Sie ist eine der schönsten Buchten Lanzarotes und - eine der gefährlichsten: Die Bucht vor Famara! Jedes Jahr ertrinken an Lanzarotes Stränden - und insbesondere vor diesem Strand - Urlauber, weil sie die Gewalt des Wassers und die starke Strömung unterschätzen.
Wenn Urlauber beim Baden ihr Leben verlieren, sind es meist ältere Männer, die ihre Kräfte überschätzen und mit der Brandungsrückströmung, auch Rip-Strömung oder Riptide genannt, nicht vertraut sind.
Das Gefühl, gegen diese Strömung anschwimmen zu müssen, lässt bei den meisten Menschen Panik aufkommen, und so ist es leichter gesagt als getan, in solchen Situationen Ruhe zu bewahren und sich quer treiben zu lassen, wie es eigentlich richtig wäre.
Besonders tückisch sind die Strömungsverhältnisse am Strand von Famara. Daher hisst die Küstenschutzbehörde dort fast ganzjährig die roten Fahnen und das heißt: Absolutes Badeverbot!
Dennoch dulden Guardia Civil, Polizei und auch die Gemeinde von Teguise den Badespaß der Urlauber an diesem Strand, ebenso wie die Vergnügungen der Surfer und Kiter. Die Gemeinde veranstaltet sogar trotz striktem Badeverbot der Küstenschutzbehörde alljährlich Surfkurse für Kinder in der Bucht vor Famara.
Die größte Gefahr: Riptides
Ende Februar war es dann mal wieder so weit: Eine Standspaziergängerin meldete ein angeschwemmtes Surfbrett am Ufer, der Besitzer konnte nicht geortet werden. Er war bei Sturmböen bis zu 70 Stundenkilometern und brodelnder See mutmaßlich von seinem Brett gerissen worden und wurde als vermisst gemeldet. Es folgte das volle Programm: Polizei und Guardia Civil liefen hilflos am Strand auf und ab, während über der Bucht ein Helikopter kreiste, um nach dem Surfer zu suchen.
Während der ganzen Zeit tummelten sich, trotz Sturmwarnung, Eltern mit ihren Kleinkindern seelenruhig im Wasser. Sie übten mit ihren Kids Wellenreiten. Die Polizei, darauf angesprochen, zuckte hilflos mit den Schultern: „Wir haben keine rechtliche Handhabe, die Leute aus dem Wasser zu pfeifen. Wer hier badet, der tut dies auf eigene Verantwortung".
Seit Jahren fordern die Bürger aus Famara wenigstens zur Hauptsaison eine Badeaufsicht in Famara. Vergebens.
Unser Rat für Badesicherheit
Wer in die Brandungsrückströmung gerät, muss ein paar Regeln kennen, wie man mit den „Riptides" umgehen muss. Vor Sandstränden bilden sich häufig Sandbänke. Nun wird – vor allem bei stark auflandigem Wind – das Meer bekanntermaßen in Richtung Küste getrieben. Durch die Sandbänke kann das Wasser der Brandungswellen dann aber nicht wieder ungehindert in Richtung See strömen. Es sucht sich also einen Weg zurück und drückt an einer Stelle eine Lücke in die Sandbank. An diesen Lücken kommt es dann zu einer gebündelten Rückströmung des Wassers, das bedeutet, sehr viel Wasser fließt dann durch diese Öffnung in Richtung Meer.
Riptides sind wie ein Fluss im Meer
Gelangt nun ein Badender in eine solche Riptide, kann er mit der Strömung auf das Meer hinaus getrieben werden. Die meisten Schwimmer versuchen dann, gegen diese Strömung anzuschwimmen, sie wissen ja nicht, dass sie sich in einer Riptide befinden und wollen nur wieder zurück an den Strand gelangen. Entkräftet, wie man dadurch nach einer Zeit ist, kann selbst ein trainierter Wassersportler ertrinken.
Es ist wichtig zu wissen: Eine Riptide ist kein Sog, also keine unter der Meeresoberfläche verlaufende Strömung, die einen Menschen in die Tiefe zieht. Eine Riptide ist eine Strömung, die wie ein Fluss im Meer verläuft und einen Schwimmenden direkt in die See hinaus treiben kann. Gerät man also in eine Rückströmung, muss man immer versuchen, seitwärts aus dem Strömungsbereich heraus zu schwimmen, denn die Riptide ist oft nur wenige Meter breit, kann dafür aber einige hundert Meter lang werden. Eine andere Möglichkeit ist es, sich zunächst auf das Meer treiben zu lassen, um dann, etwas seitlich versetzt, zurück zum Strand zu schwimmen.
Risiko bei auflandigem Wind
Wer in Famara baden geht, sollte das Riptide-Risiko und die Wetterbedingungen bedenken, denn beides gehört untrennbar zusammen.
Wenn das Wasser ruhig ist oder Windstille herrscht, kann keine Brandungsrückströmung entstehen – das Risiko ist also gering. Wenn aber ein auflandiger Wind herrscht – und die Wellen gar Schaumkronen haben – ist das Risiko, in eine Riptide zu geraten, hoch. Ein Rettungsschwimmer rät: „In diesem Fällen sollte man besser nicht ins Wasser gehen, auf jeden Fall aber nicht allzu weit hinaus schwimmen – und sich immer parallel zum Strand bewegen."
(04-06-2010)