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Montag, 16. September 2019
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Wissenswertes

Trinkwasser auf Lanzarote:
Der lange Weg zum Hahn
oder wie Öl zu Wasser wird

Von: Friederike Klinge


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Lanzarote hat kein eigenes Süßwasser. Keine Quellen, kein Grundwasser. Die wenigen Süßwasserlinsen die auf dem Salzwasser schweben sind kaum nennenswert und teilweise längst aufgebraucht. Foto:www.photocase.com / jarts

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Grafik Umkehrosmose: Schematische Darstellung eines Umkehrosmose-Systems (Meerwasserentsalzung) mit einem Druck Wärmetauscher. 1: Meerwasserzufluß, 2: Frisches Wasser (40%), 3: Flow-Konzentrat (60%), 4: Meerwasserzufluß (60%), 5: Concentrate (drain), A: Hochdruck-Pumpe (40%), B: Umwälzpumpe, C: Osmose-Anlage mit Wasser fließt nicht ununterbrochen durch Lanzarotes Rohrleitungssystem. Die meisten Orte der Insel werden nur tagsüber versorgt und abgelegene Gegenden bekommen sogar nur zweimal wöchentlich Wasser. Membran, D: Pressure Exchanger. Grafik: Wikipedia

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Die Biologin Sara Martín Garcia ist auf Lanzarote für die Kontrolle der Trinkwasserqualität verantwortlich.

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In der Plattform III der lanzarotenischen Wasserversorgungsfirma Inalsa werden pro Stunde etwa 550 Kubikmeter Salzwasser durch Membranen gepresst. Die Ausbeute sind rund 232 Kubikmeter Trinkwasser. Foto: Lanzarote37°/Klinge

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Bei den Membranen handelt es sich um so genannte Spiralwickelmembranen. Die eigentliche semipermeable Membran und zwei Schutzlagen sind in vielen Windungen um einen wenige Zentimeter dünnen Tubus gewickelt. Das entsalzte Wasser fließt in diesem Tubus ab.

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Der Techniker Antonio Valenciano im Kontrollraum der „Lanzarote III“.

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Filtertanks

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Der Geschäftsführer der INALSA Pedro A. Márquez Rodríguez. Foto: Lanzarote37°/Klinge

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Sole, das Wasser-Salzkonzentrat,...

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...welches wieder zurück ins Meer fließt.

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Die Trinkwassertanks auf dem Gelände der INALSA.

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Lanzarotes Rohrleitungssystem führt nicht ununterbrochen Wasser. Die meisten Orte der Insel werden nur tagsüber versorgt und abgelegene Gegenden bekommen sogar nur zweimal wöchentlich Wasser. von der Inalsa. Karte: Inalsa Lanzarote


Lanzarote ist eine sehr trockene Insel. So trocken, dass hier unter natürlichen Umständen niemals 140 Tausend Menschen leben könnten. Geschweige denn, dass jährlich zwei Millionen Touristen mit Trinkwasser versorgt oder Freizeit-Paradiese wie Golfplätze bewässert werden könnten.

Bis auf einige wenige Süßwasserlinsen – natürliches Sickerwasser, das auf dem Salzwasser schwimmt – gibt es kein Grundwasser auf unserer Insel und die winterlichen Niederschläge fallen weder regelmäßig noch in so großen Mengen (weniger als 200 Millimeter pro Jahr), dass sie den derzeitigen Verbrauch auch nur annähernd decken könnten.

Früher waren die Lanzaroteños sehr erfindungsreich, wenn es darum ging, das wertvolle Regenwasser aufzufangen und zu nutzen. Die alten Alcojidas, Maretas und Aljibes – Regenwasserauffangflächen und Speicher – sind heute verfallen und zeugen von vergangenen Zeiten. In der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts kam Süßwasser mit Tankschiffen aus Gran Canaria und Teneriffa. Damals begann Lanzarote ganz allmählich über seine (Wasser)-Verhältnisse zu leben und 1964 setzten die Brüder Diaz Rijo noch eins obendrauf: Sie bauten die erste Meerwasserentsalzungsanlage der Insel.

 

 


Die Anfänge der Meerwasserentsalzung auf Lanzarote


Es war die erste Meerwasserentsalzungsanlage Spaniens und eine der ersten weltweit, die zur Versorgung der Zivilbevölkerung diente. Zum ersten Mal gelang es auf Lanzarote, aus dem reichlich zur Verfügung stehenden Meerwasser Trinkwasser zu machen. Die Zeiten des ewigen Durstes waren endlich vorbei und Lanzarote hatte plötzlich genug Wasser, um den heute wichtigsten Wirtschaftszweig auszubauen: den Tourismus.
Zehn Jahre später übergaben die beiden Brüder ihr bis dahin privates Unternehmen „Termolanza“ (Termoeléctrica de Lanzarote S.A.) an die lanzarotenische Verwaltung. Die kleine Firma war dem enormen Bedarf an Trinkwasser und den damit verbundenen Investitionen nicht mehr gewachsen. So wurde 1974 die öffentliche Firma „Consorcio del Agua“ gegründet, an der die Inselregierung 60 Prozent und die lanzarotenischen Gemeinden 40 Prozent hielten. Damit übernahmen Cabildo und Ayuntamientos die Verantwortung für die Wasserversorgung auf der Insel. Neue Entsalzungsanlagen wurden gebaut und das Versorgungsnetz wurde erweitert. 1989 ging dieses Konsortium dann in die „Insular de Aguas de Lanzarote S.A.“, sprich INALSA, über. Auch an diesem Unternehmen sind zu 60 Prozent das Cabildo und zu 40 Prozent die Ayuntamientos beteiligt.
So hängt also jeder, der auf Lanzarote den Wasserhahn aufdreht, am (oder im?) Netz der INALSA. Zurzeit unterhält das Unternehmen zwei Trinkwasserproduktionsstätten auf Lanzarote: „Punta de los Vientos“ zwischen Arrecife und Costa Teguise und „Inalsa Sur“ zwischen Yaiza und Playa Blanca. Lanzarote37˚ hat die Wasserfabrik in Arrecife besucht und ist der hiesigen Trinkwasserproduktion auf den Grund gegangen.



Wie funktioniert Meerwasserentsalzung?

Die Produktionsstätte „Punta de los Vientos“ liegt in der Nähe des Hafens „Puerto de los Mármoles“ direkt am Meer. Hier gibt es zwei Meerwasserentsalzungsanlagen: „Lanzarote III“ und die neuere „Lanzarote IV“ funktionieren nach dem heute gängigen Prinzip der Umkehrosmose. Zusammen produzieren sie täglich über 60.000 Kubikmeter Trinkwasser.
Lanzarote37° hat sich in den Hallen und auf dem Gelände dieser lanzarotenischen Süßwasser-Fabrik umgesehen und sich von Antonio Valenciano, dem Chef vom Dienst, den Entsalzungsprozess erklären lassen.
Am äußeren Rand des Geländes, direkt am Meer, befinden sich mehrere, permanent gefüllte, Meerwasserbunker. Von dort wird das Wasser zu den ersten Filtern gepumpt, während ihm gleichzeitig Natrium-Meta-Bisulfit zugeführt wird, um Sauerstoffgehalt und pH-Wert zu regulieren und Bakterien abzutöten. In diesen Filtertanks werden dann Algen, Tierchen, Schwebstoffe und sonstige Verunreinigungen aus dem Wasser herausgefiltert. Danach strömt das Wasser durch noch feinere Filter bevor der erste große Kraftaufwand notwendig wird:
Mit Hochdruckpumpen wird der Wasserdruck von ursprünglich 4 bar auf 70 bar getrieben. Das ist notwendig, damit die Umkehrosmose (siehe Kasten) überhaupt funktionieren kann. Das Salzwasser wird dann mit diesem hohen Druck in mehrere Meter lange Druckrohre gepresst, in denen sich jeweils sechs etwa einen Meter lange Membranen befinden. Mittels Umkehrosmose wird dann die Salzkonzentration in 45 Prozent des eingepressten Wassers bis auf Süßwasserqualität verringert, in den anderen 55 Prozent stark erhöht.
So werden in der Plattform „Lanzarote III“ pro Stunde etwa 550 Kubikmeter Salzwasser durch die Membranen gepresst. Die Ausbeute sind rund 232 Kubikmeter Trinkwasser mit einem restlichen Salzgehalt von etwa 400 Milligramm pro Liter. Der Rest, 318 Kubikmeter Sole (stark angereichertes Salzwasser), ist Abfallprodukt. Die Sole verlässt die Druckrohre mit hohem Druck (immerhin noch 67 bar) und wird zunächst noch durch eine Turbine geleitet. Hier wird der Druck wieder in elektrische Energie umgewandelt und in den Produktionsprozess zurückgeführt. Anschließend wird die Sole ins Meer geleitet.



Die Anlage Lanzarote IV


Seit dem Jahre 2000 ist zusätzlich die Meerwasserentsalzungsanlage „Lanzarote IV“ in Betrieb. Genau wie in der „Lanzarote III“ betreiben fünf Pumpen fünf Produktionslinien, die jeweils 6000 Kubikmeter Trinkwasser täglich produzieren. Die Tagesproduktion der „Lanzarote IV“ liegt also auch bei 30.000 Kubikmetern. Die modernere Anlage hat gegenüber der Lanzarote III den Vorteil, dass das produzierte Trinkwasser einen restlichen Salzgehalt von weniger als 100 Milligramm pro Liter hat.



Die Produktionsstätte Lanzarote Sur


Eine weitere von der INALSA betriebene Meerwasserentsalzungsanlage, die „Lanzarote Sur“, befindet sich im Süden der Insel, zwischen Yaiza und Playa Blanca, an der Küste von Janubio. Zwei Umkehrosmose-Anlagen produzieren dort täglich 8000 Kubikmeter Trinkwasser, welches den gesamten Süden unserer Insel versorgt. Zwei ältere Anlagen, die nach der veralteten Technik der Entspannungsverdampfung funktionieren, sind nicht mehr in Betrieb, könnten bei Bedarf aber jederzeit aktiviert werden.

 

Das Trinkwasser


In der Produktionsstätte „Punta de los Vientos“ wird das von der “Lanarote III” und “Lanzarote IV” produzierte Trinkwasser vermengt, so ergibt sich eine recht gute Trinkwasserqualität, und in großen Tanks auf dem Gelände zwischengelagert. Bevor das produzierte Wasser in das Trinkwassernetz eingespeist wird, werden Chemikalien hinzugefügt: Natriumkarbonat reguliert den pH-Wert, Chlorid tötet Bakterien ab und dient damit der Desinfektion und Calciumchlorid beeinflusst die Härte des Wassers. Danach gelangt das Wasser in die Haushalte.



Die Qualitätskontrolle


Im Labor der INALSA gab uns die Biologin Sara Martín Garcia einen Einblick in ihre Arbeit. „Wir überprüfen hier die Trinkwasserqualität. Wir entnehmen an vielen verschiedenen Punkten im gesamten Versorgungsnetz Wasserproben, zum Beispiel aus den Leitungen, die nach Maneje hochführen, aus den Depots der Gemeinden und aus der Anlage in Janubio, obwohl die dort auch ein eigenes Labor haben“, erklärt Sara, während sie ein paar Reagenzgläser wegstellt. „Die Qualitätskontrollen folgen einem strengen Protokoll, das von der Gesundheitsbehörde der Kanarischen Regierung vorgegeben ist“, so Sara weiter. Anhand eines Formulars zeigt sie einige der Faktoren, die überprüft werden. Wie sind Farbe und Geruch? Wie hoch sind Nitrit- und Nitrat-Gehalt? Wie hoch ist der verbleibende Salzgehalt?
Diese und viele andere Punkte werden Schritt für Schritt analysiert, um eine gute Wasserqualität zu garantieren. Als unabhängiges übergeordnetes Organ führt auch die kanarische Gesundheitsbehörde regelmäßig Analysen durch.
Die Trinkwasserversorgung
Täglich verlassen also rund 60.000 Kubikmeter Trinkwasser die Meerwasserentsalzungsanlage „Punta de los Vientos“. Das Wasser wird in ein Depot bei Maneje gepumpt und von dort nochmals 200 Meter höher nach San Bartolomé, von wo es durch ein Verteilernetz in die Tanks der einzelnen Dörfer gelangt.
Es gibt mehrere Pumpstationen, wie beispielsweise bei Arrieta, denn das Wasser muss ja auch in den Norden der Insel und bis nach La Graciosa. Im Norden liegt das höchste Depot auf 480 Metern über dem Meeresspiegel.
Übrings: Es fließt nicht ununterbrochen Wasser durch das Rohrleitungssystem. Nur Arrecife, Puerto del Carmen, Costa Teguise und Playa Blanca bekommen täglich vierundzwanzig Stunden lang Wasser. Die meisten anderen Orte der Insel werden nur tagsüber versorgt und abgelegene Gegenden bekommen sogar nur zweimal wöchentlich Wasser.
Das führt so manchen Sommer zu Problemen, wie vergangenen Juli und August, als es in Orten wie Punta Mujeres plötzlich kein Wasser mehr gab. Laut INALSA lag das Problem in der fehlenden Speicherkapazität, doch die INALSA geriet unter öffentliche Kritik: Die Wasserspeicher und Rohrleitungen seien teilweise in so katastrophalem Zustand, dass nur deswegen nicht ausreichend Speicherkapazität vorhanden sei. Die INALSA müsse mehr in die Instandhaltung der Wasserspeicher und Rohrleitungen investieren, hieß es. Fakt ist tatsächlich, dass aufgrund veralteter Rohrleitungen und Rohrbrüche etwa 30 Prozent des täglich produzierten und ins Netz eingespeisten Trinkwassers verloren gehen.
So hat die Insel insgesamt nur rund 120.000 Kubikmeter Wasser vorrätig. Eine Katastrophe für den Fall, dass die beiden Meerwasserentsalzungsanlagen nicht in Betrieb gehalten werden könnten – zum Beispiel wenn aufgrund eines Streiks kein Öl mehr nach Lanzarote gelänge, um Strom zu erzeugen. In diesem Fall würde das Wasser für Inselbevölkerung und Touristen gerade mal für zwei Tage reichen.



Energieverbrauch


Die auf Lanzarote installierten Meerwasserentsalzungsanlagen benötigen etwa 4,5 Kilowattstunden (kWh) um einen Kubikmeter Trinkwasser herzustellen. Dies beinhaltet den gesamten Prozess der Umkehrosmose und die Pumparbeiten. Zum Vergleich: Um diese Energie zu erzeugen, müsste man 45 Stunden auf dem Hometrainer strampeln.
Die modernsten Meerwasserentsalzungsanlagen der Erde benötigen derzeit etwa 3 kWh um einen Kubikmeter Trinkwasser herzustellen. Das Prinzip der Entspannungsverdampfung, das heute hauptsächlich noch in den reichen Golfstaaten Anwendung findet, verbraucht etwa 12 kWh pro Kubikmeter. Seitdem die Umkehrosmosetechnik entwickelt wurde, ist die Zahl der weltweit gebauten Entsalzungsanlagen rapide gestiegen, da der Entsalzungsprozess weniger energieaufwendig und so erheblich kostengünstiger geworden ist.
Die meisten Anlagen bekommen den benötigten Strom aus Kraftwerken, die mit fossilen Brennstoffen befeuert werden. Die weltgrößte Umkehrosmose-Meerwasserentsalzungsanlage Ashkelon in Israel zum Beispiel produziert täglich 320.000 Kubikmeter Trinkwasser und hat ihr eigenes Gasturbinenkraftwerk. Die weltgrößte Anlage überhaupt – Shuweihat in den Vereinigten Arabischen Emiraten – funktioniert nach dem Prinzip der Entspannungsverdampfung und produziert täglich 455.000 Kubikmeter Trinkwasser mittels eines großen Gas- und Dampfturbinenkraftwerks – die Unmengen Kohlendioxid, die diese mit Erdgas betriebene Anlage produziert, scheint die Scheichs nicht zu interessieren.
Der Lichtblick: Es gibt auch schon Meerwasserentsalzungsanlagen, die komplett durch erneuerbare Energien gespeist werden. So zum Beispiel die bisher größte ihrer Art in Australien: „Kwinana Desalination Plant“ produziert täglich 130.000 Kubikmeter Trinkwasser – angetrieben allein durch die Energie des Windes.
Auf Lanzarote stammt etwa ein Fünftel der für die Wasseraufbereitung benötigten Energie aus dem Windpark von Los Valles, der zu 60 Prozent der INALSA und zu 40 Prozent der UNELCO gehört. Den weitaus größeren Teil jedoch – rund vier Fünftel – des Stroms liefert die UNELCO, indem sie Unmengen von Erdöl verbrennt.
Im September wird die INALSA bei einer Ausschreibung der Kanarischen Regierung ein Projekt für die Installation von vier neuen Windparks einreichen. Sollte das Projekt genehmigt werden, könnte der überwiegende Teil unseres Trinkwassers tatsächlich eines Tages mit Hilfe von Windkraft gewonnen werden.



Die Sole


55 Prozent des ursprünglich in die Entsalzungsanlage eingespeisten Meerwassers fließt als Abfallprodukt zurück ins Meer. Über die Auswirkungen der Entsorgung der so genannten Sole im nahen Küstenbereich gibt es bisher kaum Studien, die die ökologischen Konsequenzen dieses Verfahrens untersuchen. Fest steht, dass die Sole den Salzgehalt im küstennahen Bereich erhöht, was mit Sicherheit Auswirkungen auf das lokale Ökosystem hat.
Im Mai diesen Jahres wurde die Meerwasserentsalzungsanlage „Lanzarote Sur“ angezeigt, weil auch dort die Sole direkt an der Küste ins Meer geleitet wird und man bereits eine Veränderung des Algenbewuchses beobachtet. Mehrere hundert Meter lange Rohrleitungen, die die Sole in tiefere Gewässer transportieren würden, könnten dieses Problem beheben. So empfiehlt die internationale Umweltorganisation WWF beispielsweise, die Sole einzudampfen – um das Volumen des Abfalls auf ein Minimum zu reduzieren – und an Land zu entsorgen.



Der Weisheit letzter Schluss?


Lanzarote hätte sich in den letzten vierzig Jahren ohne die Möglichkeit der Meerwasserentsalzung niemals zu dem entwickeln können, was es heute ist. Wir alle drehen den Wasserhahn auf, duschen, waschen, trinken und bewässern unsere Gärten ohne uns Gedanken zu machen. Das gleiche gilt für die anderen Kanarischen Inseln, für Spanien, Europa und die ganze Welt. Überall wo Wasser der limitierende Faktor war, konnte man mittels der Meerwasserentsalzung neue Horizonte eröffnen, vorausgesetzt das nötige Geld war da. Ob Tourismus auf einem trockenen Vulkaneiland, die Besiedlung wasserarmer Regionen oder Landwirtschaft in der Wüste: Meerwasserentsalzung macht es möglich.
Im Jahre 2005 gab es weltweit 10.402 Meerwasserentsalzungsanlagen, die insgesamt 35.627.374 Kubikmeter Trinkwasser pro Tag produziert haben, Tendenz rapide steigend. Dabei wird das Trinkwasser auch noch massiv subventioniert, besonders für die Landwirtschaft. Allein in der EU werden 20 Prozent des verfügbaren Trinkwassers durch Misswirtschaft verschwendet. Im Juli veröffentlichte die zuständige EU-Kommission eine Mitteilung, in der sie sich für angemessene Wasserpreise ausspricht, um den eigentlichen Wert dieser Ressource deutlicher zu machen.
Vergangenen Juni erst veröffentlichte der WWF eine Studie unter dem Titel „Desalination: Option or distraction for a thirsty world?“ (Meerwasserentsalzung: Möglichkeit oder Irrweg für eine durstige Welt?) Großer Kritikpunkt dieser Studie ist der enorme Energieverbrauch, der hauptsächlich über die Verbrennung fossiler Brennstoffe gedeckt wird und damit enorme Mengen an Kohlendioxid produziert. Auch der Eingriff in die Küstengewässer ist äußerst bedenklich, sowohl was die Entnahme von Meerwasser, als auch die Einleitung von Sole und Chemikalien betrifft (s.o.).
In dem Dokument spricht sich der WWF vor allem dafür aus, dass die Meerwasserentsalzung nicht als Weisheit letzter Schluss gesehen werden darf. Der verantwortungsvolle Umgang mit den natürlichen vorhandenen Wasserressourcen sollte im Vordergrund stehen. Wenn die industriellen Voraussetzungen, künstlich bewässerte Landwirtschaft oder Bevölkerungswachstum mehr Trinkwasser fordern, sollte einer nachhaltigen Raumplanung Priorität eingeräumt werden. Erst nach genauer Prüfung, vor allem auch unter ökologischen Aspekten, sollte die Option einer Meerwasserentsalzungsanlage in Betracht gezogen werden.
Auch die INALSA auf Lanzarote plant den Bau einer neuen Meerwasserentsalzungsanlage, um den steigenden Bedarf von Lanzarotes Bürgern, Touristen und Golfplätzen zu decken. Hoffentlich bald mit mehr erneuerbaren Energien, damit es nicht mehr allein heißen muss: Öl für Wasser.

 

Weitere Informationen in einem PDF-Dokument zusammengefasst von Diol.-Geogr. Frauke Ulbe finden Sie hier.

 

<span class="textrot">Wasserpreise auf Lanzarote
Die spanische Zentralregierung subventioniert die kanarischen Meerwasserentsalzungsanlagen. Die INALSA auf Lanzarote bekommt einen jährlichen Zuschuss von drei Millionen Euro.
Für die verschiedenen Verbraucherkategorien gelten unterschiedliche Wasserpreise. In einigen Kategorien sind die Preise gestaffelt. Ein Privathaushalt zum Beispiel bekommt alle zwei Monate eine Wasserrechnung. Die ersten 6 Kubikmeter werden mit sechs Euro berechnet. Jeder weitere Kubikmeter bis 30m3 kostet im Moment noch 75 Cent, dann kostet jeder weitere bis 40 Kubikmeter 1,20 Euro und ab einem Verbrauch von mehr als 40 Kubikmetern betragen die Kosten pro Einheit 2,40 Euro. Ein Bauer auf Lanzarote zahlt zwischen 60 Cent und 1,80 Euro pro Kubikmeter Trinkwasser. Für die Industrie, d.h. für den Tourismus, wird jeder Kubikmeter mit 1,33 Euro berechnet.</span>


<span class="textrot">Was ist virtuelles Wasser?
Als virtuelles Wasser wird jenes Wasser bezeichnet, das zur Erzeugung eines Produkts aufgewendet wird. Es ist die Wassermenge, die nach einer umfassenden Bilanz als tatsächlich verbrauchte Menge pro Produkt anfällt. Deutschland exportiert virtuelles Wasser, das in der Industrieproduktion verbraucht wird und importiert virtuelles Wasser vor allem in Form von Agrarprodukten (zu denen auch die besonders wasserverbrauchende Baumwolle gehört).
In der Bilanz gehört Deutschland zu den zehn größten Importeuren von virtuellem Wasser. Zieht man die Bilanz des virtuellen Wassers, verbraucht ein Deutscher pro Tag circa 4000 Liter Wasser.
Bei der Herstellung eines Mikrochips werden 32 Liter Wasser verbraucht, bei der Herstellung einer Tomate 13 Liter. Zur Herstellung von einem Kilo Hühnereier benötigt man ca. 4.500 l Wasser, für 1 Kilo Reis ca. 3.000–5.000 l Wasser, für die Produktion eines Kilo Rindfleisch ca. 15.000 l und für die Herstellung eines durchschnittlichen Pkws zwischen 20.000 und 300.000 Liter.
(Quellen: Wikipedia und GEO Themenlexikon Bnd. 1, Unsere Erde)</span>

 

<span class="textrot">Eine Kilowattstunde entspricht…
… zehn Stunden strampeln auf einem Hometrainer,
… einer Hundert-Watt-Birne, die zehn Stunden lang brennt (im Gegensatz zu einer, Zehn-Watt-Sparlampe, die damit
     hundert Stunden brennt),
… einer Herdplatte, die eine halbe Stunde läuft,
… einem elektrischer Durchlauferhitzer, der damit drei Minuten heizt,
… einem Computer oder Fernseher, der sieben Stunden läuft,
… einer Autobatterie, die gut eine Kilowattstunde Strom speichern kann,
… einem halben Glas Kölsch, gefüllt mit Heizöl.</span>

 

<span class="textrot">Tipps zum Wassersparen
•    Volle Wasserflaschen im Spülkasten der Toilette sparen zwei bis vier Liter Wasser pro Spülgang.
•    Beim Zähneputzen und Rasieren den Wasserhahn abstellen spart bis zu zwölf Liter Wasser.
•    Eine fünfminütige Dusche statt einem Vollbad spart bis zu 150 Liter Wasser. Beim Einseifen das
     Wasser abstellen.
•    Schäden an Wasserhähnen und Rohrleitungen so schnell wie möglich beheben. Ein tropfender
     Wasserhahn verbraucht bis zu 30 Liter am Tag.
•    Obst und Gemüse in einer Schüssel waschen spart bis zu 10 Liter.
•    Den Garten in der Abenddämmerung bewässern, um Verdunstung zu vermeiden.
•    Waschmaschine und Geschirrspüler nur anstellen, wenn sie voll sind. Beim Kauf neuer Modelle
     auf geringen Wasserverbrauch achten.
•    Beim Geschirrspülen von Hand den Wasserhahn abstellen.
•    Beim Kauf von Sanitärvorrichtungen auf Wasserspareffizienz achten: Sparfunktionen beim
     Toilettenspülknopf, spezielle Duschköpfe nach dem „Turbulenz“-Prinzip.</span>


(09/07 N°14) 



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