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Lokales

Lanzarote und die Piraten:
Jahre des Angriffs und der Verteidigung

Von: Sarah Schulz


Castillo de San José, Lanzarote, 37°, Inselmagazin
Das Castillo de San José: heute Museum, früher Zufluchtsort vorPiratenüberfällen. Foto: Lanzarote37°

Cueva de los Verdes, Lanzarote, lanzarote37.net
Ein weiterer Zufluchtsort war die heutige Touristenattraktion Cueva de los Verdes. Foto: Lanzarote37°

Cueva de los Verdes, Lanzarote, 37°, Inselmagazin
Der Tunnel der Cueva de los Verdes. Foto: Lanzarote37°


1-10-2011 Piraterie - viele Konzepte werden mit diesem Begriff verbunden: Entern von Schiffen, Beutezüge, Menschenraub. Als literarisch-künstlerischer Topos wird er heute verklärt. Die Kanarischen Inseln, besonders Lanzarote ganz im Osten, erlebten ab der frühen Neuzeit Überfälle durch Seeräuber vom europäischen Festland und afrikanischen Kontinent. Lanzarote37° gibt eine kurze Einführung mit Schwerpunkt auf der Geschichte der nordafrikanischen Angreifer.

Hinter den Begriffen Piraterie, Seeräuberei, Freibeuterei und Kaperei verbergen sich Phänomene der Kulturgeschichte, die definitorische Unterschiede aufweisen. Die beiden ersten beschreiben das unrechtmäßige Erbeuten von Besitztümern, die Gefangennahme und Versklavung von Menschen. Kaperfahrer und Freibeuter hingegen waren private Unternehmer, ausgestattet mit einem sogenannten Kaperbrief der Regierung, der es ihnen zu Kriegszeiten erlaubte, gegnerische Schiffe zu entern, Gebiete anzugreifen und Beute zu machen. Die Korsaren der Barbareskenstaaten der maghrebinischen Küsten besaßen zumeist einen ebensolchen Patentbrief. Kaperei diente der kurzfristigen Stärkung der Seemacht eines Staats und war zwischen dem 12. und 19. Jahrhundert ein fester Bestandteil der Seekriegsführung.

Piraterie ist ein kulturhistorisches Phänomen
Schon im Altertum gab es Piraten, die versuchten, sich an den Gütern anderer zu bereichern. Über das Mittelmeer breiteten sich solche Unternehmungen mit den Jahrhunderten auf den angrenzenden Atlantikraum aus. Mit den seeräuberischen Aktionen verschiedener Staaten verknüpft ist die Geschichte der Kanaren. Seit Anfang des 16. Jahrhunderts gehörte der Archipel zum neuen Königreich Spanien. Vor der afrikanischen Küste, über 1000 Kilometer von der Iberischen Halbinsel entfernt, lag er verhältnismäßig schutzlos im Atlantik, denn für etwaige Schutzeinsätze vom Mutterland aus bedurfte es einiger Überfahrtszeit.
Die Inseln wurden mehr und mehr Ziele von Angriffen. Der erste erfolgte bereits 1415 auf Telde, Gran Canaria, durch Portugiesen. Eine weitere Expedition auf Befehl der portugiesischen Krone erreichte 1450 zum ersten Mal Lanzarote. Von besonderem Interesse wurden die Gewässer der Kanaren für Angreifer jedoch erst, nachdem Christoph Kolumbus die Inseln als Zwischenstopp auf der Route Richtung Südamerika angesteuert hatte. Mit den Attacken bekämpften sie allgemein die spanische Schifffahrt und den Handel. Zwischen den Kontinenten war der Archipel ein strategisches und gutgelegenes Bindeglied. Hier konnten letzte Änderungen, eventuell nötige Reparaturen, an den Schiffen vorgenommen werden, und die kanarischen Häfen halfen bei der Verproviantierung. Auf dem Rückweg von Lateinamerika erwarteten Freibeuter Reichtümer, besonders Edelmetalle, und weitere Handelswaren an Bord der temporär vor Anker liegenden Schiffe aus der Neuen Welt, die ihre Ladungen nicht löschten.


Die nordafrikanischen Barbareskenstaaten
Besonders relevant für die östlichen Inseln waren die Angriffe der sogenannten Barbareskenstaaten. Nach dem Ende der Reconquista 1492, der Rückeroberung der Iberischen Halbinsel durch Nachkommen der Westgoten gegen die muslimischen Expansionisten, flohen Morisken, die Muslime des iberischen Gebiets, die zunächst noch dort geblieben waren, nach Nordafrika, wo sie sich in die dortigen Gesell-schaftsstrukturen integrierten. Gemeinsam mit der einheimischen Bevölkerung schlossen sie sich zum Kampf gegen die christlichen Mittelmeerstaaten zusammen. Dabei waren sie in vielerlei Hinsicht gefährlicher als die christlichen Angreifer: Zum einen strebten sie stets die Gefangennahme von Menschen an, die sie erst nach Bezahlung hoher Lösegeldsummen freizulassen beabsichtigten beziehungsweise aufgrund von nützlichen Professionen langfristig in ihrer Gewalt behielten. Zum anderen gewährten sie, im Gegensatz zu anderen angreifenden Ländern, niemals eine offizielle Ruhepause. Von ihnen ging eine kontinuierliche Bedrohung aus. Allerdings förderten die Bewohner Lanzarotes und Fuerteventuras diese Vorgehensweise durch eigene Angriffe auf die nordafrikanischen Staaten, bei denen sie im 16. Jahrhundert Maghrebiner ihrer Freiheit beraubten. So lassen sich einige der Angriffe als Vergeltungsschläge deuten. Wiederum drangen die Korsaren auch bis zur Ostsee vor. Es ist bekannt, dass 1625, von Algier aus, vor der Westküste Englands über 1000 Menschen gefangen genommen wurden.

Algier und Salé
Die Kanaren wurden von vielen nordafrikanischen Städten aus attackiert, die Mehrheit der Angriffe erfolgte jedoch durch Korsaren aus Algier und Salé. Obwohl Algier als Teil des Osmanischen Reichs formell dem Sultan von Konstantinopel unterstand, besaßen die Korsarenführer die Macht. Der Erfolg der Beutezüge bedingte unmittelbar den Reichtum der Stadt, der als beträchtlich galt. Freigekaufte Christen, die dorthin versklavt worden waren, legten Zeugnis von der beeindruckenden Größe und dem Wohlstand ab. Sogar die erste nordafrikanische Invasion auf Lanzarote 1571,  Salé zugeordnet, hatte ihre Ursprünge in Algier. Der letzte Kanarenangriff erfolgte 1749, als 400 Angreifer aus Algier binnen zwei Tagen die Torre del Águila an der Papagayos-Küste zerstörten, zehn Gefangene nahmen, die Ermita de San Marcial brandschatzten und schlussendlich, nach Femés hochzogen, den Ort anzündeten.
Salé im heutigen Marokko war die zweite große Keimzelle der maghrebinischen Piraterie. Nach der Vertreibung aus der Extremadura und Andalusien im Zuge der Reconquista, siedelten sich dort Morisken an, deren Hauptziel es war, an Spanien Rache zu nehmen: Da sie seit jeher auf der Iberischen Halbinsel gelebt hatten, fühlten sie sich unrechtmäßig ihrer Heimat beraubt. Im 17. Jahrhundert gehörte Salé zur Korsaren-Republik Bou-Regreg, die jedoch nach kurzer Zeit an die Alawiden, die noch heute Marokko regierende Dynastie, fiel.

Angriffsfolgen
Wenn keine Handelsschiffe angegriffen wurden, erbeuteten die Piraten an Land Weizen, Fleisch und andere Gegenstände, denen sie einen (subjektiv) hohen Wert beimaßen. Dabei galten allgemein die kleinen Inseln wie Lanzarote und Fuerteventura als einfache, da schwache Ziele. Teneriffa und Gran Canaria boten hinjgegen deutlich bessere Beutemöglichkeiten.
Der einzig mögliche Schutz vor den Beutezügen waren Beobachtungstürme, von denen aus frühzeitig vor Schiffen gewarnt wurde, und Verteidigungsanlagen. Zum Bau und zur Erhaltung derselben mussten die Insulaner Abgaben leisten, jedoch kamen die Inselherren teilweise ihrer daraus resultierenden Verantwortung nicht nach. So kümmerten sich auf Lanzarote phasenweise die Einwohner selbst um alle Facetten der Verteidigung.
Ein weiterer finanziell belastender Aspekt waren die Lösegeldforderungen bei Gefangenennahmen. Im Hinblick auf die Freilassung von Geiseln setzten sich vornehmlich die kirchlichen Vorsteher für die Gefangenen ein. Dabei waren Geldschenkungen an die Familien der Opfer üblich, damit sie ihren Verwandten zurückkaufen konnten.

Die Piraterie barg aber auch für die Angreifer Gefahren. Sie selbst sahen sich mit schwierigen Situationen konfrontiert. Die Überfahrt auf den kleinen Segelschiffen schloss gefährliche Passagen mit ein, und vor Ort mussten sie sich gegen die zunehmend kriegerische Vehemenz ihrer vermeintlichen Opfer erwehren. 1628 erreichten beispielsweise der lanzarotenische Graf und seine Vasallen einen Erfolg: Vor dem Hafen Arrecifes konnten sie eine unbestimmte Zahl Angreifer gefangen nehmen, und somit den Überfall in seinen Anfängen zurückschlagen. Einige reiche Insulaner erkauften sich Geiseln, um sie für ihre Arbeiten zu versklaven.

Erinnerungskultur
Auf Lanzarote können heute noch ehemalige Befestigungsanlagen besichtigt beziehungsweise angesehen werden, die unter anderem zum Schutz vor einfallenden Freibeutern errichtet worden waren. Die beiden Castillos in Arrecife, das Castillo de Santa Bárbara in Teguise sowie die Torre del Águila zeugen von der Geschichte der Piraterie auf Lanzarote. Auch der „Túnel del Atlántida “, in dem sich die Tourismuszentren der Jameos del Agua und der Cueva de los Verdes befinden, ist mit diesem Thema verknüpft: Er diente Lanzaroteños als Zufluchtsort während der Beutezüge.
Auf dem Schlackenkegel des Guanapay in Teguise, im Castillo de Santa Bárbara, eröffnete Ende Februar das Piratenmuseum. Hauptsächlich an Schulkinder und Jugendliche gerichtet, kann man sich dort über die Geschichte der Piraterie auf Lanzarote und den Kanaren informieren. Ein Bereich des Museums ist der künstlerischen Verarbeitung und Interpretation des Themas gewidmet. Spätestens die Filmreihe „Der Fluch der Karibik“, von der Mitte Mai der nunmehr vierte Teil in die Kinos gekommen ist, prägte für jedermann ein bestimmtes Piratenbild. Zwischen Recht und Ordnung auf einem schmalen Grat balancierend, wird der Pirat dort nicht als Bandit gezeichnet, sondern er setzt sich stets für gute, redliche Zwecke ein. Jedoch was dort als Abenteuer anmutet, entspricht nicht dem, was für gewöhnlich in der Realität stattfand. Auf beiden Seiten gab es einen erbitterten Kampf um Hab und Gut oder gar um das blanke Überleben. Dieselbe oder eine ähnliche Machtlosigkeit der einen und die Brutalität der anderen Seite zeigten sich auch in der jüngsten Zeit bei den Piratenübergriffen auf Frachtschiffe.





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