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Mittwoch, 12. August 2020
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Lokales

Juan Brito Martín und die Prinzessin Ico

Von: Karl Kunze



Das Wandgemälde "Die Entführung der Prinzessin Yaiza" von Stephan Hulbe können Sie im Café Jaleo in Teguise sehen.


Juan Brito Martín in seiner Werkstatt.


Stephan Hulbe vor seinem Werk.


Tonfigur Prinzessin Ico.


Juan Brito war der erste, der die Prinzessin in Ton dargestellt hat. Sein Ziel war: der „erste zu sein, der die Geschichte Lanzarotes in Ton schreibt“. Man sieht als Lendenschurz das Ziegenfell, und den Kopf mit den Hörnern, die als Schmuck dienten. Das, was Ico in der Hand hält, sind die Schwämme, die Uga ihr in die Höhle mitgegeben hat. Auffallend das lange Haar: das Haar lang zu tragen, war nur der königlichen Familie erlaubt.


Tiguafaya, verheiratet mit Prinzessin Yaiza. (links) Guanareme, Bruder der Ico, später deren Mann. (rechts)


Juan Brito formt nicht nur archaische Figuren mit archaischen Themen, sondern auch alle möglichen Votivgaben, die er an heimischen Altären hängend entdeckt hat, in Ton nach.


Hier waren offensichtlich Ohren, Brüste, das Hausschwein, Ziege, Hund und Esel erkrankt. (Foto und folgende)














(10/07 N°15) Juan Brito Martin ist 87. Aber nur – vielleicht – äußerlich. Wenn er erzählt, gestikuliert, einen ansieht, dann ist er lebhaft, heiter und freundlich – und wirkt um einiges jünger. Vielleicht liegt es am Schwarm seines Lebens: Der Prinzessin Ico.


Als ich ihn in seiner kleinen Werkstatt in Mozaga traf, hatte er gerade die Gesundheitsprüfung bestanden, die seine Fahrerlaubnis für weitere zwei Jahre verlängerte. „Zwei Jahre!“, betont er nochmals und hebt triumphierend die Hand. Und lacht. - Ich hatte mich schon einmal, als ich zum ersten Mal im Café Jaleo in Teguise mit ihm sprach, über ihn gewundert. Juan, Lanzaroteño, ohne schulische Ausbildung, also ein „einfacher Mann“, wie er sich selbst sieht, lernte als Kind weder lesen noch schreiben, war erst mal Ziegenhirte, dann Bauer.1938 zog er in den Bürgerkrieg.
Als er zurückkehrte, konnte er lesen und schreiben. Er wurde Schreiner, arbeitete als Fahrer fürs Cabildo, arbeitete im öffentlichen Dienst - „wir einfachen Leute müssen von allem etwas können“ - , schlug sich mit seiner Frau und seinen neun Kindern irgendwie durch. Aber immer interessierte er sich für die Geschichte Lanzarotes. Sie wurde seine Passion. Und er hat sehr viele Geschichten aus der Geschichte zu erzählen. Zum Beispiel die von der Prinzessin Ico.

Prinzessin Ico

Ein Adliger aus der Viscaia namens Martin Ruiz de Avendaño besuchte im Jahr 1377 die Insel. König Zonzamas nahm ihn freundlich auf. Der Spanier blieb auch gerne, denn es gab eine schöne Frau am Hofe: Fayna, die Königin höchstpersönlich. Und dem Gast wurde erlaubt, der Ehefrau beizuwohnen. Neun Monate später, der tollkühne Seefahrer hatte längst wieder die Insel verlassen, kam ein sehr hellhäutiges Kind zur Welt. Aber der Königin blieb es versagt, die Haut ihres Kindes zu sehen. Sie verstarb unter der Geburt. Ihre Hebamme Uga nahm sich des Kindes an, gab ihr den Namen Ico, sorgte dafür, dass sie alles Notwendige erhielt. Das Volk, die Majos, aber munkelten, dass Ico nicht adlig sei. War ihr Teint doch sehr verschieden von dem ihrer Brüder Tiguafaya und Guanareme.

Dennoch wuchs sie im Schutz der Ihren auf – mit Uga, die sie für ihre Mutter hielt, als Amme. Später, als sie heranwuchs und soweit war, alles zu verstehen, erzählte ihr Uga, wie alles in Wirklichkeit war. Für Ico ein Schlag. Einen weiteren erhielt sie, als bald ihr „Vater“ Zonzamas starb. Ihr Bruder Tiguafaya wurde König. Seine Herrschaft dauerte aber nicht lange, da eine Schar andalusischer Sklavenjäger ihn, seine Frau Yaiza und weitere 160 Untergebene gefangen nahm. (Den Raub der Prinzessin zeigt das großartige Wandbild von Stephan Hulbe im Künstlercafé Jaléo in Teguise). Guanareme konnte sich retten und wurde König. Wie es Brauch war, nahm er sich seine Schwester Ico zur Frau. Denn es war nicht erlaubt, dass Adlige sich mit gewöhnlichen Menschen verheirateten. Und es gab auf der Insel keine adlige Familie mehr.
Frucht dieser Verbindung war ein Sohn namens Guardafía. Guanareme aber wurde krank und starb. Jetzt gab es aus dem Geschlecht des Zonzamas nur noch Ico und den kleinen Guardafía. Sie war die einzige, die Königin werden konnte. Aber die Majos waren nicht einverstanden. Für sie war Ico aus einer ehebrecherischen Beziehung hervorgegangen. Sie musste erst einmal, nach ihrem Verständnis, beweisen, dass sie adlig sei.
Der Ältestenrat trat auf dem tagoror (Versammlungsplatz) zusammen. Was sollte man machen? Zum ersten Mal in der Geschichte des Volkes war ein solcher Fall vorgekommen. Nach tagelangem Überlegen kam man zu dem Schluss, die Prinzessin der Rauchprobe zu unterwerfen.
Sie wurde in eine Höhle eingesperrt. Um auch ganz sicher zu gehen, sollte sie von drei Frauen aus dem Volk begleitet werden, denen man, auf ihren eigenen Wunsch hin, die Hände auf dem Rücken gefesselt hatte. So sehr standen sie für ihre Prinzessin. Nun leitete man Rauch hinein. Nach drei Tagen öffnete man die Höhle wieder. Ico trat schöner denn je heraus, die Augen ein wenig rot. Die drei anderen Frauen waren tot.
Wieder war es Uga, ihre Amme, die sie gerettet hatte. Kurz bevor sie die Höhle betrat, hatte Uga ihr drei nasse Schwämme gegeben, damit sie diese in den Mund steckte, wenn die Rauchprobe beginnen sollte, und hatte sie angewiesen, langsam durch den Mund zu atmen. So hatte Ico überlebt.
Von nun an war sie die Königin. Akzeptiert von ihren Untergebenen, die sie von sich aus immer als ihre Brüder und Schwestern angesehen hatte, auch wenn ihre Haut etwas heller war und ihre Augen etwas blauer.

Ein volles Leben


Juan Brito wurde in Tinajo geboren. 1919. Nicht zu denken an schulische Ausbildung. Von wem sollte er anders lernen als von denen, die er tagtäglich sah: Ziegenhirten und Bauern? Mit 19 verließ er die Insel. Damals hatte er schon fünf Arbeitsjahre hinter sich. Er zog für Franco in den Bürgerkrieg, aufs Festland. „Alle aus Lanzarote kämpften damals für Franco“, versichert er. Beim Militär erhielt er eine schulische Grundausbildung. Und als er zurückkehrte, kam er hungrig zurück. Aber es war vor allem Wissenshunger. Die Geschichte hatte es ihm angetan, die seiner Heimat Lanzarote.
Und so kam es, dass er, neben seinem Broterwerb in den verschiedensten Berufen, als Böttcher, als Chauffeur, als Schreiner, zu einem gefragten Hobby-Archäologen avancierte, der in der wissenschaftlichen Welt von damals gefragt war. 1955 grub er, zusammen mit anderen Wissenschaftlern, den antiken Friedhof von Rubicón aus, fand das Fort von Juan de Bethencourt, dem Eroberer Lanzarotes. Drei Jahre später entdeckte er marine Verwerfungen in der Zone von Papagayo, die einen ganzen Schwarm von Geologen anzogen. 1962 vereitelte er, zusammen mit der Inselregierung, den Versuch von ein paar Franzosen, zwei komplette antike Mühlen, vier geschnitzte Äxte, sechs Poliersteine und vielerlei andere Dinge mit sich nach Frankreich zu nehmen. Zehn Jahre später dann die Gründung des archäologischen Museums im Castillo de San Gabriel. Er war einer derjenigen, der die Kunst der Keramik auf der Insel wiederbelebte, indem er eine alte Frau aus Mojón, die letzte Kundige ihrer Art, dazu überredete, ihm das Handwerk beizubringen. Bald konnte er antike Keramiken restaurieren. Und dann fertigte er seinen aus 25 Figuren bestehenden Zyklus „Die Mythologie der Prinzessin Ico“ an.


Lanzarote37°: Diese Geschichte um Ico, die scheint es Ihnen angetan zu haben. Was ist da eigentlich so faszinierend?

Juan:
Ich denke vor allem an meine Vorfahren. An die Linie meiner Vorfahren, aber auch weit darüber hinaus in die Geschichte hinein. Und diese Prinzessin trug zur Geschichte Lanzarotes viel bei. Man hat natürlich viel Tinte dabei verbraucht zu beschreiben, dass sie nicht die Tochter des Königs war. Mich hat fasziniert, dass sie sie schlecht behandelten, sie fast aufgaben. Aber es gab ein funktionierendes Rechtssystem, mit harten Gesetzen, es gab da den tagoror, den Versammlungsplatz, wo sich zwölf Weise versammelten, um zu beraten, was man mit ihr, dem Kind eines Fremden, machen sollte. Man hat ihr versprochen, dass sie Königin ihres Volkes sein werde, wenn sie wieder heil aus der Höhle herauskäme. Und sie kam heraus, schöner denn je. Und sie ist Königin geworden. Man hat das Versprechen gehalten.

 

Lanzarote37°: Ist das denn geschichtliche Wahrheit, oder nur eine Geschichte?

Juan: Ich glaube fest daran, dass es sich so zugetragen hat.

 

Lanzarote37: Hat diese Ico etwas – geschichtlich gesehen - Identitätsstiftendes für Sie?

Juan: Auf jeden Fall.

 

Lanzarote37: Diese ganzen anderen Figuren - was bedeuten die denn?

Juan: Das sind votos (Gelübde, Votivgaben, Fürbitten). Die hängt man am Altar auf. Hier diese Ohren zum Beispiel. Einer hat eine Zeit lang nichts mehr gehört. Dann hat er Ohren aus Ton gemacht, aus Holz, aus Wachs, die Heiligen angerufen, versprochen, eine Wallfahrt zu machen und die Votivgaben am Altar aufzuhängen, falls er wieder hören kann. Das kann man mit allem so machen. Diese Brüste beispielsweise, einmal große, einmal kleine. Diese Hände dort. „Heilige Mutter, heile meine Hand, behandle sie gut…“. Oder wenn ein Haustier erkrankt, oder eine Ziege. Mit der Zeit habe ich alle Gegenstände, die ich am Altar gefunden habe, in Ton nachgeformt.

 

Lanzarote37: Was ist ihr Ziel?

Juan: Ich wollte als erster die Geschichte Lanzarotes in Ton schreiben, so ab dem 14. Jahrhundert. Davor gibt es zu wenig Information. Die Römer waren hier und die Phönizier, um sich den Farbstoff für ihre Kleidung zu beschaffen. Aber ich beginne mit Lanceloto Malocello, der 1312 hier ankam.

 

Lanzarote37: Wo kann man ihre ganzen Figuren sehen?

Juan: Zurzeit sind sie in einem Almacén im Cabildo untergebracht. Sie sind also fürs Publikum leider nicht zugänglich. Es gibt aber ein Projekt des Cabildo, und vielleicht kann man sie dann bald in den Räumen des Monumento al Campesino sehen.

 

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