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Lokales

Korruption und Bestechung auf Lanzarote:
Der Zwiebelkönig und seine Freunde

Von: Karl Kunze


Dimas Martín Martín, Korruption, Bestechnung, Schmiergeld, Spanien, Lanzarote37°, 37 Grad, siebenunddreißig, deutsches Inselmagazin, deutsche Zeitschrift
Dimas Martín Martín, hier bei seiner Festnahme. Polizei und Justiz vermuten in ihm den Paten einer mafiaähnlichen Organisation. Foto: Lanzarote37°/Sergio Betancort

Jacinto Álvarez de la Fuente, Korruption, Bestechnung, Schmiergeld, Spanien, Lanzarote37°, 37 Grad, siebenunddreißig, deutsches Inselmagazin, deutsche Zeitschrift
Jacinto Álvarez de la Fuente wurde gerade in seinem Haus verhaftet. Augenblicke später geht der Stinkefinger in die Höhe. Foto: Lanzarote37°/Sergio Betancort

Francisco Reyes, Korruption, Bestechnung, Schmiergeld, Spanien, Lanzarote37°, 37 Grad, siebenunddreißig, deutsches Inselmagazin, deutsche Zeitschrift
Francisco Reyes, Ex-Bürgermeister von Yaiza. Tag und Nacht denkt er darüber nach, woher er das viele Geld hat. Foto: Lanzarote37°/Sergio Betancort

Maria Isabel Déniz, Korruption, Bestechnung, Schmiergeld, Spanien, Lanzarote37°, 37 Grad, siebenunddreißig, deutsches Inselmagazin, deutsche Zeitschrift
Maria Isabel Déniz, Ex-Bürgermeisterin von Arrecife, am Tag ihrer Verhaftung. Foto: Lanzarote37°/Sergio Betancort

Complejo Agro-Industrial, Korruption, Bestechnung, Schmiergeld, Spanien, Lanzarote37°, 37 Grad, siebenunddreißig, deutsches Inselmagazin, deutsche Zeitschrift
Das Projekt „Complejo Agro-Industrial“ vor den Toren Teguises wurde Martín zum Verhängniss. Wegen Verschwendung öffentlicher Gelder fordert der Staat in diesem Zusammenhang noch 2,4 Millionen Euro Strafe von ihm. Dimas schämte sich nicht, bei seinem Wählervolk, dem er jahrelang vorlog, mittellos zu sein, um Spenden zu bitten, um diese Strafe zahlen zu können. Foto:Lanzarote37°/Susanne Bernard

Francisco Rosa, Korruption, Bestechnung, Schmiergeld, Spanien, Stratvs, Bodega, Lanzarote37°, 37 Grad, siebenunddreißig, deutsches Inselmagazin, deutsche Zeitschrift
Francisco Rosa (rechts), begleitet von Anwalt Camero, nach seiner mit Auflagen versehenen vorläufigen Freilassung. Foto: Lanzarote37°/Sergio Betancort


(1-10-2010) Lanzarote - Es sieht so aus, als ob sich die politische Inselwelt Lanzarotes zurzeit in drei Lager spaltet: die einen haben jeden Tag was zu feixen und freuen sich, gar nicht mehr klammheimlich, über jede Meldung einer neuerlichen Verhaftung eines Politikers im größten Korruptionsskandal der Insel, die anderen halten trotzig in ihren angeschlagenen Wagenburgen die Stellung aufrecht. Deshalb fällt es schwer, in diesem Drama die guten Helden, die Lichtgestalten, zu finden: Es ist ein geringes Häuflein Aufrechter in einem Schwarm von größeren und kleineren Kriminellen mitsamt deren Helfershelfern. Sowohl die Gruselgeschichte selbst wie deren Kollateralpossen haben sich inzwischen zu einem Albtraum für alle gewandelt, denen das Schicksal Lanzarotes am Herzen liegt.

Und diese, die von der dritten Gruppe, bringen oft nicht mehr über die Lippen als ein entsetztes ¡Qué vergüenza! - „Was für eine Schande!“

 

Vorspiel: Die „Operación Unión"


Im ersten Teil des Dramas, zeitlich von Mitte 2008 bis April 2010 einzuordnen, ging es um rund dreißig Personen und deren vielschichtige Verstrickungen in den bisher größten Korruptionsskandal Lanzarotes. Im Einzelnen nachzulesen in Heft 38 unseres Inselmagazins oder auf unserer Internetseite www.lanzarote37.net. Die Urteile in diesen Verfahren sind noch nicht gesprochen. Bei allen diesbezüglichen Aussagen muss man sich also immer ein „vermutlich" dazu denken. Das erfordert nicht nur die political correctness, sondern auch die in diesen Tagen so oft beschworene presunción de inocencia, die Unschuldsvermutung.

 

Es gibt kaum ein Amt auf der Insel, das Don Dimas Martín Martín, Jahrgang 1948, der „historische Führer" der PIL (Unabhängige Partei Lanzarotes), nicht schon einmal bekleidet hätte. Bis zum Inselpräsidenten hatte er es gebracht. Und kaum ein Vergehen, dessen sich ein Politiker überhaupt schuldig machen kann, hat er ausgelassen. Er hat deshalb schon oft im Gefängnis gesessen – und sitzt dort bis heute. Ihn zeichnet, wie viele Politiker, nicht nur hier, ein durch und durch formidables Nichtverstehen der bürgerlich- demokratischen Ordnung aus, aber noch beeindruckender ist sein Nichtlernenwollen: mit einer Chuzpe ohnegleichen dirigierte er, so lässt die Aktenlage vermuten, bis zuletzt aus dem Gefängnis heraus seine Lakaien, mit deren Hilfe er ein Vermögen anhäufte, dessen Höhe bis dato nicht bekannt war.

 

Er entschloss sich, zu einer Zeit Politiker zu werden, als die vordemokratischen Formen es den Mächtigen noch erlaubten, mehr oder weniger offen ihre „Untertanen" wie Gänse auszunehmen, wenn die etwas von ihnen wollten - ein Haus bauen beispielsweise, oder das Gemeindegebiet sauber halten und dafür Rechnungen zu schreiben. Nichts lief ohne ein erkleckliches Bakschisch. Und das Ganze wurde dazu noch als legitim angesehen. Kein Schuldgefühl, kein schlechtes Gewissen, bei niemandem. Es war das Naturrecht des Politikers jedweder Hierarchiestufe, für seine Dienste Extragebühren zu kassieren – das eigene Salär reichte eben nicht fürs Dolce Vita, zumindest nicht für das im Lanzarote Modus.

 

 

Der Einzug von Extragebühren lief dann ungefähr so ab. Arrecife, Hauptstadt mit viel Unrat, beauftragt einen Unternehmer, den Müll zu entsorgen. Was der auch brav macht, denn das ist ja schließlich ein dicker Auftrag. Derjenige Stadtrat, der irgendwann einmal den Unternehmer auch bezahlen muss, zögert die Zahlung hinaus, um, im konkreten Fall bei einer Summe von anderthalb Millionen Euro angelangt, dem ehrenwerten Entrepreneur kund zu tun, dass man ja gerne ihm den geschuldeten Betrag zahle, aber nur, wenn er auch bereit sei, ein Sümmchen, so um die zehn Prozent herum, in einem diskreten kleinen Köfferchen liegen zu lassen.

 

Die permanent applizierte Ganovenlogik: „Ich zahle meine Schulden bei dir nur, wenn du mich dafür ordentlich schmierst" wurde zu einer immer wieder angewandten Blaupause des Gebarens von nicht wenigen Politikern jedweder Couleur.

 

Aber nicht nur Señor Martín war von ausgesprochener Rührigkeit im Erfinden von Folterinstrumenten für Unternehmer, auch auf dem Rest der Insel gediehen Delikte wie Korruption, Subventionsbetrug, Geldwäsche, Amtsmissbrauch und Insolvenzbetrug wie Brennnesseln am Misthaufen.

 

 

Der ehemalige Bürgermeister von Yaiza, José Francisco Reyes, wurde so urplötzlich Eigner einer Yacht, und hatte auch irgendwie 700.000 Euro für alles Mögliche ausgegeben, ohne dass ihm, trotz angestrengtesten Nachdenkens, einfiel, wo er denn das ganze viele Geld her hatte. Oder der Unternehmer und Rechtsanwalt Lleo. Der wollte der Industrie- und Handelskammer Lanzarotes ein von ihm errichtetes Gebäude für 14 Millionen Euro andrehen. Dafür sollte der Schatzmeister der Handelskammer mit 250.000 Euro bestochen werden. Noch dreister ging Lleo im Frühsommer 2008 vor, als er versuchte, den Parteichef der PSOE (entspricht in etwa der SPD) und rechte Hand der ehemaligen Inselchefin Manuela Armas, Carlos Espino Angulo, zu bestechen: 2,5 Prozent sollte der vom Erlös des Verkaufs eines Häuserprojekts in Playa Blanca erhalten, wenn er seine eigenen Mit-Regierungsgenossen aufs Kreuz legte und denen die Genehmigung des Projektes nahelegte.

 

 

Sehr verführerisch für einen Politiker, der sich bisher nur ein kleines Auto leisten kann und eine sechsköpfige Familie ernähren muss. 2,5 Prozent von 18 Millionen wären glatte 450.000 Euro gewesen. Aber Espino hielt stand, zeigte Lleo an, und brachte damit die größte Polizeiaktion, die die Insel je gesehen hatte, ins Rollen. Über ein Jahr lang wurden alle möglichen Telefone auf der Insel abgehört, 10.000 Akten Mithör-Protokolle wurden archiviert.

 

 

Der 25. Mai 2009 läutete dann die zweite Phase der „Operación Unión" ein, als die Geheimhaltung aufgegeben wurde, und Richter César Romero Pamparacuatro das Arrecifer Rathaus stürmen und jede Menge Papier mitnehmen ließ. Dutzende Personen wurden angezeigt, zur Aussage zitiert, einige dann auch verhaftet, besagter Dimas Martín sogar im Gefängnis, einige dann wieder unter Auflagen auf freien Fuß gesetzt. Diese zweite Phase dauerte wiederum ein Jahr. In dieser Zeit hatten etliche politisch tätige und ebenfalls beteiligte Zeitgenossen gehofft, nicht entdeckt zu werden, zumal Pamparacuatro sie gänzlich in Ruhe gelassen hatte. Der 19. April dieses Jahres belehrte sie schmerzlich eines Besseren. Die dritte Phase begann, wie die zweite, mit einem Paukenschlag. Die „Operación Jable" startete an diesem Tag durch mit der Verhaftung der ehemaligen Bürgermeisterin von Arrecife, María Isabel Déniz und weiteren sieben Angeklagten durch eine Sondereinheit der Guardia Civil namens U.C.O.


1. Akt: Die "Operación Jable"
Oder: Der schwarze Montag


Ein Jahr lang hatten Pamparacuatro und seine Mitstreiter von der UCO, das ist die Unidad Central Operativa de la Guardia Civil, Material gesammelt. Eines der Ergebnisse der Recherchen waren acht Verhaftungen am 19. April 2010. Mit Isabel Déniz, die sofort in Einzelhaft genommen wurde, war zwar schon ein recht ansehnlicher Fisch ins Netz gegangen. Aber dann folgte Francisco Armas, und bald sollte es noch viel dicker kommen.

 

Der Morgen begann mit der Verhaftung von Jacinto Álvarez, Chef der Firma URBASER, einem der Müllentsorger von Arrecife.

 

Überhaupt hat das Ganze viel mit dem Müll zu tun, der in Arrecifes Straßen vor sich hin stinkt. Jedenfalls zeigte Àlvarez bei seiner Verhaftung den Fotografen schon mal den Stinkefinger.

 

Der nächste in der Reihe ist ebenfalls Müllwerker, natürlich einer, dessen Hände, zumindest äußerlich, sauber blieben.

 

 

Miguel Ángel Leal ist ein Mann mit einem gottgefälligen Namen, in dem der Erzengel Michael, der Engel an und für sich und dann auch noch die Loyalität sich die Hand geben: dieser Herr war seinerzeit bei der Inselregierung für den Müll zuständig. Aber das hat er wohl weder engelhaft, schon gar nicht erzengelhaft und erst recht nicht loyal gegenüber der Inselgesellschaft gemanagt. Genauso wie Señor Manuel Spínola, der zuletzt für selbiges Aufgabengebiet verantwortlich war und die Ehre hatte, der Durchsuchung seines Büros im Cabildo durch die UCO-Agenten höchstpersönlich beiwohnen zu dürfen. Und im fernen Madrid fasste man gleichzeitig Stephani Jean Valverde am Schlafittchen, einen Mitarbeiter des oben genannten Müllunternehmens. Kurz darauf erhielt Rafael Arrocha, der Chef des Technischen Büros im Rathaus von Arrecife, unverhofften Besuch, aber immerhin in netter blauer Uniform, ebenso wie Julio Romero, Chef einer Filiale der Kanarischen Sparkasse.

 

Seit dem frühen Morgen war also ein ganzes Rudel von UCO-Beamten auf der Insel ausgeschwärmt, um ein Dutzend Häuser zu durchsuchen, zwei öffentliche Ämter, Firmensitze, und sogar ein heimliches Lager in einem nur halb fertiggestellten Haus, aus dem allein 30 Kartons mit Dokumenten herausgeschleppt wurden, die eventuell sehr wichtig werden könnten im Zusammenhang mit Verstrickungen der Firma URBASER. Im Büro von Spínola waren sie noch um 21 Uhr damit beschäftigt, Material heraus zu schleppen. Vom Sekretär des Rathauses von Arrecife wollten die Beamten unter anderem Akten sehen, die ihnen vielleicht etwas über die Vergabe des Auftrages für den Bau des Schwimmbades erzählen könnten.

 

Als letzten verhaftete man Francisco Armas an diesem Tag. Der ist nicht nur Präsident und leitendes Verwaltungsratmitglied der großen Baufirma Horinsa, sondern war auch Vorstandsmitglied von ASOLAN, einem Lobbyistenverbund von Hoteliers.

 

Erst am nächsten Tag sickerten langsam mehr Nachrichten über die Hintergründe der Verhaftungen durch.


2. Akt:
Dienstage sind auch nicht besser

Da gab es beispielsweise aus der Ära Déniz einen Vertrag der Stadt mit der Firma URBASER. Schon im Februar dieses Jahres hatte ein Wirtschaftsprüfer, wohl in einem Anfall von Euphemismus, festgestellt, dass dieser Vertrag „ziemlich schädlich für das Rathaus" sei.

 

Dem Müllentsorger oblagen drei verschiedene Aufgabenbereiche: Straßenreinigung, Park- und Gartenreinigung und Abfallbeseitigung. Alle drei Verträge erhielten aber als nettes Bonbon eine Härtefallregelung, nach der URBASER die Preise jedes Jahr angleichen dürfe. Derjenige, der den Kostenanstieg für die Stadt jeweils absegnen sollte, war besagter Rafael Arrocha, der am Tag vorher zusammen mit Déniz und den zwei URBASER-Mitarbeitern festgenommen worden war.

 

 

 

Arrocha war unter dem Vorwurf, Bebauungspläne der Stadt an Dimas Martín verraten zu haben, schon einmal vor einem Jahr festgenommen und vom vorigen Bürgermeister Perez Parilla zunächst einmal auf die Straße gesetzt worden, hatte es aber dennoch geschafft, wieder auf einen der Schlüsselposten der Stadtverwaltung zurückgesetzt zu werden.

 

 

Jetzt wurde Arrocha erneut festgenommen. „La Voz de Lanzarote" berichtet, dass die Kosten der Stadt für ihre Müllbeseitigung jedes Jahr um satte 300.000 Euro gestiegen seien, 2008 habe die Stadt schon sechs Millionen Euro Schulden bei URBASER angehäuft, bei jährlichen Einnahmen seitens der Firma von ebenfalls sechs Millionen Euro.

 

An diesem Dienstag sickerte auch langsam durch, dass der Hintergrund der Verhaftung von Isabel Déniz ein kleiner Ausflug nach Marokko Ende 2005 war, den sie mit acht anderen Familienangehörigen unternommen hatte, und der vermutlich von der Firma FCC (Fomento Construcciones y Contratas) gesponsert worden war. Peinlich besonders für die Schwester der Ex-Bürgermeisterin, Carolina Déniz: die ist nämlich Richterin und aktuelle Vize-Justizministerin der jetzigen Kanarenregierung und hatte ihrer Schwester auf diesem Ausflug Gesellschaft geleistet.

 

Die Reisekosten beliefen sich damals auf circa 12.000 Euro. FCC hatte daraufhin Aufträge für die Stadt zugesprochen bekommen, so dass die Ermittler von einem Zusammenhang zwischen Reise und Auftragsvergabe ausgehen.

 

 

FCC war Teil eines Firmenkonsortiums (span.: UTE), das die Biomethanisierung der organischen Abfälle im Mülldepot Zonzamas durchführen sollte, ein anderer Teil besagte Baufirma Horinsa unter Francisco Armas. Nachdem der am Montag festgenommen wurde, hatte FCC nichts Eiligeres zu tun als jede Verbindung mit Armas abzustreiten. La Voz de Lanzarote zitiert den bemerkenswerten Satz: „Es gibt nichts, was die Firma mit diesem Herrn zu tun hat. Er ist weder Bevollmächtigter, noch gehört er zur Organisation."

 

 

Dem fügte man dann etwas später hinzu: "Dieses Konsortium wurde gebildet von der Firma Sufi, die ...50 Prozent hielt, FCC hatte 30 Prozent, und die Firma, zu der dieser Herr gehört, Horinsa, hielt nur 20 Prozent. Aber er war nicht der Geschäftsführer des Konsortiums, die Geschäftsführung hatte Sufi inne, das heißt, dass man ihn damit nicht in Verbindung bringen kann. Er war dabei mit 20 Prozent, aber nicht mehr."

 

Nachher hieß es, dass man wohl schon mal mit Horinsa zusammengearbeitet hätte, es könnte auch sein mit beteiligten Firmen, die etwas mit Armas zu tun hatten, aber eben nur „als Firma, die einem Zement liefert". Zwei Tage später ließ die Guardia Civil verlauten, dass Armas wahrscheinlich sehr wohl Bevollmächtigter des Konsortiums gewesen war.


3. Akt:
Superschwarzer Freitag


An diesem 23. April überschlugen sich die Ereignisse und die Meldungen. Sieben weitere Personen wurden festgenommen, darunter eine Tochter von PIL-Boss Dimas Martín, Suzanna Martín Martín, ein ehemaliger Arbeitsminister und Vizejustizminister der Kanaren, Francisco Rodríguez-Batllori, und sogar ein waschechter Hausmeister, nämlich der vom Bürgermeisteramt in Teguise, Carlos Matías Curbelo Delgado, bei dem der erstaunte Besucher eigentlich nie so recht wusste, wofür der eigentlich da war. Mit einer Zigarre in der Hand hatte man ihn immer an der Rathaustür stehend angetroffen, wo er angeblich auch dem ein oder anderen ein Grundstück in Playa Blanca anbot. Alle Festgenommenen, und das ist ihre Gemeinsamkeit, waren sehr eng auf die ein oder andere Weise mit Dimas Martín liiert- Auf welche Weise, wurde etwas später an diesem Tag bekannt.

 

 

Alle, inklusive Guardia Civil und ermittelnder Richter Pamparacuatro, hatten Dimas Martín schon immer im Verdacht, sich durch seine politischen Aktivitäten bereichert zu haben. Aber wo war das Geld? Und wie viel war es? Die Antwort an diesem Tag: er hatte es vermutlich unter den Festgenommenen, d. h. seinen engsten Vertrauten, verteilt, um es zu verstecken. Sie dienten ihm als Strohmänner, und es waren 50 Besitztümer mit einem Wert von achteinhalb Millionen Euro. Alle sieben wurden dementsprechend der Geldwäsche angeklagt, aber auch anderer Straftaten.

 

Dazu gesellte sich einen Tag später noch ein bedeutender andalusischer Unternehmer, José María Rossell Recasens, der die Gruppe „Hoteles Playa" zu seinen Besitztümern zählt und zu der auch das „Playa Verde" in Costa Teguise gehört. Und außerdem ein Grundstück, auf dem ein Fünf-Sterne-Haus schon teilweise fertiggestellt war, der Weiterbau aber durch Gerichtsurteil verhindert wurde. Begründung: illegale Lizenz durch das PIL-Bürgermeisteramt in Teguise. Dass Rossell dem PIL-Organ „El Maho" als Präsident vorstand und gleichzeitig im PIL-eigenen Fernsehsender „Televolcán" engagiert war, erregte schon 2005 den Verdacht, dass bei diesem Geschäft nicht alles mit rechten Dingen zuging und deshalb auch von der PSOE-Führung zur Anzeige gebracht wurde. Wie begründet dieser Verdacht war, zeigte sich fünf Jahre später.


4. Akt:
Eine Lokalposse



Das Geschehen gerät am Samstagmorgen mit dem Auftakt des VII Kongresses der PIL endlich zur surrealen Inselkomödie. Denn Fabian Martín, Sohn von Dimas und Vizeinselpräsident, fordert sein Häuflein Getreuer auf, den Kongress zum Schluss „sicherer, zuversichtlicher und fester denn je" zu verlassen. Denn: „Die Zukunft Lanzarotes geht unvermeidbar durch die Hände der PIL, ob es einem gefällt oder nicht."

 

 

Als der prädestinierte PIL-Häuptling anhub, solch Prophezeiungen seinem ergebenen Parteivolk zu verkünden, und der gänzlich fassungslose Zuhörer schon darüber nachzusinnen begann, ob der offenbar erleuchtete Redner vielleicht sogar damit richtig liegen könnte und schnell überschlug, ob er selbst noch genug Zeit habe, die Insel rechtzeitig zu verlassen, ahnte noch niemand, dass kurze Zeit später der Vater des Parteierben ein zweites Mal im Gefängnis verhaftet wurde, genau wie vor fast einem Jahr.

 

Damals als vermutlicher Kopf einer Bande des organisierten Verbrechens angeklagt, musste er jetzt dem Ermittlungsrichter Pamparacuatro Rede und Antwort stehen hinsichtlich eines Vermögens von achteinhalb Millionen Euro, das er offenbar mit Hilfe von Freunden und Verwandtschaft verbergen ließ. Besonders unangenehm auch deshalb, weil er immer behauptet hatte, er habe kein Geld und könne deshalb die 2,4 Millionen Euro Strafe nicht bezahlen, die er damals u. a. wegen Veruntreuung öffentlicher Gelder im Fall des agro-industriellen Komplexes in Teguise auferlegt bekam.

 

Mit diesen Hilfsdiensten hatte er aber seiner Tochter Suzanna und den anderen nicht nur den Vorwurf der Geldwäsche, sondern auch noch den des Insolvenzbetrugs an den Hals gehängt. Des Insolvenzbetruges macht man sich nämlich auch dann schuldig, wenn man anderen Leuten, die vorgeben, Schulden oder Strafen nicht bezahlen zu können, hilft, ihr Vermögen zu verstecken.

 

Indem Dimas Martín auf diese Weise Weggenossen und sogar seine Tochter Suzanna ins juristische Maschinengewehrfeuer laufen ließ, hatte er aber, absichtlich oder nicht, seinem Sohn Fabian den Rücken freigehalten, damit dieser einen Tag später von den Pilistas als ihr neuer Anführer gewählt werden und angesichts der Situation geradezu groteske Botschaften verkünden konnte: Er wolle die Gründer und die Protagonisten der Partei nicht kritisieren, sagte er. Der begründende Satz: „Die PIL ist das, was sie ist, durch das, was sie war" klang in seiner erkenntnistheoretischen Tiefgründigkeit würdig des nächsten Nobelpreises für Philosophie und wurde gefolgt von dem Versprechen, dass seine Partei Lanzarote „zu der Erlesenheit (excelencia) und Würde führt, die die Insel verdient."

 

Natürlich sei die PIL nur „Opfer von wilden, auszehrenden und ungerechten Kritiken" gewesen. Und zum Schluss verstieg sich Fabian Martín noch zu der Bitte, dass Gott ihm Kraft gebe, denn: „Ich werde das sein, was Sie (die Pilistas) wollen, dass es sein wird." Zu der nicht ganz stimmigen Syntax gesellte sich somit ein erst recht nicht stimmiges Verschweigen des Themas der Verhaftung seines Vaters und seiner Schwester, die er mit keinem Wort erwähnte.


5. Akt:
Finale Furioso



Der Montag und Dienstag nach diesem bedeutenden Kongress gestaltete sich juristisch als business as usual. Ein paar Leute wurden gegen Auflagen auf freien Fuß gesetzt, ein paar andere verhaftet. Zu denen gehörte auch die Dimas-Vertraute und ehemalige Cabildo-Chefin María Jose Docal, die in ihrem Amt als Tourismus-Beauftragte der Insel bisher ohne Erfolg versucht hatte, dem Tourismus Beine zu machen. Dann fiel Arrecifes Bürgermeister Reguero plötzlich auf, dass bei so vielen Verhaftungen, die seine Koalitionäre erdulden mussten, nun das eine oder andere Gemeinderatsmitglied fehlte, weil es im Gefängnis saß und Arrecife unregierbar würde, wenn er nicht schnell Ersatz heranschaffte. Es sei daran erinnert, dass er selbst mit Hilfe von zwei geständigen Angeklagten im vorigen Jahr in sein Amt gehievt worden war.

 

Der Morgen des 29. April aber ließ etwas geschehen, womit auf dieser Insel fast niemand ernsthaft gerechnet hatte: Francisco Rosa, bedeutender Hotelier und angeblich reichster Mann Lanzarotes, wurde an diesem Morgen verhaftet. Er ist Besitzer des vom Obersten Kanarischen Gerichtshof als illegal erklärten Hotels Princesa Yaiza und der von der vorigen Inselregierung als illegal erklärten Bodega Stratvs.Mit dem ebenfalls für illegal erklärten Bauprojekt von Costa Roja in Playa Blanca hat er insofern zu tun, als er bei dessen Verkauf den größten Benefiz davon getragen hätte.

 

Rosa war schon am Montag der Vorwoche wegen vermuteter Bestechung angezeigt worden. Aber man hatte ihn noch nicht verhaftet. Das holte man an diesem Donnerstag nach. Der Grund für Rosas Verhaftung war unter anderem auch, dass er einst Dimas Martín angestellt, und somit dessen Freigang ermöglicht hatte, und Rosa gehört vermutlich auch zu dem Personenkreis, der Dimas half, sein Vermögen von 8,5 Millionen zu verstecken. Deshalb wurde auch er wegen Insolvenzbetrugs angezeigt und wegen Fälschung eines Wirtschaftsdokuments. Rosa wurde zwei Tage später zwar wieder auf freien Fuß gesetzt, aber mit der Auflage, sich auf weiteres tagtäglich der Justiz zur Verfügung zu halten. Als er aus dem Gefängnis herauskam, sagte er nur: „Wir, die wir etwas tun, müssen die Zeche dafür bezahlen." Er wurde begleitet von seinem Anwalt Felipe Fernández Camero - kein Unbekannter: der ist nämlich angezeigt im Zusammenhang mit der illegalen Lizenzvergabe für Hotelbauten in Playa Blanca.

 

Mit diesem Akt endete die dritte Phase des traurigen Spektakels. Jetzt müssen die konfiszierten Akten analysiert werden, und wann Pamparacuatro erneut seine Mannen in den Korruptionssumpf schickt, hängt davon ab, wie schnell diese sich durchs Papier hindurch zu wühlen verstehen.

 

 



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