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Lokales

Ein Leben für den Fotojournalismus: Niederländischer Fotograf riskiert Leben für eine Reportage über Afrika-Flüchtlinge

Von: Karl Kunze; Fotos: S. Bernard


Afrikaflüchtlinge, "Joël van Houdt", Fotojournalist, La Graciosa, Immigration, Kanaren, Lanzarote, 37 Grad, 37°, deutsches Inselmagazin, Inselnachrichten, Inselzeitung
Der niederländische Fotograf Joël van Houdt. Foto: Susanne Bernard/Lanzarote37°

Afrikaflüchtlinge, "Joël van Houdt", Fotojournalist, La Graciosa, Immigration, Kanaren, Lanzarote, 37 Grad, 37°, deutsches Inselmagazin, Inselnachrichten, Inselzeitung
Der 27jährige Fotoreporter Joël van Houdt fotografiert La Graciosa - die Insel auf der er mit den Flüchtlingen anlandete - vom Mirador del Rio auf Lanzarote. Foto: Susanne Bernard/Lanzarote37°


14-09-2008 Lanzarote - Am 5. September, als die Nacht hereinbrach, begann für den niederländischen Fotojournalisten Joël van Houdt (27) eine Bootsfahrt, die schon für viele Menschen mit dem Tod geendet hatte. In Marokko stieg Joël - zusammen mit 29 anderen Personen - in ein Flüchtlingsboot. Alle mit demselben Ziel: das gelobte Land Europa erreichen, um dort eventuell ein menschenwürdigeres Dasein leben zu können. Die Fahrt verlief ohne Probleme. Doch die Ankunft für die Flüchtlinge war ernüchternd: alle wurden festgenommen. Joël landete auf einer Polizeistation und wurde elf(!) Stunden verhört. Sein Fotomaterial – wofür er Leib und Leben riskiert hatte – beschlagnahmt.

 

Joël van Houdt ist ein junger Mann von 27 Jahren, aber einer, der, bei aller Sanftheit seiner Umgangsformen, offensichtlich genau weiß, was er will. Das bekommt man aber erst später mit, wenn man länger mit ihm gesprochen hat. Einer seiner Auftraggeber ist beispielsweise Greenpeace. Das führte ihn verständlicherweise nicht unbedingt immer an die gemütlichsten Orte, um sein Brot zu verdienen.

Joël will mit seiner Kamera Geschichten erzählen. Geschichten von Menschen, denen es nicht gut geht, die einen Anwalt brauchen. Geschichten, die mehr aufrütteln als „normale Fotos“, wie er betont. Die macht er zwar auch, denn Gott-sei-Dank muss auch ein Joël van Houdt seinen Lebensunterhalt nicht immer unter Einsatz des eigenen Lebens verdienen,

Das Thema Immigration hatte ihn schon seit einem Jahr nicht mehr losgelassen. Eines der Einfallstore nach Europa, die kanarischen Inseln, war sein Ziel. Fünf Monate hielt er sich, mit Unterbrechungen, in Marokko auf. Lernte dort zwei junge Menschen kennen, mit denen er sich im Laufe der Zeit anfreundete. Nach einem Jahr war es soweit. Als es am 5. September langsam Nacht wurde, schoben 30 Menschen, darunter 15 Jugendliche und eine Frau, ein circa sechs Meter langes Boot ins dunkle Wasser. Erst, als sie draußen waren, beglich er den Rest seines Fährgeldes. 3500 Euro!

Denn es hatte schon vorher zwei „Fluchtversuche“ gegeben, die fehlgeschlagen waren. Joël hatte schon einmal, Monate zuvor, 3500 Euro hingeblättert, aber als er dann an die vereinbarte Stelle kam, gab es weder ein Boot noch einen Schiffseigner. Eine andere Fahrt endete nach wenigen Metern, weil das Boot – ein Schlauchboot – bereits nach wenigen Metern seine Luft verlor. Alles rannte so schnell wie möglich weg vom Strand, und weitere 500 Euro waren mit dieser Aktion in den Sand gesetzt.

Am Abend des 5. September aber lief alles glatt. Die Platzverteilung war der einzig schwierige Punkt, da gab es Streitereien. Die Jüngsten erhielten letztlich die besseren Plätze in der Mitte des Bootes. Joël hatte den angenehmsten Platz, direkt beim Bootsführer, neben den Benzintanks. Aber er hatte auch am meisten bezahlt. Die anderen Marokkaner hatten „nur“ 500 Euro berappen müssen.

Im Interview fragte Lanzarote37°-Reporter Karl Kunze, ob er denn gar keine Angst vor der Überfahrt hatte. Eigentlich nicht, schüttelte er den Kopf, er habe immer positiv gedacht. Er habe keinen Augenblick am Erfolg gezweifelt, nachdem er einmal auf dem Boot war. Zu seiner Ausrüstung gehörten eine Schwimmweste, ein Satellitentelefon und ein GPS.  Letzteres erwies sich als sehr nützlich, weil unterwegs der Kompass auf einmal nicht mehr funktionierte. Wer weiß, ob die Flüchtlinge ohne sein GPS die Insel überhaupt gefunden hätten.

Erst, als am Samstagmorgen die Sonne aufging, wurde den anderen „Passagieren“ mit einem Mal klar, dass auf ihrem Boot ein „weißer“ Passagier war. Und dann wurde es auch langsam Zeit, sich zu erklären. Die Reaktion war freundlich: alle wollten sich unbedingt auf „YouTube“ wieder sehen, erzählt Joël.

Nach anderthalb Tagen, Lanzarote war zum Greifen nah, kam es zum entscheidenden Fehler des Bootsführers. Aus irgendeinem Grund steuerte er die Nordseite von La Graciosa an, statt auf Lanzarote zu landen. Wo soll man sich dort verstecken, auf einer so kleinen Insel, mit maximal siebenhundert Einwohnern? Joël lief nach Caleta de Sebo, um etwas zu trinken zu kaufen, aber da hatten schon längst einige Einwohner die Guardia Civil alarmiert. Und Joël fiel auf, nicht nur, weil seine Lippen verbrannt waren, sich seine Haut schälte, er ohne Schuhe herumlief, die er beim Aussteigen aus dem Boot verloren hatte, sondern weil sein Gesicht und seine nasse Kleidung voller blauer Farbe war: das Boot war kurz vor der Fahrt mit genau dieser Farbe gestrichen worden.

Die Guardia Civil nahm die Flüchtlinge sofort fest, behandelte sie aber nach Joëls Aussagen korrekt.

Joël selbst wurde von Sonntagnachmittag 16 Uhr bis um drei Uhr des Montagmorgens auf einer Arrecifer Polizeiwache verhört. Erst dann brachte ihn die Guardia Civil in ein Hotel. Sein Filmmaterial durfte er aber nicht mitnehmen. Es wurde sofort konfisziert, weil die Polizei sich erhoffte, auf diesem Weg an den Bootseigner heranzukommen. Was ihnen wahrscheinlich aber nicht gelingen werde, meinte Joël. Eine Art Ehrenkodex verpflichtet die Flüchtlinge, darüber zu schweigen. Und auch er hat sich an diese Absprache gehalten.  Bis zum Redaktionsschluss hatte die Polizei ihm noch nicht sein Fotomaterial zurückgegeben. Auch ein scharfer Protestbrief des internationalen Journalistenverbandes IFJ, dem 600.000 Journalisten aus 120 Ländern angehören, hat daran nichts ändern können. Ob das Vorgehen der Polizei legal ist, ist fraglich. Ein Anwalt aus Playa Blanca kümmert sich um Joëls Fall. Doch am Tag unseres Interviews  - sieben Tage nach der Beschlagnahmung seines Fotomaterials - war Joël ohne jede Nachricht seines Anwalts und ohne Nachricht von der Polizei. Während die niederländische Presse sich empört, wartet Joël weiter auf sein Fotomaterial. Ohne seine Fotos will der beherzte Journalist auf keinen Fall in seine Heimat zurück reisen.



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