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Dienstag, 15. Oktober 2019
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Wissenswertes

Wüsten am Meeresboden:
Diademseeigel vernichtet Artenvielfalt in Kanarischen Gewässern

Von: Friederike Klinge


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Diademseeigel. Foto: Christoph Schmitt / www.ocean-la-gomera.com

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Der Lebenszyklus des Diademseeigels. Abbildung: oceanografica.com

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Dornenstern (Coscinasterias tenuispina). Foto: Christoph Schmitt / www.ocean-la-gomera.com

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Dornenstern überfällt Seeigel. Foto: Peter Jacobs / Tauchschule big-blue-sea.com

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Tritonshorn. Foto: Peter Jacobs / Tauchschule big-blue-sea.com

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Pejeperro oder Roter Schweinslippfisch. Foto: Arthur J. Telle / www.artefotosub.com

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Geissbrassen. Foto: Christoph Schmitt / www.ocean-la-gomera.com

Flachkrabbe sucht Schutz unterm Diademseeigel
Flachkrabbe sucht Schutz unterm Diademseeigel. Foto: Christoph Schmitt / www.ocean-la-gomera.com

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Nicht kaufen! Tritonshorn als Souvenir. Foto: wikipedia.org

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Braucht kein Mensch: Tamboril als Lampenschirm. Foto: Christoph Schmitt / www.ocean-la-gomera.com




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Felsiger Meeresboden mit niedriger Siedlungsdichte von Diademseeigeln, starker Algenbewuchs und viele Fressfeinde. Seeigel beschränken sich auf Höhlen und Spalten. Abbildung und Foto: oceanografica.com




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Felsiger Meeresboden mit hoher Siedlungsdichte von Diademseeigeln, kaum Algenbewuchs und keine Fressfeinde. Seeigel breiten sich überall aus. Abbildung und Foto: oceanografica.com

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Tritonshorn beim Fressen. Foto: Peter Jacobs / Tauchschule big-blue-sea.com

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Mund des Seeigels mit fünf Zähnen. Foto: Christoph Schmitt / www.ocean-la-gomera.com


(11/08 No.28) Nicht nur Taucher kennen Bilder von farbenprächtigen Lebensgemeinschaften am Meeresboden: Unzählige Arten von Fischen, Algen, Meeresschnecken, Seesternen und anderen Weichtieren bilden zusammen komplexe Ökosysteme, in denen es von Leben nur so wimmelt. Doch diese Artenvielfalt steht vor dem Aus. Im gesamten östlichen Atlantik, vor allem jedoch an den Küsten der Kanarischen Inseln, sind diese reichen Lebensräume massiv bedroht. Grund hierfür ist die Ausbreitung des extrem gefräßigen Diademseeigels „Diadema antillarum“. Die Ursachen für die Störung dieses natürlichen Gleichgewichts sind die Überfischung der Fressfeinde und andere Faktoren.

 

Seeigel sind ein wichtiger Bestandteil der marinen Ökosysteme in Küstennähe. In einem gesunden Gleichgewicht sorgen sie als Pflanzenfresser dafür, dass das Algenwachstum nicht Überhand nimmt. Auf der westlichen Seite des Atlantischen Ozeans – in der Karibik – hat es Anfang der 80er Jahre ein Massensterben von Diademseeigel gegeben. Etwa 95 Prozent der Populationen fielen einem Virus zum Opfer. Als Konsequenz begannen Algen die Korallenriffe zu überwuchern, was wiederum Auswirkungen auf die gesamte Lebensgemeinschaft am Korallenriff hatte. Das andere Extrem – nämlich die ungehinderte Vermehrung der Diademseeigel und deren Folgen – beobachten Wissenschaftler seit Jahrzehnten auf der östlichen Seite des Atlantiks: Aufgrund exzessiver Vermehrung weiden die Seeigel über weite Bereiche den gesamten Algenbewuchs ab. Es entstehen so genannte „Blanquizales“ – auf Englisch „Barren Ground“: Nackter Felsboden, der einer Unterwasserwüste gleich kommt. Zurück bleibt nur eine Kruste toter kalkiger Algen, die dem Felsgrund die charakteristische weiße Färbung geben. Daher der Name „Blanquizal“, abgeleitet von blanco – weiß. Die gesamte Vegetationsdecke geht verloren, was fatale Folgen hat, denn Algen stehen nicht nur am Anfang der Nahrungskette und bilden damit die Lebensgrundlage für eine Vielzahl von marinen Organismen, sondern sie bieten auch Schutz für viele am Meeresboden lebende Tiere. Kleine Fische, Meeresschnecken, Krebschen, Larven und viele mehr sind auf den Schutz der Unterwasserpflanzen angewiesen. Wenn es den nicht gibt, gibt es auch für sie keine Chance. Man denke sich eine Wiese ohne Gras. Oder einen Wald ohne Bäume. Oder eben einen Meeresboden ohne Algen.

 

Klein, stachelig und wandlungsfähig


Seeigel (Echinoidea) bilden eine der fünf Klassen, die zum Stamm der Stachelhäuter (Echinodermata) gehören. Innerhalb dieser Klasse gibt es 19 Ordnungen mit 46 Familien. Bis heute sind etwa 950 Arten bekannt. Die Familie der Diademseeigel ist weltweit verbreitet – es finden sich Arten im tropischen Indopazifik, im Atlantik, im Roten Meer und im Mittelmeer. Die Art Diadema antillarum, um die es hier geht, lebt an den tropischen und subtropischen Küsten sowohl des westlichen als auch des östlichen Atlantiks. Hier auf den Kanaren kennt man sie als „Eriza“, „Ericera“, „Erizo de lima“, „Erizo de púas largas“ oder als „Erizo Diadema“, zu Deutsch einfach Diademseeigel und auf Englisch „Long-Spinned Sean Urchin“.

Eine genetische Studie, die erst 2001 veröffentlicht wurde, er-
gab, dass der Diademseeigel, der auf dem Kanarischen Archipel, Madeira, den Kapverdischen Inseln und den afrikanischen Inseln Santo Tomé und Príncipe im Golf von Guinea zu Hause ist, die eigene Unterart Diadema antillarum–b bildet. Weitere genetische Untersuchungen, die Wissenschaftler 2003 veröffentlichten, bestätigten diese Ergebnisse und ergaben sogar, dass sich die karibischen und die ostatlantischen Diademseeigel bereits seit Millionen von Jahren auseinander entwickelt haben. Einige Autoren tendieren sogar dazu, „unserer“ ostatlantischen Unterart den eigenen Namen Diadema lusitano zu geben. Nichts desto trotz, war Diadema antillarum–b auf den Kanarischen Inseln schon lange vor der Ankunft des Menschen als autochthone Art etabliert.

Der „Erizo de lima“ ist schwarz und an seinen extrem langen, dünnen, spitzen und hohlen Stacheln, die normalerweise zehn bis zwölf, aber auch bis zu 30 Zentimeter lang sein können, recht einfach zu erkennen. Der kugelförmige Panzer von ausgewachsenen Exemplaren hat einen Durchmesser zwischen zwei und zwölf Zentimeter. Es wurde beobachtet, dass sich Diadema antillarum in seiner Größe den äußeren Umständen anpasst: Gibt es wenige Exemplare, sind die Individuen verhältnismäßig groß. Je mehr es gibt, desto kleiner werden sie.

Seeigel sind Herdentiere, die die Küsten bis in eine Tiefe von 70 Metern besiedeln. Dabei bevorzugen sie felsigen Untergrund in ruhigem seichtem Wasser, das vom Wellengang nicht oder nur sehr wenig beeinflusst wird. Tagsüber verstecken sie sich in Höhlen oder Felsspalten oder sie drängen sich zum Schutz vor Fressfeinden dicht aneinander, so dass sich ein undurchdringlicher Stachelwald bildet. Nachts entfernen sie sich bis zu sechs Meter von ihrer Höhle und weiden Algen ab, wobei sie bis zu einem Meter pro Stunde zurücklegen können. Ein Großteil der Tiere kehrt am Ende der Nacht in dieselbe Höhle zurück – sie gehen so zu sagen „nach Hause“. Diadema antillarum ist herbivor, das heißt er ernährt sich von Pflanzen – zumindest wenn alles normal verläuft. Er ist ein äußerst gefräßiger Stachelhäuter, der sich, wenn es nicht genügend Algen gibt, in einen Allesfresser verwandelt und wahllos alles verspeist, was er kriegen kann. Ein weiterer Umstand, der ihn sehr gefährlich macht.

Die Stachelhäuter sind getrenntgeschlechtlich, das heißt, es gibt Männchen und Weibchen, die sich äußerlich jedoch nicht unterscheiden. Die Befruchtung findet frei schwebend in einer Art Massenbesamung in der Wassersäule statt, nachdem tausende Seeigel gleichzeitig Sperma und Eizellen freigesetzt haben. Die daraus entstehenden Larven treiben bis zu zwei Monate im Wasser und legen dabei Distanzen von mehreren Kilometern zurück, bis sie sich in Gruppen auf felsigem Untergrund niederlassen. Hier entstehen durch Metamorphose ein bis zwei Millimeter kleine juvenile Seeigel. Werden sie nicht gefressen, erreichen sie ein Alter von bis zu vier Jahren. Die Fortpflanzung findet ganzjährig statt, wobei verschiedene Höhepunkte beobachtet werden. Auf den Kanaren zum Beispiel liegt die Hauptfortpflanzungszeit in den Monaten Mai bis Juli, wobei die Befruchtung immer zu Vollmond stattfindet.

 

Überfischung natürlicher Fressfeinde...

 
Obwohl der Diademseeigel durch seine langen Stacheln hervorragend gegen Fressfeinde geschützt ist, steht er doch auf dem Speiseplan verschiedener Fisch-, Muschel- und Seesternarten, wobei die meisten dieser Arten versuchen, den Seeigel umzudrehen und von unten an den Weichkörper heranzukommen. Es ist eine ganze Gemeinschaft von Fischen und Weichtieren, die für die Kontrolle der Seeigelpopulationen zuständig ist. Aufgrund der massiven Überfischung einiger dieser Arten ist es überhaupt erst zu dieser extremen Ausbreitung der Diademseeigel im östlichen Atlantik gekommen.

Da gibt es zum Beispiel den „Pejeperro“ (Bodianus scrofa) aus der Familie der Lippfische, der als Frischfisch auf Märkten angeboten wird, ebenso wie sein Verwandter, der gefleckte Lippfisch „Romero capitán“ (Labrus bergylta). Oder den Mittelmeer-Drücker „Gallo maruno“ (Balistes carolinensis), der weit oben auf der Liste des kommerziellen Fischfangs steht, ebenso wie der Ocean-Drücker „Gallo“ (Canthidermis sufflamen). Die Brassen „Sargo“ (Diplodus sargus), „Sargo breado“ (Diplodus cervinus) und die „Sama roquera“ (Pagrus auriga) fressen Seeigel, wobei besonders letztgenannte Rotbandbrasse von hohem kommerziellem Interesse ist. Die einzigen unter Naturschutz stehenden Fressfeinde sind der Igelfisch „Tamboril espinoso“ (Chilomycterus atringa) und die Meeresschnecke Tritonshorn oder Trompetenschnecke (Charonia lampas), die man jedoch trotz ihres Schutzstatus auch auf Lanzarote in Souvenirgeschäften kaufen kann. Eine weitere Meeresschnecke, die dem Diademseeigel gefährlich werden kann, ist die Helmschnecke (Phalium granulatum). Auch verschiedene räuberische Seesterne, wie der Eisseestern (Marthasterias glacialis) oder der Vielarmige Seestern (Coscinasterias tenuispina) verspeisen den Diademseeigel mit Genuss. Eines jedoch haben all diese Feinde gemeinsam: Sie können nur Individuen bis zu einer bestimmten Größe gefährlich werden. Ab einem gewissen Ausmaß traut sich auch der gefräßigste Seestern nicht mehr an die stacheligen Meeresbewohner heran.

 

...und andere Faktoren

 

Neben der Überfischung der Fressfeinde werden für die rasante Zunahme der Seeigelpopulationen auch noch andere Gründe verantwortlich gemacht. Aus Daten der „Agencia Estatal de Meteorología“ geht hervor, dass sich der Atlantik seit 1980 im Oberflächenbereich um etwa ein Grad Celsius erwärmt hat. Das wärmere Wasser begünstigt die Reproduktion der Seeigel. Auch die Verschmutzung der Meere wird ihren Teil zu diesem Drama beitragen, ebenso wie die zunehmende Bebauung der Küsten: Häfen und Molen beruhigen das Wasser im flachen Bereich und schaffen damit wieder bessere Lebensbedingungen für die Stachelhäuter.

 

Die Konsquenz: Ausbreitung der „Blanquizales“

 

In den Flachwasserzonen der Kanarischen Inseln gibt es Besiedlungsdichten von Null bis 20 Diademseeigeln pro Quadratmeter – es gibt aber auch Bereiche mit bis zu 100 Exemplaren pro Quadratmeter. Es besteht ein klarer Zusammenhang zwischen der Abwesenheit großer, Fleisch fressender Fische, die von hohem industriellem Interesse sind und der Siedlungsdichte der Seeigel. Andersherum beeinflusst eine große Zahl von Seeigeln wiederum negativ die Vielfalt an Fischen, da sie, aufgrund fehlender Vegetation, ihres Lebensraums beraubt sind. Auch die Beschaffenheit des Untergrunds spielt eine Rolle. So lange sich die Siedlungsdichte in einem verträglichen Rahmen hält, bevorzugen die Seeigel unregelmäßiges Substrat mit vielen Spalten und Höhlen, wo sie sich vor Fressfeinden verstecken können. Wird die Population größer, breiten sich die Individuen auch zunehmend über Substraten aus, auf denen sie wenig Schutz finden, einfach weil es gar nicht nötig ist, da eh kaum mit Feinden zu rechnen ist.

Die Ausbreitung des Diademseeigels hat, wie erwähnt, enorme Auswirkungen auf den Algenbewuchs am Meeresboden. Schon eine Siedlungsdichte von zehn Seeigeln pro Quadratmeter reicht aus, um einen felsigen Untergrund komplett frei von Algenbewuchs zu halten. Weniger Algen bedeuten weniger Nahrung und weniger Schutz für eine Vielzahl von Fischen und Weichtieren und damit eine abnehmende Vielfalt an Lebensformen (Biodiversität). Dies wiederum hat unabsehbar negative Folgen für den Fischfang.

 

Was tun?

 

Das Phänomen der Blanquizales ist schon seit den siebziger Jahren bekannt, seit die Universitäten der großen Inseln Gran Canaria und Teneriffa mit der Meeresforschung begonnen haben. Heute sind weite Bereiche der Kanarischen Inseln – außer in den Flachwasserzonen El Hierros, wo es das Problem der Blanquizales so massiv gar nicht gibt – von der explosionsartigen Ausbreitung des Diademseeigels betroffen: Bis zu 70 Prozent des felsigen Meeresbodens bis in eine Tiefe von 50 Metern sind dem gefräßigen Stachelhäuter schon zum Opfer gefallen und bestehen aus „Blanquizales“. Alberto Brito Hernández, Meeresforscher in der Gruppe BIOECOMAC (Grupo de Investigación en Biodiversidad, Ecología Marina y Conservación) der Universität La Laguna auf Teneriffa, empfiehlt eine Reihe von Maßnahmen, die zusammen einen wirkungsvollen Plan gegen den kompletten Verlust der Biodiversität auf den Kanaren bilden. Doch es sei wichtig, dem Problem mit Schnelligkeit zu begegnen, so Brito in einem jüngst veröffentlichten Artikel in der Zeitschrift „Nu2“. Als Maßnahmen schlägt er die Bildung ausgedehnter mariner Reservate vor, die kontrollierte Ausrottung der Diademseeigel in ökologisch besonders wertvollen Bereichen mit Hilfe von Tauchern, Schutz der wichtigsten Fressfeinde, Konsum der Eier (wie es zum Beispiel in Galizien Usus ist), Verwendung der abgesammelten Seeigel als Fischfutter in der Fischzucht , Aufzucht und Freilassung von Fressfeinden und die Nutzung der Seeigelgehäuse und Nadeln im Kunsthandwerk.
Jede einzelne dieser Maßnahme würde wenig bewirken, aber alle zusammen hätten auf längere Sicht mit Sicherheit Aussicht auf Erfolg. Doch die Politik tut sich schwer mit der Umsetzung der meisten – und vor allem der effektivsten – dieser Vorkehrungen. Im vergangenen Jahr wurde das „Projekt zur Kontrolle des Erizo de Lima“ (Control Poblacional del Erizo de Lima) von der kanarischen Regierung in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Inselregierungen in Gang gesetzt. Doch anstatt die Fressfeinde des Diademseeigels unter Schutz zu stellen – das heißt den Fang bestimmter Arten in ausgewiesenen Gebieten zu verbieten und sich damit mit der Fischereiindustrie anzulegen – versucht man mit Hilfe von Tauchern, gegen die Seeigel vorzugehen.

 

David gegen Goliath

 

Rund um alle kanarischen Inseln – außer auf El Hierro –  wurden in besonders betroffenen Gebieten je zwei Bereiche von 50 mal 50 Meter abgesteckt – in einem dieser Quadrate haben Taucher die Seeigel getötet, das andere diente den Wissenschaftlern als Referenzfläche und blieb unangetastet. Auf Lanzarote wurden vor Arrieta, Costa Teguise, Arrecife und Playa Blanca je eine solche Zone ausgewählt, vor Puerto del Carmen zwei. Es wurden also sechs 50 mal 50 Meter große Bereiche von Seeigeln gereinigt. Man kann sich vorstellen, wie winzig klein diese Flächen sind im Vergleich zu mehreren Hundert Kilometern Küste. Zahlreiche Tauchschulen haben sich an der „Kontrolle des Erizo de Lima“ beteiligt, der Tauchclub „Club de Actividades Subacuaticas Pastinaca“ zum Beispiel wurde im vergangenen Sommer in den lokalen Medien hoch gelobt, weil es den freiwilligen Helfern gelungen war, über 90.000 Seeigel zu beseitigen.

Doch „diese Massentötungen bringen gar nichts“, so die Meinung der Meereswissenschaftlerin Cristina Fernández Gil von der Firma Oceanográfica in Las Palmas de Gran Canaria. „Mit diesen Aktionen können nur sehr kleine Bereiche abgedeckt werden, die dann zwar zunächst wieder von Algen besiedelt werden, aber das hält nur kurze Zeit, da die Seeigel wieder von außen in das Planquadrat eindringen. Es ist unmöglich, mit freiwilligen Tauchern die gesamten betroffenen Bereiche abzudecken.“

Das meint auch Alberto Brito: „Die kontrollierte Eliminierung durch Taucher kann nützlich sein in konkreten Zonen von hohem ökologischem Wert. Und der Erfolg ist groß: Der von Seeigeln befreite Meeresboden wird schon in kurzer Zeit von Algen besiedelt und bald wimmelt es auch wieder von kleinen Krustentieren, Muscheln, Schnecken und Würmern. Aber es ist unmöglich, diese Methode auf große Bereiche auszuweiten.“
Auch der WWF/Adena, der auf den Kanaren von Klaus Guttenberger vertreten wird, steht dieser Aktion kritisch gegenüber: „Grundsätzlich ist es sowieso sehr bedenklich, Tiere zu töten.“ Und Fernández Gil geht noch weiter: „Das Problem der exzessiven Ausbreitung der Diademseeigel und die Blanquizales sind das Resultat der schlechten Fischereipolitik der kanarischen Regierung. Und nun sind die Seeigel schuld.“
Der Meeresbiologe Diego Fernández Raboso von der Umweltabteilung der lanzarotenischen Regierung sieht diesen Kampf als nicht ganz so aussichtslos: „Mit der Hilfe der Taucher ist zumindest ein Anfang gemacht. Das Cabildo versucht, mit den lokalen Fischern ein Abkommen zu schließen, damit zumindest in den Bereichen der gereinigten Flächen nicht gefischt wird, damit die Fressfeinde eine Chance haben, sich zu vermehren. Außerdem machen wir mit Hilfe von Vorträgen und Infomaterial in der Öffentlichkeit auf das Problem aufmerksam.“ Teil der Kampagne, für deren Durchführung Diego Fernández mitverantwortlich ist, ist auch die Erstellung und Verteilung von Infomaterial. In einem Faltblatt, das vor allem in den lokalen Tauchschulen ausliegt, werden die Verbraucher aufgefordert, die Fressfeinde des Diademseeigels von ihrem Speiseplan zu streichen. „Wenn die Leute diese Fische nicht mehr konsumieren, werden die Fischer sie auch nicht mehr fangen“ so Diego Fernández. „Aber ja, es ist richtig, dass dem Problem von verschiedenen Seiten entgegengewirkt werden muss. Die Kontrolle durch Taucher muss massiv ausgeweitet werden und es muss ein ökonomischer Ausweg gefunden werden. Es müssten sich industrielle Betriebe finden, die die Ernte der Eier professionell betreiben und sie für den Konsum vermarkten. Das Problem hierbei ist, dass es nur eine kurze „Erntezeit“ gibt, da die Fortpflanzung auf die Zeit von Mai bis Juli beschränkt ist.“

 

Nachhaltigkeit statt Rücksichtslosigkeit

 
Als einzige kanarische Insel hat El Hierro das Problem der exzessiven Ausbreitung der Blanquizales nicht, was größtenteils darauf zurückzuführen ist, dass weite Teile der Flachwasserzonen „Reserva Marina“ – also Meeresreservat und damit Naturschutzgebiet – sind.Hier ist das Fischen mit so genannten „nicht selektiven Methoden“ verboten. Es wird sehr viel nachhaltiger mit der Ressource Meer umgegangen und so gibt es ausreichend Fressfeinde, die die Populationen der Diademseeigel in einem natürlichen Gleichgewicht halten.Die Fischer von El Hierro haben seit jeher eine verantwortungsbewusste Art von Fischerei betrieben, in dem Wissen, dass heute geschont werden muss, damit morgen überhaupt noch etwas da ist.



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