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Kurzmeldungen

Lanzarote: Appell der Rettungsschwimmer an Eltern:
Wenn Kinder im Wasser sind, extrem wachsam sein!


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Lanzarotes Rettungsschwimmer appellieren an alle Eltern: "Seien Sie extrem wachsam, wenn ihre Kinder im Wasser sind, ertrinken geschieht meist lautlos":


07-08-2013 Lanzarote (sb) - Nachdem am letzten Julitag ein kleines 6-jähriges Mädchen beim baden am Strand von La Garita, Arrieta, ertrunken ist, und gestern gegen 16 Uhr schon wieder ein kleines Kind von einem Rettungsschwimmer aus dem Wasser gezogen werden mußte, appellieren die Rettungsschwimmer an alle Eltern, extrem wachsam zu sein, wenn ihre Kinder im Wasser sind.


Nachdem ein Rettungsschwimmer gestern nachmittag am Strand von Puerto del Carmen ein kleines Mädchen beobachtet hatte, welches von ihrem Surfbrett gefallen und anschließend viel zu lange mit dem Kopf unter Wasser geblieben war, sah er sich gezwungen ins Wasser zu springen, um der Kleinen zu helfen.

Bei ihr angekomen stellte er fest, dass sie den Kopf nicht mehr über Wasser halten konnte, weil sie von ihrer viel zu locker sitzenden Schwimmweste daran gehindert wurde.

Der Rettungsschwimmer, beruhigte das Kind, half der Kleinen ihren Kopf über Wasser zu halten und zurrte ihr die Schwimmweste ordentlich fest, sodaß diese das Kind ordnungsgemäß über Wasser hielt.

Diesmal war alles gut gegangen, das Kind war gerettet. Doch es hätte böse ausgehen können. Denn nur wenige Sekunden Unaufmerksamkeit reichen, so die Vereinigung der Rettungsschwimmer, und ein ertrinkendes Kind kann nicht mehr gerettet werden.

Das Erschreckende ist, dass Ertrinkende in vielen Fällen von anderen Badegästen beobachtet werden, diese aber nichts unternehmen. Nicht, weil Sie ratlos sind, sondern weil Sie die Situation falsch einschätzen und keine Ahnung haben, dass sich diese Person gerade in einer lebensgefährlichen Situation befindet.

Denn entgegen der Annahme, dass ertrinkende Personen durch lautes Geschrei und Gewinke auf sich aufmerksam machen wollen, passiert genau das Gegenteil: Ertrinken sieht nicht nach Ertrinken aus! Kein panisches Gestrampel, keine Schreie.

Der US amerikaniche Rettungsschwimmer und  Rettungshubschrauberpilot Mario Vittone, hat langjährige Erfahrung mit ertrinkenden Menschen und schon vielen das Leben gerettet. In seinem Artikel “Drowning Doesn´t Look Like Drowning” schildert er das Phänomen des Ertrinkens und hat damit für viel Aufsehen gesorgt.


Hier die Überetzung seines Artikels:
Der leise Tod des Ertrinkens


Als der Kapitän voll bekleidet von Board sprang und durch das Wasser lief, irritierte er die anderen Badegäste, die im Wasser schwammen. “Nicht, dass er jetzt denkt, du ertrinkst”, sagte der Mann zu seiner Frau, da sie sich kurze Zeit zuvor mit Wasser bespritzt und geschrien hatten. “Was macht er hier?!”, fragte die Frau leicht gereizt ihren Mann. “Es geht uns gut!”, rief der Mann dem Kapitän zu. Aber der Kapitän ließ sich nicht aufhalten. Er schwamm unnachgiebig an dem Pärchen vorbei und schrie nur kurz “Weg da!”. Denn direkt hinter ihnen, nur wenige Meter entfernt, war die neunjährige Tochter gerade dabei zu ertrinken. Der Kapitän kam in allerletzter Sekunde. Das Mädchen fing an zu weinen und schluchzte: “Papa!”.

Woher wusste der Kapitän aus so vielen Metern Entfernung, dass die Tochter gerade dabei war zu ertrinken und sowohl Mutter als auch Vater dies aus weniger als drei Metern nicht erkennen konnten?

Der Kapitän ist ein ehemaliger Rettungsschwimmer der Küstenwache und hat durch eine fachliche Ausbildung gelernt, die Gefahren des Ertrinkens rechtzeitig zu erkennen. Und nein, wenn jemand ertrinkt, dann wird nicht, wie es oft im Fernsehen gezeigt wird, wild geschrien und gewunken.

Sie sollten sicherstellen, dass Sie die Anzeichen des Ertrinkens erkennen. Denn bis die neunjährige Tochter mit letzter Kraft “Papa” sagte, hatte sie nicht einen Ton von sich gegeben. Das Ertrinken ist fast immer ein ruhiger und wortloser Vorgang. In der Realität wird selten gewunken, geschrien oder wie wild gestrampelt.

Das, was Menschen tun, um tatsächliches oder vermeintliches Ertrinken zu verhindern, hat Dr. Francesco A. Pia die instinktive Reaktion (The Instinctive Drowning Response) genannt. Es gibt kein Geschrei, kein Gespritze und kein Gewinke.

Überdenken Sie Folgendes: Der Tod durch Ertrinken ist der zweithäufigste Unfalltod (nach Verkehrsunfällen) bei Kindern bis zu einem Alter von 15 Jahren. Auch im nächsten Jahr werden wieder Kinder ertrinken. Etwa die Hälfte wird in einer Entfernung von nicht mehr als 20 Metern von einem Elternteil ertrinken. Und in 10% dieser Fälle wird ein Erwachsener sogar zusehen und keine Ahnung davon haben, was da gerade geschieht. Ertrinken sieht nicht aus wie ertrinken!


Auf folgende Anzeichen müssen Sie beim Baden achten:
Dr. Pia erläuterte die instinktive Reaktion auf das Ertrinken in einem Artikel im Coast Guard´s On Scene Magazine:


1. In den meisten Fällen sind ertrinkende Menschen physiologisch nicht dazu fähig, Hilfe zu rufen. Da das Atmungssystem auf das Atmen ausgelegt ist und die Sprache die zweite/überlagerte Funktion darstellt, muss zunächst die Atmung sichergestellt werden, bevor die Sprachfunktion stattfinden kann.

2. Da sich der Mund beim Ertrinken unter der Wasseroberfläche befindet und nur kurzzeitig wieder aus dem Wasser auftaucht, ist die Zeit für das Ausatmen, Einatmen und für einen Hilferuf zu kurz. Sobald sich der Mund einer ertrinkenden Person über der Wasseroberfläche befindet, wird schnell ausgeatmet und wieder eingeatmet, bevor der Kopf wieder unter Wasser abtaucht.

3. Ein Herbeiwinken ist nicht möglich. Die Arme werden instinktiv seitlich ausgestreckt und von oben auf die Wasseroberfläche gedrückt. Diese Schutzfunktion soll den Körper über der Wasseroberfläche halten, um weiter Atmen zu können.

4. Eine bewusste Steuerung der Arme ist bei einer instinktiven Reaktion auf das Ertrinken nicht möglich. Ertrinkende Menschen sind aus physiologischer Sicht nicht dazu fähig, das Ertrinken durch bewusste und gesteuerte Bewegungen abzuwenden. Ein Winken nach Hilfe ist also nicht möglich.

5. Während der Dauer des Ertrinkens befindet sich der Körper aufrecht im Wasser. In der Regel können sich Ertrinkende nur 20 bis 60 Sekunden an der Wasseroberfläche halten, bevor sie untergehen. Nicht viel Zeit für einen Rettungsschwimmer.

Selbstverständlich befindet sich eine Person, die schreiend und winkend um Hilfe ruft, in einer ernsthaften Situation. Anders als beim tatsächlichen Ertrinken, können sich die betroffenen Personen an Ihrer eigenen Rettung beteiligen und z. B. nach Rettungsleinen oder -ringen greifen. Dieser Zustand wird als Wassernotsituation bezeichnet. Eine Wassernotsituation muss nicht zwangsläufig vor einer instinktiven Reaktion auf das Ertrinken auftreten.


Weitere wichtige Anzeichen des Ertrinkens:
Sie sollten unbedingt auf folgende Anzeichen des Ertrinkens achten:

 

* Der Kopf ist nach hinten geneigt und unter Wasser. Der Mund befindet sich
   auf einer Höhe mit der Wasseroberfläche.

* Die Augen sind glasig und leer.
* Die Augen sind geschlossen.
* Die Haare hängen vor Stirn und/oder den Augen.
* Der Körper befindet sich vertikal im Wasser.
* Der Ertrinkende beschleunigt die Atmung und kämpft nach Luft.
* Die betroffene Person unternimmt den Versuch zu schwimmen, kommt aber
   nicht voran.
* Es wird versucht sich auf den Rücken zu drehen.

Sollte also ein Rettungsschwimmer plötzlich ins Wasser laufen und es sieht für Sie so aus, als wäre alles in Ordnung, dann täuschen Sie sich nicht. Der einfachste Hinweis des Ertrinkens wirkt nicht immer so, als würde jemand ertrinken. Seien Sie also vorsichtig.

Wenn Sie sicher gehen wollen, dann fragen Sie die betreffende Person: “Geht es Dir gut? Brauchst Du Hilfe?”. Erhalten Sie eine Antwort, dann scheint es der Person wirklich gut zu gehen. Wenn nicht, dann bleiben Ihnen nur wenige Sekunden, um ihn/sie zu retten.

Und noch ein Hinweis für alle Eltern: Kinder, die im Wasser spielen, sind laut und machen Lärm. Sollte es still werden, dann sollten Sie nachschauen, weshalb.

 


 



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