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Dienstag, 15. Oktober 2019
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Wissenswertes

Ungenutzte Kräfte – Alternative Energien auf Lanzarote

Von: Julian Ermert


Lanzarote, kanarische Inseln, alternative Energien, Solarkraft, Windkraft, Wellenkraft, Tidenhub, Energiebilanz
Der Windpark bei Los Valles auf Lanzarote. Foto:©iStockphoto.com / Ingenui


Auf Lanzarote weht fast ständig Wind. Foto:©iStockphoto.com /allyclark


Auch die Kraft der Wellen kann zur Energiegewinnung genutzt werden. Foto:©iStockphoto.com / mit4711


... ebenso wie Erdwärme. Foto::©iStockphoto.com / JulienGrondin


Solaranlage auf dem Dach des Hotel San Antonio in Puerto del Carmen. Foto: A. Jageneau


(09/08 No. 26) Lanzarote bietet perfekte Bedingungen für die Erzeugung erneuerbarer Energien. Wind, Sonne, Wellenkraft und Erdwärme stehen in ausreichenden Mengen zur Verfügung. Dennoch werden jährlich Unmengen Öl für die Strom- und Trinkwasserproduktion

verheizt, und die natürlichen Resourcen liegen weiter brach. Interessenskonflikte, Finanzierungsfragen und das Fehlen überzeugender Konzepte sind die wesentlichen Gründe dafür, dass die Insel noch immer jährlich weit mehr als 200.000 Tonnen Petroleum für Strom und Wasser verheizt.

 

Keine anderen Naturelemente prägen Lanzarote so, wie Wind, Sonne und die verborgene Kraft unter den Vulkanen. Jährlich kommen tausende von Surfern auf die Insel, um sich mit der ungeheuren Kraft der Meereswellen zu messen, Sonnenhungrige holen sich die begehrte Urlaubsbräune an unseren Stränden und fast alle fah-
ren in die Vulkanlandschaft des Timanfaya Nationalparks, um dort die Hitze des Erdinneren hautnah zu erleben: Sie bestaunen, wie sich ein Dornenbusch - wie von Zauberhand  - selbst entzündet und schlemmen die von der Erdhitze gegrillten Hühnchenschlegel am dortigen Vulkangrill.
Die Kraft der Elemente sind jedoch viel mehr als sportliche oder atmosphärische Staffage für den obligatorischen zweiwöchigen Sommerurlaub. Sie sind die zukünftige Energiequelle und womöglich einzige Überlebenschance der Atlantikinsel Lanzarote, die derzeit fast 100 Prozent ihrer benötigten Energie importieren muss.
In Zeiten des allgegenwärtigen, globalen Klimawandels und der verzweifelten Suche nach alternativen Möglichkeiten der Energiegewinnung können Sie zum Schlüssel aller Probleme der Zukunft werden.

 

Profit aus dem Klimawandel

 


Würde man ein Land charakterisieren wollen, welches ideal auf die Anforderungen des kommenden Klimawandels zugeschnitten ist, so würde Lanzarote wohl sehr gut in das Raster passen.
Mit einer durchschnittlichen Windgeschwindigkeit von 23 km pro Stunde und durchschnittlich 8,9 Sonnenstunden täglich mit 30 Prozent stärkerer Sonneneinstrahlung als auf dem Festland, gibt es auf der Insel perfekte Bedingungen zur Erzeugung sauberer Energien. Nicht zu vergessen, die von jedem Ort der Insel schnell zu erreichende Energiequelle Wasser. Obwohl aufgrund des zu geringen Tidenhubs von nur 2,5 Metern Gezeitenkraftwerke nicht in Frage kommen, so könnten Wellen- und Strömungskraftwerke vor der Küste erhebliche Energiemengen liefern. Aber auch die Erdwärme, welche durch Lanzarotes vulkanischen Ursprung reichhaltig und dicht unter der Erde vorhanden ist, darf nicht vergessen werden. Fernwärmeanlagen könnten beispielsweise für weite Teile der Insel warmes Wasser liefern. Das  energetische Potential Lanzarotes ist also enorm.
 Man kann sogar davon ausgehen, dass in näherer Zukunft, als Konsequenz des Klimawandels, die Sonneneinstrahlung und Winde auf Lanzarote sogar zunehmen werden. Das bedeutet, anders als andere Regionen der Erde, könnte Lanzarote von den Auswirkungen des Klimawandels direkt profitieren. Denkt man diese Idee konsequent zu Ende, wäre eine totale Autarkie der Insel im Energiesektor irgendwann möglich. Könnte so die Insel vielleicht sogar zu den Gewinnern des Klimawandels gehören?
In Anbetracht der Tatsache, dass die optimale Ausnutzung lokaler erneuerbarer Energieressourcen eine weit reichende und langfristige Errichtung neuer Infrastrukturen voraussetzt, wäre es notwendig, so schnell wie möglich mit neuen Energiegewinnungsmethoden zu beginnen. Umso erstaunlicher ist es, dass entschlossene Schritte in diese Richtung aber fehlen, dass, schlimmer noch, immer wieder neue Kraftwerke die Petroleum verstromen, geplant und gebaut werden. Steht das „saubere“ Energieparadies vor dem Aus bevor es angefangen hat?

 

Ölhaltig statt nachhaltig

 


Wie bei den vielen Sonnehungrigen an den Stränden, wo das Sonnenöl zur Standartausrüstung gehört, so geht auch im derzeitigen Energiehaushalt Lanzarotes nichts ohne den fossilen Brennstoff Öl.
Jährlich importiert die Insel 400.000 Tonnen Öl. 45 Prozent dieser Menge werden im Dieselkraftwerk in Strom umgewandelt. Die Hälfte davon wird genutzt, um durch Wasserentsalzung die derzeit jährlich benötigten 24 Millionen Kubikmeter Wasser zu produzieren, die andere Hälfte verbrauchen die Insulander im Haushalt für Warmwasser, Licht, Waschmaschine, Computer... 99,4 Prozent aller benötigten Energie auf Lanzarote wird durch die Verbrennung von schwerem Heizöl gewonnen und nur rund 0,6 Prozent davon sind aus erneuerbaren Energiequellen.
Die zwei einzigen Windparks der Insel, Montaña Mia bei San Bartolomé und Los Valles bei Tequise, produzierten im vergangenen Jahr 27.195,24 Megawatt (MWh) Strom, was bei einem Jahresverbrauch von 807.826 MWh auf der Insel eine verschwindend geringe Menge ist. Betrachtet man den stetig wachsenden Stromverbrauch, der sich zwischen 1997 (429.494 Megawatt) und dem vergangenen Jahr fast verdoppelt hat, so bekommt man schnell den Eindruck, dass dringend neue Anlagen, wie etwa Wind- oder Solarparks benötigt werden, um den Energiebedarf in der Zukunft decken zu können.
Vor diesem Hintergrund ergeben Vision und Realität ein bizarres Bild von Kontrasten und Widersprüchen, und es drängt sich dem außenstehenden Betrachter unmittelbar die Frage nach dem Warum auf. Was sind die Gründe dafür, dass das einmalige Potential der Insel so wenig genutzt, und immer noch auf scheinbar überholte Energiegewinnung gesetzt wird?

 

Aller Anfang ist schwer

 


Wir fragten diejenige Person auf der Insel, die Licht ins Dunkel bringen kann, Lourdes Bernal, Beauftragte für Industrie, Handel, Konsum und Energie der Inselregierung Lanzarotes (Interview Seite 12). Sie sieht das Problem im Interessensausgleich zwischen Bevölkerung, Tourismus und Industrie. Ohne eine gemeinsame Basis, betont sie, werde eine nachhaltige Entwicklung auf der Insel nicht möglich sein.
Aller Anfang ist schwer, und die Umstellung darf nicht zum Leidwesen der Bevölkerung durchgesetzt werden. Gerade beim Thema Strom ist die Kollision verschiedener Interessen verständlicherweise sehr hoch. Aus Sicht der Inselregierung ist es schwer, eine ausgleichende und dabei effiziente Politik zu gestalten. Der sogenanten Plan für die nachhaltige Entwicklung auf Lanzarote (Plan de Desarrollo Lanzarote Sostenible, PDS) bildet in diesem Kontext einen Leitfaden für die verantwortliche Regierung. In ihm wird die aktuelle Situation der Energiegewinnung analysiert und langfristige Ziele formuliert. Er soll im Groben den Weg zur Unabhängigkeit Lanzarotes vom Öl skizzieren. „Man könnte sagen, dass dieser Plan die Philosophie beschreibt, die hinter jeder Idee und jedem Projekt steht“ beschreibt Bernal dieses Konzeptpapier.
Schaut man sich diesen Plan einmal genauer an, so fällt auf, dass die Einschätzung der Lage sehr realistisch ausfällt, und dass man versucht, die Problematik in ihrer ganzen Komplexität zu erfassen.
So will sich beispielsweise die Inselregierung für die Installation eines „Zentralen Energiebüros“ (Agencia Insular de la Energía) einsetzen. Diese Büro soll künftig Informations- und Beratungsstelle für die Insulaner in Sachen Energie, speziell erneuerbare Energie, sein. Hier sollen zudem Projekte betreut und Energiezertifikate für verschieden Anlagen ausgestellt werden. Zurzeit befindet sich das Projekt jedoch noch in der Phase des Aufbaus. Um hierbei den Energieentwicklungsprozess der Insel nicht noch weiter zu verzögern, werden Projekte, die zukünftig in die Zuständigkeit des Energiebüros fallen, bereits heute von denjenigen betreut, die sich auch um den Plan für saubere Energien (Plan Insular de Energías Limpias) kümmern.
Erste Früchte dieser Arbeit sind bereits zu erkennen. Es handelt sich dabei primär um Projekte, die das Energiepotential von Wind, Sonnen und Wellen auf Lanzarote genauer unter die Lupe nehmen, wissenschaftlich untersuchen und dokumentieren. Zukünftige Investoren können sich dann auf gesicherte, wissenschaftliche Erkenntnisse stützen und den bestmöglichen Standort für ihre Installationen besser ermitteln.
Eines dieser Analyseprojekte ist zum Beispiel „die Wellenkarte“ (Mapa de olas). In Kooperation mit der Universität Barcelona wird das Energiepotential der Wellen und Strömungen in unmittelbarer Umgebung der Insel ermittelt. Am Ende der mit 25.000 Euro vom Cabildo Lanzarote finanzierten Untersuchung wird eine genaue Karte stehen, die anzeigt, an welchem Ort der Inselküste es sich lohnen könnte, Wellen- oder Strömungskraftwerke zu errichten. Bernal geht davon aus, dass „frühestens im September dieses Jahres“ mit ersten Ergebnissen zu rechnen ist. Dennoch scheint es bereits vor der endgültigen Präsentation der Ergebnisse interessierte Investoren zu geben.
Die Ergebnisse einer ähnlichen Analysestudie, ebenfalls initiiert von der lanzarotenischen Inselregierung, lassen weiter aufhorchen und verdeutlichen, welches unvorstellbare Potential allein die Sonnenkraft auf der Insel hat. Die bereits veröffentlichte „Sonnenkarte“ (Mapa Solar) zeigt, dass inselweit ca. 8,5 Millionen Quadratmeter Dachfläche ideal für die Installation von Sonnenkollektoren geeignet wären. Würde diese schier unglaublich Fläche von Photovoltaikanlagen ans Netzt gehen, könnte man eine Millionen Kilogramm Kohlenstoffdioxid (CO2) einsparen und würde das Dreifache des derzeitigen Energiebedarfs produzieren.

 

Initiative von Allen

 


Eine umfangreiche Untersuchung des Energiepotentials bietet einerseits Sicherheit für mögliche Investoren, ist aber auch andererseits als ein deutliches Signal an die Skeptiker in Industrie und Tourismus zu verstehen. Sie sehen, dass der Prozess der Transformation von Öl zu erneuerbaren Energiequellen überlegt und behutsam von der Inselregierung vorbereitet wird. Doch der Wandel kann nur Erfolg haben, wenn alle Seiten Zugeständnisse machen.
Wie sehr sich dieses Bewusstsein auch in der Tourismusbranche der Insel durchsetzt, ist am Beispiel des Hotel San Antonio in Puerto del Carmen zu erkennen. Die Hotelanlage hat vor einigen Monaten ihre hausinterne Solaranlage eingeweiht. Durch die gewonnene Energie ist das Hotel in der Lage, seine komplette Klimatisierung und Warmwasserversorgung in Eigenregie mit Energie zu versorgen. Jährlich können dabei 525 Tonnen CO2 eingespart werden (siehe Lanzarote37°, Nr. 25).
Nicht nur auf Lanzarote, auch auf den anderen Kanareninseln, wie Fuerteventura oder Gran Canaria sind solche Entwicklungen zu beobachten. Die Nobelhotelkette „Lopesan“ investierte vier Millionen Euro in zwei neue Solaranlagen auf ihren kanarischen Hotels. Auf 2700 Quadratmetern werden dort seitdem jährlich 1.075.165 Kilowatt mit sauberer Sonnenenergie produziert.

 

Vom Konsumenten zum Produzenten

 


Wind und Sonne stehen auf der Insel jedem zur Verfügung, und jeder kann sich die Kraft der Natur zu Nutze machen. Mit dem heutigen technologischen Fortschritt ist es schon seit langem nicht mehr nur reichen Investoren möglich, die finanziellen Risiken zu schultern und saubere Energie zu gewinnen. Vielmehr können nun auch Privatleute mit kleinerem Budget Teile ihres Strombedarfs mit alternativen Enegien decken, und was sie zuviel produzieren gegen Bezahlung ins öffentliche Netz einspeisen. Durch die zunehmende Verbreitung solcher Kleinanlagen und die Verbesserung ihrer technischen Effizienz ist ein immer kleineres Startkapital notwenig, um selber Strom produzieren zu können.
Aber wie hoch sind genau die Kosten, auf die sich ein ambitionierter zukünftiger Stromproduzent einstellen muss?
Lanzarote37° fragte Horst-D. Büchler, der sich auf Lanzarote auf die Instandsetzung und Neuinstallation von Solar- und Windkraftanlagen spezialisiert hat. Mit über 25 Jahren Berufserfahrung im Elektrobereich, Geräteinstandsetzung und Industrieentwicklung ist Büchler Fachmann auch für Solaranlagen.
„Die Installation einer Solaranlage ist eine höchste individuelle Angelegenheit, die bei jedem Kunden speziell angepasst werden muss. Faktoren wie aktueller und zukünftiger Stromverbrauch, die Lage der Anlage und der Verwendungszweck spielen dabei eine wesentliche Rolle.“ Nach seinen Kalkulationen müsste man etwa zwischen 10.000 bis 50.000 Euro investieren, um den Strombedarf einer vierköpfigen Familie teilweise bzw. ganz mit regenerativen Energien decken zu können (siehe Info-Kasten).
Neben dem einzubringenden privaten Kapital gibt es jedoch ein breites Angebot von staatlichen und kommunalen Subventionen, die besonders kleine, private Stromproduzenten fördern wollen. Auf kommunaler Ebene ist es die Regierungen von Lanzarote, auf Länderebene die Kanarenregierung, die auf verschiedene Weise Subventionen und individuelle Beratung anbieten. Ansprechpartner auf Lanzarote ist der „Servicio de Energía“ der Abteilung Arbeit, Industrie, Handel und Energie des Cabildo. Des Weiteren bietet das IDAE (Instituto para la Diversificación y el Ahorro de la Energía) auf staatlicher Ebene ebenfalls seine Beratung und Förderung an.
Die Höhe der Subventionen und die Dauer der Genehmigungsphase sind abhängig von der Größe, dem Standort und dem konkreten Verwendungszweck der geplanten Anlagen. Viele der ansässigen Firmen, die die Installation von Photovoltaikanlagen vornehmen, bieten als zusätzlichen Service die Beantragung der Subvention bei den lokalen Behörden an. Sodass viele Behördengänge und lästiger Papierkram den Auftraggeber nicht tangieren. Im Allgemeinen geht man davon aus, dass zwischen Planung und Inbetriebnahme einer Anlage drei bis vier Monate vergehen.
Ist dann eine Solaranlage auf dem Dach des Eigenheims installiert, kann die Produktion des eigenen Ökostroms beginnen. Ähnlich wie in Deutschland werden auch in Spanien die Preise für die eingespeiste Energie staatlich gefördert, um die wirtschaftliche Rentabilität neuer Anlagen, speziell in der Anfangsphase, zu gewährleisten. In Spanien kann der private Stromproduzent entscheiden, zu welchen Preisen er seinen Strom dem allgemeinen Netz verkaufen will. Entweder er verkauft seine Energie nach einem staatlich festgelegtem Tarif, der für die ersten 25 Jahre gleich bleibt und dann leicht absinkt, oder er entscheidet sich dafür, mit dem örtlichen Energieversorger einen Preis auszuhandeln, und bekommt auf diesen Preis dann zusätzlich eine staatliche Prämie von einigen Cent.
Der angesprochene Standarttarif wird durch das spanische Äquivalent zum deutschen „Erneuerbare-Energien-Gesetz“, das „Real Decreto 661/2007“ festgesetzt. Zurzeit liegt dieser für Solarenergie bei kleineren Anlagen mit einer Produktionskapazität von bis zu 100 kW in den ersten 25 Jahren bei ca. 44 Cent und fällt danach auf ca. 35 Cent pro kW. Größere Anlagen, die bis zu 50 MW produzieren können, erhalten zunächst rund 23 Cent, später circa 18 Cent pro kW. Weil man davon ausgeht, dass Strom produzieren mit alternativen Anlagen auch für den „kleinen Mann“ immer billiger wird, sinkt der Preis, den der Staat zahlt, nach 25 Jahren dann ab. Dabei fällt auf, dass insbesondere kleinere Anlagen gefördert werden sollen, denn über den Daumen gepeilt gilt: Je kleiner die Anlage, umso mehr Geld gibts vom Staat. Ziel ist es künftig, die Produktion von Energie auf viele Schultern zu verteilen und mehr freie Flächen in städtischen Gebieten zu nutzen.

 

Am Anfang war die Erkenntnis

 


Eines ist klar, der Wille etwas zu verändern, scheint sich langsam aber sicher bei jedem Inselbewohner durchzusetzen, nur scheiden sich an der Umsetzung häufig die Geister. Während die einen eine radikale Umwandlung der Energielandschaft auf der Insel fordern, sehen die anderen den Weg in die „grüne“ Zukunft in einem langsamen Übergangsprozess, der von der „sicheren“ Basis herkömmlicher Produktionsweisen aus gestartet werden muss. Womöglich liegt die Lösung des Problems einmal mehr im Kompromiss.
In naher Zukunft wird es nicht möglich sein, von jetzt auf gleich das unliebsame Monster der „dreckigen“ Energien abzuschütteln, denn dazu sind die neuen Produktionsmethoden noch nicht verbreitet und ausgereift genug. Viel mehr ist es momentan wichtig, die Energiequellen zu diversifizieren. Das Problem der erneuerbaren Energie ist nach wie vor ihre Unzuverlässigkeit.
Besäße man eine Stromversorgung, die zu hundert Prozent aus sauberen Energien stammen würde, so könnten zum Beispiel widrige Witterungsbedingungen einen konstanten Stromflusses beeinträchtigen. Für Industrie und Tourismus auf der Insel wäre dies ein nicht akzeptabler Zustand. Aus diesem Grunde schlägt Bernal eine Höchstgrenze von 30 Prozent erneuerbarer Energie für die Insel vor. Ein „gesunder Energiemix“ sei die beste Art und Weise, saubere Energie in den Alltag zu integrieren, ohne die Versorgung der Bevölkerung mit Strom und schlimmer noch, mit Wasser, zu gefährden“, so Bernal.
Die Lösungsansätze der Inselregierung gehen aber auch in andere Richtungen. So will man versuchen sich auch die neueste Entwicklungen im Bereich der Energiespeicherung zu Nutze zu machen Eine Überproduktion von Energie könnte zentral gespeichert werden (auf El Hierro zum Beispiel ist hierfür einWasserreservoir in einem Vulkankrater geplant), um Engpässe zu kompensieren.
Vielleicht könnte mit dieser Methode dann doch die hundertprozentige Unabhängigkeit von Energie aus fossilen Brennstoffen im Bereich des Möglichen liegen.
Betrachtet man die Preise des lanzarotenischen Strommarktes kritisch, stellt sich schnell heraus, dass derzeit Ökostrom trotz erheblicher Subventionen preislich in keiner Weise mit konventionellem Strom konkurrieren kann. Solange der „dreckige“ Strom im Vergleich so günstig ist, gibt es für Privatleute keinen Anreiz, eine im Verhältnis doch teure Solaranlage zu installieren. Wenn man jedoch auch hier auf den gesunden Energiemix von Netz- und Solarstrom setzt, kann die Sonne die monatliche Stromrechnung erheblich reduzieren.

 

El Hierro - Der kleine Bruder einen Schritt voraus

 


Auf der kleinsten der sieben Kanarischen Inseln scheint die Vision von der Energie-Autarkie bald Realität zu werden. Stolz verkündete die Inselregierung vor wenigen Monaten die Unhabhängigkeit von Energieeinfuhren ab 2010. Mann will sich durch Nutzung von Wind- und Wasserkraft von Energieimporten unabhängig machen. So soll in näherer Zukunft zusätzlich ein Wasserkraftwerk mit einer Leistung von 9,9 MW und ein Windpark mit 3,3 MW Leistung errichtet werden. Die geplanten Gesamtkosten belaufen sich auf 54,3 Millionen Euro, von denen 35 Millionen die IDEA schultert. Durch diese Maßnahmen sollen 18.700 Tonnen CO2, 6000 Tonnen Petroleum und 1,8 Millionen Euro eingespart werden. Wenn dies gelingt, wäre El Hierros Energiekonzept  weltweit einzigartig.

 

Ein Weg - Ein Ziel

 


Leider ist das Energie-Modell von El Hierro nicht direkt auf Lanzarote übertragbar, zeigt aber dennoch, welche Möglichkeiten die Natur den Kanarischen Inseln bezüglich der Energieproduktion bietet. Außerdem sollte man den aktuellen Energieverbrauch nicht sofort eins zu eins mit erneuerbaren Stromquellen decken, sondern als aller Erstes sämtliche Stromsparmaßnahmen ausschöpfen. Nicht nur ein materieller, sondern auch ein gedanklicher Transformationsprozess muss demnach stattfinden. Der Weg zu einer „grünen“ Energieversorgung auf Lanzarote ist noch lang, aber wie sagt ein altes Sprichwort bereits: „Auch die längste Reise beginnt mit dem ersten Schritt“. Die nächsten Jahre werden zeigen, ob die neuen Ideen und Konzepte Früchte tragen werden, oder ob vieles im Sumpf der Bürokratie versinkt.

 

Was bringt Solarenergie ein: Eine Beispielrechnung


Die Installation von Solaranlagen ist höchst individuell somit ist auch das preisliche Spektrum groß. Folgende Beispielrechnungen sind dem entsprechend nicht zu verallgemeinern. Sie sollen ferner nur einen Eindruck von preislichen Relationen vermitteln.

 

„Strommix“
Strom für eine vierköpfige Familie aus alternativen Energien und Netzstrom
Ermittelter Gesamtstromverbrauch:
ca. 6350 Wh/Tag davon 3500 Wh/Tag aus alternativen Energien;
55 Prozent des Gesamtstromverbrauchs könnten so durch Solarenergie gedeckt werde


Preise einzelner Komponenten:
Batterien:    24 V / 12 x 290 Ah    3000 €
Wechselrichter:    2500 W  / Lader        2000 €
Generator:    entfällt aufgrund von Netzanschluss
Solarmodul:    ca 1000 W        5000 €
Windrad:    entfällt aufgrund von Netzanschluss
Preis der benötigten Solaranlage: ca. 10.000 €

 

„Unabhängig“
Strom für eine vierköpfige Familie ausschließlich aus alternativen Energien
Ermittelter Gesamtstromverbrauch:
ca.  6350   Wh/Tag
Preise der einzelnen Komponenten:
Batterien: 48V / 24 x 700 Ah      8.000 – 10.000 €
Wechselrichter: 5000 W  / Lader      3.500 –   4.000 €
Generator: 10 000 W          1.000 –   3.000 €
Solarmodule: ca 2000 W        12.000 €
Windrad: ca 2000 - 5000 W    10.000 – 20.000€
Preis der benötigten Solaranlage: ca. 49.000 €

 

Eine Kilowattstunde entspricht…


… sich mit einem Elektrorasierer ganze 2 Jahre lang zu rasieren. 
… eine 40 Watt Lampe 25 Stunden brennen zu lassen.
… sich mit einer elektrischen Zahnbürste 7 Jahre lang 3 mal täglich die Zähne          zu putzen.
… ein Mittagessen für vier Personen zu kochen.
… 7 Stunden Fernsehen zu schauen.
… knapp 3 Tage Lebensmittel kühl zu halten.
… 15 bis 20 Stunden Radio hören.
… mit einem Bügeleisen 2 bis 2,5 Stunden Wäsche zu bügeln.

 

 

Nützliche Internetseiten zum Thema

www.idae.es
www.gobcan.es/ayudas
www.gobiernodecanarias.org/industria/subvenciones/subvenciones.html
http://www.grafcan.com
http://www.cabildodelanzarote.com
www.datosdelanzarote.com
www.vidasostenible.org




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