Das Quintins bietet auf zwei Ebenen Platz für 50 Gäste. Ein paar Stufen hoch zum Entre, wenig marktschreierisch die Einblicke durch die beiden Schaufenster und die Eingangsanlage in schlichter schwarzer Sprossenkonstruktion auf weißer Wand. Der untere Gastraum wird erreicht über eine großzügige Treppenanlage mit Lichthof, in dem ein, die Etagen verbindender, wunderschön farbiger Gobelin der Künstlerin Petra Peschkes hängt, mit einer persönlichen Widmung für den Inhaber und Koch Fionan O'Sullivan.
Das ganze besticht durch die Eleganz der klar strukturierten Räume, Wände und Decken in weiß, nur wenige kleinformatige Bilder, Licht aus Wandschalen und Deckenspots. Sehr passend auch der großformatige Fliesenboden im Terracottalook. Der untere Gastraum punktet mit einer beeindruckenden Vinothek, der obere mit einer raumabschließenden offenen Küche, in dem vier Köche und ein Spüler geordnet durcheinander wuseln.
Das Quintins war vollbesetzt - vergleichbare Restaurants haben da heutzutage schon richtige Probleme – entsprechend laut der Lärmpegel aus der Küche. Fatalerweise versuchte das Personal mit zusätzlicher Musikbeschallung dem entgegenzuwirken: Dieser Geräuschematsch verhinderte fast jedes Gespräch. Für Abhilfe würde eine von der Decke über die gesamte Breite abgehängte Glasblende sorgen, der Schall wäre gebrochen und liefe nicht mehr ungebremst über die Deckenfläche in den Gästebereich. Dann noch die Kaufhausmusikbedudelung ausschalten, das wäre perfekt.
Perfekt war allerdings, was die Küche auf den Tisch zauberte. Hier sei der Hinweis erlaubt, dass O'Sullivan im Hotel de Paris in Monte Carlo unter Alan Ducasse gearbeitet hat. Die Karte ist klein aber fein: Elf Vorspeisen von 5,50 bis 8.95 €, zwölf Hauptgänge von 12,95 bis 18.95 €. Eine gesonderte Nachspeisen- und Käsekarte von 7,50 bis 8,95 €. Ein paar Gerichte noch als Tagesangebot.
Runde vierzig Positionen auf der Weinkarte, die braven allseits bekannten Standardsorten, ein bisschen was aus Übersee, wir entschieden uns für einen Kumala 2003 aus Südafrika Western Cape für 16,95 €. Der wird aus den Traubensorten Merlot und Pinotage gekeltert, leuchtendes Rot, Aromen von Beeren und Kirschen, etwas Minze, am Gaumen leicht rauchig, wenig Säure und samtige Tanine. Die Vorspeisen: Confit of Duck: in einem Krupuk-Körbchen ein mit Balsamico fein abgewürzter Salat mit Enten- und Speckstückchen, umrahmt mit einer leicht pfeffrigen Beerensauce. Der Quintins Caesar Salad: Zwischen Parmesanplätzchen aufgeschichtete Lechugasalatblätter mit einer Käsesahnesauce, Serrano und Croutons, geschmacklich und optisch hervorragend. Thai Fisch Cakes: Fischfilets im hauchdünnen Bierteig kross ausgebacken, dazu ein Reisnudel-Sprossensalat mit einem Schälchen Chutney. Seafood chowder: auf den Punkt gedünstete unterschiedliche Fischstücke, Meeresfrüchte und Gemüse umgossen von einer Fischconsommé, einfach klasse.
Die Hauptgänge: Chard Beef Fillet: auf einem rund ausgestochenen Kartoffelgratin eine gleichgroße Scheibe Rinderfilet, überhäufelt mit einem Wildpilzragout, dazu, drumherum angerichtet, knackig frisches Gemüse und etwas Selleriepüree. Barberry Duck cherry port: rosa gebratene Entenschenkel und Scheibchen von Entenbrust mit knackiger Haut, in Port angewärmte frische Kirschen und Kartoffelpüree. Lamb shank: butterzartes Lammkarre aus dem Ofen, angerichtet auf mit Honig angeschmortem Gemüse, dazu ein Würfel Kartoffelgratin, umgossen von einer Minzesauce, eine gelungene Hommage an die irische Küche.
Die Köche arbeiten perfekt, die Gerichte auf angewärmten Tellern wurden vom Service zeitgleich serviert. Die beiden für die Tische zuständigen Damen waren überaus freundlich und unaufdringlich bemüht, alle Wünsche zu erfüllen. Aus den Nachtischen teilten wir uns dann noch Chocolate Nemesis, ein Türmchen aus Schokokuchen und Mousse au Chocolate, garniert mit Schokogittern und Fruchtsauce. Dann noch Caramelized Apple Steam Pudding, eine leckere Kombination von Biskuit, karamellisierten Äpfeln und Vanillecreme mit einer Apfelweinsauce. Sehr zu empfehlen. (Restauranttest 29)
Quintins Restaurante, Avenida Juan Carlos 1, 25G, Puerto del Carmen, Lanzarote, Tel. 928 515 755, Öffnungszeiten: 19 – 23 Uhr, sonntags geschlossen.