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Lokales

Fotograf Juan Medina:
Der Mann der Träume sterben sieht

Von: Friederike Klinge; Fotos: Juan Medina



Die Überfahrt von Nordafrika ist eine Odyssee. Tausende Menschen riskieren jedes Jahr ihr Leben bei dem Versuch, in sogenannten Pateras oder Cayucos die Kanarischen Inseln und damit das vermeintlich gelobte Europa zu erreichen. Tagelang reisen sie in kleinen Fischerbooten, ohne ausreichend Nahrung und Wasser.
Alle Fotos: Juan Medina


Zusammengepfercht in Auffanglagern warten die Flüchtlinge auf ihre Abschiebung.


Juan Medina stammt aus Argentinien und lebt seit 20 Jahren in Spanien. Er arbeitet als Fotograf für die internationale Nachrichten-Agentur Reuters. Mit seinen Bildern will er auf die Situation der Flüchtlinge aufmerksam machen.


Das Foto „Gestrandet“ wurde mit dem Lead Award als Foto des Jahres 2007 ausgezeichnet.


Die Ankunft in „Los Cristianos“ wird von einem Urlauber beobachtet.


Nach tagelanger Überfahrt
sind die Flüchtlinge völlig erschöpft.


(01/08 N°18) Der argentinische Fotograf Juan Medina kam vor 20 Jahren nach Spanien und lebt seit zehn Jahren auf Fuerteventura, wo er als Nachrichten-Fotograf für die internationale Presseagentur Reuters arbeitet. Er fotografiert, was viele am liebsten gar nicht sähen: illegale Immigranten. Männer, Frauen und Kinder, die nach tagelangen Fahrten in kleinen Fischerbooten (pateras, cayucos) völlig erschöpft auf den Kanarischen Inseln anlanden.

In den vergangenen Wochen waren Medinas Fotos – einige davon preisgekrönt – in der Ausstellung „Donde mueren los sueños“ (Wo die Träume sterben) in der Sala Tomaré in San Bartolomé zu sehen. Mit Lanzarote37° - Mitarbeiterin Friederike Klinge sprach er über seine Arbeit, das Versagen der Politik und über Menschenrechte.

 


Señor Medina, Sie sind in Argentinien geboren und leben seit zwanzig Jahren in Spanien. Wie kam es, dass Sie Ihr Land verlassen haben?
Ich habe meine Heimat 1987 verlassen. Seit ich mich erinnere, ging es Argentinien schlecht. Ich habe gearbeitet und studiert, aber es waren schwere Zeiten. Dann hatte ich die Möglichkeit, nach Spanien zu gehen. Die ersten zehn Jahre lebte ich in Granada, seit 1997 hier auf Fuerteventura.


Wie sind Sie zur professionellen Fotografie gekommen?

Durch Zufall. Mir hat es immer gefallen zu fotografieren, aber ich dachte nie daran, dies zu meinem Beruf zu machen. In Granada habe ich mir eine Kamera gekauft. Ich war in einem fremden Land und wollte Fotos an meine Familie schicken. Ich fing an, mich mehr mit dem Thema zu beschäftigen. Ich begann, Foto-Zeitschriften zu lesen und habe nach und nach herausgefunden, wie eine Blende funktioniert, was es mit Belichtungszeiten auf sich hat und so weiter.
Ich fing an, alle möglichen Leute zu fragen, nahm Kontakt zu Fotografen auf und einige von ihnen haben mir sehr geholfen. Sie sind heute noch sehr gute Freunde. Als ich die ersten Fotos selbst entwickelte, wusste ich: Das ist es, was ich machen möchte.


Fotografieren Sie noch analog, zumindest zu besonderen Gelegenheiten?
Nein, das wäre bei meiner Arbeit als Nachrichten-Fotograf unmöglich. Das würde viel zu lange dauern. Außerdem ist die Qualität der digitalen Fotografie exzellent.


Waren Sie schon Profi-Fotograf, als Sie 1997 nach Fuerteventura kamen?
Mehr oder weniger professionell fotografiere ich seit 1989/1990. Damals habe ich den Entschluss gefasst, meinen Lebensunterhalt als Fotograf zu verdienen.
Ich arbeitete für eine Wirtschafts-Zeitung in Granada, habe Events fotografiert und Portraits gemacht und angefangen, mich in der Welt der Medien zu bewegen. Immer mit der Idee, mich in Richtung Nachrichten-Journalismus zu orientieren.
Als ich 1997 nach Fuerteventura kam, konnte ich nicht gleich als Fotograf arbeiten und übte zunächst verschiedene Tätigkeiten aus. Dann begann ich, für die lokale Zeitung „La Isla“ und andere Zeitungen zu arbeiten und schließlich für die spanische Nachrichten-Agentur EFE.


Wann begann Ihre Tätigkeit für die internationale Nachrichten-Agentur Reuters?
Auf Fuerteventura habe ich mich immer mehr in Richtung Foto-Journalismus orientiert. Mit der Agentur EFE hatte ich keinen Exklusivvertrag, und so konnte ich auch für andere Zeitungen und Zeitschriften arbeiten, bis sich schließlich Reuters mit mir in Kontakt gesetzt hat. Für die ich dann 2003 anfing zu arbeiten.


Sie sind also selbständig und die Agentur ist einer Ihrer Kunden?
Ja. Heute arbeite ich zwar fast ausschließlich für Reuters, aber ich kooperiere auch mit anderen Zeitschriften.


Sie fotografieren hauptsächlich Immigranten, gibt es noch andere Themen, die Sie bearbeiten?
Momentan ist mein Thema hauptsächlich die Migration, aber ich dokumentiere auch andere Themen wie Sport, Soziales oder Natur. Ich mache vieles, immer mit dem Augenmerk, wie stark die Themen die Gesellschaft interessieren. Reuters ist eine internationale Nachrichtenagentur, verkauft Nachrichten weltweit. Wenn auf Fuerteventura zum Beispiel der Windsurf-World-Cup stattfindet, mach ich das. Genauso wie Natur-Themen, wie das Projekt zum Schutz der Meeresschildkröten in Cofete, was vielleicht nicht von weltweitem Interesse ist, aber auf jeden Fall interessant für Spanien.


Seit wann beschäftigen Sie sich so intensiv mit dem Thema der Migration?

Als ich 1997 nach Fuerteventura kam, kamen schon seit Jahren Flüchtlinge in Booten. Zunächst noch wenige. Als ich 1998 für die Zeitung „La Isla“ arbeitete, kamen schon mehr. Und 1999 waren es so viele, dass die Regierung von Fuerteventura das Auffanglager im alten Flughafen errichtete. Im Prinzip beschäftigt mich dieses Thema, seit ich hier bin.


Das Auffanglager im alten Flughafen wurde 1999 eingerichtet?
Ja. Aber es existiert in dieser Form nicht mehr. Dieses Lager war für mich einer der größten Schandflecke Europas. Dieser Ort war in keiner Weise geeignet, um dort Menschen unterzubringen.


Haben Sie dieses Auffanglager jemals von Innen gesehen?
Nein. Der Presse wurde der Zutritt verwehrt. Wir kamen nur bis zur Tür. Was hinter dieser Tür war, wussten wir von Leuten, die dort drinnen gearbeitet haben. Etwa Ende 2002, Anfang 2003 hat dann die Organisation Ärzte ohne Grenzen auf Fuerteventura eine Kampagne gestartet und geholfen. Keiner europäischen Regierung gefällt es, wenn Ärzte ohne Grenzen im eigenen Land tätig wird, denn normalerweise wird diese Organisation nur in Gegenden tätig, in denen desaströse Zustände herrschen. Spanien hat daraufhin reagiert und Subventionen für das Rote Kreuz bereitgestellt, damit die Flüchtlinge besser betreut werden konnten.


Illegale Immigranten, die älter als 18 Jahre alt sind, werden in ihr Heimatland zurückgeschickt. Aber viele kommen ohne Papiere und man kann nicht feststellen, woher. Wie wird in solchen Fällen verfahren?
Spanien hat Vereinbarungen zum Beispiel mit Mauretanien oder dem Senegal. Es kommt häufig vor, dass Immigranten in ein Land abgeschoben werden, welches nicht ihre Heimat ist. Dabei entstehen natürlich enorme Probleme für die Abgeschobenen. Stellen Sie sich vor: Ohne Geld oder irgendeine Habe in einem fremden Land.
Ich glaube, die europäische Gesellschaft begeht einen schweren Fehler. In der Regel gefällt es niemandem, sein Land zu verlassen. Die Leute gehen, weil sie müssen. In einer Welt der Globalisierung tragen wir alle Verantwortung. Ich glaube, dass es sehr ungerecht ist, wie diese Menschen behandelt werden. Es gibt Arbeit in Europa. Aber wir wollen immer mehr und mehr und vergessen den Rest. Wir sind sehr egoistisch und verdrängen, dass auch wir Zeiten mit großen Problemen hatten. Vielleicht ist meine Meinung utopisch, aber so denke ich.


Im Jahr 2006 kamen etwa 30.000 illegale Immigranten aus Nordafrika auf die Kanarischen Inseln. Im vergangenen Jahr waren es deutlich weniger, weil die Europäische Union mit der Grenzschutzbehörde Frontex die Einwanderer während der Überfahrt abfängt und in ihr Herkunftsland zurückdrängt. Im September hat Amnesty International ein Dokument veröffentlicht, nach dem diese Handlungen menschenrechtswidrig seien. Wie ist Ihre Meinung dazu?
Wir hatten einen schweren Fall im Februar. Die Marine I, ein großes Schiff mit etwa 400 Flüchtlingen. Es war in einem schlimmen Zustand, ohne Steuerung, kurz vorm Kentern. Die spanische Seenotrettung kam zu Hilfe, und der nächste Hafen war in Mauretanien. Der Großteil der Passagiere kam aber aus Asien.


Aus Asien?
Ja, es kommen auch viele asiatische Flüchtlinge, nicht nur Afrikaner. Aus Pakistan, Bangladesch, China. Es gibt Routen, viele Routen. Über den Senegal, über Mauretanien. Im Fall der Marine I gab es Uneinigkeiten zwischen Spanien und Mauretanien, wer für die Betreuung dieser Menschen überhaupt zuständig sei. Einstweilen hat man sie etwa drei Monate in ein Lager gepfercht, wo sie vor sich hin vegetierten. Eine Riesenstümperei! Soll das das Resultat von Frontex sein? Abschieben und fertig? Das ist ein Desaster. Ein so großes humanitäres Problem kann nicht einfach mit polizeilichen Mitteln gelöst werden. Wo ein Weg versperrt wird, öffnen sich zwei andere. Die illegale Migration findet immer Wege. Aber es wird immer schwerer, es sterben immer mehr Menschen. Wenn das die Lösung sein soll... . Ich glaube nicht, dass das so funktioniert. Wenn die Europäische Union allerdings erreichen will, dass die Leute einfach weiter weg von ihren Grenzen sterben, dann erreicht sie ihr Ziel. Nach dem Prinzip: Solange sie weit weg sterben und wir sie nicht sehen, was geht es uns an? Das ist nicht humanitär.


Es heißt, dass Frontex die europäischen Grenzen schützen soll.
Schützen wovor? Vor einem Luftangriff oder einem Terrorakt, das würde ich verstehen. Aber vor Babys, schwangeren Frauen, hungrigen Menschen, die kommen, um zu arbeiten? Es gibt viele Politiker, die im Zusammenhang mit der irregulären Migration den Ausdruck Invasion benutzen. Der kanarische Präsident zum Beispiel benutzt dieses Wort, wann immer er kann. Es ist sehr einfach, die Schuld an was auch immer den Immigranten zuzuschieben. Die Ankunft von Pateras mit Babys und Leuten, die arbeiten wollen, als Invasion zu bezeichnen, ist einfach nur peinlich. Mich beschämt das sehr, und ich darf Ihnen sagen: Ich schäme mich nicht so leicht.



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