Kontinenten mit seinem Symbol für Licht zu signieren. Im Interview spricht er über seine jüngste Spiegel-Installation auf Lanzarote.
Lanzarote und die schönen Künste. Eine zwiespältige Sache. Geprägt vom allgegenwärtigen Künstler und Inselsohn César Manrique, der in jede weißgetünchten Fassade - sei sie auch noch so hässlich – hineininterpretiert wird, und dessen Werk von Touristenführern im Schnelldurchgang auf schonende Inselarchitektur und nette Landschaftsdekoration reduziert wird, lässt dieses Eiland scheinbar wenig Raum für andere Künstler. Es irrt auch, wer annimmt, dass Bewohner oder Politiker, deren Insel so sehr von einem einzigen Künstler profitiert wie Lanzarote, besonderes Interesse für andere Vertreter dieser Zunft aufbrächten, sie besonders willkommen hieße oder etwa einlüde, in Anknüpfung an die Arbeit des berühmten Inselsohnes Manrique, eine Periode ihrer Schaffenszeit nach Lanzarote zu verlegen. Nein. Der Kunst und ihren Protagonisten steht man auf unserer Atlantikinsel ebenso gleichgültig und skeptisch gegenüber wie an jedem x-beliebigen anderen Ort. Manrique hin oder her. Wenn ein Künstler dazu nützt, Touristen einen Ausflugstag lang die Zeit zu vertreiben, gut. Wenn seine Ideen noch aus dem Grab heraus lukrative Bauprojekte verhindern, wird auch der beste Promotor der Insel einfach nur noch lästig. Und Künstler können schnell mal lästig werden, damit hat man auf Lanzarote Erfahrung.
Und ausgerechnet diese Insel hat sich der Frankfurter Künstler Luzius Ziermann (51) für seine Installation „Signatur des Lichts“ ausgesucht. Eine für ein ungeübtes Kunstpublikum eher sperrige Arbeit, deren Ästhetik und Symbolik sich einem nicht auf den ersten Blick eröffnet und schon gar nicht, wenn man glaubt, sie erschlösse sich, indem man sich ihr auf Augenhöhe nähert. Das geht nämlich kaum. Wer nicht in der Lage ist abzuheben, wenigstens im physischen Sinne, dem erschließt sich das Ziermannsche Werk schwer. Wer darüber hinaus auch nicht in der Lage ist, mit den Mitteln der Fantasie abzuheben, dem blieb nur ein ratloser Blick auf 2506 alte Auto-Außenspiegel, scheinbar willkürlich verteilt auf einem Acker im Norden von Lanzarote, nur wenige Meter neben dem Mirador del Rio.
Ziermanns Spiegel liegen natürlich nicht willkürlich herum und der Künstler ist auch nicht rein zufällig auf Lanzarote gestoßen, um tausende von Autospiegeln so anzuordnen, dass sie – von oben gesehen – sich zu seinem Symbol, dem Zeichen „Luzius“, seiner „Signatur des Lichts“ fügen. Ziermann will damit außergewöhnliche Landschaften auf unserer Erde signieren, auf deren Besonderheit und Schönheit aufmerksam machen, deren Schöpfung erhöhen.
Im Interview erzählt er von seinem Werk und den Schwierigkeiten, es zu verwirklichen.
Herr Ziermann, Sie setzten Ihre Signatur im Riesenformat in eine Landschaft. Wie sind Sie auf diese Idee gekommen?
Zuvor habe ich Landschaften gemalt. Acryl und Pigmente auf nicht aufgezogener Leinwand. Erhabene Strukturen, die aussahen wie Landschaften von oben. Jetzt signiere ich ganze Landschaften.
Wieso gerade dieses Zeichen, hat es eine besondere Bedeutung?
Es ist ein Teil meiner Unterschrift, extrahiert und grafisch aufbereitet. Die vertikale Linie steht für das Licht, das von oben scheint, und für die Längengrade. Die horizontale Linie steht für die Fläche, auf die das Licht trifft, und die Breitengrade. Das geschwungene Oval für die Dynamik der Drehung der Erde um ihre stärkste Lichtquelle, die Sonne. Die beiden Punkte symbolisieren Sonne und Mond.
Sie verpassen mit Ihrer „Signatur des Lichts“ Landschaften sozusagen Ihren Stempel. Was bleibt, wenn Sie Ihre Installation wieder abgebaut haben?
Wellen, Menschen die davon erzählen und Fotos. Ich plane mit einem Münchner Galeristen eine Ausstellung mit großformatigen Fotos meiner Installationen.
Wenn ein Künstler ein Werk bearbeitet, geht er eine Beziehung mit diesem ein, zum Schluss wird es signiert. Welche Beziehung haben Sie zu Lanzarote?
Bitte nicht falsch verstehen: Nicht ich signiere die Landschaft, sondern das Licht signiert die Landschaft mit Hilfe meiner Installation. Im übertragenen Sinn signiert die Natur sich also selbst und ich bin nur ein Medium.
Mit Lanzarote haben Sie eine Insel ausgewählt, die von einem Künstler geprägt wurde, der sich ebenfalls intensiv mit Natur und Landschaft auseinandergesetzt hat. Was sagt Ihnen César Manrique?
An Manrique kommt man auf dieser Insel nicht vorbei. Was er gemacht hat ist fantastisch. Dieses erdige, sehr sehr naturverbundene, sein Dialog der Kunst mit der Natur, dazu habe ich einen starken Bezug. Aber die Insel muss sich auch von Manrique emanzipieren. Sein Werk ist unbedingt wertzuschätzen, aber es sollte mehr Raum für andere künstlerischen Ideen und andere Künstlerpersönlichkeiten geschaffen werden.
Keine Angst, dass die Tourismusindustrie ihre Arbeiten missbraucht? Irland ruft schon nach Ihnen.
Nein. Im Gegenteil. Ich installiere mein Werk nicht an x-beliebigen Orten. Ich akzentuiere ganz besondere Landschaften. Das Gelb der namibischen Wüste, das Schwarz Lanzarotes, das Grün Irlands, Wasser, Eis… Es gib viele prägnante Landschaften. Vielleicht wird mein Lichtzeichen für bestimmte Landschaften sowas, wie es die Gelbe Banane des Bananensprayers Thomas Baumgärtel es für gute Kunstausstellungen ist. Ein Gütesiegel für wunderbare Orte auf unserer Erde. (Lacht.)
Wohin bringen Sie Ihre Außenspiegel als nächstes?
Im August bringen wir unsere Installation nach Irland, wohin genau, wird noch nicht verraten. Danach wird man sehen. Ich habe viele neue Ideen und vielleicht sieht mich Lanzarote ja schon bald wieder.
Mehr auf:
www.luzius.de
www.signaturdeslichtes.de