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Serie

Spanien – ein moderner Wohlfahrtsstaat? Teil 1

Von: Dr. Karl Kunze



(12/07 N°17) Auch wenn der Begriff heute ein wenig aus der Mode gekommen zu sein scheint – der Wohlfahrtsstaat ist immer noch ein entscheidendes Kennzeichen moderner, demokratischer Systeme. Unsere alltäglichen Erfahrungen, was wir haben und vor allem, was wir nicht haben, hängen entscheidend von seinem Funktionieren ab. Wie geht unsere neue Heimat Spanien an dieses Thema heran? Ist Spanien ein moderner Wohlfahrtsstaat? Und: funktioniert er für alle?

 

Spanien und Europa
Es scheint heute eine Selbstverständlichkeit zu sein, dass man den Beruf ergreift, den man ausüben will. Auch die sozialstaatlichen Hilfen, wenn man beruflich scheitert, die Hilfen für die Familien, die Kinder, für das Alter und die Gesundheit – alles eine Selbstverständlichkeit? Oder alles nur ein schöner Schein? In einer neueren Untersuchung zu diesem Thema stellte man fest, dass es gerade Deutschland ist, das wieder so einen Art Ständestaat durch die Hintertür eingeführt hat: berufliche Chancen gibt es nur für die Kinder, die aus Familien stammen, die eh schon privilegiert sind. Die haben, bekommen immer mehr. Die Zweiklassenmedizin ist in Deutschland schon seit langem etabliert. Die Schere zwischen Arm und Reich klafft immer mehr auseinander.

Ob jemand die Chance hat, sich beruflich zu bilden, auf dem Arbeitsmarkt sich zu behaupten und beim Scheitern seiner Versuche nicht in menschenunwürdige Armut zu versinken, hängt im Wesentlichen von der Struktur des Sozialwesens ab, dem er angehört. In vordemokratischen Zeiten war er im Wesentlichen auf seine Familie angewiesen. Von der er nur Unterstützung erhielt, wenn er sich den innerfamiliären Machtstrukturen beugte. Das hat sich mit dem Entstehen der modernen Staaten und den aufklärerischen Gedanken des 18. Jahrhunderts, in denen viel von der Freiheit des Individuums die Rede war, gründlich geändert.  Während aber wirtschaftsliberale, frühkapitalistische Systeme dem Einzelnen weder in seiner Ausbildung noch in seinem beruflichen Engagement eine Hilfe gewährten und er im Falle beruflichen Scheiterns auf Almosen angewiesen war, greift der moderne Wohlfahrtsstaat vielfältig in das Arbeitsleben und die Versorgung des Bürgers ein. Und das auf sehr verschiedene Art und Weise. Diese Verschiedenartigkeit der Eingriffe machen die Sozialwissenschaftler traditionsgemäß an drei Beispielen fest: Großbritannien, Schweden und Deutschland.

Das vorherrschende System der sozialen Sicherung ist im liberalen Großbritannien, das die Selbstverantwortung des Einzelnen betont, die Fürsorge (Grundsicherung). Im sozialdemokratisch geprägten Schweden, das die Verantwortung des Staates für alle seine Bürger in den Vordergrund stellt, ist dies der Versorgungsgedanke, der vom Universalismus ausgeht: alle Bürger sind vor dem Gesetz gleich, und aufgrund dieser Gleichheit muss der Staat vielfältige soziale Leistungen seinen Bürgern zur Verfügung stellen. Ganz anders im konservativ geprägten (Nachkriegs-)Deutschland: hier stand und steht der Versicherungsgedanke ganz im Vordergrund. Alle Beschäftigten, stark vereinfacht, zahlen hier in ein gemeinsames Sparschwein, das dann geschlachtet wird, wenn der Notfall eintrifft. Aber der Einzelne erhält nur soviel, wie es ihm aufgrund seines Status in einem hierarchisch gegliederten System zusteht. Das konservative deutsche Sozialsystem ist also vom Gedanken her statusbewahrend aufgebaut und folgt der katholischen Lehre der Subsidiarität: das übergeordnete System (Staat) tritt nur dann helfend auf den Plan, wenn das untergeordnete (Familie etc.) nicht mehr greift.

Neben diesen drei Regimetypen haben sich die anderen Regime kaum bemerkbar machen können. Aber seit den Arbeiten von Stephan Leibfried zu diesem Thema spricht man bei den lateinischen Randstaaten Europas in Bezug auf deren Sozialsysteme von „rudimentären Systemen“, in denen der Wohlfahrtsstaat als „halbinstitutionalisiertes Versprechen“ fungiert. Dieser bietet begrenzte soziale Leistungen auf niedrigem Niveau. Das klingt ein wenig nach: „Wir sind zwar da, wir können auch für euch was tun, aber erst mal haben wir wenig zu verteilen, und ob wir das überhaupt tun, ist noch lange nicht sicher.“ Ist Spanien so ein „rudimentäres System“?

Sozialpolitik
Bei der Betrachtung der Sozialpolitik eines Landes stehen meist die sozialen Dienste, Kinder, Senioren und das Gesundheitswesen im Mittelpunkt des Interesses.
Betreuung und Pflege von Menschen sind in den europäischen Gemeinwesen angesichts der unvorteilhaften demographischen Entwicklung zu einer riesigen Herausforderung geworden, die immer mehr Mittel bindet. Die Fähigkeit traditioneller „Anbieter“, insbesondere der Familie, schwindet mit sich auflösenden
Familienstrukturen immer mehr, die Wohlfahrtsorganisationen haben immer weniger freiwillige Helfer, der Wohlfahrtsstaat steht den gewachsenen Ansprüchen oft hilflos gegenüber: die eigentliche Herausforderung moderner Sozialpolitik in allen europäischen Ländern heißt heute, ein neues Gleichgewicht zu finden zwischen dem Einzelnen, der Familie, dem Staat, den Non-Profit-Organisationen, zum Beispiel dem Roten Kreuz, und den kommerziellen Anbietern.
In Spanien stellt, wie schon wiederholt in früheren Ausgaben von Lanzarote37° beschrieben, der Zentralstaat mit seiner Regierung in Madrid den entscheidenden Machtfaktor dar. Die Regionen und die lokalen Autoritäten haben nur insoweit Macht, als diese ihnen von der Regierung gewährt wird. Unter Zapatero hat nun langsam eine Dezentralisierung eingesetzt, so dass nun sieben von siebzehn Regionen eine gewisse Hoheit in der Sozialpolitik haben. Die Kontrolle und Ausübung der sozialen Dienste findet aber immer noch – und damit ganz im Gegensatz zu Deutschland, wo Länder und Gemeinden die primäre Zuständigkeit schon immer hatten – höchstens auf regionaler Ebene statt, die Gemeinden haben daran so gut wie keinen Anteil. Den Kanaren wurde im Autonomiestatut von 2002 die Zuständigkeit für die sozialen Dienste zugesprochen.

Soziale Dienste

Insgesamt ist Spanien im Vergleich zu anderen europäischen Ländern durch sehr niedrige Ausgaben für soziale Dienste charakterisiert. Traditionellerweise sind die Dienstleistungen im Bereich der Pflege wenig professionalisiert. Während etwa das Gesundheits- oder Bildungswesen schon früh auf Professionalität setzte, lagen die pflegerischen Leistungen oft in den Händen der Familie, meist der Frauen. Dieser Tradition scheint Spanien in besonderem Maß nachzuhängen, allerdings nicht aus Traditionsbewusstsein, sondern ganz einfach aus Kostengründen.
Die gesamten Sozialausgaben in Spanien beliefen sich 2004 auf 20 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), vier Punkte weniger (!) als zehn Jahre zuvor. In Deutschland waren es 2004 30 Prozent (Europa: 27 Prozent). Während in anderen Ländern der Anteil  des BIP für Ausgaben für soziale Dienstleistungen stieg, fiel er in Spanien. Die Sozialausgaben pro Kopf betragen in Spanien 3250, im europäischen Durchschnitt 5600 Euro.
In den sozialen Diensten arbeiten in Spanien nur 0,8 Prozent der Bevölkerung. In den nordischen Ländern sind es mehr als zwanzig Mal soviel: achtzehn Prozent der Schweden finden Lohn und Brot in den sozialen Diensten.

Alter
Die Ausgaben für die Renten betrugen 9,2 Prozent (D: 13,3 %, Euroland: 12,7%) des BIP. Bei den Gesamtausgaben für das Alter liegen Spanien und Deutschland auf gleicher Höhe, mit circa 40 Prozent der gesamten Sozialausgaben.  Für soziale Dienste im Alter gibt Spanien aber kaum ein einziges Prozent aus. Dies führt im Bereich der Altenpflege dazu, dass für sie so gut wie keine Mittel vorhanden sind. Auch hier leisten die Frauen wieder viel unbezahlte Arbeit, die der Staat spart. Altenpflege ohne familiäre Hilfe, meist zu Lasten der Frauen, fände in Spanien überhaupt nicht statt.

Familien und Kinder
Einen gewaltigen Unterschied zum übrigen Europa machen die Ausgaben für Familie und Kinder aus. Während sich in Deutschland die Familien und Kinder in den vergangenen Jahren über 10 Prozent der Sozialausgaben freuen durften, waren es in Spanien nur 3,5 Prozent.

Um das Ganze etwas genauer zu verstehen, muss man folgendes wissen: Kinder werden in Spanien altersmäßig  in drei Gruppen aufgeteilt: die unter Dreijährigen, die zwischen drei und fünf Jahren und die über Sechsjährigen.
Die Kleinsten besuchen, wenn nötig oder gewünscht, die „guardería“, eine soziale Einrichtung, die, wenn sie staatlich ist, dem Sozialbereich zugeordnet ist. Die staatliche oder kirchliche „Vorschule“, für die Kinder zwischen drei und sechs, gehört schon dem Bildungsbereich an. Dessen Ausgaben werden also nicht dem Sozialbereich zugeordnet. Vergleichende Zahlen in Europa sind deshalb nur schwer zu erheben.
Zum anderen gelten in vielen romanischen Ländern noch die herkömmlichen Vorstellungen, dass die Betreuung der Kinder von der Familie und damit hauptsächlich von der Frau zu tragen sei. Die Folgen der Globalisierung und der Zwang zum Doppelverdienen sind aber auch an Spanien nicht spurlos vorbeigegangen. Viele Frauen müssten – und wollen -  eigentlich mitverdienen, können es aber nicht, da staatliche Krippenplätze kaum vorhanden sind und private zu teuer. Damit werden sie zum Erfüllungsgehilfen einer Aufgabe, die modernere Staaten, wie beispielsweise Schweden, schon des längeren als ihr Aufgabenfeld angesehen haben. Ohne die aufopferungsbereite Arbeit der Frauen im Familienbereich würde Spanien, im Vergleich mit der Eurozone, mehr als doppelt so viel für seine Kinder aufbringen müssen als es heute tut. Denn nur für fünf Prozent der Kinder zwischen 0 und drei Jahren stehen Krippenplätze zur Verfügung. Dazu kommt die schwierige Situation auf dem Wohnungsmarkt. Dass unter diesen Umständen Spanien mit die niedrigste Geburtenrate Europas aufweist, verwundert keinen, der weiß, dass Geburtenrate und staatliche Hilfsangebote für junge Familien in einem direkten Zusammenhang stehen.
Zum Vergleich: Deutschland stellt für 12 Prozent aller Kinder bis drei Jahren Krippenplätze zur Verfügung, und Bundesfamilienministerin von der Leyen plant, bis 2013 sie für 35 Prozent dieser Altersgruppe anbieten zu können. Und laut Berechnungen des Instituts der Deutschen Wirtschaft ist das immer noch viel zu wenig. In Schweden gibt’s für 43 Prozent aller Kinder Krippenplätze!

Zurück in unsere Wahlheimat. Es gibt da ein Dilemma, das die spanischen Frauen im Gegensatz zu ihren nordeuropäischen Schwestern zusätzlich belastet: die spanischen Herren arbeiten sechs Stunden pro Woche für den familiären Haushalt, das heiß geliebte Autowaschen mit eingeschlossen, dem sie sich bekannter weise mit Inbrunst hingeben. Was Vernünftiges für die Familie kommt dabei nicht heraus. Die nordeuropäischen Weicheier verbringen dagegen bis zu 22 Stunden wöchentlich mit Hausarbeit.
Vicenç Navarro, einer der bekanntesten spanischen Sozialwissenschaftler und Berater vieler europäischer und amerikanischer Regierungen, erzählt in seinen Vorlesungen immer wieder gerne die Geschichte, dass er seinen Studenten in den USA und Europa wiederholt die Frage stellte, wie viele Personen im Hörsaal in der Lage seien, ein einfaches und bekömmliches Spaghettigericht zu kochen. In der Johns Hopkins Universität (USA) hoben sich nahezu 100 Prozent der Finger, in Barcelona nur 30. Die spanischen Señores leben gemeinhin bis zu ihrem dreißigsten Lebensjahr bei Muttern – und die kocht, wie Mütter das eben so machen. Erwachsen, im Sinne von unabhängig, wird man dabei nicht. Man(n) bedeutet nur eine weitere Belastung für eine sowieso schon überlastete Frau – und stellt außerdem für seine Liebste, falls man mit ihr einen gemeinsamen Herd baut, an demselben eher ein Hindernis denn eine Hilfe dar.

Es braucht nicht erwähnt zu werden, dass unter diesen Umständen die jungen Spanierinnen kaum Lust haben, eine Familie zu gründen. Und sie können es auch aus oben erwähnten Gründen nicht, es sei denn um den Preis der vollständigen Aufgabe ihrer Persönlichkeitsentfaltung im beruflichen Bereich.
Resümee: Die öffentlichen sozialen Dienste sind, vorsichtig formuliert, begrenzt. Der Staat gibt immer weniger für sie aus. Vier Prozent weniger als vor zehn Jahren, zehn Prozent weniger als in Deutschland, wirken sich für den Betroffenen schon bitter aus. Staatliche Krippenplätze sind so gut wie nicht vorhanden, die privaten zu teuer. Die Altenhilfe ist unterentwickelt. Die Renten sind mehr als mager. Und 3,5 Prozent der sowieso schon sehr geringen Sozialausgaben reichen den Familien hinten und vorne nicht, zumal sie von innen her, bei durchschnittlich sechsstündiger Arbeitszeit der durch keinerlei Feminismus belasteten männlichen Mitglieder, auch nicht unterstützt werden. Nur die kleinen Mitbürger zwischen drei und fünf werden optimal betreut. Hier liegt die Auslastungsquote entsprechender Einrichtungen bei 99 Prozent.  

Gesundheitswesen
Spanien hat keine Krankenversicherungssysteme wie in Deutschland mit konkurrierenden gesetzlichen Krankenkassen und vielen privaten Versicherungsträgern, sondern neben den auch hier existierenden privaten Versicherungen nur einen nationalen Gesundheitsdienst. Der ist regional organisiert und bietet deshalb in den verschiedenen Teilen Spaniens unterschiedliche Leistungen an.
Wo Ärzte – und andere Berufe – nicht mehr nach Einsatz und Leistung vergütet werden, sondern nur noch in einem staatlich geregelten System funktionieren, mit einem Gehalt versehen, das ihnen gezahlt wird, egal, was immer sie geleistet haben, verkommt das Gesundheitssystem zu einer Zwei- bis Drei-Klassen-Medizin, in der die sozial schwachen Patienten im Drei-Minuten-Takt (Beispiel Barcelona) abgefertigt werden. Aber dies scheint auch in der deutschen Heimat nicht mehr viel anders zu sein. Wenn man dort nicht mehr als Patient die Arztpraxis betritt, sondern nur noch als Fallpauschale,  kann man sich ausmalen, was auf die Dauer passiert. Wie sagte Harald Schmidt im Februar diesen Jahres so schön: „Die AOK hat in einer Studie herausgefunden: Kassenpatienten warten beim Arzt wesentlich länger. Gut, dafür ist auch die Behandlungszeit kürzer. Viele Kassenpatienten warten mittlerweile gar nicht mehr, nein, sie wurden längst geholt...“
Als Resident und Urlauber aus Deutschland wundert man sich immer wieder über die angeblich so niedrigen Preise für Medikamente in Spanien. Spanische Beobachter sehen das ganz anders: für die sind die Preise immer noch viel zu hoch. Und das sind sie auch: die Verdienstspannen der Pharmabranche sind mit die größten in der spanischen Industrie. Die Verdienstspannen in Deutschland sind damit so unglaublich hoch, dass sie jeden Vorstellungsrahmen sprengen: Deutschland ist seit Jahren der nach Umsätzen weltweit (!) drittstärkste Pharmamarkt, hinter den USA und Japan.
Und Spanien könnte noch mehr sparen: es gibt 20 Prozent seiner Gesundheitsausgaben für Medikamente aus, einer der höchsten Quoten in der EU. Von diesen Ausgaben für Medikamente fallen nur drei Prozent auf Generika (Nachahmerprodukte), der Rest auf Originalprodukte. Mit dem gleichen Erfolg könnten bei entsprechendem Einsatz von Generika nur 9 Prozent für Medikamente eingesetzt werden, und die restlichen 11 könnten der Finanzierung der Altenpflege dienen, die chronisch unterfinanziert ist.  
Ein Faktor, mit dem sich das Funktionieren eines Wohlfahrtstaates gut messen lässt, ist die Lebenserwartung seiner Bürger. Und siehe da: aller Unbill zum Trotz, die dem spanischen Mitbürger aufgrund mangelnder Versorgung seitens des Staates widerfährt, lebt er doch recht lange.
Männer leben in Deutschland nach der Berentung durchschnittlich noch 16,9 Jahre, in Spanien aber 17,3 Jahre. Bei den Frauen sind es 20,1, beziehungsweise (Spanien) 21,3 Jahre. Sieht das alles noch ganz positiv aus, so muss man es doch bei genauerer Betrachtung der Zahlen relativieren. Denn der Zuwachs an Lebenserwartung, ein allgemein zu beobachtendes Phänomen in entwickelten Ländern, ist in Spanien in den letzten 10 Jahren deutlich gesunken und liegt am unteren Ende der Vergleichsskala. Und: die Ungleichheit bezüglich des Sterbealters zwischen den sozialen Schichten ist in Spanien deutlich höher als anderswo in der EU. In Katalonien beispielsweise liegen zwischen dem Sterbealter eines Oberschichtangehörigen und eines Arbeiters 10 Jahre. Der europäische Durchschnitt liegt bei sieben Jahren.

Zu dieser Entwicklung tragen auch die Arbeitsunfälle bei. Auch deren Zahl ist in Spanien deutlich höher als in anderen entwickelten Ländern. Die am schlechtesten bezahlten Saisonarbeiter weisen sogar noch deutlich höhere Unfallzahlen auf als die der Festangestellten. Auch die Zahl der AIDS-Erkrankten unter den Drogensüchtigen ist in Spanien sechs Mal so groß wie im Durchschnitt Europas. In der letzten Hitliste der europäischen Gesundheitssysteme (siehe Lanzarote 37°, Nr. 16) ist zwar Spanien auf Platz 14 vorgerückt, aber es hat noch immer mit die längsten Wartezeiten vor Operationen in Europa. Und der Bereich der Patientenrechte ist ebenfalls schwach entwickelt.  
Diese und viele andere Tatsachen deuten darauf hin, dass das Gesundheitswesen in Spanien noch entwicklungsbedürftig ist.
Während die öffentlichen sozialen Dienste und das Gesundheitswesen eher unterentwickelt sind, gibt es eine Vielzahl von kommerziellen und nicht-kommerziellen Anbietern (economía social) auf dem Markt wie Cruz Roja Española, Cáritas Española und ONCE. Letztere beispielsweise widmet sich den Blinden und Sehgeschädigten. Sie zählt heute zur Spitzengruppe der umsatz- und mitarbeiterstärksten Unternehmen Spaniens. Sie steht als Wohlfahrtsorganisation unter dem besonderen Schutz des Staates, unterhält Forschungs- und Entwicklungsinstitute und finanziert sich durch Lotterie. Ihre Arbeit ist allerdings umstritten, da man ihr „wirtschaftliche Expansion im sozialen Kleid“ unterstellt.

Ob die economía social also überall so sozial ist, wie sie sich gibt, sei dahingestellt. Auf jeden Fall finden freie Anbieter auf dem Sozialmarkt ein breites Betätigungsfeld, das ihnen kaum Hindernisse in den Weg legt, was klar wird, wenn man sich den Zustand mancher so genannter Seniorenresidenzen (Residencia para la tercera edad) und auch Krabbelstuben auf den Kanaren anschaut. Außerdem wird immer wieder darauf hingewiesen, dass der private Sektor im Gesundheitswesen dem öffentlichen keinen Anreiz bietet, sich zu verbessern. Dadurch, dass die Wohlhabenden einen Ausweg hin zu privaten Ärzten und Krankenhäusern haben, fehle der soziale Druck von unten, der den Staat zwingt, Verbesserungen einzuführen. Es wird aber auch anerkannt, dass viele Aspekte bei der Gesundheitsversorgung der Bevölkerung im privaten Bereich besser organisiert sind, dort ist man freundlicher im Umgang mit den Patienten, die Unterbringung ist deutlich besser und die Wartezeiten sind kürzer. Im eigentlich medizinischen Bereich tun sie sich dagegen nichts. Da muss oft der private auf den öffentlichen zurückgreifen, da ihm die nötige Ausstattung fehlt, zum Beispiel für komplizierte Operationen.
Im nächsten Heft geht es um die Bereiche Arbeitsmarkt, Bildungspolitik und Familienpolitik, insbesondere auch um die erschreckend geringe Geburtenrate in Spanien.


BIP
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) misst den Marktwert aller in einem bestimmten Zeitraum im Inland hergestellten Güter und Dienstleistungen. Es ist das am häufigsten verwendete Maß für den Erfolg einer Volkswirtschaft. Das BIP enthält jedoch viele Komponenten, die nichts mit dem Wohlergehen der Bürger zu tun haben: Abschreibungen beispielsweise, Belastungen durch Sicherheitsausgaben, etc.



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