 Malerisch gelegen, auf einer Anhöhe zwischen Haría und Maguez, betreibt Frederik das urige, familiäre Restaurant, berühmt für seine Grillspezialitäten, seine kanarisch-internationale Küche und hausgemachten Desserts. Foto: Lanzarote37°/La Frontera
Während unsere vierjährige Mini-Testerin begeistert durch den Restauranteingang gleich in den Spiele-Patio abbog, genossen wir erstmal die Ruhe, den traumhaften Blick über die Berghänge hinunter ins Tal nach Máguez und in der Ferne auf den Monte Corona. Das Mesón La Frontera befindet sich in einer kleinen Straße links am oberen Ortausgang von Haría Richtung Mirador del Rio. Der Ort Haría, gelegen im Tal mit den vielen Palmen, tausend sollen es sein, mit einer fast noch intakten Bausubstanz, letzter Wohnort von César Manrique, dem großen Künstlersohn der Insel, und nur tagsüber mit etwas Touristenrushhour im Zentrum. Das Restaurant hat eine halbschattige Terrasse, ist es warm, sind deren Türen weit geöffnet. Man sitzt drinnen wie draußen bestens an Zweier- und Vierertischen, immer mit viel Aussicht. Abends vermittelt der durch die niedrige Holzbalkendecke dominierte Raum mit dem Raucharoma des offenen Grills die intime Holzfällerromantik einer Gebirgshütte. Die etwas verschachtelte Raumfolge, die geschickt platzierten Weinfässer mit allerlei Gläsern und Kerzenleuchtern, viele große Pflanzen einzeln oder im Verbund im mittig gemauerten Beet, fangen den Blick, schaffen gemütliche Essbereiche. Dazu passt auch die über die Jahre angesammelte bäuerliche Kleinkunst und der antike Hausrat, die unter die Decke gehängten knorrigen alten Weinstöcke mit den fast echten Plastiktrauben, die familiäre Fotoecke, der zentrale Grill, auf dem das Fleisch brutzelt und der Geruch das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt. Versteckt eine winzige Bar mit einer Weinkemenate und Weinkühlschrank. Mehr als 50 Positionen enthält die gesonderte Weinkarte. Wir gönnten uns den Heras Cordon Reserva 2001, einen mit Eiweiß geklärten, exzellenten Rioja mit dem typischen Vanilleton, ein Wonnetropfen für 28 €, idealer Begleiter für dunkles Fleisch. Unser Holztisch - schon etwas vernarbt - hatte in der Mitte eine flächenbündig eingelassene Glasplatte, darunter einen flachen Holzkasten, gefüllt mit kleinen weißen Bohnen. Der sofortige neugierige Blick und beiläufige Gang zu den anderen Tischen bestätigte dieses liebevolle Detail, mit unterschiedlichsten Füllungen. So kann Gast seinen Lieblingsplatz aussuchen und bei der Reservierung den Kichererbsentisch, oder so, ordern. Gut im Blick, neben dem mit allerlei Lobgesang gefülltem Gästebuch auf der Kommode, noch eine Stelltafel mit handschriftlich in Kreide vermerkten Tagesspezialitäten: neben Tagesfisch gab’s Presa vom Ibérico, dem freilaufenden hochbeinigen Schwein, welches so gerne Eicheln futtert und deshalb so köstlich schmeckt, wenn es denn der Grillmaster drauf hat. Er hatte es, aber wie. Ein mehr als halb-pfundschweres ganzes Stück Presa, frisch vom Rost, zart rosa innen, saftig glänzend außen mit leichter Kruste, einfach begleitet von frischem Rotkrautsalat und gebackenen Kartoffelecken mit etwas Speck und Zwiebeln, 14,50 €. Genauso perfekt von der Holzglut und großzügig bemessen war das Solomillo vom Novillo, 13,50 € und der Spieß mit Filetstücken vom Rind und Schwein, sich abwechselnd mit Paprika und Zwiebel, 10,50 €. Das war was für ordentliche Esser und nichts für abgespreizte kleine Finger. Eine handfeste und sehr wohlschmeckende Küche, die sich so auch in den Vorspeisen präsentierte: Der gebackene Ziegenkäse, reichlich und weichknusprig mit einem großen Klacks Feigenmarmelade, 5,50 €, und die frittierten Auberginenstreifen in einem Hauch von Teigmantel als Kontrast mit Honig überträufelt, 6,50 €, das war schon gelungen. Die Potaje del Dia, 4,50 €, stellte sich als deftiger Eintopf aus frischem Gemüse, Fleisch und Hülsenfrüchten dar, der sehr schmackhaft und im Bereich der Anstiftung zur Völlerei anzusiedeln war. Die Nachtische präsentierten sich erst mal abschreckend auf einer Plastikkarte einer wohlfeilen Fabrikeisfirma, bis wir die handschriftlich aufgeführten Hausgemachten entdeckten, alles um die 3,50 €, bis auf den Combinado de La Frontera, 10,00 €, welcher vom Nachbartisch herüberlockte und alles bot, was die Küche so an süßen Leckereien aufrief. Da hätten wir aber die Vorspeisen weglassen müssen. Wir probierten mit vier Gäbelchen das Torrijas de Lanzarote, eine Art arme Ritter mit Palmhonig getränkt. Der freundliche Wirt brachte einsichtig den dringend benötigten Kräuterlikör als Abschluss für einen echt wiederholenswerten Abend.
Restaurante Mesón La Frontera, C./Casas de atrás 4, Mo.-Sa., 12-21:30 Uhr, So. 12-17 Uhr. Tel.: 928 835 310. Restaurantkritik Lanzarote37° „sehr empfehlenswert". www.meson-la-frontera.es
(12/07 N°17)
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