2-10-2011 Gelegentlich kann man in den Barrancos Lanzarotes Kaninchenjäger bei der Arbeit beobachten. Begleitet werden sie von Jagdhunden: den kanarischen Podencos. Lanzarote37° stellt Ihnen diese Rasse vor.
Drei Hunderassen sind auf den Kanarischen Inseln heimisch: der Majorero Canario, der Dogo Canario und der Podenco Canario. Gemäß ihrer Eigenschaften sind sie grob einzuteilen in Hütehunde, Pack- und Wachhunde sowie Jagdhunde.
Spanien und Portugal sind Heimat mehrerer Podenco-Rassen, die die Fédération Cynologique Internationale (FCI, Internationaler Dachverband aller Hundevereine) anerkennt: der Podenco Ibicenco auf den Balearen, der Podengo, so geschrieben, Português und der am wenigsten über die Grenzen der Iberischen Halbinsel hinaus bekannte Vertreter dieser Rassen, der Podenco Canario.
Liegt der Ursprung des Podenco in Ägypten?
Der kanarische Podenco ist ein mediterraner windhundähnlicher Jagdhund, dessen Ursprünge man in Ägypten vermutet. Dies ist wissenschaftlich jedoch nicht belegt. Eine hohe Wahrscheinlichkeit besteht, dass sich die untereinander ähnlichen Hunderassen des Mittelmeerraums und die nahe dem Menschen lebenden Pariahunde aufgrund von vergleichbaren räumlichen Bedingungen parallel entwickelt haben, und dadurch die Gemeinsamkeiten im Aussehen zu erklären sind. Ungewiss ist auch, wie die Hunde, welche mit den kanarischen Ureinwohnern lebten, ausgesehen haben. Immerhin scheint gesichert, dass die Hunde vergleichsweise eng mit den Menschen zusammen lebten.
Ein athletischer Jäger, der meist nicht im Haus gehalten wird
Der Podenco Canario wird aufgrund seines hohen Jagdinstinkts ausschließlich zur Kaninchenjagd gezüchtet, wobei er auch als privater Haushund gehalten wird, dabei in aller Regel jedoch nicht mit seiner Familie im Haus lebt.
Die Statur des Tiers mutet grazil, gleichzeitig athletisch an: länglicher, schlanker Körperbau bei mittlerer Größe. Da Podencos kein Unterhautfettgewebe haben, zeichnen sich die Rippenknochen, die
Wirbelsäule und Hüftknochen deutlich ab, ebenso sieht man Muskelkontraktionen durch die Haut. Der Körperbau des Hundes ist perfekt auf die widrigen Bedingungen der Inseln eingestellt: Mit ihren auffallend großen Pfoten und den langen, flexiblen Zehen finden sie selbst auf schwierigem Untergrund, z.B. auf dem lockeren, scharfkantigen vulkanischen Gestein, optimalen Halt. Ebenso dem Gleichgewichthalten dient der lange Schwanz, mit dem der Hund Sicherheit im Gelände findet. Die Kopfform ist lang und
schmal mit auffallend großen Stehohren, die Fledermausassoziationen wecken. Die Farbskala reicht von roten Vertretern der Rasse bis zu komplett weißen oder sandfarbenen. Viele rote Podencos haben weiße Zeichnungen, die bevorzugte Variante der Züchter, und es gibt auch gescheckte Exemplare. Gelegentlich werden ebenso Vertreter mit schwarzer Pigmentierung gezüchtet, die allerdings nicht den offiziellen Rassestandards genügen, aber dennoch als Podencos bezeichnet werden.
Bei Jägern spielt ohnehin nur der Gebrauchswert des Tieres eine Rolle, seine Färbung ist nur in der Zucht interessant. Die Schwanzspitze vieler Podencos ist weiß. Im Gegensatz zu den anderen Podenco-Rassen kommt die kanarische Form nur als glatthaarige Variante vor.
Der Podenco jagt mit allen Sinnen
Die Lauffreudigkeit der Tiere ist enorm hoch und bei der Jagd von großem Nutzen. In Kombination mit einer sehr guten Witterungsgabe, sowohl über den Geruchssinn – wobei Kaninchen über keinen ausgeprägten Eigengeruch verfügen – als auch das Gehör, ist die Erfolgsquote des kanarischen Podencos beim Jagen sehr hoch. Die Art des Podenco Witterung aufzunehmen, unterscheidet sich maßgeblich zu der der Windhunde, welche ausschließlich nach Sicht jagen.
Zur Kaninchenjagd, die auf Lanzarote nur donnerstags und sonntags während der Jagdsaison von Anfang August bis Mitte November erlaubt ist, nimmt ein Jäger mehrere Podencos mit, die zunächst als Fährtenhunde dienen. Den Beutefang der Hunde unterstützt ein Frettchen (un hurón). Hat der Hund ein Kaninchen aufgespürt, setzt der Jäger ein Frettchen in den Bau, welches das Kaninchen ins Freie treibt. Dort erbeutet der Podenco das Tier und apportiert es dem Jäger, bzw. kümmert sich der Jäger um das Erlegen des Tiers.
Während eines kurzen Zeitraums innerhalb der Jagdsaison ist es den Jägern erlaubt, die Kaninchen mit einer Flinte zu erlegen. Hierbei passiert es allerdings, dass die Kaninchen nicht richtig getroffen werden und elendig sterben. Der Genickbruch durch den Podenco ist somit vorzuziehen.
Sanftmut, Ausgeglichenheit und wenig Aggressionspotential
Das Wesen der Podencos ist sanftmütig, ruhig und ausgeglichen. Fremden gegenüber sind sie weitaus weniger scheu und misstrauisch, als man dies von anderen Rassen gewöhnt ist. Möchte man ein Tier streicheln, sollte man selbstverständlich Vorsicht walten lassen, jedoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Hund ängstlich, gestresst oder gar aggressiv reagiert, sehr gering. Auch untereinander zeigen sie keine Zeichen von Aggression oder Konkurrenz.
Die besondere Beliebtheit dieser Hunderasse äußert sich auf regelmäßig stattfindenden Hundeschauen auf allen Inseln. Bei den stets gutbesuchten Veranstaltungen mit hohen Teilnehmerzahlen präsentieren die Züchter voller Stolz ihre Tiere, die begutachtet und in verschiedenen Kategorien gekürt werden.
Die Vorstellungen von einer guten, tiergerechten Haltung gehen in Spanien und Deutschland sehr stark auseinander. Auch wenn man meinen möchte, dass Deutsche weitestgehend besser mit anderen Lebewesen, gerade den ihnen nahestehenden Tieren, umgehen als Spanier, muss bei aller Fairness gesagt werden, dass nicht jeder Podencohalter seine Tiere schlecht behandelt oder gar quält.
Ausführliche Informationen zum Podenco Canario inklusive Rassestandard der FCI finden Sie auf folgender Homepage:
www.kelb-tal-fenek.de/podcan