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Serie

Spanien - ein moderner Wohlfahrtsstaat? Teil 3
Bildungswesen und Bildungspolitik

Von: Dr. Karl Kunze



(02/08 N°19) Im dritten Teil der Analyse des spanischen Wohlfahrtsstaates geht es um das (Aus-)Bildungswesen in Spanien. Hält auf diesem Gebiet Spanien in Europa mit? Wie ist das Erziehungswesen hierzulande aufgebaut? Auf welchen Grundgedanken beruht es?

Vom Mittelalter in die Neuzeit
Von einem Bildungssystem kann man in Spanien – ähnlich wie in Deutschland – erst ab dem 19. Jahrhundert sprechen. Die Bildung lag lange Zeit in den Händen der katholischen Orden. 1857 trat das so genannte „Ley Moyano“ in Kraft, das erstmals administrative Grundzüge hinsichtlich eines dreigliedrigen Bildungssystems schuf. Diese Grundzüge blieben 113 Jahre lang bis zur Bildungsreform 1970 erhalten.  
Erst mit diesem – noch franquistischen – Ley General de Educación wurden erstmals Grundrechte formuliert: das allgemeine Recht auf Bildung mit dem Ziel der Entfaltung der Persönlichkeit, die freie religiöse und moralische Erziehung seitens der Eltern, die obligatorische und kostenfreie Grundbildung, die Gründungsfreiheit von Lehranstalten, deren öffentliche Kontrolle und die Autonomie der Universitäten. Die demokratische Verfassung von 1978 bestätigte noch einmal die Bildung als allgemeines Grundrecht. Als Folge des verfassungsmäßig garantierten Bildungsrechts kam es 1983 zum „Hochschulreformgesetz“ (LRU – Ley de la Reforma Universitaria) und 1985 zum „Gesetz über das Recht auf Bildung“ (LODE – Ley Orgánica del Derecho a la Educación).
Viele dieser Vorgaben wurden allerdings nur unzureichend durchgeführt. So wurde die Schulpflicht oft nicht eingehalten. Es war Felipe González (PSOE), der damit 1990 endgültig Schluss machte. Erst vor 18 Jahren, mit dem „Gesetz zur allgemeinen Neuordnung des Bildungswesens“ (LOGSE – Ley Orgánica de Ordenación General de Sistema Educativo), wurde der Schulbesuch für jeden zwischen sechs und sechzehn verpflichtend vorgeschrieben, das Bildungssystem an internationale Normen angepasst. Erst ab 1990 gab es so etwas wie Bildungsforschung und eine Qualitätssicherung der Lehrer.
Das Bildungswesen untersteht dem Ministerium für Bildung und Kultur (Ministerio de Educación, Cultura y Deporte, www.mec.es). Einige Landesregierungen, unter anderem auch die von den Kanarischen Inseln, Katalonien und dem Baskenland, haben ebenfalls gewisse Hoheiten im Bildungsbereich.

Gliederung des Schulsystems
Die Vorschulzeit („Educación Infantil“) umfasst die Jahre von null bis sechs, die „Educación Primaria“ die Zeit von sechs bis zwölf Jahren, danach schließt sich die „Educación secundaria obligatoria“ an. Auch diese Verpflichtung ist eine Folge des Reformgesetzes von 1990. Zwischen 17 und 18 Jahren bereiten sich die Schüler dann auf das Abitur vor (Bachillerato) oder beginnen die Berufsausbildung.
Die Elementarerziehung gliedert sich in zwei Bereiche: den von null bis drei („Guardería“, „Educación infantil - Primer Ciclo“), der dem Sozialbereich zugeordnet wird, und den von drei bis sechs Jahren („Educación infantil – Segundo Ciclo“), der schon zum Bildungsbereich gehört.
In den beiden letzten Folgen dieser Artikelserie wurde schon mehrmals darauf hingewiesen, dass die Zahl der Guarderías hierzulande äußerst dürftig ist. Nur für fünf Prozent aller Kinder stehen öffentliche Krippenplätze zur Verfügung. Und die privaten sind für viele Familien zu teuer. Folge ist, dass viele junge Mütter aus ihrem Beruf aussteigen müssen. Dass Väter hierzulande dasselbe für ihre Familie tun würden, ist beim allerwärts anzutreffenden Machismo kaum denkbar. Und so bekommen die Frauen ihr erstes Kind im Durchschnitt erst mit 29 Jahren. Es wurde auch im deutschen Diskurs zu diesem Thema, insbesondere angeregt durch Bundesfamilienministerin von der Leyen (CDU), immer wieder betont, wie wichtig gerade diese ersten drei Jahre sind, wenn es darum geht, Beruf und Familie miteinander in Einklang zu bringen. Und diese Einsicht scheint nun sogar die oppositionelle konservative Partido Popular (PP) heimgesucht zu haben, die Ende vorigen Jahres durch ihren Fachmann Juan Costa verlauten ließ, dass nun selbst die Konservativen dafür sind, den Kindern zwischen null und drei Jahren einen Krippenplatz zu garantieren. Die PP „überlege“, ob Steueranreize geschaffen werden sollten, wenn Unternehmen Krippenplätze für Kinder der Mitarbeiter zur Verfügung stellen. Und die Landesregierungen sollten seitens der Zentralregierung zum krippen-kinderfreundlichen Handeln aufgefordert werden. Damit griff die PP ein Thema auf, das schon Monate vorher für Schlagzeilen in der spanischen Presse gesorgt hatte. Die Sozialistische Partei (PSOE) hatte sich mit der IU-ICV (Isquierda Unida-Iniciativa por Cataluña Verde: „Vereinigte Linke – Initiative für ein grünes Katalonien“) geeinigt, das Zeitalter der „Krippenplätze für alle“ beginnen zu lassen. 100 Millionen Euro wurden für 2008 bereitgestellt. 50.000 neue Krippenplätze sollen damit geschaffen werden. Damit ist zumindest schon einmal ein Zeichen gesetzt, ein Anfang gemacht, die Verhältnisse zu verbessern.
Nach der Guardería besucht das Kind die eigentliche Vorschule. Der „Segundo Ciclo” der “Educación infantil“ beginnt. Und obwohl auch diese Phase freiwillig ist, wird an ihrer Akzeptanz deutlich, wie wichtig und auch notwendig diese Einrichtung ist. Sie ist eine der geglücktesten In-stitutionen im spanischen Schulwesen. Fast 100 Prozent der Kinder sind eingeschrieben. Fred van Leeuwen, Chef der “Bildungsinternationale”, einer internationalen Lehrergewerkschaft mit mehr als 30 Millionen Mitgliedern, sagte anlässlich der Vorstellung des “Bildungsbarometers 2007”, dass “die Situation in Spanien in dieser Hinsicht bewundernswert sei, und wir empfehlen anderen Regierungen, sich hieran ein Beispiel zu nehmen.“ Diese Phase der Vorschulerziehung ist kostenlos, jedenfalls an öffentlichen Schulen, und es stehen genügend Plätze zur Verfügung. Hier haben die kleinen Schüler schon Unterricht, sitzen also schon in „richtigen“ Klassenräumen, lernen aber noch spielend, Musik und Sport sorgen für viel Abwechslung. Soziale Kompetenz wird geübt, die ersten Lese- und Schreibkenntnisse erworben, und „Sitzen bleiben“ findet selbstverständlich nicht statt.
Die Schulpflicht beginnt mit sechs Jahren und dauert bis zum 16. Lebensjahr. Die ersten sechs Jahre der „Enseñanza Básica“ (Basisunterricht) umfassen die „Educación Primaria“ (Primarerziehung) und entsprechen hiermit teilweise unserer Grundschule. Zum ersten Mal „Sitzen bleiben“ kann man im vierten Schuljahr der Primaria („Prueba de diagnóstico“). Darüber entscheiden aber letztlich die Eltern(!). Die nächsten vier Jahre der Basisausbildung heißen „Educación secundaria obligatoria“.  
Sehr positiv zu vermerken: „unser“ altes, – mit Verlaub – unseliges dreigliedriges Schulsystem gibt es in Spanien nicht. Wie in den nordischen Ländern gibt es für alle die gleiche Schule bis 16 Jahren. Erst dann entscheidet sich, wer das Abitur („Bachillerato“) macht und wer nicht. Das deutsche System hat immer wieder zur Kritik Anlass gegeben, weil es die Kinder aus sozial höheren Schichten bevorzugt. Negativ zu vermerken: das spanische System führt leider zum gleichen Ergebnis.
Nach sechs Jahren wechseln die Schüler von der Primaria in die „Educación Secundaria“. Die ersten vier Jahre sind obligatorisch und heißen deshalb „Educación secundaria obligatoria“ (E.S.O.) und gehören formal sowohl zur „Enseñanza Básica“ wie zur „Secundaria“. Im zweiten Schuljahr der E.S.O. findet wieder eine Überprüfung der Fähigkeiten des Schülers statt, die über das Weiterkommen entscheidet. Wenn diese vier Jahre abgeschlossen wurden, hat man etwas Ähnliches wie die „Mittlere Reife“ erworben, die hier allerdings „Graduado en E.S.O.“ heißt. Damit endet auch die Schulpflicht.
Wer kann und will, macht anschließend das Abitur oder beginnt die Berufsausbildung. Es ist die Phase der „Educación secundaria posobligatoria“.  Mit dem Titel des „Graduado en E.S.O.“ hat man die Berechtigung erworben, zwei Jahre in einem „Instituto de Bachillerato“ (Zweijähriges Gymnasium) zu lernen und sich auf die Universität vorzubereiten. Mit dem Titel des Bachillers – inzwischen ist man 18 Jahre alt – hat man allerdings nicht das automatische Recht auf Universitätsausbildung erworben. Davor haben die Universitätsgötter eine Zugangsprüfung gesetzt, deren Ablauf und Inhalt von jeder Hochschule selbst bestimmt wird. Diese ersetzt gewissermaßen die Abiturprüfung, die es hierzulande nicht gibt.
Neben den allgemeinen Universitäten (universidades) gibt es noch die technischen Hochschulen (escuelas técnicas superiores) und die Fachhochschulen (escuelas universitarias). Zulassungsbeschränkungen sind die Regel.
Ist man aber auf der Uni aufgenommen worden, beginnt die Phase der „Educación Superior“, die über den Titel eines „Diplomado“ zum „Master“, „Licenciado“, und dann zum „Doctor“ führen kann. Allerdings gibt es noch viele andere Zugangswege zur Universität, zum Beispiel mit dem E.S.O. Zeugnis in der Tasche und einer abgeschlossenen Berufsausbildung, die zum Titel eines „Técnico“ führt. Unter bestimmten Bedingungen kann dann auch der „Técnico“ die Aufnahmeprüfung für die Universität beantragen oder eine höhere Berufsausbildung beginnen, die mit dem Titel des „Técnico Superior“ abgeschlossen wird.

Private Schulen
Das Bildungsgesetz von 1990 erlaubte auch unter bestimmten Voraussetzungen die Gründung privater Schulen. Davon wurde reichlich Gebrauch gemacht. Sehr bemüht, die katholische Vorherrschaft in den Köpfen der Kinder und Jugendlichen zu behaupten, ist deshalb ein großer Teil des privaten Schulwesens in den Händen der Kirche. Insgesamt sind fast 25 Prozent des Schulwesens in Spanien in privater Hand. „Unglaublich hoch“, so von Leeuwen bei der Vorstellung des Bildungsbarometers 2007, sei die Zahl der privaten Bildungseinrichtungen, aber der Chef der internationalen Lehrergewerkschaft wollte diese Tatsache weder positiv noch negativ bewerten. Auf Vorschulniveau seien 25 Prozent, in der Primarstufe 33, in der Sekundarstufe 29 und auf Universitätsniveau 13 Prozent der Lernenden in privaten Einrichtungen.
Zur Erhöhung des allgemeinen Bildungsniveaus, und damit sei der Bewertungsvorbehalt von Leeuwens unterstützt, hat die hohe Zahl der privaten Schulen nicht beigetragen (siehe letzte PISA-Studie). Es ist auch nicht so, dass der private Schulbereich den öffentlichen entlastet und bereichert, wie von den Verfechtern der Privatschule immer angeführt. Tatsache ist, dass in Ländern, wo es viele Privatschüler gibt, die Schulergebnisse in öffentlichen wie in privaten Schulen nicht besonders gut sind, und umgekehrt, in Ländern, in denen es wenig Privatschüler gibt, die Schulergebnisse in beiden Schularten deutlich besser sind.

Bildung versus Nutzen
Deutsche und spanische Universitäten unterscheiden sich in vielfacher Hinsicht, ein Umstand, der von ihrer verschiedenartigen historischen Entwicklung herrührt. Die deutsche Universität beruht auf dem Gedanken der „Bildung“, der seine Ausprägung und Definition durch Goethe, Herder und nicht zuletzt auch Wilhelm von Humboldt erfuhr. Deren Gedankenwelt war geprägt durch die Idee der Einzigartigkeit des Individuums, das nicht durch seine Herkunft, sondern nur noch durch seine unverwechselbare Eigenart und Leistung gekennzeichnet ist. Die Selbstvervollkommnung des Einzelnen ist dabei ein Spiegel für die Gesamtentwicklung der Menschheit.Mit der Bildung fand der unpolitisch gehaltene deutsche Bürger des 18. und 19. Jahrhunderts seine soziale Identität. Erst damit entwickelte sich sein eigenes Standesbewusstsein. Und nach wie vor existiert im deutschen Denken die Vorstellung der „Humboldtschen Bildungsuniversität“, in der es in erster Linie auf die Bildung des Individuums und nicht auf Ausbildung zu bestimmten Berufen ankommt. Ganz anders die Entwicklung in Spanien. Die spanischen Universitäten waren im Mittelalter berühmt für ihre Gelehrigkeit, die vor allem auf dem Zusammentreffen der drei verschiedenen Kulturen beruhte: Juden, Muslime und Christen waren zusammen ein kaum zu übertreffendes Orchester der Gelehrsamkeit. Die katholische Zerstörungswut beendete im ausgehenden Mittelalter gründlich dieses in der Geschichte einzigartige goldene wissenschaftliche Zeitalter. Nach Jahrhunderten der universitären Dunkelheit, verursacht durch die katholische Inquisition und wirtschaftlichen Niedergang, wurde 1833 unter französisch-liberalem Einfluss ein zentralistisches und bürokratisches Hochschulmodell eingeführt, das auch als „napoleonisch“ bezeichnet wird. Hier ging es allerdings nicht um „Selbstreifung“ wie in deutschen Landen, sondern um Pragmatik: die französische Idee der „Éducation“ sieht eine Erziehung des Einzelnen im Interesse des Staates oder der Nation vor. Der Studierende häuft Wissen an, das er pragmatisch in Beruf und Alltag für sein Land einsetzen kann. Napoleon waren unabhängige Universitäten ein Dorn im Auge. Mit der Übernahme der „napoleonischen“ Lern- und Wissensuniversität“ in Spanien wurde auch das durchgehende Studienjahr übernommen. Lehrziele, Lehrmethoden und Lehrinhalte unterscheiden sich deshalb erheblich von deutschen Universitäten.
Die beliebtesten Studienfächer in Spanien sind die Rechts- und die Sozialwissenschaften und einige technische Studiengänge. Frauen machen 53 Prozent aller Studierenden aus. Es gibt allerdings auch eine hohe Abbruchquote des Studiums von circa 40 Prozent. Die größte Universität des Landes ist die Universidad Complutense in Madrid.


Bildungsgefälle
Die Ausgaben des spanischen Staates für Bildung gehören zu den niedrigsten in Europa. Für einen Studenten beispielsweise gibt der spanische Staat die Hälfte dessen aus, was Durchschnitt innerhalb der OECD ist. Und insgesamt werden nur 4,7 Prozent des BIP für die Bildung verwendet, während der OECD-Durchschnitt bei 5,8 Prozent liegt. Diesen Unterschied von 1,1 Prozent macht Fred von Leeuwen für die hohe Abbrecherquote in der Sekundarstufe verantwortlich, die eine Art Achillesferse auf dem Ausbildungsweg ausmacht. „Das ist ein sehr schwerwiegendes Problem, weil nur 49 Prozent der Schüler die Hürde der Sekundarstufe überwinden, weit unterhalb des Durchschnitts von 68 Prozent im OECD-Bereich“.
Allerdings hat sich das Verhältnis der Lehrer- zur Schülerzahl in den letzten Jahren deutlich gebessert, was sich am Bildungsbarometer von 2007 ablesen lässt. In den öffentlichen Schulen unterrichtet ein Lehrer in der Primaria 13,9 und in der Secundaria 11 Schüler. In Deutschland unterrichtet ein Lehrer im Primarbereich circa 19 Schüler, Schlusslicht ist die Türkei mit 26, vorletzter Großbritannien mit 21 Schülern.
Sehr positiv zu vermerken auch die hohe Zahl von Studenten auf den Universitäten. Fast 40 Prozent der Bevölkerung zwischen 25 und 34 Jahren war 2007 in einem Studiengang eingeschrieben. Dies ist einer der höchsten Quoten von allen OECD-Ländern. Eine Abbruchquote von wiederum 40 Prozent ist die andere Seite der Medaille. Und was ein „Student“ ist, wird hierzulande auch anders definiert: auch eine Krankenschwester „studiert“.
Alles in Allem hat Spanien zusammen mit der Türkei und Portugal die höchste Quote in der OECD an erwachsenen Personen mit einer Schulausbildung von 10 Jahren und weniger vorzuweisen hat. Und in der neuen PISA-Studie rangiert Spanien auf Platz 31 von 57 Staaten. Wurden hierbei hauptsächlich naturwissenschaftliche Kenntnisse geprüft, so wird aber auch immer wieder darauf hingewiesen, dass das allgemeine (Aus-)Bildungsniveau, insbesondere hinsichtlich der Fremdsprachenkenntnisse, nicht besonders hoch ist. Deutschland steht mit seinem 13. Platz hinter Südkorea und Slowenien allerdings auch nicht besonders ruhmreich da.


Die Last mit der Vielfalt

Mit dem Bildungsgesetz von 1990 wurde auch die kulturelle und sprachliche Pluralität Spaniens anerkannt.
Wie schon des Öfteren beschrieben, hat es Spanien mit seiner sprachlichen Vielfalt und den ethnischen Besonderheiten nicht leicht. Im Hinblick auf die Bildungspolitik wird dies besonders deutlich.
Wurden die sprachlichen Unterschiede unter Franco unterdrückt, kam es nach der Transición (circa 1979) zu einem Wiederaufleben der alten Traditionen, und man hat den Eindruck, dass der Traditionsdruck immer stärker wird. So stark, dass sich jüngst sogar eine neue Partei etabliert hat (siehe Lanzarote 37°, 11/07 No.16, S.8 oder hier klicken), die die Zugeständnisse der Zapatero-Regierung an die Regionen zurücknehmen möchte. In Katalonien wird in den Schulen kaum noch spanisch gesprochen, selbst auf der Universität von Barcelona wird mehr als die Hälfte der Vorlesungen auf Katalanisch gehalten. Universitäten leben jedoch durch ihre Öffnung nach außen, und wenn sie sich sprachlich verschließen – wer will denn die Sprache einer, europäisch betrachtet, kleinen Minderheit lernen? – dann sterben sie auf die Dauer.
Wenn man dafür auch ein gewisses Verständnis aufbringen mag – Spanisch war immerhin die Sprache der Unterdrücker und des Diktators Franco, außerdem ist ein Erhalt gewisser folkloristischer Eigenheiten gewiss auch fördernswert – so weltfremd-kindlich-trotzig-absurd erscheint dennoch dem außenstehenden Beobachter die Haltung der katalanischen Generalitat (Landesregierung). Der Aufbau sprachlicher Barrieren, von der Krabbelstube bis zur Universität, ist in einer zusammenrückenden Welt für den Einzelnen nicht besonders förderlich, zumal diese sich neben dem Englischen immer mehr das Spanische zur Weltsprache gewählt hat.
Einen weiteren Auftrieb haben die Separatisten jetzt noch durch die letzte Frankfurter Buchmesse erhalten, bei der katalanische Autoren, die Spanisch schreiben, von der Sonderschau zunächst einmal ferngehalten werden sollten. Natürlich freuten sich gerade die radikalen Nationalisten über diese Diskussion.  
Mit der sprachlichen Separation aber werden auch die Bildungschancen vieler Spanisch sprechender Kinder in Katalonien eher unterdrückt als gefördert. Diejenigen Kinder, die in einer Spanisch sprechenden Familie aufwachsen, haben einen deutlichen Nachteil gegenüber den einheimischen Kindern, die wiederum Spanisch lernen müssen und andere Sprachen, um im „Ausland“ (Rest der Welt inklusive Spanien) studieren zu können. Spanisch wurde per Dekret der Generalitat zur Fremdsprache (!) erklärt.
Als 2005 bei einer Studie herauskam, dass noch zehn, mancherorts sogar 30 Prozent des Unterrichts in Katalonien auf Spanisch stattfand, reagierte die regionale Erziehungsministerin entsetzt, und legte einen Plan zur Durchsetzung des Katalanischen vor. Ultrarechte Blätter wie „ABC“ sahen schon das Ende Spaniens heraufziehen, andere witterten das große Chaos. Felipe González, ehemaliger sozialistischer Ministerpräsident, drückte sich diplomatischer aus, als er sagte, dass die regionalen Nationalismen „Territorium und Volk in einem Meer von Konfusionen“ vermischten.  
Juan Marse, einer der führenden Schriftsteller Kataloniens, hat den ganzen Unsinn in einem Interview mit der Zeitung „El País“ auf den Punkt gebracht. Er lebt in Barcelona, schreibt auch viel über die Stadt, aber eben auf Spanisch. Deshalb wird er von den führenden katalanischen Nationalisten auch nicht als katalanischer Schriftsteller angesehen. Und so wurde eine endlose Diskussion von den regierenden Nationalisten geführt, ob die Einladung zur Buchmesse auch für so einen wie Marse gelte. Und das zu einer Zeit, als in Barcelona wegen Schlamperei beim Bau ein U-Bahntunnel nachgegeben hatte und hunderte Menschen ihre Wohnung verloren hatten.
In diesem Interview stellte Marse eine Frage, die typisch ist für das „andere“ Spanien, das pragmatische, nicht-ideologische, das Lösungen suchende Spanien: Warum um alles in der Welt kümmern sich diese abgehobenen Politiker nicht um die wahren Probleme der Bürger, warum verschwenden sie Zeit und Geld damit, sich um „die Essenz des Vaterlandes, die Sprache und die verdammte nationale Identität“ zu kümmern?
Jedes Eingehen auf die nationalen Forderungen wird auch sofort bestraft. Der eher gelassen reagierende Zapatero hatte keine Probleme damit, Katalonien den Status einer „Nation“ zu geben – obwohl die Verfassung ausdrücklich nur von „Nationalität“ redet und nur ein kleiner Teil der Katalanen der Auffassung ist, dass ihr Land eine Nation sei. Er wolle das „plurale Spanien“ erblühen lassen, hatte er versprochen. Was passierte? Abgeordnete einer nationalistisch-katalanischen Partei fingen an, im Madrider Parlament auf Katalan zu sprechen – und der Rest verstand nichts.
Dieser absurde Vorfall machte nur mal wieder klar, wie verbissen die nationalistische Seite in diesem Land kämpft, und wie auf diese Weise über das Sprachproblem die gesamte Bildungs- und Kulturpolitik in den Mühlen des Folklorismus in Mitleidenschaft gezogen wird. Spanien hat andere Probleme im Bildungsbereich als sprachliche Identitätsprobleme. Die gute Nachricht ist, dass das spanische Volk das schon längst weiß. Die schlechte ist, dass ein Teil seiner Politiker und seiner Presse offensichtlich in einem anderen Land lebt.
Die Bildungspolitik in Spanien in die Hände von Landespolitikern zu legen, erscheint unter den hiesigen Bedingungen höchst problematisch. Insbesondere die sprachlichen Zugeständnisse an Katalonien und das Baskenland führen zu kuriosen Situationen und Existenz bedrohenden Entlassungen in der Lehrerschaft, zu Benachteiligungen von Spanisch sprechenden Schülern und der drohenden Isolation der nur noch in Landessprache unterrichtenden Universitäten. Teile der Bildungs- und Kulturpolitik sind so durch das Sprachproblem noch voll in den Klauen ihrer eigenen Vergangenheit gefangen.

Autor: Dr. med. Karl Kunze studierte Medizin, Soziologie, Politik und Geschichte in Köln, Düsseldorf und Colombo (Sri Lanka) und arbeitet heute als Allgemeinmediziner auf Lanzarote.


Vorschulerziehung

Die Begriffe für diese Zeit werden oftmals durcheinander gebracht und verwechselt. „Educación preescolar“ wird oft für die gesamte Zeit von null bis sechs Jahren verwendet, was auch sinnvoll erscheint. Manche Autoren verwenden diese Wortbedeutung aber nur für die Zeit von drei bis sechs Jahren. Offiziell gibt es diesen Begriff aber gar nicht. Das Ministerium  für Erziehung spricht eindeutig nur von „Educación Infantil“. Man hört auch oft den Begriff der „Educación Elementaria“, womit aber viele nur  die ersten drei Jahre der Vorschulerziehung meinen. Selbst Pädagogen, die es eigentlich wissen sollten, richten gerne einen bunten Wortbedeutungssalat an, der es in sich hat.
Für die, die es genau wissen wollen: http://www.mec.es/educa/sistema-educativo/loe/files/sistema-educativo.pdf



Vorbildliche Nordlichter

Kinderkrippen werden auch in Deutschland dem Sozialbereich zugeordnet. Nur die Schweden scheinen die Zeichen der Zeit erkannt zu haben und ordnen die Kindertagesstätten dem Bildungsbereich zu. Aber in allen nordischen Ländern ist die Vorschulerziehung hoch integrierter Bestandteil des staatlichen Wohlfahrtssystems. Familienministerin von der Leyen kämpft also nicht mit dem Rücken zur Wand, sondern kann beste Resultate der skandinavischen Länder in der Vorschulerziehung vorweisen. Finnland hat 2007 nicht nur erneut die PISA-Studie „gewonnen“, es hat auch gleichzeitig die höchste Geburtenrate in der EU. Paavo Lipponen, früherer finnischer Ministerpräsident, ist sehr stolz, nicht nur auf PISA, sondern auch darauf, dass das World Economic Forum sein Land 2002 zur weltweit wettbewerbsfähigsten Volkswirtschaft gekürt hat: “Unser Spitzenplatz im internationalen Vergleich beruht auf einer vielseitigen Entwicklung der einheitlichen neunjährigen Grundschule.“ Und auf diese können in Finnland die Kinder ab dem sechsten Lebensmonat, in Krippen und Vorschule, vorbereitet werden. Und die KindergärtnerInnen haben in Finnland die gleiche Ausbildung wie die GrundschullehrerInnen - sie sind also genauso professionalisiert wie sie.


Deutsche private Schulen

Informationen zu den verschiedenen deutschen Schulen in Spanien finden Sie unter www.auslandsschulwesen.de. Eine deutsche Schule auf den Kanarischen Inseln findet sich in Las Palmas: www.dslpa.org.

 

OECD / OCDE
Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (engl.: Organisation for Economic Cooperation and Development, span.: Organización para la Cooperación y el Desarrollo Económico) ist die Organisation der dreißig führenden Industriestaaten mit Sitz in Paris. 

 


Glossar

Educación infantil besteht aus zwei Zyklen: Primer Ciclo von 0 bis drei Jahre (auch Guardería genannt) und Segundo Ciclo von 3 bis 6 Jahre. Der zweite Zyklus ist kostenfrei.
Enseñanza básica Alter der Schüler: zwischen sechs und sechzehn Jahren. Besteht aus der Educación Primaria (1. bis 6. Klasse, 6 bis 12 Jahre) und der E.S.O. (Educación Secundaria Obligatoria: 7. bis 10. Klasse, 12 bis 16 Jahre). Der Titel „Graduado en E.S.O.“ berechtigt zur Ausbildung in der postobligatorischen Secundaria.
Educación secundaria teilt sich auf in die obligatorische (E.S.O.), siehe oben, und die postobligatorische Phase. Diese besteht wahlweise aus: Abitur (Bachillerato); mittlere Berufsausbildung (Formación profesional de grado medio); Berufsunterricht in den bildenden Künsten und Design mittleren Grades (enseñanzas profesionales de artes plásticas y diseño de grado medio); Sportunterricht mittleren Grades (enseñanzas deportivas de grado medio).
Bachillerato besteht aus zwei Schuljahren mit drei Fachrichtungen: Kunst, Naturwissenschaft/Technik und Geistes-/Sozialwissenschaften. Der Titel des “Bacchillers” berechtigt zum Studium.
Educación superior: hierzu gehören die Universitätsausbildung (enseñanzas universitarias), die höhere künstlerische Ausbildung (enseñanzas artísticas superiores), die höhere Berufsausbildung  (formación profesional de grado superior), die höhere Berufsausbildung in den bildenden Künsten und in Design (enseñanzas profesionales de artes plásticas y diseño de grado superior), die höhere Sportausbildung (enseñanzas deportivas de grado superior).
Enseñanzas universitarias nur mit obligatorische Aufnahmeprüfung. Zugang übers Bachillerato, aber auch über viele andere Wege möglich.
Formación profesional: zur Berufsausbildung braucht man den Titel des Graduado en E.S.O., oder man steigt über eine Aufnahmeprüfung ein. Zum grado medio muss man mindestens 17 sein, zum grado superior 19 Jahre. Es sei denn, man hat den Grad eines Técnico erworben, dann ist es schon mit 18 Jahren möglich. Sie findet größtenteils in Ausbildungszentren statt, Inhalt ist verbindlich vorgeschrieben, obligatorische Praktika (200 Stunden) in einem Vertragsbetrieb, mit Abschlussprüfung. Übernahmen der Ausgebildeten sind sehr selten.
Enseñanzas de régimen especial Sonderregelungen für Sprachen, Kunst und Sport. Sehr kompliziert, bitte Seite http://www.mec.es/educa/sistema-educativo/loe/files/sistema-educativo.pdf konsultieren.
Educación de personas adultas: Gerichtet an Personen über 16 Jahren. Ziel ist, Erwachsenen die Möglichkeit zu geben, Kenntnisse und Titel zu erwerben. Aufnahmeprüfungen. Öffentliche Träger der Erwachsenenbildung sind der Staat, die Autonomen Gemeinschaften und die Kommunalverwaltungen. Die Staatliche Fernuniversität (UNED) ist die weltweit größte Einrichtung ihrer Art. Zu dieser Gruppe gehören auch die offiziellen Sprachschulen (Escuelas Oficiales de Idiomas – EOI), die Centros Cívicos und die Universidades Populares, die an die deutschen Volkshochschulen erinnern. Nichtöffentliche Träger sind die Gewerkschaften und ein breites Angebot an privaten Initiativen.



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