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Wissenswertes

Vulkanisel Lanzarote beweist: Die Erde lebt

Von: Friederike Klinge, Fotos: A. Jageneau, Dr. R. Vieira


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Lanzarote ist eine vulkanisch aktive Insel. Die beeindruckende Vulkanlandschaft im Westen der Insel entstand bei Vulkanausbrüchen im 18. und 19. Jahrhundert. Foto: A. Jageneau

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Der Techniker Jaime Arranz misst die Temperatur an einer geothermischen Anomalie.

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Lanzarote, Kanaren, Vulkanismus, Geodynamik, Timanfaya Nationalpark, Geothermische Anomalien, Lanzarote37°, 37 Grad, 37°, deutsche Inselzeitung deutsches Inselmagazin, Spanien
Hier wird die Temperatur des Untergrundes gemessen.

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Eine mobile seismografische Station im Timanfaya Nationalpark

Lanzarote, Kanaren, Vulkanismus, Geodynamik, Timanfaya Nationalpark, Seismograph, Orlando Hernadez, Lanzarote37°, 37 Grad, 37°, deutsche Inselzeitung deutsches Inselmagazin, Spanien
Der Techniker Orlando Hernandez überprüft die Stromversorgung der mobilen seismografischen Station im Timanfaya Nationalpark.

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Orlando Hernandez in der Casa de los Camelleros

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So sieht die Aufzeichnung eines Erdbebens aus.

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Das Labor in der Cueva de los Verdes

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Dr. Ricardo Vieira ist der wissenschaftliche Direktor des Geodynamischen Labors Lanzarote.

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Wissenschaftler bei der Kalibrierung von Instrumenten in der Cueva de los Verdes

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Das Inklinometer „Watertube“ in der Cueva de los Verdes

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Einer der weitläufigen Ausstellungsräume in der Casa de los Volcanes

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Jaoquin Naveran ist der Direktor der Casa de los Volcanes.

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Joaquin Naverán zeigt Lanzarote37°-Redakteurin Friederike Klinge die umfangreiche Ausstellung in der Casa de los Volcanes.


(01/09 No.30) Lanzarote ist – wie alle Kanarischen Inseln – eine Vulkaninsel. Vor rund 17 Millionen Jahren begann sie sich aus dem Meer zu erheben und durch immer wieder kehrende Vulkanausbrüche, bei denen sich Unmengen von Lava über die Erdoberfläche ergossen, nahm sie schließlich ihre heutige Gestalt an. Lanzarotes einzigartige Lage zwischen Himmel und Erde, zwischen Wasser und Feuer, macht sie zu einem erstklassig geeigneten Naturlabor, um terrestrische, ozeanische und atmosphärische Phänomene zu untersuchen. Schon seit mehr als zwei Jahrzehnten nutzen Naturwissenschaftler unsere Vulkaninsel, um Erkenntnisse über noch unerforschte Geheimnisse der Erde zu erlangen.

 

Im Mai 1987 wurde in der Cueva de los Verdes im Norden Lanzarotes das erste geophysikalische Messgerät installiert – ein Relativgravimeter von Lacoste & Romberg. Damit war der Grundstein gelegt für das „Geodynamische Labor Lanzarote” – kurz LGL (Laboratorio de Geodinámica de Lanzarote). Das LGL gehört zum „Instituto de Astronomía y Geodesia“ (IAG), das wiederum eine Gemeinschaftseinrichtung des obersten spanischen Wissenschaftsrats „Consejo Superior de Investigaciones Científicas” (CSIC) und der „Universidad Complutense de Madrid” (UCM) ist. Seit mehr als zwanzig Jahren sammeln spanische Wissenschaftler zusammen mit Kollegen aus aller Welt Daten über naturwissenschaftliche Phänomene und arbeiten an der Entwicklung von Methoden, um diese Daten zu analysieren und zu interpretieren. „Lanzarote ist ein potentiell aktiver Bereich unseres Planeten, daher haben in den vergangenen Jahrzehnten verschiedene wissenschaftliche Arbeitsgruppen sowohl in der Forschung als auch in der Entwicklung von Instrumenten große Anstrengungen unternommen“, sagt Dr. Ricardo Vieira, Direktor des IAG. „Die Insel vereint eine Reihe von Konditionen, die sie dazu prädestinieren, ein permanentes Labor nicht nur in der Vulkanologie sondern auch in anderen Geowissenschaften zu sein. Vorallem bezüglich des so genannten Klimawandels, der heute so viel Aufmerksamkeit auf sich zieht, muss permanent überwacht und geforscht werden.“

 


Eine der wichtigsten Zielsetzungen des LGL ist die kontinuierliche Überwachung der Geodynamik der Gegend. Es werden verschiedene Phänomene beobachtet und kontrolliert, die Hinweise auf eventuell bevorstehende Vulkanausbrüche geben könnten, wie zum Beispiel Erdbebentätigkeit, Deformationen des Untergrundes, Variationen im Erdschwerefeld, Veränderungen im Meeresspiegel, Gasaustritte und vieles mehr. Die letzten Vulkanausbrüche gab es auf Lanzarote im Jahr 1824 – vor knapp 185 Jahren. Das mag uns recht lange her erscheinen – nach geologischen Maßtäben ist jedoch kaum ein Augenblick vergangen. Magma – geschmolzenes Gestein  im Untergrund – könnte sich jederzeit wieder in Richtung Erdoberfläche bewegen und das LGL sorgt dafür, dass dies nicht unbemerkt geschehen würde. „Die Erde lebt und die Instrumente, die wir benutzen, um sie „abzuhören“, werden immer sensibler“, erklärt Dr. Vieira. „Da ist es logisch, dass wir nicht nur den Herzschlag und die Atmung hören, sondern auch jede andere innere und äußere Störung, die einen bestimmten Bereich der Erde betrifft. Es gibt immer eine gewisse Mikroseismizität von sehr unterschiedlicher Herkunft, vulkanisch, seismisch, ozeanisch. Wir hören praktisch jedes „Bäuerchen“, sogar den Lärm, der vom Straßenverkehr erzeugt wird.“

 


Ein weiterer naturwissenschaftlicher Aspekt, für dessen Studie sich Lanzarote hervorragend eignet, sind die Wechselwirkungen, die zwischen den gasförmigen, flüssigen und festen Bestandteilen der Erde bestehen, also zwischen Atmosphäre, Erde und Ozean. Zum Beispiel weiss die Menschheit schon seit Newton (1642-1727), dass die Gravitationskraft verantwortlich ist für das dynamische Gleichgewicht zwischen den Himmerlkörpern und dass sich die Stärke der Anziehungskraft mit der relativen Position der Planeten zueinander verändert. Die marinen Gezeiten – das Auf und Ab der Meere – ist dabei am deutlichsten wahrnehmbar, doch die feste Erdmasse und die Atmosphäre unterliegen den selben Einflüssen. Dr. Veiera erklärt das Phänomen der terrestrischen Gezeiten folgendermaßen: „Wenn wir von terrestrischen Gezeiten sprechen, beziehen wir uns auf die Variationen in der Form und im Gravitationsfeld, die die festen Bestandteile des Planeten, als Konsequenz der unterschiedlichen Anziehungskraft zwischen den Himmelskörpern, durchleben. In unserem speziellen Fall gehen über 99 Prozent des Effekts auf das Konto von Sonne und Mond. Die Ursache ist die gleiche wie bei den Gezeiten der Meere, nur ist den meisten Menschen nicht klar, dass die Erde nicht starr ist. Und im Falle der Ozeane sind die Änderungen in der Anziehungskraft ganz einfach zu sehen, indem sich der Meeresspiegel hebt und senkt. Beim festen Erdkörper sind die Effekte sehr klein und waren bis vor wenigen Jahren nicht zu beobachten.“ Auch das LGL registriert terrestrischen Gezeiten, ebenso wie die altbekannten marinen. Von der Dokumentation der marinen Gezeiten erhoffen sich die Wissenschaftler auch, Aussagen über eventuelle Veränderungen des Meerespiegels, die durch die globale Klimaveränderung bedingt sein könnten, machen zu können.
Ein weiteres fundamentales Ziel des LGL ist die Entwicklung und Erprobung von Geräten – etwa 70 Prozent der im LGL eingesetzten Instrumente sind Prototypen. Auch Systeme zur Datenübertragung oder Speichermedien kommen im LGL zum Einsatz. Genauso wichtig ist die Entwicklung mathematischer Mehoden, sprich die Programmierung von Software, um die Datenflut schließlich analysieren und interpretieren zu können. Wie eingangs erwähnt, ist das LGL ein Ableger des Institus für Astronomie und Geodäsie (IAG), das wiederum eine Gemeinschaftseinrichtung des staatlichen spanischen Wissenschaftsrats CSIC und der Universität von Complutense in Madrid ist. Schon hier macht sich der interdisziplinäre Charakter bemerkbar. Wenn man sich dann noch die Liste der Partnerinstitute und Universitäten anschaut, wird deutlich, dass Wissenschaft tatsächlich keine (geografischen, politischen oder sonstwelche) Grenzen kennt. Die internationale Kollaboration wird groß geschrieben – es sind Institute aus Island, Belgien, Russland, Luxemburg und sogar China beteiligt. Eine gemeinsame Sprache findet sich immer.

 


Casa de los Camelleros

 


Lanzarotes Geodynamisches Labor besteht aus drei festen Einrichtungen und weiteren mobilen Stationen: Zu den permanenten Installationen gehören ein Labor in der Cueva de los Verdes, eins nicht weit davon entfernt in den Jameos del Agua und ein drittes im Timanfaya Nationapark.

 


Der Timanfaya Nationalpark umfasst einen Teil der bei Lanzarotes jüngsten Vulkanausbrüchen in den Jahren 1730 bis 1736 und 1824 entstandenen Lavalandschaft. Das Labor befindet sich in der „Casa de los Camelleros“ ganz in der Nähe des Vulkans Timanfaya, der dem Nationalpark seinen Namen gibt. Im „Haus der Kameltreiber“ fanden diese früher Unterschlupf, denn noch vor wenigen Jahrzehnten wurden Besucher Lanzarotes auf Kamelen durch die Feuerberge geführt, um die einzigartige Lavalandschaft bestaunen zu können. Die Dromedare und ihre Hirten sind längst umgezogen und in dem verlassenen Gebäude wurden 1989 die ersten Messgeräte installiert. Die Lage des Labors ist hervorragend gewählt, denn ganz in der Nähe des Hauses befindet sich eine der zahlreichen geothermischen Anomalien des Nationalparks: Wenige Zentimeter unter der Erdoberfläche werden zwischen 100° und 200° Celsius gemessen und in 13 Metern Tiefe kann es bis zu 600° Celsius heiß sein.

 


In der „Casa de los Camelleros“ werden – in Relation zu den bestehenden geothermischen Anomalien – mögliche Deformationen der Erdkruste, die ein Hinweis auf Magmabewegungen darstellen könnten, untersucht. Ein Gravimeter misst Variationen im Schwerefeld der Erde, verschiedene Inklinometer zeichnen Veränderungen in der Richtung der Gravitation auf und die Extensometer registrieren Deformationen der Erdkruste. Es gibt mehrere Seimografen, die von Prof. Ramón Ortiz vom Nationalmuseum der Naturwissenschaften des CSIC installiert wurden und wichtige Informationen vorallem über kurzperiodische Erdbeben liefern, und eine Reihe von Sensoren, die permanent die atmosphärischen Parameter wie unter anderem Temperatur, Luftdruck, Niederschlag und Luftfeuchtigkeit messen. Etwa 200 Meter vom Haus entfernt befindet sich ein Modul, das die hohen Temperaturen in Tiefen von zehn, zwanzig und dreißig Metern misst. Bis 2002 wurde der Strombedarf dieser Installationen über ein Solarmodul gedeckt – bis dieses von unbekannten Dieben gestohlen wurde. Seit dem kommt der Strom tagsüber von einem Generator vom eineinhalb Kilomter entfernt liegenden Vulkan „Islote de Hilario“, auf dem sich auch das Restaurant befindet, und nachts halten Batterien alles am Laufen.

 


Cueva de los Verdes

 


Nach den Ausbrüchen des Monte Corona im Norden der Insel blieb ein etwa acht Kilomter langer vulkanischer Tunnel zurück. In zwei Bereichen ist dieser Lavatunnel für Besucher zugängig gemacht worden – jährlich strömen tausende Touristen in die Cueva de los Verdes und in die nur wenige hundert Meter entfernt liegende Höhle Jameos del Agua. Das Labor in der Cueva de los Verdes liegt im Innern des Tunnels – unbehelligt von den Besucherströmen. Es ist etwa zwei Kilomter von der Küste und fünf Kilomter vom Monte Corona entfernt und liegt genau 37 Meter über dem Meeresspiegel.

 


Mit ähnlichen Geräten wie im Timanfaya Nationalpark werden hier die drei Komponeten der terrestrischen Gezeiten untersucht: Gravimeter messen die Gravimetrie, Inklinometer zeichnen Veränderungen in der Richtung der Gravimetrie auf und ein Extensometer reagiert auf Deformationen der Erdkruste. Ein Seismograph registriert Erdbebenwellen und eine Reihe von Sensoren messen permanent die atmosphärischen Parameter wie Temperatur, Luftdruck, Tempearatur und Luftfeuchtigkeit. „Bei der seismischen Instrumentation muss man unterscheiden zwischen kurzperiodischen Geräten, die eher für lokale Studien geeignet sind, und Breitbandseismographen, die für regionale und globale Untersuchungen eingesetzt werden“, erklärt Dr. Vieira. „Jeden Tag registrieren Breitbandseismographen, ebenso wie Gravimeter, Erdbeben, deren Epizentren weit entfernt liegen. Auch das schreckliche Erdbeben in China im Mai dieses Jahres wurde im Labor der Cueva de los Verdes aufgezeichnet.“

 


Ein Großteil der Instrumente sind Prototypen, die eigens für ihren Einsatz auf Lanzarote entwickelt worden sind. Über Telefonleitungen werden die aufgezeichneten Daten direkt zur Casa de los Volcanes gesendet, wo sie einerseits gespeichert und andererseits via Internet weitergeleitet werden. So können alle Daten in Echtzeit nicht nur in der Niederlassung in Madrid sondern auch in anderen beteiligten Instituten eingesehen werden.

 


Jameos del Agua

 


Das dritte Modul des LGL befindet sich in den Jameos del Agua, nur wenige hundert Meter von der Cueva de los Verdes entfernt. Hier verläuft der Lavatunnel des Monte Corona auf seinem letzten Kilomter auf der Landseite – bevor er als “Tunel de la Atlantida“ unter dem Meer noch gut eineinhalb Kilomter weiterführt – mehrfach unter dem Meeresspiegel, wodurch zahlreiche unterirdische Seen entstanden sind. Diese Seen sind mit dem Meer verbunden und stehen genauso unter dem Einfuss der Gezeiten wie der offene Ozean. Daher eignet sich dieses natürliche Labor ganz besonders, um den Ablauf der Gezeiten und eventuelle Veränderungen im Meerespiegel zu untersuchen.

 


In den zwei letzten Seen „Lago Grande“ und „Lago Chico“ sowie draußen auf dem Meer, etwa 200 Meter von der Küste entfernt, sind Mareographen installiert, die kontinuerlich den Stand der Gezeiten und die Höhe des Meerespiegels aufzeichnen. „Der Meeresspiegel kann sich aus vielen verschiedenen Gründen ändern“, so Dr. Vieira. „Das Kommen und Gehen des Meeres, das wir jeden Tag beobachten, hat seine Ursache vorallem in der Anziehungskraft zwischen den Himmelkörpern. Doch heute wird auch viel über globale Erwärmung, Abschmelzen der Polkappen, Meeresspiegeländerungen aufgrund von Deformationen der Erdkruste, und vieles mehr gesprochen. Mit Sicherheit korrekte und präzise Aussagen über Veränderungen im Niveau des Meeresspiegels machen zu können ist von enormem Interesse, nicht zuletzt wegen der Konsequenzen, die ein Anstieg des Meeresspiegels für das Leben entlang der Küsten bedeuten würde. Dazu gehört aber auch die lückenlose Dokumentation, ohne die – leider – häufig über Gründe und Ausmaße von Meeresspiegelschwankungen spekuliert wird.“ Auf die Frage, ob das LGL einen generellen Anstieg des Meeresspiegels, der mit der globalen Erwärmung in Zusammenhang stehen könnte, beobachte, antwortet Dr. Vieira: „Meine spontane Antwort lautet, dass bisher, sollte es dahingehende Veränderungen geben, diese so gering sind, dass sie nicht von den eigentlichen Messungen unterschieden werden können. Das soll nicht heissen, dass solche generellen Veränderungen als Konsequenz des Klimawandel nicht existieren, aber es gibt auch Phänomene, die wir als gegenläufig bezeichnen können. Ein einfaches Beispiel zum besseren Verständnis: Wenn die Temperatur steigt, schmilzt mehr Eis an den Polkappen, aber gleichzeitig verdunstet auch mehr Wasser aus den Ozeanen.“

 


GPS und 3-D-Bilder der Erdkruste

 


Ob der Meersspiegel steigt oder fällt kann auf einer vulkanischen Insel wie Lanzarote auch geodynamische Ursachen haben. Vielleicht hebt sich das Land? Um diesen Aspekt zu untersuchen, wurden dem LGL hochpräzise GPS – Global Positioning Systeme – hinzugefügt. Das IAG erforscht über das „Global Positioning System“ die exakte Position Lanzarotes in Relation zur Bewegung der Krustenplatten und erhält Aufschluß über eventuelle Deformationen des Untergrunds.

 


Schon 1974 wurden auf Lanzarote die ersten gravimetrischen Untersuchungen durchgeführt und mit diesen Daten wurde die erste Karte der gravimetrischen Anomalien veröffentlicht. Jedoch erst mit dem beginnenden Aufbau des LGL im Jahr 1987 wurden diese Studien auf höherem Niveau weitergeführt: Man führte mikrogravimetrische Messungen an insgesamt 300 Punkten auf der gesamten Insel und gesamten Insel und darüber hinaus auf den im Norden vorgelagerten Inseln durch. Die Mikrogravimetrie erlaubte den Wissenschaftlern eine relativ hochauflösende Karte des Schwerefeldes der Erde im Bereich des Archipels zu erstellen. Mit diesen Daten über die unterschiedliche Dichteverteilung im Erdinnern und der entsprechenden Software konnten die Wissenschaftler des IAG ein dreidimensionales Bild der Erdkruste im Bereich der Kanarischen Inseln „zeichnen“, dass heißt sie konnten ein Modell davon erstellen, wie die Erdkruste in den obersten Kilometern aufgebaut ist. In den vergangenen 15 Jahren haben Wissenschaftler des IAG diese Art von Studien auf allen kanarischen Inseln und auf den Azoren durchgeführt.

 


Aus den ursprünglichen 300 Punkten wurden schließlich 32 ausgewählt, die heute das „Red de Vigilancia Geodesica y Gravimetrica de Lanzarote“ bilden. An diesen 32 Punkten werden periodisch Messungen durchgeführt, um Veränderungen in der Krustenstruktur zu erkennen, die zum Beispiel auf den Aufstieg von Magma hinweisen könnten. „Im vergangenen Juli haben wir zum wiederholten Male eine komplette Messreihe an allen Punkten des Netzes durchgeführt – mit Messungen der Gravimetrie, GPS, meteorologischen Parametern und, wahrscheinlich zum ersten Mal auf globaler Ebene, haben wir im Feld ein Gerät eingesetzt, dass Messungen des Gravitationsgradienten erlaubt“, berichtet der Wissenschaftler Ricardo Vieira. „Auch dieses Instrument wurde eigens für unsere Zwecke entwickelt.“

 


Casa de los Volcanes

 


Oberhalb der Jameos del Agua befindet sich die „Casa de los Volcanes“ – das Haus der Vulkane. Hier ist das „Centro de Recepcion de Datos“ untergebracht, in dem die gesammelten Daten aus allen drei Laboren zusammenfließen, aufgezeichnet und via Internet zum IAG in Madrid und den Partnerinstituten weitergeleitet werden. Pro Tag werden mehr als 400.000 Daten produziert – pro Jahr wird eine Speicherkapazität von 25 Gigabytes benötigt. Die hier beschäftigten Techniker kümmern sich um die Wartung der Geräte, aber die Zusammenarbeit geht noch weiter: „Ehrlich gesagt, macht das LGL nur Sinn mit der Unterstützung der Casa de los Volcanes und dem Personal, dass sich um die Instrumente, deren Wartung und Kalibrierung kümmert“, sagt Dr. Vieira dankbar.

 


Das „Centro Turistico, Pedagogico y Cientifico Casa de los Volcanes“ (Touristisches, Pädagogisches und Wissenschaftliches Zentrum Haus der Vulkane), das der Inselregierung untersteht und von Joaquin Naveran geleitet wird, versteht sich auch als didaktische Einrichtung: Auf 2.500 Quadratmetern werden den Bewohnern Lanzarotes und seinen zahlreichen Besuchern das System Erde und die Welt der Vulkane ein Stückchen näher gebracht. Die Ausstellung wurde erst 2003 überarbeitet und neu gestaltet und vermittelt dem Besucher einen Eindruck von der Dynamik des Planeten Erde und seiner Erforschung. Auf einer Reihe von Monitoren zum Beispiel werden viele der oben beschriebenen Parameter in Echtzeit grafisch dargestellt – so erhält der Besucher einen Eindruck davon, dass die Erde lebt. In der Casa de los Volcanes arbeiten auch Pädagogen, die im Laufe des Schuljahres tausenden von Schulkindern Vulkanismus, Geodynamik und andere naturwissenschaftliche Aspekte erklären.

 


Seit zwanzig Jahren forschen in Lanzarotes Geodynamischem Labor Wissenschaftler aus aller Welt – um das System Erde besser zu verstehen und um Aussagen über die Zukunft machen zu können. Aus insgesamt 18 Projekten, an denen über 40 Wissenschaftler teilgenommen haben, sind schon über 100 wissenschaftliche Publikationen und zahlreiche Vorträge auf Fachkonferenzen hervorgegangen. Steigt der Meeresspiegel? Stehen uns weitere Vulkanausbrüche bevor? Auf diese und viele andere Fragen können die Wissenschaftler Antworten geben, und das dank jahrzehntelanger, äußerst akribischer und innovativer Arbeit.

 

Geodynamische Lage Lanzarotes

Die Kanarischen Inseln liegen, ebenso wie die Kapverden im Süden oder Madeira im Norden, auf der Afrikanischen Platte. Weit im Westen, mitten im Atlantik, befindet sich der Mitelozeanische Rücken, der die aktive Grenze zwischen der Südamerikanischen und der Afrikanischen Platte bildet. Hier tritt am Meeresboden Lava aus und bildet neues Krustenmaterial. Dadurch werden die Südamerikanische und die Afrikanische Platte auseinander gedrückt. Die Afrikanische Platte driftet mit etwa zwei Zentimertern pro Jahr nach Nordosten. Hier schiebt sie sich unter die Eurasische Platte (Subduktion). Da die Afrikanische Platte im Norden also sozusagen „gebremst“ wird, ist sie in ihrem relativ dünnen Randbereich im Westen in Schollen zerbrochen. Einige dieser Schollen wurden durch weiteren Druck herausgedrückt und bilden heute die sogenannten Basiskomplexe der Inseln. Dieser Prozess wurde und wird von Vulkanismus begleitet. Den bisher letzten Ausbruch auf Lanzaote gab es im Jahr 1824, den bislang letzten auf dem Kanarischen Archipel 1971 auf La Palma. Zukünftige vulkanische Aktivität auf Lanzarote ist – wenn auch vielleicht nicht zu unseren Lebzeiten – äußerst wahrscheinlich.

 

Erdbeben

Die Seismologie ist die Lehre von Erdbeben, der Ausbreitung seismischer Wellen und der Bestimmung der Struktur des Erdinnern. Mit Hilfe von Seismographen werden seismische Wellen, welche entweder die Erde durchlaufen oder sich entlang der Oberfläche ausbreiten, aufgezeichnet.

 

Definitionen

Die Gravitation (v. Lat. gravitas „Schwere“) bezeichnet die gegenseitige Anziehung von Massen. Sie bewirkt beispielsweise, dass Gegenstände zu Boden fallen (sie werden beispielsweise von der Erde angezogen und ziehen diese im Gegenzug an). Die Gravitation bestimmt auch die Bahn der Erde und der anderen Planeten um die Sonne und spielt somit eine bedeutende Rolle in der Astronimie und Kosmologie.

Das Erdschwerefeld ist das Feld aus Betrag und Richtung (Vektorfeld) der Fallbeschleunigung im Einflussbereich der Erde. Es wird verursacht und beeinflusst durch: die Gravitationswirkung der Erdmasse, die aus der Erdrotation resultierende Zentrifugalkraft (Fliehkraft), Unregelmäßigkeiten im Aufbau und in der Form der Erde und die Gezeiten, d. h. die Gravitationswirkung von Mond und Sonne. Den weitaus größten Einfluss auf das Schwerefeld der Erde hat die Gravitation der Erdmasse sowie die Höhe bzw. der Abstand vom Erdmittelpunkt. Die anderen Faktoren führen nur zu kleinen Abweichungen.

Der Begriff Gravimetrie bezeichnet die Methoden, mit denen das lokale Schwerefeld der Erde vermessen wird.

Die Geodäsie (altgriech. Geo(γη) = Erde, däsie(δαιζω) = ich teile) ist nach der klassischen Definition von F.R. Helmert die „Wissenschaft von der Ausmessung und Abbildung der Erd-oberfläche. Dies umfasst die Bestimmung der geometrischen Figur der Erde (Geoid, Gelände), ihres Schwerefeldes und der Orientierung der Erde im Weltraum (Erdrotation). Nach DIN 18709-1 ist sie die Wissenschaft von der Ausmessung und Abbildung der Erdoberfläche (einschließlich der Bestimmung des Erdschwerefeldes und des Meeresbodens. (
www.de.wikipedia.org)

 


Die jüngste Neuerung in Lanzarotes godynamischem Labor ist erst zum Jahresende eingeführt worden: Im Rahmen eines Projekts, welches untersucht, wie sich der Meeresspiegel verändert, wurden einige neue Sensoren in den Seen der Jameos del Agua installiert, die außer der Wassertemperatur auch noch einige andere Faktoren wie Salzgehalt, pH-Wert, Co2-Gehalt, Turbulenz u.a. messen. Ziel des Projekts ist es, echte geodynamische, meteorologische und ozeanografische Signale von Störungen zu isolieren, um Aussagen über eventuelle Änderungen in den genannten Parametern machen zu können, die ein Hinweis auf Veränderungen im Klima darstellen können. An der Installation der Sensoren in Wassertiefen von zwei bis sieben Metern, waren Techniker des CSIC (Centro Superior de Investigaciones Científicas), der Casa de los Volcanes und der Firma EXTECO beteiligt.



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