D  english    espanol
deutschenglishespanol
Freitag, 18. Oktober 2019
  Anzeigen
 
Startseite
 
 
Lokales
Kurzmeldungen
Freizeit
Wissenswertes
Serie
Essen & Trinken
Gesundheit
 
 
Künstler sehen Lanzarote
Fotogalerie
Veranstaltungskalender
Kleinanzeigen
Immobilien
Ferienhäuser-/ Apartments
Stellenangebote/-gesuche
 
 
Branchenverzeichnis
Leserbriefe
Abonnements nicht möglich
Werbebanner
Impressum
Kontakt
Links
 
 
» Archiv
 
Archivsuche  
 
 
 

Kanarengirlitze: Meistersinger und Zuchtobjekte
Vom Zuckervögelchen und seinen Verwandten

Von: Horst Wilkens und Ulrike Strecker


Lanzarote37°, 37 Grad, siebenunddreißig, deutsches Inselmagazin, Inselzeitung, Kanarienvogel, Kanarengirlitz, "Horst Wilkens", "Ulrike Strecker"
Klein, aber oho: Vor allem wegen seines wundervollen, vielschichtigen Gesangs erfreut sich der Kanarengirlitz schon seit jeher großer Beliebtheit. Foto: ©Ulrike Strecker/www.naturalanza.com

Lanzarote37°, 37 Grad, siebenunddreißig, deutsches Inselmagazin, Inselzeitung, Kanarienvogel, Kanarengirlitz, Tabayesco, "Horst Wilkens", "Ulrike Strecker"
Im „Barranco de Chafaris“ bei Tabayesco ist der Kanarengirlitz anzutreffen. Foto: ©Ulrike Strecker/www.naturalanza.com

Lanzarote37°, 37 Grad, siebenunddreißig, deutsches Inselmagazin, Inselzeitung, Kanarienvogel, Kanarengirlitz, "Horst Wilkens", "Ulrike Strecker"
Kanarengirlitze brüten in Nestern, die sie in Astgabeln von Bäumen anlegen. Foto: ©Ulrike Strecker/www.naturalanza.com

Lanzarote37°, 37 Grad, siebenunddreißig, deutsches Inselmagazin, Inselzeitung, Kanarienvogel, Kanarengirlitz, "Jörg Hempel"
Der Kanarengirlitz ist von kleiner, rundlicher Gestalt und gehört zur Familie der Finken. Foto: Wikimedia Jörg Hempel

Lanzarote37°, 37 Grad, siebenunddreißig, deutsches Inselmagazin, Inselzeitung, Kanarienvogel, Kanarengirlitz, "Antje Klinger"
Schon seit Jahrhunderten domestiziert, weisen seine Nachkommen, die Kanarienvögel, eine schier unglaubliche Vielzahl an Farben und Erscheinungsformen auf. Foto: Wikipedia 3268zauber / Antje Klinger (www.stecknitzzwerge.de)

Lanzarote37°, 37 Grad, siebenunddreißig, deutsches Inselmagazin, Inselzeitung, Kanarienvogel, Kanarengirlitz, "Rizado de Paris", "Eric Segura Gasco"
Vor lauter Federn kaum ein Vogel zu erkennen: Ein „Rizado de Paris“ aus spanischer Kanarienvogel-Züchtung. Foto: Eric Segura Gasco (http://gibberitalicus.blogspot.com)

Lanzarote37°, 37 Grad, siebenunddreißig, deutsches Inselmagazin, Inselzeitung, Kanarienvogel, Kanarengirlitz, "Antje Klinger"
Die Fantasie der Züchter kennt keine Grenzen, die Palette ihrer Züchtungen reicht von knallbunten Vögeln... Foto: Wikipedia 3268zauber / Antje Klinger (www.stecknitzzwerge.de)

Lanzarote37°, 37 Grad, siebenunddreißig, deutsches Inselmagazin, Inselzeitung, Kanarienvogel, Kanarengirlitz, "Eric Segura Gasco"
...bis hin zu Exemplaren, denen eine ständig bogenförmig aufgerichtete Körperhaltung angezüchtet wurde (so genannte „Positurkanarien“). Foto: Eric Segura Gasco (http://gibberitalicus.blogspot.com)


Bereits Ende des 15. Jahrhunderts wurde der Kanarengirlitz von den Kanaren aus nach Europa gebracht, wo er zum begehrten Hausgenossen und Handelsobjekt avancierte. Aufmerksame Wanderer können den Kanarengirlitz, wegen seiner Vorliebe für Süßes auch „Zuckervögelchen“ genannt, auf Lanzarote in freier Wildbahn bewundern.

 

Die Kanarischen Inseln lagen im Bewusstsein der meisten Menschen noch am Rande der Welt, als einer ihrer Bewohner in Europa schon weit verbreitet und überaus beliebt war: ein flinker, kleiner Kerl von rundlicher Gestalt, mit kurzem Hals und dünnen Füßen – der Kanarengirlitz. Es ist nicht bekannt, ob bereits die Ureinwohner der Inseln diesen echten Kanarier aus der Familie der Finken in Pflege genommen hatten, um sich an seinem Gesang zu erfreuen. Auf jeden Fall ist jedoch sicher, dass er in großer Zahl bereits Ende des 15. Jahrhunderts von den Spaniern nach Europa gebracht wurde. Denn eben wegen seines wundervollen, vielschichtigen Gesangs erfreute sich der Vogel sehr schnell großer Beliebtheit. Und das stachelte sogleich den Geschäftssinn einiger Zeitgenossen an: Um den steigenden Bedarf zu decken, begannen Mönche in verschiedenen spanischen Klöstern mit der Zucht der lebhaften und sangesfreudigen Tiere.

 

Der Verkauf entwickelte sich schnell und wie erhofft. Um obendrein das Handelsmonopol zu sichern, wurden nur Männchen veräußert. Dies änderte sich allerdings, als um 1550 italienische Züchter in den Besitz von Weibchen gelangten und mit der eigenen Zucht begannen. Ein wichtiges Zentrum für die Aufzucht von Kanarienvögeln war um 1600 das Land Tirol, von wo aus die Vögel über ganz Europa verbreitet wurden. „Papageno", der Vogelfänger aus Mozarts „Zauberflöte", gibt ein gutes Bild davon, wie man sich den europaweiten „Vertrieb" dieser ganz speziellen Ware vorzustellen hat: zu Fuß, mit großen Stapeln von Käfigen auf dem Rücken – den so genannten „Vogelkraxen" – zogen die Vogelfänger durch die Lande. Ihr Leitspruch:

 

„Gelbe Vögel trag‘ ich aus,

Gold‘ne Vögel bring‘ ich z‘ Haus"

 

Mit Tiroler Bergleuten und Vogelzüchtern gelangte der Sänger auch nach Deutschland, wo in Sankt Andreasberg im Harz die Kanarienvogelzucht zu einer weiteren Blüte gedieh. Hier hatte der Vogel außerdem noch eine wichtige Nebenfunktion – als Alarmanlage im Bergbau. Wurde der Sauerstoff in den Schächten knapp, begann das in einem Käfig an der Grubendecke aufgehängte Tier unruhig zu werden. Dies war das Signal, schleunigst an die Oberfläche zurückzukehren.

 

Wie alle Haustiere entwickelten auch die Kanarengirlitze unter den Bedingungen der Domestikation eine hohe Variabilität verschiedenster Merkmale, denn an die Stelle der natürlichen Selektion war nun der Züchter getreten. So konnten, der natürlichen Auslese entzogen, auch Mutationen erhalten bleiben, die sonst in der Natur von Nachteil gewesen wären. Aus dem wilden Kanarengirlitz wurde der zahme Kanarienvogel, bei dem bestimmte Eigenschaften wie Gefiederfärbung, Körperhaltung und vor allem der Gesang gezielt verändert wurden.

 

Der Kanarengirlitz war ursprünglich nur auf den ostatlantischen Vulkaninseln (Kanarische Inseln, Azoren, Madeira) verbreitet. Auf den Kanaren wiederum kommt er heute auf den fünf westlichen bewaldeten Inseln häufig, auf Fuerteventura nur in kleinen Populationen vor. Auf Lanzarote wurde er erst in jüngster Vergangenheit wieder beobachtet, wobei unbekannt ist, ob er durch den Menschen eingebürgert wurde oder Lanzarote eigenständig von einer der westlichen Inseln aus erreichte. Wahrscheinlicher ist allerdings letzteres, weil erst eine geringere landwirtschaftliche Nutzung in Verbindung mit Aufforstungen – beispielsweise mit Kiefern – eine Besiedlung ermöglichten.

 

Das Füttern der Jungen ist Teamarbeit

 

Wenn man auf Lanzarote im „Barranco de Chafaris" bei Tabayesco oder im „Valle del Malpaso" bei Haría eine Wanderung unternimmt, so wird man vom Frühjahr bis in den Herbst, vor allem in den oberen Teilen der Täler, vom Gesang der wilden Kanarengirlitze begleitet. Die Sänger sitzen auf den hohen Zweigen der Feigenbäume oder Kiefern. Es sind die Männchen, satt gelbgrün an Kopf, Hals, Brust und Bauch gefärbt. Ihre Kehle ist beim Singen aufgebläht und ihr Kopf wird immer wieder in eine andere Richtung gereckt, um den Gesang überall hin schallen zu lassen. So soll ein weiblicher Partner angelockt werden. Außerdem wird möglichen Rivalen deutlich gemacht, wem das umliegende Revier gehört. Erblickt der Hahn ein Weibchen, vollzieht er singend einen Balzflug. Die unscheinbareren Weibchen sind an Kopf, Hals, Brust und Bauch grau gefärbt, und ihre gesamte Brust ist schwach dunkel gestreift. Die Vögel leben von Blättern und Samen vieler Pflanzenarten. Besonders gerne fressen sie die reifen, aufgeplatzten Früchte der Feigenbäume.

 

Die wilden Kanarengirlitze sind monogam. Sie brüten in Nestern, die sie in Astgabeln von Bäumen anlegen. Der Nestbau ist Aufgabe des Weibchens, das währenddessen von ihrem Partner gefüttert wird. Nachdem drei bis fünf Eier ausgebrütet sind, werden die Jungen von beiden Eltern gefüttert. Die Kanarengirlitze sind ganzjährig anwesende Standvögel, die im Winter nicht weg ziehen.

 

Eine Besonderheit ist der Gesang des Kanarengirlitzes. Die Vögel beherrschen nicht nur die angeborenen Silben, sondern sind auch in der Lage, neue Tonfolgen zu lernen und damit ganz individuelle Lieder zu singen. Und diese variieren sie im Laufe ihres Lebens ständig. Sehr wichtig für das Repertoire ist dabei das Vorbild des Vaters, obwohl die Jungen auch von anderen Männchen und gleichaltrigen Vögeln lernen. Manche Silben werden auch ganz ohne erkennbare Vorbilder gebildet, der Kanarengirlitz kann also auch improvisieren!

 

Eine Gesangseinheit dauert bis zu 25 Sekunden und besteht aus einer großen Zahl von Silben, die teilweise wiederholt werden. Ihre Anordnung innerhalb der Gesangseinheit wechselt von Gesang zu Gesang. Auf diese Weise wird das akustische Repertoire vergrößert und eine Sangesvielfalt erreicht, die die anderer Vogelarten weit übertrifft. Schnelle, in der Frequenz modulierte Silben sind besonders zur Brutzeit zu hören und haben als „sexy Silben" Einfluss auf die Paarungsbereitschaft der Weibchen.

 

Durch ständige Auslese besonders virtuoser Sänger der wilden Kanarengirlitze wurden die heute bekannten Gesänge der Kanarienvögel entwickelt. Dabei werden in der Zucht auch Vorsänger eingesetzt. Dies können andere, besonders gut singende Männchen sein, aber es wurden auch Nachtigallen als Lehrmeister eingesetzt. Wie ihre wilden Vorfahren sind die Kanarienvögel in der Lage, ihr ganzes Leben lang neue Strophen zu erlernen. Im Vergleich zum wilden Kanarengirlitz ist das Silbenrepertoire der domestizierten Verwandten kleiner und zeichnet sich durch die häufigere Wiederholung von Silben aus. Der Grund dafür ist höchstwahrscheinlich, dass die Ohren der menschlichen Züchter weniger die Sangesvielfalt als die häufige Wiederholung einer einzigen Silbe attraktiv fanden. Ein weltberühmtes Endprodukt derartiger Zuchtbemühungen, der „Harzer Roller", ist ein Beispiel für diese These.

 

Zusätzlich zu „Gesangskanarien" sind auch die „Positurkanarien" sehr beliebt. Bei ihnen wird eine bestimmte Körperhaltung, Gefiederform oder -ausprägung gezüchtet. Das Ergebnis sind beispielsweise Vögel, die, ständig bogenförmig aufgerichtet, den Eindruck vermitteln, als würden sie permanent etwas auf dem Boden betrachten. Über die Ergebnisse solcher Zuchtbemühungen darf man sehr gespaltener Meinung sein.

 

Das „Kanariengelb" – eine Frage des Futters

 

Sehr viel weniger fragwürdig sind die Ergebnisse, wenn durch die Zucht die Farbe des Federkleides beeinflusst wird. Im Prinzip sind nahezu alle Farbtöne von grau bis braun, rot bis weiß, gescheckt oder nicht gescheckt vertreten. Bis zu 100 verschiedene dieser so genannten Farbschläge sind bislang erzielt worden. Am bekanntesten ist aber wohl die gelbe Grundfarbe, die ursprünglich vom wildlebenden Kanarengirlitz stammt. Bereits vor 1600 wird vom Auftreten von Individuen mit gelben Flecken im Gefieder berichtet, die schnell zu rein gelben Exemplaren gezüchtet wurden. Für die gelbe Grundfarbe der Kanarienvögel ist der natürliche Farbstoff Lutein verantwortlich. Es kommt sehr oft in Pflanzen vor, findet sich aber auch im Eidotter und im Gefieder mancher Vögel. Durch Fütterungsversuche wurde festgestellt, dass die gelbe Gefiederfärbung bei den Kanarienvögeln nur auftritt, wenn Lutein mit der Nahrung aufgenommen wird. Fehlt es, bleiben die Vögel weiß. Das Luteïn selbst wird aber nicht zur Gefiederfärbung verwendet, sondern es wird mit Hilfe eines Enzyms zum „Kanarien-Xanthophyll" umgebaut. So entsteht der wohl bekannteste Typ des beliebten Kanarienvogels: Ein leuchtend gelber Meistersinger!

 

Über die Autoren:

 

Dr. Ulrike Strecker und Prof. Dr. Horst Wilkens sind Biologen der Universität Hamburg. Während zahlreicher Aufenthalte auf Lanzarote haben sie sich ein großes Wissen über die hiesige Tier- und Pflanzenwelt angeeignet, das sie in ihrem Bildband „Lanzarote – Leben auf Lava" wiedergeben. Er zeigt eindrucksvoll den Kontrast zwischen der kargen Umwelt dieser Insel und den daran angepassten Lebensformen. Von den Autoren ist außerdem ein Naturreiseführer („Lanzarote – Blinde Krebse, Wiedehopfe und Vulkane") in bearbeiteter Neu-Auflage erschienen. Die Bücher sind erhältlich bei: Fundación César Manrique, ArcaCanar (Costa Teguise), Deutscher Buchladen (Playa Blanca), Shop Palmeras (Teguise), Librería El Puente (Arrecife), Pardelas Park (Órzola). Noch mehr Infos unter www.naturalanza.com



<- Zurück zu: Archiv  

Lanzarote - Türen & Fenstr aus Aluminium oder PVC
Location Properties - Immobilienmaklerin Stephanie Lehrmann
Anwältin auf Lanzarote - Felicitas Hofacker Tel: 0034 - 630 79 11 56
La Mendoza - Immobilienmaklerin Angelika Oberländer
Restaurant La Puerta Verde - Sehr empfehlenswertes Restaurant im Norden der Insel
Villas Canarias - Immobilienmaklerin Eva Deible-Siegl
Service Team - Handwerks- & Dienstleistungsunternehmen auf Lanzarote
Immobilien auf Lanzarote - Intervalmarketing Klaus Piesch
Lanzarote Arzt -  Dr. Karl Kunze mit 24h Rufbereitschaft unter 0034-928 835 509
Computerberatung auf Lanzarote - Schulung, Kurse, Beratung und Hilfe
UNINEX - Büroservice, Behördengänge und Hilfe für Auswanderer - Andrea Lechtape
Iris Kienzle - Papierkram, Behördengänge, Beantragung NIE-Nummer, Residencia, etc
MANZATEC  - Solar- und Klimaanlagen - Sanitär - Installation - Instandhaltung - Umbau
Jon W. Olsen - Immobilienmakler in Playa Blanca
Deutsche Anwältin mit Sitz auf Lanzarote - Alice Baumann
WTU Canarias - Wir unterstützen Menschen, sich mit Hilfe von Körperarbeit, sowie gemeinschaftlichen und künstlerischen Aktivitäten - innerlich wie äußerlich - wieder aufzurichten.
Pflegedienst, ambulante Pflege, Urlaubspflege, Behandlungspflege und Tagesbetreuung auf Lanzarote
Men at Work - Thorsten Merkt - Fachbetrieb für Heizung und Sanitär sowie  Pool- und Solartechnik
Haría-Lanzarote-Markt-Mercadillo-artesanal-Kunsthandwerksmarkt
The Garden Lanzarote - Gartencenter / Gärtnerei in Tegoyo
Canarias Cosmetics - Aloe Vera Kosmetikprodukte aus Lanzarote
Lanzarote Immobilien - Ines Kampfer - IK-Immobilien in Costa Teguise - Tel: 0034 - 639 81 57 35
Umzüge-Internationale Transporte von und zu den Kanarischen Inseln
Lanzarote - Ferienapartments
Offizielle Tourismusseite Lanzarote - Alles für Ihren Urlaub auf Lanzarote
Ferienwohnungen - Ferienapartments - Villa la Vega Lanzarote

 
© conceptnet
  Startseite  |   Lokales  |  Kurzmeldungen  |  Freizeit  |  Wissenswertes  |  Serie  |  Essen & Trinken  |  Gesundheit  
  Künstler sehen Lanzarote  |  Fotogalerie  |  Veranstaltungskalender  |  Kleinanzeigen  |  Immobilien  |  Ferienhäuser-/ Apartments  |  Stellenangebote/-gesuche  
 Branchenverzeichnis | Leserbriefe | Abonnements nicht möglich | Werbebanner | Impressum | Kontakt | Links