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Dienstag, 15. Oktober 2019
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Wissenswertes

Wulffen auf Lanzarote?
Das Essen mit dem besonderen Gschmäckle

Von: Susanne Bernard


Fitur, FITUR, El Rincón de Goya, Pedro San Ginés, Cándido Reguera, Ástrid Pérez, Lanzarote, Lanzarote37°, deutschsprachiges Inselmagazin, 37 Grad
Das Datum dieses Abendessens im Madrider Nobelrestaurant "El Rincón de Goya" dürfte Ástrid Pérez (4.v.l.) und Inselpräsident Pedro San Ginés (2.v.r) länger im Gedächtnis bleiben als die Namen der Gäste, mit denen sie gespeist haben. Die waren ihrem Gedächtniss nämlich schon kurz nach dem Event entfleucht. Der Organisator und Veranstalter Alejandro Morales (rechts) war ebenfalls mit von der Partie. Foto: ©Cabildo de Lanzarote


Wulffen geht immer und überall. Besonders auf Lanzarote. Das jüngste Beispiel: Nach einem ach so anstrengenden Tag auf der Tourismusmesse Fitur in Madrid luden die lanzarotenische Ex-Tourismusbeauftragte Ástrid Pérez (PP) und deren Chef, unser aller Inselpräsident Pedro San Ginés (CC), zum Essen in eines der edelsten Nobelrestaurants in Madrid. Jetzt kam ans Licht, dass einige von denen, mit denen die beiden laut Presseerklärung gemeinsam beim Essen gesessen haben sollen, gar nicht dabei waren. Plötzlich erinnert sich keiner unserer Inselpolitiker, mit wem man beim Schlemmen an einem Tisch gesessen hat. Haben unsere Politiker zu tief ins Glas geguckt und einen Filmriss? Oder wollte man auf Steuerzahlers Kosten mal ordentlich einen drauf machen?

 

Mitnehmen, was man kriegen kann. Was der deutsche Ex-Bundespräsident kann, das können lanzarotenische Inselpolitiker schon lange. Und wahrscheinlich viel, viel besser. Und ganz sicher, ohne, wie unser bemitleidenswerter Christian Wulff, groß in die Bredouille zu kommen.
Der Drang lanzarotenischer Politiker, sich durch Tricksen und Täuschen Vorteile zu verschaffen, kam diesmal ans Licht, nachdem ein Journalist sich kurz nach der Madrider Tourismusmesse FITUR auf einer von der Inselregierung veröffentlichten Einladungsliste wiedergefunden hatte, derzufolge er angeblich zusammen mit 19 anderen Journalisten mit unserem Inselpräsidenten Pedro San Ginés (Coalicón Canaria), dessen ehemaliger Tourismusbeauftragter Ástrid Pérez (Partido Popular), dem Arrecifer Ex-Bürgermeister Cándido Reguera (PP) und einigen anderen Politikern und Beamten im Madrider Nobelrestaurant "El Rincón de Goya" gespeist hatte.
Dieses Essen wird unseren Inselpolitikern vermutlich noch böse aufstoßen, denn der betroffene Journalist, Manuel Romero, war bei dem Essen überhaupt nicht dabei. Und mit ihm fehlten auch seine Ehefrau und noch eine ganze Reihe anderer Journalistenkollegen, welche, laut der vom Cabildo herausgegebenen Presseerklärung, auch mitgegessen haben sollen.
Doch damit nicht genug. Nachdem Romero, Direktor der online-Zeitung La Voz Libre, publik gemacht hatte, dass das Cabildo mit einer falschen Namensliste ein 3000 Euro teures Abendessen unter Freunden als Arbeitsessen für Journalisten ausgegeben hatte, beschuldigte er die lanzarotenische Inselregierung außerdem der „Niederträchtigkeit“, weil sie behaupte, dieses Essen habe bewirkt, dass die teilnehmenden Journalisten höchst Löbliches über die Tourismusdestination Lanzarote geschrieben hätten. Was Romero zurecht fast noch schlimmer findet als die Tatsache, dass die Einladungsliste getürkt war.
„Damit“ so der Journalist, „wollen diese Politiker den Bürgern auch noch weismachen, wir Journalisten würden positiv über sie schreiben, nur weil sie uns zum Essen einladen. Wir Journalisten haben genug zu Essen, es ist niederträchtig von Politikern zu glauben, wir würden gut oder schlecht über eine Sache schreiben, nur weil sie uns etwas Warmes zu essen geben. Wir wollen an Orte gehen, an denen man uns Informationen gibt, aber hier gab es keine Informationen, weil die Tourismusbeauftragte an diesem Abend weder ein Video, noch einen Flyer noch irgend eine andere Information präsentiert hat.“ Für Romero eine Ungeheuerlichkeit, die er vor den Presserat in Madrid und den der Kanaren bringen will, um aufzuzeigen, wie Politiker Journalisten dazu mißbrauchen wollen, für ihre Politik Werbung zu machen, damit aber, wie er hofft, „im besten Falle nicht den geringsten Erfolg“ hätten.
Im Cabildo gibt man sich unschuldig und mimt Erstaunen. Wenn im Nachhinein nicht alle Journalisten, welche vom Veranstalter eingeladen worden seien, zu dem Essen gekommen wären, so habe man dies nicht bemerkt, lautet ein Erklärungsversuch. Im übrigen habe nicht die Rechnung des Restaurants 3000 Euro ausgemacht, sondern der ganze Event habe so viel gekostet, also die Organisation des Events und das an die Journalisten verteilte Pressematerial.
Tatsächlich hatte sich Ástrid Pérez in einer Erklärung, die den Erfolg dieses Arbeitsessen herausstellen sollte, damit gebrüstet, dass das Cabildo sich für diese 3000 Euro doch viel mehr Aufmerksamkeit in den Medien erkauft habe, als viel teurere Anzeigen gebracht hätten. So hätten die Journalisten quasi kostenlos und freiwillig über Lanzarote berichtet, für den Gegenwert von nur einem warmen Essen.
Erklärungsversuche und Pressenotizen überschlugen sich am Tag, als der Journalist Romero alles aufdeckte. Zum Redaktionsschluß von  Lanzarote37° trudelte eine „Pressenotiz“ des Event-Veranstalters Uranio Press, Alejandro Morales, ein, der das Abendessen für unsere Politiker organisiert hatte. Der schüttete nun fleißig Asche auf sein Haupt und nahm alle Schuld auf sich: Furchtbar bedauere man den Verlauf, den die Informationen rund um dieses Journalisten-Abendmahl an jenem 17. Januar in Madrid genommen haben. „Angesichts des Vorwurfs, das Cabildo von Lanzarote versuche, die öffentliche Meinung zu beeinflussen, möchten wir folgendes klarstellen: Am 17. Januar, an eben diesem Tag der Essenseinladung, gab es eine Reihe von Journalisten, die dieser Firma mitgeteilt haben, dass es Ihnen unmöglich sei, an dem Essen teilzunehmen. Wir von Uranio Press verstehen nicht, wieso sich aus einem Koordinationsfehler eine solche Polemik entwickeln kann. Angesichts anwesender Journalistengrößen wie Paloma Barrientos, Beatriz Cortázar, Nieves Herrero, Pilar G. Muñiz, Rosa Villacastín oder Verónica Zabala sind wir perplex, dass jemand dem Cabildo von Lanzarote vorwirft, die Einladungsliste aufgeblasen zu haben. Aus diesem Grund ist es für uns wichtig mitzuteilen, dass Uranio Press für diesen Irrtum voll verantwortlich zeichnet und sich beim Cabildo von Lanzarote und der Tourismusbeauftragten dafür entschuldigt, dass dieser Irrtum Ursache für solcherlei Anschuldigungen ohne jede Grundlage war.“ Diese Pressemitteilung versandte Alejandro Morales in Form eines offenen word-Dokumentes. Unterschrieben war sie nicht, genausowenig wie die Email, mit der sie versandt wurde.
Astrid Pérez - soviel sei noch vermerkt - sitzt nicht mehr auf ihrem Consejera-Stuhl (was allerdings noch andere Ursachen hat). Und Torres Stinga, Bürgermeister von Haría (CC), konnte sich nicht enthalten, noch ein wenig nachzutreten: 6000 Euro habe die ganze Veranstaltung gekostet. Nicht nur 3000.  Die Wahrheit erschließt sich manchmal eben scheibchenweise.  Herr Wulff hätte sicher viel Verständnis für seine lanzarotenischen Kollegen. Vielleicht brauchen die hier ja bald jemanden. 



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