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Sahrauis ohne Heimat und ohne Rechte

Von: Susanne Bernard


Marokko, West-Sahara, Polisario, Befreiungskampf, Aminatou Haidar, Guacimeta, Lanzarote37°, 37 Grad, deutsches Inselmagazin
Auf der Karte sehen Sie das Gebiet der Westsahara, den von Marokko besetzten Teil und den Frontverlauf , genannt "der Wall". Karte: United Nations, Department of Public Information

Marokko, West-Sahara, Polisario, Befreiungskampf, Aminatou Haidar, Meditation, Lanzarote37°, 37 Grad, deutsches Inselmagazin
Aminatou Haidar ist eine weltbekannte Freiheitskämpferin, die für die Unabhängigkeit der Westsahara kämpft. Die marokkanischen Behörden hatten ihr die Einreise in ihre Heimat verweigert. Sie nahmen Haidar ihren Pass weg, steckten sie in ein spanisches Flugzeug, das sie nach Lanzarote brachte und hier einfach aussetzte. Allein, ohne Angehörige und Familie. Aminatou trat in den Hungerstreik. Sie wollte zurück. 32 Tage sollte es dauern, bis Marokko dem Druck und den Bitten von Menschenrechtsorganisationen und diplomatischen Vertretern endlich nachgab und die »Gandhi der Westsahara« wieder in ihre Heimat zurückkehren ließ. Foto: Susanne Bernard/Lanzarote37°

Marokko, West-Sahara, Polisario, Befreiungskampf, Aminatou Haidar, Lanzarote37°, 37 Grad, deutsches Inselmagazin
In der Ankunftshalle des lanzarotenischen Flughafens Guacimeta meditierten Sympathisanten von Aminatou Haidar. Sie halfen mit, dass die "Ghandi der Westsahara" wie die Befreiungskämpferin genannt wird, in ihre Heimat, die Westsahara, zurückkehren konnte. Foto: Bernard/Lanzarote37°

Marokko, West-Sahara, Polisario, Befreiungskampf, Carmelo Ramírez, Aminatou Haidar, Lanzarote37°, 37 Grad, deutsches Inselmagazin
Carmelo Ramírez, Abgeordneter für internationale Zusammenarbeit und Solidarität in Gran Canaria, wich fast 4 Wochen nicht von Aminatous Seite. Er gab an auf ihrer Seite zu sein, für das Verhalten Spaniens im spiel der Mächte könne er nichts, so Ramírez scheinheilig zu Lanzarote37°


Schüler im Flüchtlingslager 13. Juni. Foto: ©UNHCRA/Danielle Van Brunt Smith


Seit 34 Jahren hält Marokko die Westsahara besetzt, hunderttausende Sahrauis wurden aus ihrer Heimat vertrieben und leben in Flüchtlingslagern in Algerien. Jene, die in ihrer Heimat geblieben sind, leben abgeriegelt hinter einem 2700 Kilometer langen Wall, der elektonisch gesichert und vermint ist. Sie werden von Marokkos Polizei und Geheimdienst unterdrückt, schikaniert, bespitzelt, verhaftet, gefoltert und - wenn es sein muss - beiseite geschafft.

Das alles passiert in der unmittelbaren Nachbarschaft Europas, nur wenige Kilometer Luftlinie von Lanzarote entfernt. Trotzdem sehen alle weg. Meistens jedenfalls. Der Hungerstreik von Aminatou Haidar zwang die westliche Welt zu einem unangenehmen Seitenblick. Dem Blick auf ein Volk, das für die schmutzigen Dienste Marokkos im internationalen Machtgeschiebe bezahlen muss.

 

 

Die Westsahara, ein Gebiet größer als Großbritannien, sollte eigentlich seit dem Ende der spanischen Kolonialherrschaft, am 26. Februar 1976, unabhängig sein. Eigentlich. Ist sie aber nicht.

Nach einem überstürzten und unkontrollierten Abzug des ehemaligen Kolonialherrn Spanien, an diesem Tag, waren sich die beiden Nachbarländer Marokko und Mauretanien schnell einig: Beide hatten bereits seit den 60er Jahren Ansprüche auf die Westsahara proklamiert und ergriffen sofort nach dem Abzug Spaniens die Gelegenheit, das Gebiet systematisch und mit Hilfe des ehemaligen Kolonialherrn zu besetzen.

Der damalige marokkanische König Hassan II entsandte lange vorher schon klammheimlich erste Armeeeinheiten in das schwer zu kontrollierende Areal im Norden der Westsahara und organisierte am 6. November 1975 ein dazu passendes Medienspektakel: Er schickte 350.000 Marokkaner in Form einer organisierten Demonstration über die Grenze der zu dieser Zeit noch spanischen Kolonie und stellte diese Demo, offiziell als „grüner Marsch" bezeichnet, als Verbrüderung des durch die Kolonialzeit geteilten marokkanischen Volkes dar.

Die Spanier dürften von diesem „Marsch" nicht überrascht gewesen sein. Im Gegenteil. Im Nachhinein betrachtet müssen sie davon gewusst, beziehungsweise ihn sogar gebilligt haben. Denn nur acht Tage später, am 14. November 1975, unterzeichneten Marokko, Mauretanien und Spanien hinter den Kulissen in Madrid ein Abkommen, in dem Marokko und Mauretanien ihre territorialen Ansprüche absteckten und Spanien für sein Stillhalten die billige Versorgung mit dem wichtigsten Rohstoff der Westsahara, Phosphat, garantiert wurde.

Dafür, dass Spanien tatsächlich Marokko und Mauretanien die West-Sahara in die Hände gespielt hat, spricht auch, dass an dem Tag, als die drei in Madrid miteinander schacherten, bereits marokkanische Truppen in der nördlichen West-Sahara standen. Hassan II hatte sie geschickt, um ein eventuelles Eingreifen Algeriens, das auf der Seite der Sahrauis stand, zu verhindern, und um sahrauische Polisario-Kämpfer zu binden. Hassans Soldaten waren exakt am 16. Oktober 1975 losmarschiert, just an jenem Tag, an dem der Internationale Gerichtshof ein Gutachten veröffentlichte, in welchem er feststellte, dass das Selbstbestimmungsrecht der Sahrauis einen höheren Wert hat als die historischen Bindungen der Westsahara an Marokko und Mauretanien. Die Bevölkerung der Westsahara sollte, so der Internationale Gerichtshof, in einem Referendum selbst über seine Zukunft entscheiden.

Die Zeit drängte also für den despotischen König, der die Ausbeutung der größten Phosphatlagerstätten der Welt, bei Bou Craa im Norden der Westsahara, weder verlieren, noch mit den Sahrauis teilen wollte. Er plante nämlich, seine Untertanen in die Westsahara zu entsenden, um ihnen dort Arbeit und Raum zu verschaffen.

Für Hassan II, der bis dahin bereits etliche Attentate und Putschversuche überstanden hatte, war die Annexion der West-Sahara eine Gelegenheit, von den sozialen und ökonomischen Unruhen in seinem Land, dessen Bevölkerung durch Massenarbeitslosigkeit und Überbevölkerung schon lange zermürbt war, abzulenken und ganz nebenbei seinen eigenen Reichtum weiter zu mehren. Die Profite aus den Phosphatlagern wollte er sich mit ein paar internationalen Konzernen teilen. So wurde es in Madrid vereinbart.

Als dann am 26. Februar 1976 die spanische Herrschaft offiziell endete - zwei Tage vor dem ursprünglich vereinbarten Termin - okkupierten Marokko und Mauretanien, wie in Madrid ausgeschachert, das ehemalige spanische Kolonialgebiet. Die nördlichen zwei Drittel der West-Sahara riss sich Marokko unter den Nagel, das südliche Drittel Mauretanien.

Im Laufe der Invasion überquerten rund 65.000 Sahrauis unter den Angriffen der marokkanischen Luftwaffe die Grenze nach Algerien. Hassan II schreckte nicht davor zurück, die flüchtende Zivilbevölkerung mit Phosphor- und Napalmbomben zu bewerfen.

Diese Besatzung stellte nicht nur einen eklatanten Bruch der in der Charta der Organisation für Afrikanische Einheit (OAU) manifestierten Unverletzlichkeit der Kolonialgrenzen dar, sondern verbaute dem Sahrauischen Volk jedwede Chance, nach der langen Unterdrückung durch die Spanier, endlich selbst über seine Zukunft zu bestimmen.

Als Folge rief die Frente Polisario, der politisch-militärische Arm der Sahrauis, der auch schon gegen Spaniens Besatzung rebelliert hatte, am darauffolgenden Tag, dem 27. Februar 1976, durch den von ihr gegründeten provisorischen Sahrauischen Nationalrat, die Demokratische Arabische Republik Sahara, kurz DARS, aus und begann mit dem bewaffneten Widerstand.

Zuerst knöpfte sich die Frente Polisario das militärisch und ökonomisch schwächere Mauretanien vor. Mit Erfolg: der damalige mauretanischen Staatspräsidenten Mokhtar Ould Daddah, der sein Land durch diesen Konflikt immer mehr wirtschaftlich ruinierte, wurde gestürzt, und die Frente Polisario unterzeichnete mit der nachfolgenden Militärjunta einen Friedensvertrag.

Doch dieser Sieg entpuppte sich für das sahrauische Volk zum Pyrrhussieg: Marokko marschierte umgehend in die ehemals mauretanische Besatzungszone der West-Sahara ein und wurde zum übermächtigen Gegner der Sahrauis.

Was folgte, war ein erbitterter Guerilla-Krieg zwischen der Frente Polisario und der marokkanischen Armee, der viele Sahrauis dazu bewegte, aus der West-Sahara zu flüchten und sich im Süden Algeriens in Flüchtlingslagern niederzulassen. Hassan II gewann nach und nach die Oberhand in diesem Krieg und konnte ihn darüber hinaus dazu benutzen, um sich unliebsamer putschwilliger Offiziere zu entledigen, die er einfach an die Front entsendete und so beschäftigt hielt.

Schon bald begann der marokkanische Diktator, Befestigungswälle aus Sand und Steinen gegen die von den Sahrauis kontrollierten Gebiete zu errichten, die er mit Hilfe des westlichen Militärs mit Bodenfrühwarnsystemen und Minenfeldern ausstattete. Heute umschließen diese Wälle - insgesamt sind es sechs mit einer Länge von 2.700 Kilometern - zwei Drittel der West-Sahara. Nur ein Drittel liegt außerhalb dieser Besatzungszone. Ein sehr schmaler Streifen an der Grenze zu Mauretanien und Algerien, den die Sahrauische Befreiungsfront kontrolliert. Diesen Streifen bezeichnen die Sahrauis als die „befreiten Gebiete".

Die Demokratische Arabische Republik Sahara (DARS) wurde seit ihrer Proklamation 1976 von circa 80 (diese Zahl schwankt stark), vorwiegend afrikanischen und lateinamerikanischen, Regierungen sowie der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) anerkannt. Und das Recht der Sahrauischen Bevölkerung auf Unabhängigkeit und Selbstbestimmung wurde 1985 inhaltlich von den Vereinten Nationen übernommen. Sogar Marokko stimmte dieser Resolution auf der UN-Vollversammlung 1989 zu, die schlussendlich in einem UN-Friedensplan für die ehemalige Spanisch-Westsahara mündete. In diesem Friedensplan wurde das Recht der Sahrauischen Bevölkerung auf Unabhängigkeit und Selbstbestimmung anerkannt. 1991 wurde dann mit Hilfe der UNO ein Waffenstillstand mit der Frente Polisario ausgehandelt, der als Bedingung ein Referendum vorsah, in dem die Sahrauis entscheiden sollten, ob die Westsahara unabhängig wird oder ein autonomes Gebiet unter der Souveränität Marokkos bleibt.Ursprünglich für 1992 geplant, hat das Referendum, mit dessen Durchführung die UN-Organisation MINURSO betraut wurde, bis heute nicht stattgefunden. Es wurde immer wieder aus fadenscheinigen Gründen verschoben.

Durch geschicktes Hinauszögern der Abstimmung und Manipulation der UN-Beobachter seitens Marokko und verbündeter Staaten wie Frankreich, ist die Westsahara bis heute besetzt.

Seit Beginn des Waffenstillstandes 1991 belauern sich nun am West-Sahara-Wall tausende Polisario-Kämpfer und rund 150.000 marokkanische Soldaten. Beaufsichtigt von 231 UN-Uniformierten der MINURSO, die die Aufgabe haben, das Referendum in der West-Sahara zu organisieren. Die Kosten für das MINURSO-Mandat: rund 37 Millionen Euro pro Jahr. Die Europäische Union legt aus ihrem Welternährungsprogramm nochmals 8 Millionen jährlich für Nothilferationen dazu. Dieser Etat wurde bereits radikal zusammengestrichen, obwohl Kinder und Frauen in den besetzten Gebieten der West-Sahara unter massiven Mangelernährungskrankheiten leiden.

Heute, im 35. Jahr nach Beginn der Auseinandersetzungen um die Westsahara, ist die Sahrauische Bevölkerung zweigeteilt.

Rund 170.000 Sahrauis leben in den vier großen Flüchtlingslagern (Smara, Aiun, Dakhla und Ausserd) in Algerien, benannt nach Städten in ihrer einstigen Heimat. Diese Menschen sind seit 35 Jahren vollständig abhängig von humanitärer Hilfe, weil die Wüste, in der sich ihre Lager befinden, keine Selbstversorgung ermöglicht. Ohne Arbeit und Beschäftigung warten sie teilweise schon in dritter Generation auf ihre Rückkehr in die West-Sahara.

Der andere Teil der Sahrauischen Bevölkerung, (über die genaue Anzahl der Menschen gibt es nur Schätzungen), lebt in dem von Marokko besetzten Gebiet der West-Sahara, das einem Polizeistaat gleicht.

Die Menschenrechtssituation für die dort lebenden ist mehr als bedenklich, wie verschiedene internationale Menschenrechtsorganisationen (Amnesty International, Human Rights Watch) mahnen. Sahrauis, die ihre Stimme für die Unabhängigkeit der Westsahara erheben, müssen – so wie Aminatou Haidar - mit Verfolgung, Folter, Verschleppung und Sippenhaft rechnen. Auch Meinungs- und Versammlungsfreiheit sind stark eingeschränkt. Dadurch soll jegliche Form politischen Engagements unterbunden werden. Mitglieder von Sahrauischen Menschenrechtsorganisationen müssen beispielsweise, aufgrund ihrer Arbeit, gewalttätige Übergriffe durch die marokkanischen Behörden fürchten.

Marokko, inzwischen regiert vom Filius Hassan II., Mohammed VI., tut alles, um das Referendum immer weiter hinauszuzögern und die Bedingungen für dessen Durchführung unmöglich zu machen.

Hauptgrund für die Verzögerung ist ein Streit um die Kriterien, wer in die Wahllisten aufgenommen werden soll, und der Versuch Marokkos eine Erweiterung der Wahlberechtigung auf marokkanische Staatsbürger, die in der West-Sahara leben, auszudehnen.

Nach UN-Friedensplan sollen alle diejenigen Sahrauis die innerhalb oder außerhalb des Territoriums leben wahlberechtigt sein, die 1974 im Zensus von den spanischen Behörden registriert und 18 Jahre und älter sind. Damit auch Sahrauis an dem Referendum teilnehmen können, die zwar auf dem Territorium der Westsahara leben, jedoch 1974 nicht erfasst wurden, richtete die MINURSO eine Identifizierungskommission ein. Genau hier setzt des Königs Plan, die Abstimmung zugunsten Marokkos zu entscheiden, an. Neben den schon seit Langem in der Westsahara arbeitenden Marokkanern karrt die marokkanische Regierung nach und nach tausende von Marokkanern in die besetzten Gebiete und erklärt sie kurzerhand zu Sahrauis. So will sie die Bevölkerung der West-Sahara marokkanisieren und majorisieren. Insgesamt geht man davon aus, dass inzwischen (inklusive marokkanischer Soldaten) rund 350.000 Marokkaner in der West-Sahara leben, zum Teil in Zeltlagern mit dem zynischen Namen »Camps de l`Unite«.
Die seltsame Definition des marokkanischen Königs, dass alle, die im Augenblick in der Westsahara leben, auch Sahrauis seien und am Referendum teilnehmen sollen, lehnt die Frente Polisario entschieden und zu Recht ab.

Doch an diesem entscheidenden Punkt kam die UNO dem König auch noch entgegen. Sie erweiterte die Kriterien für eine Aufnahme in die Wahllisten um zwei Punkte. Zusätzlich zu den im Zensus erfassten Personen sollen am Referendum Personen teilnehmen dürfen, deren Vater im Territorium geboren wurde, die vor dem 1.12.1974 im Territorium gelebt haben, sowie entweder sechs Jahre in Folge oder zwölf Jahre mit Unterbrechungen in der Westsahara ansässig waren.

Diese Neu-Definition der Kriterien – vor allem die Erweiterung um Personen, die eine gewisse Zeit in der Westsahara gelebt haben – spielt Mohammed VI einen großen Trumpf in die Hand. Er muss schließlich nur genügend Untertanen in den besetzten Gebieten ansiedeln, das Referendum noch ein paar Jahre verzögern und könnte letztendlich siegesgewiss einem Referendum entgegen sehen, in welchem eine Überzahl von Marokkanern die Selbstbestimmung der Sahrauis verhindern würde.

Und so pumpt Marokko jährlich etwa eine Milliarde Dollar in die Westsahara, um sich bei der dort ansässigen Bevölkerung Wohlgefallen zu erkaufen und die Zusammensetzung der Bevölkerung mit der Umsiedlung staatstreuer Marokkaner zu seinen Gunsten zu verändern. 150.000 der insgesamt 250.000 marokkanischen Soldaten und Tausende Polizisten sind in der Region stationiert.

Wie lange der Staat von König Mohammed VI. das durchhält, bleibt abzuwarten. Auch wenn das Privatvermögen des marokkanischen Königs auf 1,5 Milliarden Dollar geschätzt wird und das ererbte Immobilienvermögen, welches sein Vater Hassan II auf der ganzen Welt zusammenraffte, weitere geschätzte 40 bis 50 Milliarden beträgt. Mohammed VI. gehören 20 Prozent des landwirtschaftlich nutzbaren Landes und als Hauptaktionär des Unternehmens ONA (Omnium Nord-Africain) darf er außer auf Einkünfte aus Phosphatminen auch noch auf Tantiemen aus der Agrarindustrie, dem Transportwesen, dem Fischfang, der chemischen Industrie, dem Tourismus und der Banken- und Versicherungen zählen. Dennoch wird er für die gigantischen Summen, die ihn die Besetzung der West-Sahara kosten, nicht mit seinem privaten Geld aufkommen wollen. Da nimmt er doch lieber Staaten wie die USA und Frankreich in die Pflicht, denen er schon mal droht, die Flüchtlinge einfach wieder nach Europa durchzulassen, wenn sie seine Politik kritisieren oder ihn, wie im Fall Haidar, drängen, die Frau doch in ihre Heimat zurückkehren zu lassen und ihr ihren Pass zurückzugeben.

Mohammed VI. begreift das Referendum zur Unabhängigkeit längst als gescheitert und betrachtet die Westsahara als Teil seines Staatsgebietes. Aus diesem Grund scheut er auch nicht davor zurück, die Ressourcen im Gebiet der Westsahara immer weiter auszubeuten. Neben den erwähnten riesigen Phosphatreserven schlummern dort noch viele Rohstoffe, die gefördert und abgebaut werden können. Da ist es auch nicht weiter schlimm, dass er die Gewässer vor dem langen Küstenstreifen der Westsahara und den Kanaren, einstmals die besten Fischfanggebiete Afrikas, zusammen mit seinen westlichen Komplizen bereits zu 80% leergefischt hat. Obwohl die Besetzung der Westsahara vom Internationalen Gerichtshof als unrechtmäßig verurteilt wurde, kann Marokko weiterhin seine illegitime Position vertreten. Das liegt vor allem an den wirtschaftlichen, geostrategischen und politischen Interessen von großen Playern wie den USA oder Frankreich und Großbritannien, die, unter anderem durch ihren Einfluss auf die Entscheidungen im UNO-Sicherheitsrat, eine Lösung des West-Sahara-Konflikts verhindern.

Auch die übrigen EU-Regierungen dulden die Besatzungsmacht Marokko. Sie schweigen nicht nur zum Terror und den Menschenrechtsverletzungen der Marokkaner gegenüber den Sahrauis, sondern unterstützen Marokko immer weiter mit massiven Finanzmitteln. So bereichert sich Frankreich völkerrechtswidrig an der Ausbeutung der Bodenschätze in den besetzten Gebieten und zahlt gleichzeitig jährlich rund 188 Millionen Euro „Entwicklungshilfe" an Marokko, mehr als 30 Prozent aller von Marokko bezogenen Unterstützungen überhaupt.

Spanien lieferte allein 2008 für 113,90 Millionen Euro Waffen an Marokko, womit das Nachbarland Spaniens bester Waffen-Abnehmer ist. Deutschland will „neutral" sein und lieferte zwischen 2003 und 2007 „nur" für 148 Millionen Euro Rüstungsgüter nach Marokko. Insgesamt profitiert kein Land finanziell mehr von der Europäischen Nachbarschaftspolitik (ENP) der EU als Marokko. Und dann wären da noch die eifrigsten Unterstützer und Militärhelfer von Marokko: die USA, die beispielsweise allein 2008 Kampfjets für 2,1 Milliarden Dollar an Marokko lieferte, und - man höre und staune - Israel und Saudi Arabien. Die Amerikaner brauchen Mohammed VI. in ihrem „War on Terror". Das ist die im „9/11" begründete Idee Amerikas, alles Islamische auf der Welt kontrollieren zu wollen und in Sachen Terror Weltpolizei spielen zu müssen. Marokko hat man dabei die Rolle zugedacht, Bollwerk gegen die Fundamentalisten zu sein und das riesige Gebiet der West-Sahara von islamischen Eiferern freizuhalten. Das deckt sich auch mit den Interessen Israels, wo man Marokko schon viel länger dankbar die Hand reicht, auch wenn diese nicht ganz sauber ist. So spielte der Vater Mohammed VI. eine wichtige Rolle bei der Unterstützung des zionistischen Staates gegen die Palästinenser, als er einst alle 250.000 in Marokko lebenden Juden aufforderte, nach Israel auszuwandern, was für den Staat Israel damals eine Überlebensfrage darstellte.

Dankbarkeit demonstrierte Israel, indem man eine Gedenkbriefmarke für Hassan II druckte und den einstigen Despoten als «großen Verstorbenen» und «Mann des Friedens und des Ausgleichs» feiert. Man darf fragen, wie die Israelis in diesem Bund die Saudis empfinden. Die sind zwar engste Verbündete der USA, lassen aber dennoch Israelis nicht einmal zu Besuchszwecken in ihr Land reisen, befinden sich mit Israel seit 1948 (Palästinakrieg) offiziell im Kriegszustand und haben den Staat Israel bis zum heutigen Tag nicht anerkannt.

Solches Verhalten darf man getrost „große" Politik nennen, und in diesem Zusammenhang wird auch völlig verständlich, dass Marokko ohne Scham und mit dem Beifall der Europäischen Union die gegensätzlichsten Interessen unterschiedlicher Staaten unterstützt, Hauptsache, diese sichern dem Königreich finanzielle, militärische und politische Unterstützung und bringen Marokko dem eigenen Ziel, einer Autonomie der Westsahara innerhalb des (eigenen) marokkanischen Territoriums, näher.

Da macht es auch nichts, wenn die eigene Bevölkerung hinter diesen machtpolitischen Interessen zurückstehen muss, weil kein Geld mehr überbleibt, zum Beispiel für Bildung. Oder warum wohl sonst kann über die Hälfte der marokkanischen Bevölkerung weder lesen noch schreiben und haben 40 Prozent aller marokkanischen Kinder noch nie eine Schule von innen gesehen? Die Jugendarbeitslosigkeit in Marokko liegt offiziell bei 25 Prozent. In Wahrheit liegt sie wahrscheinlich doppelt so hoch.

Wenn wundert’s da, wenn 75 Prozent aller marokkanischen Jugendlichen nur ein Ziel kennen: die Meerenge von Gibraltar zu überqueren.

Und mit diesem Land geht die Europäische Union eine »privilegierte Partnerschaft« ein, deren Ziel womöglich die Aufnahme in die Europäische Gemeinschaft sein soll. Mit einem Land, in dem grundlegende Demokratie- und Menschenrechtsstandards missachtet werden. Einem Land das eine Mauer errichtete, sechzig Mal länger als die ehemalige Berliner Mauer, von Anfang bis Ende vermint und von Tausenden von Soldaten bewacht.


Info:
Das Madrider Abkommen vom 14. November 1975

 

Nur eine kurze Zusammenfassung der weitreichenden Vereinbarungen wird damals veröffentlicht, der Rest bleibt geheim. Kernpunkte sind: „die Spanische Anwesenheit im Territorium wird vor dem 28. Februar 1976 enden“ und „Spanien wird unverzüglich im Territorium eine vorläufige Verwaltung unter Beteiligung Marokkos und Mauretaniens (schaffen)“.

Erst 1978 enthüllt die spanische Presse, welchen Preis Marokko für den spanischen Verrat an den Sahrauis und die Missachtung sämtliche UN-Beschlüsse zahlte. In geheimen Zusatzprotokollen des Abkommens werden Spanien Fischfangrechte für 800 spanische Boote vor der Nordwestafrikanischen Küste über einen Zeitraum von 12 Jahren zugesagt und Anteile in Höhe von 35 Prozent beim Abbau der Bodenschätze in der Westsahara. Entsprechend behält Spanien 35 Prozent der Aktien an der Phosphatmine von Bou Craa, die mit dem Abkommen zu 65 Prozent an die marokkanische Firma Office Cherifien de Phosphat übergeht. Außerdem soll Marokko der spanischen Düngemittelfabrik in Hueva Phosphat im Wert von 300 Millionen US-Dollar zum Spottpreis von 15 Dollar pro Tonne liefern. Hassan II versprach, seine Ansprüche auf die spanischen Enklaven Ceuta und Melilla an der Mittelmeerküste so lange zurückzustellen, bis Großbritannien Gibraltar an Spanien abtritt. Schließlich soll Marokko Spanien auch die Nutzung von Militärbasis in der Westsahara  und seine Unterstützung bei der Bekämpfung der Separatistenbewegung MPAIAC auf den kanarischen Inseln zugesichert haben.

(15-02-2010) 



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