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Donnerstag, 17. Oktober 2019
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Lokales

Lanzarote vor 30 Jahren:
Von Godos, Stein-Eiern und dem Hahn von Arrecife

Von: Werner Kraeling


Lanzarote, Charco del Palo, FKK Urlaub, Baden, Strand, Nudisten, Geschichte des Charco del Palo
Fotos: Charco del Palo heute.


Das Buch über die Entstehungsgeschichte des Charco del Palo von Claus Bulling.

















(03/08 N°20) Es begab sich Anfang der Achtziger Jahre, dass meine Frau Claudia eine Operation hatte, in Reha gehen sollte, was sie aber nicht wollte. Es war Winter, ein mildes Klima für einen absolut ruhigen Urlaub musste her, und da lag der Katalog des FKK-Reiseveranstalters Oböna auf dem Tisch. Aufgeschlagen die FKK-Anlage Castillo de Papagayo an der Küste Lanzarotes, in Charco del Palo, das auf keiner Karte stand, also abseits gelegen, mildes Klima, erkennbar kein Remmidemmi. Also nix wie hin.
Dann kamen die damals üblichen Schocks des ersten Tages. Der Oböna-Taxist Juan holte uns am alten Flughafen ab. Wir fuhren durch Arrecifes Außenbezirke und sahen nur unverputzte Häuser mit Schutthaufen vor den Türen. So wohnten die hier? (Später erfuhren wir, dass es an der Haus-Fertigstellungs-Steuer lag, die die Leute so umgingen. Erst César Manrique sorgte dann für die Abschaffung dieser Verschandelungssteuer.) Dann in Mala rechts ab auf einen Schotterweg und durch die endlosen Kakteenfelder. Noch heute erkläre ich Bekannten, die uns besuchen wollen: „Und wenn ihr glaubt, ihr seid am Ende der Welt, dann seid ihr bald da!“ Damals, beim ersten Mal mit Juans Taxi, glaubte ich nicht nur ans Ende der Welt, sogar an unser eigenes Ende, denn mir spukten plötzlich Zeitungsartikel im Kopf herum, dass in New York falsche Taxifahrer ihre Kunden auf Müllkippen verschleppen, sie dort ausrauben und umbringen.
Aber dann, es dunkelte schon, kamen wir lebend an, nach Passieren einer Schranke, mit der damals das FKK-Gelände abgegrenzt war. Links eine Reihe kleiner Bungalows, dann ein paar doppelstöckige Häuser, gegenüber eine kleine Kneipe, alles weiß verputzt. Wir waren in einem Obergeschoß untergebracht, sehr spartanisch. Voluminös aber waren die Ameisenstraßen, die sich quer durch die Wohnung zogen. Deshalb wohl hatte die Einweiserin, die blonde Angie von Oböna, sich schnell wieder verzogen. „Ich packe erst gar nicht aus!“, war Claudias Reaktion. „Wenn ich hier drei Wochen bleiben soll, fliege ich sofort wieder zurück. Und wo ist der Pool, der laut Katalog vor den Häusern liegt?“ Vom Balkon aus sah man nicht viel, es war inzwischen düster, kein Pool, ringsum nur Gebüsch und Palmen und gegenüber ein winziges Licht aus der Kneipe.
Dort, im „La Tunera“, wo wir dann einfielen, um einen Happen zu essen, wollten wir an der gemütlichen kleinen Theke wissen, wo nun der Pool sei. Helmut, der langhaarige und schnauzbärtige Wirt, erklärte uns, dass der Pool ein paar Meter weiter um die Ecke läge. Ich grübelte inzwischen, woher ich den Typ kannte. Auch Helmut plierte mich die ganze Zeit über an. Dann palaverten wir darüber, wo wir uns begegnet sein könnten. Bis ich erwähnte, ich hätte in Düsseldorf Zeitungmachen gelernt. Da fiel dann der Groschen, denn Helmut hatte zu der Zeit in der Düsseldorfer Altstadt als Gastronom gewirkt. Und weil ich bei der Zeitung bis nachts um ein Uhr arbeiten musste, mein Zug aber erst um 4 Uhr morgens fuhr, und Helmut auch um 1 Uhr Schluss hatte, trafen wir uns zwangsläufig in einem Lokal namens „Lindenstube“ in der Oststraße. „Da waren doch immer noch andere Redakteure mit dir an einem Stehtisch.“ Helmut kannte sogar noch ein paar Namen. So klein war mal wieder die Welt, und die Nacht wurde lang, weil Geschichten aus unserer Düsseldorfer Zeit über die Theke flogen, und so war ich schon so gut wie zu Hause.
Meine Frau am nächsten Tag auch. Sie hatte noch versucht, über Angie eine Wohnung in den Häusern am Pool zu bekommen, aber Angies Rat war: „Hören Sie erst mal hin, was die Leute am Strand sich erzählen.“ Danach waren die Ameisen sooo klein, Cucarachas waren größer und fieser. So blieben wir dann in unserer Nummer 15 und rotteten die Ameisen einfach aus. (Die Nr. 15 haben wir übrigens noch ein paar Jahre frequentiert.)
Außer den paar erwähnten Häusern gab es nur noch drei oder vier weitere, sonst war alles Sandwüste ringsum.
Der Strand selbst war ein Paradies, wenn auch felsig, aber mit Badebuchten. Der Pool war darob vergessen. Schön auch das Naturbecken mit den ringsum aufgeschütteten Liegestellen, genannt „Entenpfuhl“. Hier standen schattenspendende Schirme aus Palmenblättern und eine aufgemauerte Sitzgruppe, wo man nächtelang bei Wein und Bier saß, viele steuerten Tapas dazu. Es ergaben sich hier Freundschaften, die sehr lange hielten.
Endlos lange schien auch der tägliche Fußweg zu Pedro in Mala, um morgens Brötchen zu holen, aber das hielt fit. Kaufte man mehr als für 3.000 Peseten ein, spendierte Pedro übrigens die Rückfahrt per Taxi. Das Leben im Charco war im Rückblick herrlich spartanisch. Das Wasser gab es aus Zisternen, die per Wasserwagen gefüllt wurden. Kühlschränke und alle Lampen liefen auf Gas. Fernsehen gab’s  nicht, zum Telefonieren musste man zu Pedro, und die deutschen Fußballergebnisse holte man sich am Strand per Weltempfänger. Oder sie wurden bei Helmut an der Theke kolportiert, denn deutsche Zeitungen gab‘s erst eine Woche später, aber auch nur am Flughafen oder in Arrecife.
Lanzarote selber war damals ähnlich strukturiert: Wo heute Costa Teguise steht, erhob sich einsam das gerade neu erbaute Hotel Salinas und die alten Salinen konnte man noch sehen. Puerto del Carmen bestand nur aus dem alten Hotel San Antonio, dann kam lange gar nichts und dann erst das eigentliche Puerto, der alte Fischerhafen.
Auch die heutige Autopista zum Flughafen war nur eine Landstraße mit Schotter am Rand. Kein Megazentrum rechts, kein Deiland links. Man konnte im Schotter parken und die dicht über die Autos einschwebenden Flugzeuge fast mit der Hand greifen. Für große Ausflüge allerdings gab es nur öffentliche Buslinien und eine einzige Autoverleihfirma, Cabrera Medina. Da aber musste man sich lange vor dem Urlaub schon anmelden, um überhaupt einen Wagen zu ergattern.
Dafür gab es den freundlichen Juan im Charco, der jede Woche zwei Taxi-Touren machte: die Südtour und die Nordtour. Juan bat die Mitfahrer der Südtour, rohe Eier mitzunehmen. Die Lösung kam im Timanfaya: Da war ein glatter Stein, auf dem schlug Juan die Eier auf, und die Hitze aus der Tiefe briet die Eier zu Spiegeleiern. Auch das gibt‘s heute nicht mehr, ebenso, dass man mit eigenem Fahrzeug durch den Nationalpark fahren konnte. Die Parkbusse kamen erst später, nachdem sich auf den steilen Pisten Unfälle ereignet hatten. Zu den Papagayo-Stränden musste man über einen Feldweg noch zu Fuß, ohne die heutigen Hotels von Playa Blanca im Nacken. Und auf der Nordtour, im Jameos del Agua, konnte jemand, der Glück hatte wie wir, noch César Manrique persönlich werkeln sehen. In Ye, hinter dem Vulkan Corona, vergaß Juan nicht, auf ein Weinfeld hinzuweisen, das seines war.
Worüber sich viele auf damaligen Insel-Touren wunderten, waren die an Wände oder Brücken hingeschmierten Aufschriften „Godos fuera!“ Godos, das heißt Goten und die waren für die Lanzaroteños die Spanier vom Festland, die mehr und mehr auf die Insel kamen und geschäftstüchtiger waren als die einheimischen Conejeros. Zwischen letzteren und den Godos gab es auch oft lautstarke Szenen in Lokalen. Im Gegensatz zu Korsika, wo es eine ähnliche Konstellation gibt, flogen hier auf Lanzarote wenigstens keine Bomben.
Die Hauptstadt Arrecife war natürlich auch mal wesentlich kleiner. Das Hochhaus allerdings stand schon da. Die Einfahrt in die Stadt von Norden konnte man nicht verfehlen, denn es ging vorbei an der Duftmarke der nicht mehr existierenden Fischfabrik. Überhaupt musste man von Norden zum Flughafen erst nach Arrecife rein und durch die Calle Triana wieder raus. Auf Arrecifes Promenierstraße, der Calle Real herrschte noch Autoverkehr und es wurden gerade die ersten alten Häuser mit neuen Fassaden verschandelt. Und von der Puente de Bolas sprangen, wie heute noch, die Jungen ins Meer. Hier, wo die Calle Real auf die Strand-Avenida stieß, regelte unübersehbar Lanzarotes dickster Polizist, genannt El Pollo (der Hahn) von Arrecife, den Verkehr. Der war bei den Einheimischen wie bei den frühen Touristen sehr beliebt, denn er kannte auf jede Frage eine launige Antwort, ob es um den Weg nach irgendwo ging oder wo man Fußballtoto spielen konnte oder auch spätabends, wenn einige Herren bestimmte Etablissements suchten. Da soll er dem Vernehmen nach auch mal die persönliche Begleitung übernommen haben.
So war Lanzarote, als noch nicht die großen Touristenströme kamen. Der alten Zeiten erinnert man sich eben immer mal gern, ohne die heutige bequeme Zeit missen zu wollen. Und so sind wir immer noch hier.



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