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Dienstag, 17. September 2019
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Lanzarote und wie seine Menschen wirklich waren

Von: Werner Kraeling, Fotos: S. Bernard


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Das Museo Tanit in San Bartolomé ist eine private Einrichtung.

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Die Initiatoren und Betreiber des Museums Remedios de Quintana Reyes

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und José Ferrer Perdomo

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Die Familie hat seit über 200 Jahren praktisch nichts weggeworfen.

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Ein traditionelles Diablete-Karnevalskostüm

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(02/09 No.31) Als alter Museumsgänger - und hoffentlich objektiver Journalist - habe ich folgendes Urteil noch nie von mir gegeben, aber jetzt tue ich es: Das - für mich - schönste und interessanteste Museum der Welt ist das Ethnografische Museum Tanit in San Bartolomé in der Inselmitte Lanzarotes.

 

Ganz zuvor eine Bitte an die Leser: Vergessen Sie als Europäer die Begriffe „ethnologisch“ (völkerkundlich) oder „ethnografisch“ (beschreibende Völkerkunde). Solcherart Museen waren in Europa als Ausfluss der Kolonialzeit bis in die jüngste Vergangenheit meist Zurschaustellungen von nur exotischen außereuropäischen Kulturen, wo man endlich nackte Negerinnen oder Polynesierinnen oder Karl-May-Indianer als Publikumsmagneten zeigen konnte. Der Wahrheit zuliebe: Es wurde auch Geschichte gezeigt, aber der zirzensische Aspekt überwog. Heute ist das zwar anders, aber den Beriffen „ethnologisch“ oder „ethnografisch“ haftet immer noch dieses alte Odium an (wobei der neue Begriff „Ethno“ wieder eine andere Bedeutung hat).


Hier aber ist das völlig anders: Das Museo Etnografico Tanit, gegründet vor fast zehn Jahren, zeigt nur und ausschließlich die Geschichte der Menschen auf der Insel Lanzarote, nichts Exotisches, auch nicht direkt die sogenannte große Geschichte der Insel. Hier regiert das Motto: Wir wollen zeigen und bewahren, was die Menschen auf dieser kargen Insel geleistet und erduldet haben, wie erfinderisch sie waren, um zu überleben. Und wie sie auch mit Fröhlichkeit das harte Geschick erträglich machten. Das wird auch in allen Eintragungen im inzwischen sehr dicken Gästebuch gewürdigt. So etwa von Maria aus Thun in der Schweiz, die es genau auf den Punkt bringt: Das Museum „zeigt ein gutes Bild vom Leben und Wirken der Inselbewohner“. Und „Beeindruckend! Auch für Schweizer!“, setzen Susanna und Ignaz noch eins drauf.

Dass dieses private Museum ein ganz anderes und besseres ist als ein staatliches oder halbstaatliches, ist ein Verdienst der Museumsgründer José  Ferrer Perdomo und seiner Frau mit dem poetischen Namen Remedios de Quintana Reyes, genannt Remy, eine Familie, die seit über 200 Jahren hier in einer ehemaligen Weinbodega in einem ebenso alten Gebäude wohnt. Und diese Familie hat seit über 200 Jahren praktisch nichts weggeworfen: Kein altes Kinderspielzeug, kein Weinetikett, kein landwirtschaftliches oder weinbautechnisches Gerät, kein eigenes Dokument, kein noch so verrostetes Werkzeug. Hinzu gesammelt wurden in dieser großen Familie alle Bodenfunde, alte Scherben, alte Bekleidung, alte Fotos, Bücher, altes Textil bis zu Tischdecken und Porzellan. Das geht natürlich nicht nur 200 Jahre zurück, sondern teilweise bis in graue Vorzeiten.. So ist hier das namengebende Logo der karthagischen Göttin Tanit (siehe Kasten) ebenso präsent wie eine vorrömische punische Amphore, wie alte lanzarotenische Keramik und auch neuzeitliche Keramik mit alten Grundstoffen einer Künstlerin aus Famara.

Die Fülle dieser Dinge, bewusst nicht so streng wie in anderen Museen in thematische Abteilungen gegliedert, ist so überwältigend, dass sie hier gar nicht alle aufgezählt werden können. Nur ein paar: Im Treibsand nördlich von San Bartolomé, im alten Ajei, fanden Familienmitglieder einen steinernen Trog aus der vorspanischen Zeit, der wohl den Ureinwohnern zu kultischen Zwecken diente. Gut dokumentiert auch das Wiederaufstehen der lanzarotenischen Folkloregruppen  durch ein Familienmitglied, nachdem dieses Kulturleben durch massive Auswanderungswellen zum Erliegen gekommen war. Dann die alten Fotos von Einwohnern, die in Salinen oder anderswo schuften mussten, natürlich auch Fotos von Festivitäten. Oder die Mode: Alte dicke Plaids mit eingebauten Rucksäcken, mit Farben versehen, die aus der Färberpflanze Oreille stammten, die im Famara-Massiv wuchs und die exportiert wurde, wovon wiederum Menschen auf Lanzarote lebten. Und da steht plötzlich überlebensgroß, mit furchterregender Maske und rot-weiß gewandet, ein Diablete, ein Teufel aus der berühmten alten Karnevalstruppe „Los Diabletes“ aus Teguise – er steht in modernen Turnschuhen da, was aber kein Widerspruch ist, denn die Diabletes müssen in der Karnevalszeit viel laufen und tanzen.

Und dann die Möbel, Tische und Bücherschränke, alles aus der Familie, die auch deren Reichtum zeigen, wobei einem automatisch der Gedanke kommt, dass sie nicht zu den Ärmsten gehörten. Aber hätten sie zu den Ärmsten gehört, hätten sie dies alles nicht sammeln können und es wäre viel an Erinnerungen an alle Lanzarotener verloren gegangen.

Zu all dem Zusammengesammelten aber gehören auch die großformatigen Bilder von Remy, der Frau von José: Ob ein dezenter Akt der oft in der Geschichte erwähnten Prinzessin Ico oder ein faszinierendes geheimnisvolles Bild von Menschen, die aus dem Meer steigen, nachdem ihre sagenhafte Insel San Borondon (Iren nannten sie St. Brendans Island, vermutlich war es auch Atlantis), im Meer versunken war.  Remys Bilder sind über das ganze Museum verstreut; ein altes Aljibe, in das man über eine fast verborgene Wendeltreppe steigen muss, ist voll mit Bildern von ihr, und ihre Keramikwände prangen draußen in den bezaubernden Höfen und im Garten, wo jeder Baum und Strauch (von Zuckerrohr bis Limonenbaum) seine Beschriftung hat.

Auch die gemauerte Landschaft des Gebäudekomplexes dieses alten Grundbesitzes ist überwältigend: Es gibt sogar ein Kirchlein von 1735, geweiht der Nuestra Señora de Pino. Und die Wege in den Höfen sind an vielen Stellen gepflastert mit bunten Glaskugeln, die wiederum Bäume und Tiere bilden, und auch hier gibt es kleine Überraschungen, etwa wenn man auf einen winzigen eisernen Frosch im Boden tritt. Auf solche kleinen Einfälle stößt man hier allenthalben und es macht riesiges Vergnügen, sie zu entdecken.
Überhaupt ist einer der Reize dieses Museums der: In staatlichen oder offiziellen Museen dieser Art verschwindet meist dreiviertel des Bestandes im Keller und ist nie zu sehen, weil Direktoren oder Kuratoren glauben, das sei zu langweilig. Hier ist alles, was das Leben in Lanzarote früher ausmachte, zu sehen, und wenn es noch so banal ist. Daraus könnte man folgern, dass in offiziellen Museen nur ein Viertel der Wahrheit des Auszustellenden zu sehen ist, hier aber die einigermaßen komplette.

Schade ist nur, dass dieses Museum vom offiziellen Lanzarote ziemlich links liegen gelassen wird. Wobei mir klar ist, dass das Cabildo zuerst mal die Eigenbetriebe bewerben muss. Vermutlich hängt es aber auch eher damit zusammen, weil es statt von akademischen und nasenrümpfenden Museumsleuten von Privatleuten gegründet und zusammengestellt wurde.

Einen immensen Vorteil jedoch hat dies auch: Im herrlichen Jameos del Agua und auch im fantastischen, von einer Stiftung geleiteten Cesar-Manrique-Haus in Tahiche beispielsweise fühlt sich mancher von Busladungen fast totgetreten, im Museo Tanit ist man meist allein und kann sich gemächlich aussuchen, was einen am meisten interessiert und kann das alles wiederum in Ruhe genießen.

Im meiner Meinung nach schönsten und interessantesten Museum der Welt… Da soll doch die Nase rümpfen, wer will.

 

Wege und Zeiten

Der Weg zum Museum Tanit in San Bartolomé ist ganz einfach. Vom Bauerndenkmal oder von Arrecife kommend, ist das Museum auf der Hauptstraße schon ausgeschildert. Beim Kreisel dann in den Ort hinein (von Tahiche aus einfach mitten durch den Kreisel). Wenn die Policía Local rechts auftaucht, liegt das Museum genau gegenüber. Vor der Policía gibt es meist Parkplätze. Die Öffnungszeiten sind täglich von 10 bis 14 Uhr, sonntags ist geschlossen. Die vier Stunden reichen übrigens völlig aus.

 

Die Göttin Tanit

Das Museum Tanit bekam den Namen Tanit nach einer phönizisch-karthagischen Göttin, deren Symbol als Fels-Einritzung vor etwa 30 Jahren in uralten unterirdischen Gängen in der Gegend von Rubicon im südlichen Teil Lanzarotes durch Eduardo Aznar Allejo, Professor für Prähistorische und Mittelalterliche Geschichte, entdeckt wurde. Leider wurden damals danach die Grabungen nicht fortgesetzt und das ganze Gelände wieder dem Sand überlassen. Zumindest wurde die Inschrift mit dem Tanit-Logo gerettet. Eine Abzeichnung ist im Museum Tanit zu sehen, eine ganze Übersetzung der Inschrift ist noch nicht gelungen.

Weil jedoch im Rubicon um 1400 auch die franco-normannische Eroberung Lanzarotes und der ganzen Kanaren begann, schließt man durch das Vorkommen des Tanit-Symbols exakt an dieser Stelle, dass von hier aus lange vor den Europäern, vielleicht vor mehr als tausend Jahren, auch eine phönizische Eroberung der Insel versucht worden ist oder dass hier bereits eine phönizische Kolonie bestand.

Die damalige Weltmacht, die Punier, die auch Karthager oder Phönizier genannt wurden, beherrschte vor den Römern von Karthago aus (beim heutigen Tunis) ganz Nordafrika und Südspanien. (Cartagena hat so seinen Namen von Neu-Karthago, das hier errichtet wurde.)

Dass Tanit die Hauptgöttin Karthagos im vierten Jahrhundert v. Chr. war, steht eindeutig fest. Ihr Symbol ist in ganz Nordafrika verbreitet, auch an Spaniens Mittelmeerküsten. Tanit war eine Fruchtbarkeitsgöttin. Das drückt wahrscheinlich nicht nur ihr geometrisches Logo aus. Als Fruchtbarkeitsgöttin gelangte sie unter dem Namen Virgo Dea Caelestis unter Roms Kaiser Elagabal um 218 n. Chr. sogar in den römischen Götterhimmel.

Wissenschaftler benutzen für Tanit übrigens heute den Namen Tinit, weil das TNT aus der lybisch-berberischen vokallosen Schrift durch altgriechische Übersetzungen neuerdings als Tinit gedeutet wurde. Dies nur, falls jemand den Namen Tanit in neuen wissenschaftlichen Veröffentlichungen nicht finden sollte. Das Museum Tanit sollte sich nicht daran stören, tut es auch nicht.

 

 

 



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