D  english    espanol
deutschenglishespanol
Freitag, 18. Oktober 2019
  Anzeigen
 
Startseite
 
 
» Lokales
Kurzmeldungen
Freizeit
Wissenswertes
Serie
Essen & Trinken
Gesundheit
 
 
Künstler sehen Lanzarote
Fotogalerie
Veranstaltungskalender
Kleinanzeigen
Immobilien
Ferienhäuser-/ Apartments
Stellenangebote/-gesuche
 
 
Branchenverzeichnis
Leserbriefe
Abonnements nicht möglich
Werbebanner
Impressum
Kontakt
Links
 
 
Archiv
 
Archivsuche  
 
 
 
Lokales, Wissenswertes

Trotz einstigem Verbot vom Pabst:
Teguise feiert seinen „Rancho de Pascua“

Von: Diogenes von der Töss



Die Feierlichkeiten in Teguise haben eine lange Tradition.





Das Plakat stammt aus den 60er Jahren


Das Bild zeigt eine Ankündigung aus dem Jahre 1935











Wenn sich am Heiligen Abend in Teguise auf dem Plaza de la Constitución und in der Iglesia de Nuestra Señora de Guadelupe die Menschen treffen, um die Geburt Jesu zu feiern, dann wird dort gleichzeitig ein wichtiges und traditionsreiches Stück kanarische Geschichte zelebriert, das vor allem im Laufe der letzten 150 Jahre in der ehemaligen Inselhauptstadt gegen große Widerstände am Leben erhalten wurde.

 

Tanz und fröhliche Lieder
Es rasselt und scheppert, es wird getanzt und gerufen. Am Abend des 24. Dezember kann man neben den klassischen und eher stillen Weihnachtsbotschaften des Pfarrers und der Gemeinde ein lautstarkes Spektakel in der Kirche erleben, das aus uralten kanarischen Traditionen und christlichem Brauchtum eine ungewöhnliche Mischung macht. Während des „Rancho de Pascua“ werden Loblieder gesungen auf die Geburt Jesu, auf Maria und Josef, aber die Canarios ehren ebenfalls ihre Inseln, preisen die Erde, die sie ernährt und sind insgesamt einfach ein bisschen fröhlicher am Heiligen Abend, als man dies aus klassischer christlicher Tradition kennt. Genau diese Fröhlichkeit, der Tanz und die Lautstärke sind es, die der kanarischen Tradition des „Rancho de Ánimas“ zwischen dem 18. und dem 20. Jahrhundert fast ihren Boden entzogen hätte.
Im Jahre 1417 gründete der Franziskaner-Orden in Famara ein kleines Oratorium, kurz bevor Teguise zum politischen, geistigen und religiösen Zentrum Lanzarotes wurde. Die Franziskaner brachten ihre eigenen Traditionen mit auf die Insel, eine Mischung aus maurischer, portugiesischer und spanischer Kultur. Die älteste Pfarrgemeinde der Kanaren, eben jene von Teguise, wurde im Jahre 1455 gegründet.
Vom spanischen Festland schwappte im späten 16. Jahrhundert der Brauch der „Ranchos de Ánimas“ auf die kanarischen Inseln herüber. Von November bis Februar wurde ursprünglich von Tür zu Tür für die verstorbenen Seelen gesammelt, dabei tanzte man und sang Lieder mit deutlich orientalischem Einschlag. Und auch an den verschiedenen Messen zum Weihnachtsfest vom 16. bis zum 24. Dezember in Teguise, hatte der Rancho seinen Anteil.

Juan Cristósomo Garcia

Die „Cofradía de Ánimas“, also die „Bruderschaft der Seelen“, hatte ihren Platz im Convento de San Francisco in Teguise und die alljährliche Sammlung der Gelder für die verstorbenen Seelen stellte die Haupteinnahmequelle der Brüder dar. Weil jedoch in diesem Rahmen ein Totenkult, heidnische Rituale, Hexerei und eben „Aberglaube“ gepflegt wurden, wurde der Cofradía de Ánimas durch die Inquisition, durch die Gründung der „Bruderschaft Unserer Señora del Carmen“ (1729) und durch die Versteigerung ihres gesamten Besitzes, der Boden ihrer Existenz entzogen.
Nichtsdestotrotz waren viele Einflüsse des Rancho bereits in der Kultur in und um Teguise fest verankert. Zwar hatte sich die alte Bruderschaft aufgelöst und der Rancho zog nicht mehr von Tür zu Tür, aber aus den jährlichen Weihnachtsfeierlichkeiten auf Lanzarote waren viele der alten Traditionen nicht mehr wegzudenken. Insbesondere verdanken wir die in der Gegenwart gepflegten Traditionen, Lieder und Tänze einem gewissen Don Juan Cristósomo Garcia, der zum Ende des 19. Jahrhunderts und bis zu seinem Tode im Jahre 1933 die alten Bräuche lebendig erhielt.

Die Prohibition
Und Don Juan Cristósomo hatte zu Beginn des 20. Jahrhunderts einen besonderen Kampf zu kämpfen: Im Jahre 1904 gaben die Bischöfe der Kanaren eine Anordnung des Papstes Pius X. heraus, die „klirrende, rasselnde Instrumente wie Tamburine, Gitarren etc. in den Kirchen und besonders während der Weihnachtsmessen“ ausdrücklich verboten! In der Folgezeit verschwanden vielerorts die Traditionen des Rancho aus den Kirchen, nicht aber in Teguise selbst. Mittlerweile unabhängig von irgendeiner Bruderschaft und bereits in den Herzen der Einwohner fest verankert, wurden die alten Tänze und Lieder auch weiterhin in der Kirche aufgeführt und Teguise wurde vor allem am Heiligen Abend zum Pilgerort aller Einheimischen, die sich mit ihrer eigenen Kultur und Tradition, gemischt mit christlichem Glauben, identifizierten und auf den Rancho während des Weihnachtsfestes nicht verzichten mochten. Aus dem „Rancho de Ánimas“ wurde, da nun auf die Weihnachtstage beschränkt, der „Rancho de Pascua“. Und Don Juan Cristósomo wurde zum großen Mäzen dieser Tradition, zum Direktor des Rancho und der Theatergruppe, schrieb selbst einige der bis zum heutigen Tage in unveränderter Form gesungenen Lieder und Texte. Die Zeitung „El Defensor de Canarias“ schrieb am 31. Dezember 1934, auf ihrer Titelseite: „Es ist fast unmöglich, den Enthusiasmus der Menschenmenge zu beschreiben, die sich alljährlich am Heiligen Abend hier in Teguise versammelt“. Auf Eseln und Kamelen, mit Fuhrwerken und zu Fuß strömten die Menschen von der gesamten Insel in Teguise zusammen, um die heilige Nacht in stillem Frieden, gepaart mit kanarischer Stimmung gemeinsam zu feiern.

Trotz Bann gefeiert

Im Rahmen der vom Papst ausgesprochenen Prohibition blieben die rasselnden und lärmenden Instrumente in der Kirche verboten, und der Rancho wurde im Jahre 1944 gar ganz aus der Kirche verbannt. Aber die Bürger von Teguise setzten sich zur Wehr und schrieben, angeführt von dem damaligen Bürgermeister, einen offenen Brief an den verantwortlichen Bischof, der die Wichtigkeit dieser Tradition für die Bürger von Lanzarote verdeutlichen sollte: „Der Rancho wird auch weiterhin in der besagten Heiligen Nacht zu Ehren der Geburt Jesu Bestandteil der Feierlichkeiten sein. Nicht nur, damit eine auf der gesamten Insel gepflegte Tradition nicht verloren geht, sondern auch damit die Bewohner dem Herrn ihre Huldigung auf jene Art erweisen können, die schon seit Generationen gepflegt wird.“ Schon ein Jahr später zog der Rancho mit ungebrochener Kraft am heiligen Abend wieder in die Kirche von Teguise ein.
Traditionen vereinigt
Auch wenn im Jahre 1947 von höchster kirchlicher Seite erneut auf dem unbedingten Verbot besagter Musikinstrumente bestanden wurde, konnte dies die Tradition nun nicht mehr stoppen. Man tanzte nun den Tanz während des „Salto“ (siehe Kasten) zwar außerhalb der Kirche, aber sonst blieb alles beim Alten. Und bis zum heutigen Tage hat sich an den Feierlichkeiten am Abend des 24. Dezember nicht mehr viel geändert. Die Instrumente bleiben in der Kirche, und immer noch ist Teguise an diesem Abend Treffpunkt für viele, nicht nur traditionsbewusste Einwohner Lanzarotes. Der Rancho und die Messe werden getrennt voneinander abgehalten, die Prozession tanzt auf dem Platz vor der Kirche, viele Bars und Restaurants haben geöffnet und laden ein zum Mitfeiern auf den Strassen um die Kirche Unserer Señora von Guadelupe ein. Und so wird es wohl auch in der Zukunft, allen Beschlüssen der Obrigkeit zum Trotz, auch bleiben. Der Schriftsteller Don Agustín de la Hoz bemerkt über die Tradition des Rancho: „Der Rancho de Navidad ist Ausgangspunkt der religiösen Geschichte der Insel, eine der frühesten Ausdrucksformen des Christentums auf Lanzarote, ein heiliger Bogen wird gespannt zwischen kanarischer und christlicher Tradition“.

 


Klassische Bestandteile des „Rancho de Navidad“

Rancho Chico und Rancho Grande
Aufteilung der Tanz- und Musikdarbietungen in zwei Altersklassen: bis ca. 16 Jahre im „Rancho Chico“ und ab diesem Alter im „Rancho Grande“.

Instrumente:
Mehrere Tamburine
Mehrere Schwerter (Espadas)
Zwei Triangeln
Sechs Rasseln
Zwei Kastagnetten
Eine Timple
Zwei oder mehr Gitarren
Eine kleine Gitarre (Requinto)

Musikalisch aufgeteilt ist der Rancho in 4 Teile:
„El Corrido“ – Einmarsch in die Kirche und Verkündigung der Geburt Jesu
„El Salto“ – Tanz der Pastoren
„Desechas“ – Chor und Solisten singen, eher ein wenig getragen, die Weihnachtsbotschaft
„Pascuas“ – fröhliche, jubelnde Verse, wenngleich mit etwas monotonem, liturgischen Hintergrund. Zu Ehren der hl. Drei Könige und der Geburt Jesu


Fotos: Mit freundlicher Unterstützung des Archivo Histórico de Teguise.
(12/06 N°5) 



<- Zurück zu: Lokales  

Lanzarote - Türen & Fenstr aus Aluminium oder PVC
Location Properties - Immobilienmaklerin Stephanie Lehrmann
Anwältin auf Lanzarote - Felicitas Hofacker Tel: 0034 - 630 79 11 56
La Mendoza - Immobilienmaklerin Angelika Oberländer
Restaurant La Puerta Verde - Sehr empfehlenswertes Restaurant im Norden der Insel
Villas Canarias - Immobilienmaklerin Eva Deible-Siegl
Service Team - Handwerks- & Dienstleistungsunternehmen auf Lanzarote
Immobilien auf Lanzarote - Intervalmarketing Klaus Piesch
Lanzarote Arzt -  Dr. Karl Kunze mit 24h Rufbereitschaft unter 0034-928 835 509
Computerberatung auf Lanzarote - Schulung, Kurse, Beratung und Hilfe
UNINEX - Büroservice, Behördengänge und Hilfe für Auswanderer - Andrea Lechtape
Iris Kienzle - Papierkram, Behördengänge, Beantragung NIE-Nummer, Residencia, etc
MANZATEC  - Solar- und Klimaanlagen - Sanitär - Installation - Instandhaltung - Umbau
Jon W. Olsen - Immobilienmakler in Playa Blanca
Deutsche Anwältin mit Sitz auf Lanzarote - Alice Baumann
WTU Canarias - Wir unterstützen Menschen, sich mit Hilfe von Körperarbeit, sowie gemeinschaftlichen und künstlerischen Aktivitäten - innerlich wie äußerlich - wieder aufzurichten.
Pflegedienst, ambulante Pflege, Urlaubspflege, Behandlungspflege und Tagesbetreuung auf Lanzarote
Men at Work - Thorsten Merkt - Fachbetrieb für Heizung und Sanitär sowie  Pool- und Solartechnik
Haría-Lanzarote-Markt-Mercadillo-artesanal-Kunsthandwerksmarkt
The Garden Lanzarote - Gartencenter / Gärtnerei in Tegoyo
Canarias Cosmetics - Aloe Vera Kosmetikprodukte aus Lanzarote
Lanzarote Immobilien - Ines Kampfer - IK-Immobilien in Costa Teguise - Tel: 0034 - 639 81 57 35
Umzüge-Internationale Transporte von und zu den Kanarischen Inseln
Lanzarote - Ferienapartments
Offizielle Tourismusseite Lanzarote - Alles für Ihren Urlaub auf Lanzarote
Ferienwohnungen - Ferienapartments - Villa la Vega Lanzarote

 
© conceptnet
  Startseite  |   Lokales  |  Kurzmeldungen  |  Freizeit  |  Wissenswertes  |  Serie  |  Essen & Trinken  |  Gesundheit  
  Künstler sehen Lanzarote  |  Fotogalerie  |  Veranstaltungskalender  |  Kleinanzeigen  |  Immobilien  |  Ferienhäuser-/ Apartments  |  Stellenangebote/-gesuche  
 Branchenverzeichnis | Leserbriefe | Abonnements nicht möglich | Werbebanner | Impressum | Kontakt | Links