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Wissenswertes

CÉSAR MANRIQUE


"César Manrique", Lanzarote37°, 37 Grad, deutsche Inselzeitung, Inselmagazin
César Manrique malt am Strand, wo Lavaformationen sich ins Meer ergießen, auf eine Acrylscheibe. Foto: ©Luis J. Soltmann/Lanzarote37°

"César Manrique", "Luis J. Soltmann", Lanzarote37°, 37 Grad, deutsche Inselzeitung, Inselmagazin
Luis J. Soltmann machte viele Fotos mit und von César Manrique. Das waren keine Schnappschüsse... Foto: ©Luis J. Soltmann/Lanzarote37°

"Luis J. Soltmann", "Folkwang-Schule", Fotografie, "Fotos Manrique", Lanzarote37°, 37 Grad, deutsche Inselzeitung, Inselmagazin
César Manrique und Soltmann besprachen vorher akribisch genau ihr künslerisches Vorgehen. Foto: ©Luis J. Soltmann/Lanzarote37°

"César Manrique", "Luis J. Soltmann", Lanzarote37°, 37 Grad, deutsche Inselzeitung, Inselmagazin
Cesar Manrique hatte ein inniges Verhältnis mit der Natur, das nicht nur sein Werk, sondern sein ganzes Leben bestimmte. Foto: ©Luis J. Soltmann/Lanzarote37°

"César Manrique", "Luis J. Soltmann", Lanzarote37°, 37 Grad, deutsche Inselzeitung, Inselmagazin
Der Fotograf J. Luis Soltmann, der heute auf Fuerteventura lebt, hat auf der berühmten Folkwang-Schule in Essen, eine der ältesten Ausbildungsstätten für Fotografie in Deutschland, sein Handwerk gelernt. Die Folkwang-Schule stellte in den 50er Jahren unter der Führung von Prof. Dr. Otto Steinert einen Meilenstein in der Fotografieausbildung dar und zählt heute noch zu den führenden Ausbildungsstätten im Bereich der Fotografie. Foto: ©Susanne Bernard/Lanzarote37°

"César Manrique", "Luis J. Soltmann", Lanzarote37°, 37 Grad, deutsche Inselzeitung, Inselmagazin
Die Fotosequenzen die Luis J. Soltmann von Cesar Manrique anfertigte, sind höchste Fotokunst und lassen dem Betrachter Raum für ein eigenes Bild des lanzarotenischen Künstlers César Manrique. Foto: ©Luis J. Soltmann/Lanzarote37°

"César Manrique", "Luis J. Soltmann", Lanzarote37°, 37 Grad, deutsche Inselzeitung, Inselmagazin
Auf dieser Fotosequenz steht Cesar Manrique unter einem von ihm angefertigten Leuchter reflektierender Metallscheiben, welche an langen Metallstäben angebracht sind. Auf dem mittleren Bild spiegelt ihn Soltmann unter seinem Leuchter und rückt den Raum in den Hintergrund. Auf der unteren Sequenz verwandeln sich die Metallscheiben des Leuchters in Möven unter freiem Himmel. Foto: ©Luis J. Soltmann/Lanzarote37°

"César Manrique", "Luis J. Soltmann", Lanzarote37°, 37 Grad, deutsche Inselzeitung, Inselmagazin
Manrique geht, doch die Ideen die er säte wachsen.... Foto: ©Luis J. Soltmann/Lanzarote37°

"César Manrique", "Luis J. Soltmann", Lanzarote37°, 37 Grad, deutsche Inselzeitung, Inselmagazin
Betrachtungsspiele von Cesar Manrique und seinem Fotografen Luis J. Soltmann. Foto: ©Luis J. Soltmann/Lanzarote37°

"César Manrique", "Luis J. Soltmann", Lanzarote37°, 37 Grad, deutsche Inselzeitung, Inselmagazin
César Manrique bei der Arbeit in seinem Atelier. "Er stand gerne vor der Linse und war sehr extrovertiert", erinnert sich Fotograf Luis J. Soltmann. Foto: ©Luis J. Soltmann/Lanzarote37°

"César Manrique", "Luis J. Soltmann", Fotograf, Lanzarote37°, 37 Grad, deutsche Inselzeitung, Inselmagazin
Der Maler César Manrique arbeitete besessen und ließ sich durch nichts und niemanden aufhalten. Die Bilder die Luis J. Soltmann von Manrique beim Malen machen durfte, sind einzigartig und wurden noch nie zuvor veröffentlicht. Foto: ©Luis J. Soltmann/Lanzarote37°

"César Manrique", "Luis J. Soltmann", Fotograf, Lanzarote37°, 37 Grad, deutsche Inselzeitung, Inselmagazin
César Manrique in seinem Atelier in Tahiche. Foto: ©Luis J. Soltmann/Lanzarote37°

"César Manrique", "Luis J. Soltmann", Fotograf, Lanzarote37°, 37 Grad, deutsche Inselzeitung, Inselmagazin
Cesar Manrique wurde durch Arbeiten von Malern wie Rothko, aber auch durch die Pop-Art stark beeinflußt. Foto: ©Luis J. Soltmann/Lanzarote37°

"César Manrique", "Luis J. Soltmann", Fotograf, Lanzarote37°, 37 Grad, deutsche Inselzeitung, Inselmagazin
César Manrique versuchte das Essentielle durch die Synthetisierung seiner Erfahrungswelt auf seiner Bilder zu bannen. Der Weg ins Abstrakte war die logische Konsequenz seines Schaffens. Foto: ©Luis J. Soltmann/Lanzarote37°

"César Manrique", "Luis J. Soltmann", Fotograf, Lanzarote37°, 37 Grad, deutsche Inselzeitung, Inselmagazin
1954 stellte Manrique eine Reihe von Monotypien aus. Diese Arbeiten verschaffen ihm Zugang in den Kreis der avantgardistischen Künstler Spaniens. Foto: ©Luis J. Soltmann/Lanzarote37°

"César Manrique", "Luis J. Soltmann", Fotograf, Lanzarote37°, 37 Grad, deutsche Inselzeitung, Inselmagazin
César Manriques inniges Verhältnis mit der Natur sollte sein ganzes Leben bestimmen und spiegelt sich in jedem seiner Werke. Foto: ©Luis J. Soltmann/Lanzarote37°

"César Manrique", "Luis J. Soltmann", Fotograf, Lanzarote37°, 37 Grad, deutsche Inselzeitung, Inselmagazin
Manriques Werk "Azul" (Privatbesitz)erzählt vom „Atlantik: "Meinem Lehrer, meiner höchsten und konstanten Unterweisung im Enthusiasmus, in der Leidenschaft und der Freiheit", so Manrique. Foto: Lanzarote37°

"César Manrique", "Luis J. Soltmann", Fotograf, Lanzarote37°, 37 Grad, deutsche Inselzeitung, Inselmagazin
Auch in seinem Werk "Colores" (Privatbesitz) hat Cesar Manrique sich von den Farben Lanzarotes inspirieren lassen. Foto: Lanzarote37°

Kunst Manrique, "César Manrique", "Luis J. Soltmann", Fotograf, Lanzarote37°, 37 Grad, deutsche Inselzeitung, Inselmagazin
Auch in den abstrakten Werken Cesar Manriques, wie hier in seinem Werk "Desierto" (Privatbesitz), wird der Betrachter ein Stück Lanzarotes wieder finden. Foto: Lanzarote37°


(22-04-2010/N°39) Die Bedeutung, die César Manrique für Lanzarote hat, kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Viele von uns leben hier, weil „unsere“ Insel zu dem, was sie ist, auch durch diesen herausragenden Künstler dazu wurde. Dass Lanzarote frei blieb von am Wege postierten stillosen, abgeschmackten und sinnfreien Reklameschildern, von einer landschaftszerstörenden Architektur, die, partiell viel zu buntig und anarchisch, unsere Nachbarinseln in stellenweise Sehstörungen auslösende Landstriche verunstaltet, dass Lanzarote, trotz der kriminellen Allüren von Politikern und Hotelmafia, immer noch eine gewisse eigene Würde bewahren konnte, das alles geht nicht zuletzt auch auf ihn zurück. Aber er hat nicht nur etwas für die Insel getan, sondern es war eben auch andersherum: die Insel hat ihm, der sie freilich auch sehen konnte, ihre Formen und Farben geschenkt. In ihren Gesteinsformationen und vom unterirdischen Feuer modellierten Lavafeldern fand er die inspirierenden Materialien für seine Malerei, seine plastischen Werke und seine architektonischen Einmischungen.

 

 

Text: Dr. Karl Kunze
Fotos: ©Luis J. Soltmann (Fotos durch klicken vergrößern)




DIE ANFÄNGE


César Manrique wurde am 24. April des Jahres 1919 in Arrecife geboren. Er, der auf internationalem Niveau einst schaffen und die Symbiose von Kunst und Natur zu einem ihrer Höhepunkte führen sollte wie kaum einer vor ihm, wuchs zwar aufgrund seiner familiären Situation privilegiert auf, vor seinen Augen aber lag nur das Meer, über das und – fast - nur über das der Rest der Welt erreichbar war. Ein paar gesunkene Boote ragten aus der Wasseroberfläche, ein paar Gebäude gab es wie das Castillo des Heiligen Gabriel, aber der Rest der Insel erging sich in einer heute kaum mehr zu erahnenden Schufterei auf den Feldern, abgesehen von ein paar betuchten Familien, die den gesamten Reichtum der Insel vereinnahmten und die übrige analphabetische Bevölkerung als Sklaven hielten. Die Spanische Grippe hatte mit weltweit mehr als 50 Millionen Toten mehr Opfer gefordert als der Erste Weltkrieg, der im Jahr zuvor zu Ende gegangen war, ein Krieg, der die spanischen Unternehmer durch den Handel mit der Entente reich gemacht hatte, aber die Masse verarmen ließ. Eine Regierung löste die andere ab, die Gewerkschaften und die Arbeiterbewegung erstarkten, verbreiteten revolutionäres Gedankengut, aber genauso erstarkten die faschistischen Gegenbewegungen, die später einmal das Ruder übernehmen sollten.

In diesen Jahren der Unruhe, der allgemeinen Armut, der revolutionären Ideen und der faschistischen Anfänge, wuchs Manrique als Kind des Kaufmanns Gumersindo Manrique und seiner Frau Francisco Cabrera am Charco de San Ginés in der Juan-de-Quesada-Straße auf, weit weg und nichts ahnend von Unruhen, politischen Morden und Revolution. Seine Zwillingsschwester Amparo, sein Bruder Carlos und seine Schwester Juana rundeten die Familie ab. 1934, zwei Jahre vor dem verheerenden Bürgerkrieg, ließ der Vater in La Caleta de Famara ein Sommerhaus errichten, an das sich Manrique später immer wieder gern und oft erinnerte. Hier erhielt er die ersten Impulse für sein inniges Verhältnis mit der Natur, das nicht nur sein Werk, sondern sein ganzes Leben bestimmen sollte. Noch 60 Jahre später sollte er von „jenen wilden Sommern von La Caleta" schwärmen, „wo das gesamte Licht mein Besitz war und sich das Meer jeden Tag in den salzigen Augen des Fischers Feliciano spiegelte", vom „Atlantik, meinem Lehrer, meiner höchsten und konstanten Unterweisung im Enthusiasmus, in der Leidenschaft und der Freiheit." Hier in Famara entwickelt er wichtige Fähigkeiten: es ist einmal die Neugierde – er beobachtete alles ganz genau, was andere gar nicht wahr nahmen, sowohl die kleinen Detailles im tierischen, pflanzlichen und mineralischen Reich als auch die kosmischen Ereignisse, wie die Dunkelheit der Nacht, die er zu verstehen suchte, aber zunächst nicht verstehen konnte – zum anderen entfaltete sich dabei sein sehr eigenes, komplexes und intensives Verhältnis zur Umwelt. „So entstand meine Fähigkeit des Staunens über dieses fabelhafte Schauspiel des Lebens, indem ich auf eine sehr persönliche Art diesen magischen Ort des Raumes, wo ich mich befand, verstehen lernte." In diesen Jahren, in denen er seine ersten Zeichnungen anfertigte, war es nur die Natur, die Manrique inspirieren konnte, meilenweit von den kulturellen Zentren von Gran Canaria und Teneriffa weg und Lichtjahre entfernt von der Pariser Avantgarde. Menschen, die ihn kennen lernten, erzählen auch heute noch, dass es für ihn wichtig war, keinen - für ihn künstlichen - Gegensatz von Mensch und Natur zu propagieren, der Mensch sei ein Teil der Natur und nicht von ihr zu trennen.

In dieser Zeit entstand auch seine Freundschaft mit dem späteren Inselpräsidenten Pepín Ramirez, eine Freundschaft, die lange anhalten sollte, vom Kinderspiel über die Kriegskameradschaft bis hin zu den berühmten gemeinsamen Ausflügen, in denen der zum Politiker gemauserte Jugendfreund und der inzwischen berühmt gewordene Künstler die Landschaft Lanzarotes von den Reklametafeln säuberten, die, wie auf den übrigen Inseln, die Straßenränder säumten. Sie sägten sie einfach um und warfen sie auf den Müll.


DAS JAHR DES SURREALISMUS IN SPANIEN

Ein Jahr nach dem Bau des Sommerhauses, Manrique war gerade 16, erreichte der Surrealismus 1935 auch Spanien, interessanterweise zuerst Teneriffa. Eduardo Westerdahl und Óscar Domínguez hatten dort Werke von Miró, Picasso, Dalí und Max Ernst ausgestellt. André Breton, der große Promotor des Surrealismus und der Verkünder der Verwobenheiten von Kunst und Politik, war persönlich anwesend und hielt einen Vortrag. Die kanarischen Inseln wurden zum Sprungbrett des Surrealismus zum spanischen Festland. So war die große Kunst Lanzarote etwas näher gerückt, für Manrique in diesen Jahren dennoch unerreichbar. Ein Jahr später brach der Bürgerkrieg aus. In seinem Kontext zerbrachen die Anfänge der „Vanguardia" auf den großen Inseln, er spülte aber als Nebenprodukt Juan Carló, einen Lehrer der „Kunstgewerbeschule Luján Pérez" aus Gran Canaria, an die Küsten Lanzarotes. Der brachte seine ganze Familie mit, unter anderen seinen Sohn José María, der freundete sich wiederum mit César Manrique an, und so lernte dieser etwas kennen, wovon er vorher noch nie in dieser Fülle gehört, geschweige etwas gesehen hatte: Maler, Bildhauer, Schriftsteller und Zeitschriften, alles neu, alles unbekannt, alles sehr aufregend für einen wachen Geist wie ihn. Als er 1937 aus familiären Gründen nach Gran Canaria reiste, erhielt er dort zwar weitere künstlerische Anregungen, schloss sich aber Mitte 1938 eher unfreiwillig als freiwillig, wie manche Biographen meinen, vielleicht auf das hin, was man gesellschaftlichen Druck nennen könnte, den franquistischen Truppen an. Kurz vor Ende des Krieges erhielt er Urlaub für eine Reise nach Gran Canaria, dort erreichte ihn dann die Nachricht von dessen Ende. Die traumatischen Erfahrungen dieser Zeit ließen ihn später zum radikalen Antimilitaristen werden.


NACH DEM KRIEG

Zurück auf Lanzarote, sollte aus dem inzwischen Zwanzigjährigen nach den Plänen des Vaters nun was Ordentliches werden, und der hatte an einen Bauingenieur gedacht. Was Manrique, weiterhin den väterlichen Weisungen folgend, zum Studium der Arquitectura Técnica nach Teneriffa führte, aber nur zwei Jahre lang. Dann gab er gegen familiären Widerstand sein Studium auf, vielleicht sein erster emanzipatorischer Akt, der ihn dann aber auch zur Befreiung, zu seiner eigentlichen Berufung, eben zur Kunst, führen sollte. Bis dahin hatte sich seine künstlerische Tätigkeit auf einige naive Zeichnungen beschränkt, auf das Malen von Plakaten für das Arrecifer Kino, oder Nach-Zeichnungen von Picasso oder Braque. Dazu kam das Problem, dass in den Vierzigern das Land international isoliert war, keiner wollte etwas mit Spanien zu tun haben, die erste Sorge war das nackte Überleben, für Kunst war nur wenig Zeit, und wenn sie sich irgendwo bemerkbar machte, dann war sie, von wenigen Ausnahmen abgesehen, der herrschenden Ideologie verpflichtet. Glück für ihn war, wie damals die Bekanntschaft mit Carló, nun die Tatsache, dass der Bildhauer und Maler Pancho Lasso 1939 von Madrid nach Lanzarote zurückgekehrt war, wo er in der Arrecifer Kunstschule als Dozent tätig wurde. „1940 lernte ich ihn kennen. Spanien war wegen des Krieges abgeschlossen. Wir hatten kaum Kenntnisse über die Strömungen und die ästhetischen Bewegungen in der Welt. Von diesem Moment an waren wir sehr miteinander verbunden, auch im Austausch von Ideen, in täglichen, köstlichen (sabrosas) Gesprächen, in denen, als Ergänzung zu den generellen ästhetischen Problemen, es auch schon Überlegungen und Studien gab über die authentische Persönlichkeit unserer Insel". In dieser Zeit hatte er zum ersten Mal Gelegenheit, die avantgardistischen und abstrakten Zugänge zur Kunst kennen zu lernen. Dank seines Lehrers lernte er aber nicht nur, Kunst völlig neu und anders zu betrachten, sondern auch, die ihn umgebende Umwelt zur Thematik seines Schaffens zu machen. Dieser Idee sollte er bis zu seinem Tod treu bleiben. Zunächst aber kam es 1942 zu einer ersten Ausstellung seiner Bilder im Ayuntamiento von Arrecife, 34 an der Zahl. Bauern, Gesichter, die Kugelbrücke von Arrecife, Famara, Timanfaya, alles ganz nah gelegene Themen. Und alles noch recht realistisch gehalten, wie es für eine Zeit des Lernens eher typisch ist. Ein Jahr später wurde seine Ausstellung in Las Palmas gezeigt, und dort lernte er García Escámez kennen, der zunächst Militärgouverneur, dann ab 1943 Oberbefehlshaber der Kanaren war. Der kaufte nicht nur zwei Bilder Manriques, sondern schlug ihm vor, ein Stipendium zu beantragen, welches 1945 dann auch tatsächlich gewährt wurde. Der Weg nach Madrid war nun frei, und damit der erste Schritt zu einer großen Karriere zurückgelegt.


MADRID (1945 BIS 1965)

Diese begann zunächst einmal sehr arm: mit den 500 Peseten des Stipendiums konnte man gerade die Wohnung bezahlen und sich ernähren. Familiäre Hilfe gab es nicht. Manrique verließ nicht als einziger Künstler die Insel: ein wahrer Exodus, entweder nach Madrid oder nach Südamerika hatte eingesetzt. Er begann seine Studien in der Akademie der Schönen Künste, und war sich dabei der enormen Möglichkeiten, die seine neue Umgebung, auch wenn sie noch so ärmlich war, ihm bot, voll bewusst. Er lernte eifrig. Probleme bereitete ihm einer seiner Lehrer, Valverde, der ihn immer wieder auf das akademisch gewünschte Normalmaß, und das war damals eine mehr realistische Konzeption von Kunst, zurückstutzen wollte. Noch im Jahr seiner Ankunft lernte er auf dem Madrider Bahnhof Atocha Pepi Gómez kennen, eine Frau aus reichem Hause, die nach einer ersten frustrierenden Ehe in Madrid ein neues Leben beginnen wollte. Es sollte eine glückliche Beziehung werden, auch wenn das Paar niemals heiraten sollte und deshalb scheel angesehen wurde von einer verlogen-katholischen Gesellschaft, die nicht akzeptieren wollte, dass man auch ohne den Segen der Kirche nach wenigen Wochen des Kennens zusammenziehen konnte. In diesen ersten Jahren aber lernte er nicht nur das Malen, sondern auch eine Reihe von bedeutenden Persönlichkeiten seiner Zeit kennen, und dies nicht nur bei kleineren, mehr persönlichen Anlässen, sondern auch bei Treffen in Regierungskreisen, zu denen er durch eine Freundin aus La Palma Zugang fand.

1950 beendete er seine Studien mit dem Titel eines Lehrers für Malen und Zeichnen. Damals dachte er keinen Augenblick daran, nach Lanzarote zurückzukehren. Zu sehr bot ihm die Hauptstadt Spaniens an Möglichkeiten, was ihm seine Heimatinsel nie hätte offerieren können. Dennoch tauchte Lanzarote in allen seinen Werken immer wieder auf. Sooft er konnte, reiste er auch dorthin und schuf dabei als Auftragsarbeiten seine ersten Wandbilder, z.B. im Parador von Arrecife. Ein Bild nannte er „Der Wind" und zeigt im realistischen Stil eine Bäuerin, die sich mit ihren beiden Kindern dem Wind entgegenstellt, im Hintergrund typisch kanarische Zutaten wie die Gerias (Mulden für den Weinanbau), Zocos (halbrunde Mauern für das Abhalten des Windes), weiße Häuser, ein Vulkan, eine vom Wind gebogene Palme. Auffallend die Betonung der Arme und Beine, der „Arbeitsorgane": auf allen Bildern sind sie überproportioniert und muskulös, die Köpfe dafür unterproportioniert. In dieser Zeit fiel auf, dass er die Formen zu vereinfachen begann, so, dass sie zwar gerade noch realistisch waren, aber er hatte schon die fotografische Genauigkeit verlassen, um das Essentielle durch die Synthetisierung seiner Erfahrungswelt zu suchen. Der Weg ins Abstrakte war von da an vorgegeben.

Entgegen konservativen Kreisen wurde diese Richtung offiziell unterstützt. Es war ausgerechnet Franco, der 1951 die „Erste hispanoamerikanische Biennale der Kunst" eröffnete, auf der auch jüngere abstrakte Maler zu sehen waren. Die von der Politik exilierten Künstler, in Paris beispielsweise, protestierten und organisierten eine Gegenbiennale, weil sie meinten, dass diese Öffnung hin zu einer gewissen Modernität nichts anderes war als opportunistische Taktik. Nichtsdestoweniger war diese erste Ausstellung dann doch eine erste Spaltung der kulturellen Mauer, die Spanien damals von der übrigen Welt trennte. Von da an gab es eine Fülle von Ausstellungen moderner Kunst zu sehen. Schon 1953 wurde auf Teneriffa das „Museum für abstrakte Kunst" gegründet, ein Zeichen, dass die großen kanarischen Inseln kulturell immer schon auf der Höhe der Zeit waren.


INTERNATIONAL GEFRAGT

1954 stellte Manrique eine Reihe von Monotypien aus, durch die er Zugang in den Kreis der avantgardistischen Künstler Spaniens erhält. Insgesamt gesehen hatte er sich aber schon vorher durchgesetzt, war ein anerkannter Maler geworden. 1955 war er aber zum ersten Mal auf der Biennale in Venedig dabei. Seine Bilder wurden in den wichtigsten europäischen Museen gezeigt. Er erhielt Aufträge von Kinos, Hotels, Banken und dem Flughafen Barajas in Madrid. Hier entwickelte sich auch die Verbindung von Kunst und Bauwerk, die ihn später nach seiner Rückkehr nach Lanzarote interessieren sollte.

Es waren 18 gute Beziehungsjahre, bis eine Krebserkrankung dem Leben seiner Geliebten Pepi ein Ende bereitete. Manrique wurde durch ihren Tod so erschüttert, dass er bald darauf Madrid verließ und 1965 nach New York ging. Hier erhielt er neue Anregungen durch Maler wie Rothko, durch die Pop-Art und andere neue Kunstrichtungen. Drei Jahre sollte er bleiben. Er bezeichnete diese Jahre als die lehrreichsten seines Lebens. Aber er lernte noch etwas, was für ihn viel entscheidender werden sollte: nämlich, dass er seine Kraft aus den Wurzeln in seiner Heimat schöpfte, die er künstlerisch-inspirativ letztlich nie verlassen hatte.

Als Manrique nach Lanzarote heimkehrte, stand die Insel an einem Scheideweg. Die Insel war arm. Einen Ausweg aus der Armut versprach der Tourismus. Der aber ist, wie wir es heute überall sehen können, ein zweischneidiges Schwert. Bei der Wahl zwischen Armut und zerstörendem Massentourismus setzte er von Anfang an auf einen Qualitätstourismus, weit weg von grölenden und besoffenen Barbaren in fettem Schweinchenrosa, wie man sie heute, besonders auf den großen Inseln, allenthalben antreffen kann, und auf konsequenten Umweltschutz. Eine Lösung für dieses ihm voll bewusste Dilemma sah er in der Verbindung von Natur und Kultur, die für den von ihm gewünschten Tourismus genügend visuellen Anreiz bietet, aber die Natur bewahrt. Er fand die nötigen politischen Mitstreiter, und so entstanden seine großen Werke auf Lanzarote, von den Jameos del Agua bis hin zum Kaktusgarten, in denen Kunst und Natur eine kaum zu übertreffende Synthese eingehen. Der Tourist findet so nicht nur ein lohnendes Ziel für seine Ausflüge über unbekanntes Terrain, sondern er findet, wenn er denn finden will, Orte der Kontemplation, in denen er sich selbst als Teil eines Ganzen erleben kann, das Natur ist, dennoch aber vom Menschen kulturell überhöht wurde. Und so kann er für sich selbst entscheiden, wo er in diesem Spannungsbogen selbst steht.

Gerade dies macht für den Besucher das Aufsuchen dieser Orte immer wieder spannend, weil er, selbst im dicksten Pulk einer Gruppe von Bustouristen, von ihrer durch die Kunst erst verdeutlichten natürlichen Magie in den Bann gezogen wird. Die Frage des Umgangs mit und die der eigenen Stellung in der Natur ergibt sich so wie von selbst. Es ist so nicht nur eine große Schönheit in all diesen Werken zu entdecken, sondern sie vermitteln auch ein „Erkenne dich selbst", an dem man kaum vorbeikommt.

Diese Arbeit wurde 1993 folgerichtig gekrönt durch die Anerkennung Lanzarotes zum Biosphärenreservat, ein eindeutiges Verdienst des großen Künstlers César Manrique. Dies allerdings hat er nicht mehr erlebt. Er starb am 25.September 1992 bei einem Verkehrsunfall in Tahiche.



V. JORNADAS CESARMANRIQUEÑAS


Am 24. April wäre César Manrique 91 Jahre alt geworden. Am Vortag, 23. April, 13:30 Uhr, findet an seinem Grab auf dem Friedhof in Haría eine Gedenkfeier zu Ehren Manriques statt. Dieses alljährliche Ritual des Erinnerns rief seine ehemalige Mitarbeiterin Bettina Bork vor vielen Jahren ins Leben, und bis heute hält sie mit dieser Geste Manriques Mahnung „Todavía se está tiempo" (Es ist noch immer Zeit) wach.

Außerdem ehrt die Academia de Ciencias e Ingenierias de Lanzarote den Künstler vom 20. bis zum 23. April mit einem Vortragszyklus auf Teneriffa, Gran Canaria und Lanzarote. Hier die Veranstaltungen auf Lanzarote:

Donnerstag, 22. April

11:15 Uhr: „César Manrique: Künstler und Architekt", Kolloquium in der IES César Manrique, Calle Doctor Puigvert, s/n, Arrecife.

13:00 Uhr: „César Manrique und Eduardo Chillida: Natur und Philosophie", Kolloquium in der IES Augustín Espinosa, Calle Coronel Bens 7, Arrecife.

20:30 Uhr: „Das Licht in der Architektur César Manriques", Festrede im Hotel Lancelot, Avda. Mancomunidad 9, Arrecife.


Freitag 23. April
13:30 Uhr: Gedenkfeier am Grab in Haría

 

Ab 16:00 Uhr bis etwa 20 Uhr: „César Manrique in und um Deutschland", Symposium mit dem Bürgermeister von Haría, José Torres Stinga, dem Dipl. Ing. Michael Stein, Prof. Dr. Jochen Hanisch (präsentiert von Ch. Bernhold), D. Antonio Padrón, D. Luis Días Feria und Bettina Bork.

Alle Vorträge sind in spanischer Sprache, deutsche Redner werden simultan übersetzt. Die Veranstaltungen auf den anderen Insel finden Sie im Netz unter www.academiadelanzarote.es

Ein filmisches Portrait über Leben und Werk César Manriques hat der Münchner Filmemacher Mathias Allary 1991 gedreht.


Wir danken dem Künstler und Fotografen Luis J. Soltmann ganz herzlich, dass wir seine Fotos und Sequenzen von Manrique hier zeigen dürfen.

Die beiden Bilder auf der gegenüberliegenden Seite befinden sich in Privatbesitz.



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