7-10-2011 Spanien (kk) - Soll man Kontaktanzeigen, in denen es um käuflichen Sex geht, in Spanien verbieten? Diese Frage beschäftigt zurzeit die spanische Regierung – und die FAZ. Ihr Kulturkorrespondent in Madrid, der renommierte Journalist, Schriftsteller und Literaturwissenschaftler Paul Ingendaay, kommentierte das Problem unter der Überschrift „Es gibt eine Kultur der Prostitution“. Er meint: „Natürlich lässt sich alles unter ‘kultureller Differenz‘ verbuchen. Zum Beispiel, dass sich an spanische Geschäftsessen zwanglos der gemeinsame Bordellbesuch anschließt; dass die ländlichen Etablissements in Spanien so hell (und fast so häufig) durch die einsame Nacht leuchten wie anderswo Tankstellen; und dass selbst seriöse Zeitungen täglich zwei Seiten Kontaktanzeigen drucken, teils mit ‘phantasiefördernden Abbildungen und detaillierter Auflistung des Sexangebots‘“. Dass es zur spanischen Unterhaltungskultur gehört, in Bordelle, Massagesalons und dergleichen genauso zu gehen wie in das Kino, ist schon des Längeren bekannt. Die Kundschaft ist dabei keineswegs alt oder frustriert, sondern „jung, hedonistisch und ideologisch ungebunden“. Alle Zeitungen sind dabei dieser Geldquelle gegenüber aufgeschlossen, von „El Público“ einmal abgesehen. Entzündet hat sich die Diskussion aber nur an den Printmedien: Bleiben die Prinzipien der Menschenwürde und der Gleichheit gewahrt, wenn diese Medien, teils in sehr drastischer Sprache, die sexuellen Dienste anbieten? Eindeutig „Nein“ hat jetzt der Staatsrat entschieden. Die Regierung Zapatero solle die Werbung verbieten. Natürlich legte der spanische Zeitungsverlegerverband AEDE sofort Widerspruch ein: „Wenn der Staat die Prostitution für eine ungesetzliche oder gesundheitsschädigende Aktivität hält, muss man von ihm fordern, sie zu verbieten.“ Nur dann könne man auch die Werbung verbieten. Außerdem wird das Internet als größtes Forum für den Markt keineswegs getroffen. Dort kann man aber die Werbung nicht verhindern. Da bliebe tatsächlich als einzige Alternative, die Prostitution gänzlich zu verbieten, wogegen sich allerdings heftiger- ausgesprochener und noch mehr: nicht ausgesprochener Widerstand- rühren wird: mehr als ein Prozent der weiblichen Bevölkerung Spaniens (circa 300 000) arbeiten in diesem „alegalen“ Gewerbe. Und dann ist da eben noch diese „Kultur“.
Es ist sehr zu bezweifeln, dass ein Verbot der Sexofferten in den Printmedien irgendetwas ändern wird.