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Wissenswertes

Fallbeispiel aus dem Oficina al Consumidor
David gegen Goliath: Oder einfach - Verbraucherschutz contra Stromriese

Von: Dr. Karl Kunze



(10/07 N°15) Ende 1999 kaufte ich in Haría eine Finca mit einer Ruine. Direkt nach Hauskauf beantragte ich Baustrom. Der erste Antrag ging angeblich verloren, also stellte ich noch einen. Der wurde monatelang nicht beantwortet, bis mir dann beim soundsovielten Anruf lapidar mitgeteilt wurde, dass die Baugenehmigung noch nicht vorläge.
Dieser Antrag lag in der Tat in irgendeiner Amtsstube des Ayuntamiento und lag und lag… Der Strom zum Bauen kam dankenswerterweise aus der Steckdose des Nachbarn. Die Bauarbeiten zogen sich mit vielen Unterbrechungen bis 2004 hin, dann konnten wir in einen Teil des Hauses einziehen, immer noch mit Strom vom Nachbarn. Da die Leitungen alle sehr schwach ausgelegt waren, wurde es bei ihm immer etwas dunkler, wenn bei uns der Kühlschrank ansprang. Peinlich. An Wäschewaschen mit der Waschmaschine war überhaupt nicht zu denken. Besonders peinlich, wenn immer wieder die Sicherung raus sprang, wenn bei uns die Wasserpumpe loslegte.
Ich stellte einen Antrag auf definitiven Stromanschluss. Am 8. Oktober 2004 wurde mir mitgeteilt, dass ich 137,29 zu zahlen hätte für einen Kostenvoranschlag, mit dem das Unternehmen meine Anschlusskosten berechnen würde. Noch am gleichen Tag war das Geld überwiesen. Aufatmen. Endlich Strom, bald zumindest...
Wer schon länger hier wohnt, ahnen schon, was kommt. Als sich bis Januar des folgenden Jahres immer noch nichts getan hatte, ging meine Geduld, obwohl nach jahrelangem Wohnen auf Lanzarote mehr als gestählt, langsam zu Ende. Ich bombardierte UnelcoEndesa mit Telefonanrufen, die zum Ergebnis führten, dass die Firma mir das Angebot machte, mein Haus zwar an das öffentliche Netz anzuschließen, ich aber auch für die Kosten aufzukommen hätte.

Für circa 100 Meter Kabel (mitten im Wohngebiet!) waren das mal 4300 Euro, ein andermal fast 7000 Euro. Und dies sei auch kein endgültiger Preis, wurde mir mitgeteilt -  wenn sich in der Bauphase Schwierigkeiten einstellten, könne es auch mehr werden. Langsam wurde mir klar, dass hier ein Monopolist versucht, seine Macht auszuspielen und seine Kunden wie Weihnachtsgänse auszunehmen.

Der zu diesem Komplex konsultierte Bürgermeister versprach zwar, mir zu helfen, riet aber gleichzeitig, das Geld zu bezahlen. Sonst würde ich noch jahrelang auf den Anschluss warten. Einen Prozess würde ich zwar wahrscheinlich gewinnen, aber das würde dann an Gerichts- und Anwaltsgebühren im Endeffekt mehr kosten als das Angebot der Unelco. Er habe das Seine getan, nämlich die notwendige Infrastruktur für das Verlegen der Kabel bereitgestellt, alles andere sei Sache der Unelco.
Ich dachte mir, dass ich auch das Meine getan hatte, nämlich die Lizenzgebühren für den Hausbau bezahlt, da sind die Kabelverlegearbeiten mit drin,  den Rest muss ein anderer erledigen. Aber wer? Der Bürgermeister sagte mir, er könne keine Kabel verlegen, das sei nicht seine Aufgabe. Aber kann es meine Aufgabe sein, fragte ich mich, einem Privatunternehmen seine Produktionsmittel zur Verfügung zu stellen, damit es mit denen mich danach auch noch fleißig abkassiert?

Mein ansonsten gut funktionierendes Rechtsempfinden kam langsam durcheinander. Irgendwie sprengte das selbst meine Vorstellungen von einem ungebremsten Ausbeuterkapitalismus, Vorstellungen, die ich mir im Hinblick auf europäische Stromkonzerne durchaus erlaube.

Diese profunden Gedankengänge teilte ich Ende Januar dem Monopolisten mit. Der zog jetzt eine andere Karte aus dem Ärmel – dank seiner gewitzten Juristen, deren rechtsverdreherische Potenz mir immer schon Achtung abverlangte, aber auch das Gefühl gab, dass man eigentlich im Kampf mit einem Großkonzern immer den kleinen David abgibt. Und weil man ja so gut erzogen ist, noch nicht einmal die Steinschleuder zückt. Dieser Jurist teilte mir mit, dass mein Haus gar nicht auf einem Solar (einem Baugrundstück) stehe. Mein über hundert Jahre altes Haus steht nicht auf einem Baugrundstück! Mitten in einem Wohngebiet! Worauf steht denn ein über hundert Jahre altes Haus in einem Wohngebiet?
Ein Solar verfüge, so wurde mir beschieden, über gewisse Mindestvoraussetzungen: zum Beispiel einen gepflasterten Weg, Trinkwasser, und genügend elektrische Energie, um bauen zu können. In meinem Schädel, der weder verstehen konnte, wohl auch nicht mehr wollte, drehten sich hunderte Katzen, um sich selbst in den Schwanz zu beißen.

Der Brief endete noch mal mit dem Hinweis, dass ich ja Strom haben könnte, wenn ich bereit wäre zu zahlen. Spätestens jetzt verwandelten sich alle Mitwirkenden bei diesem Wer-ist-der-Stärkere-Spiel in meinen Phantasien in graue Gestalten aus einem dreißiger Jahre Krimi in Chicago. Gerade hatte Don Corleone seinem Widersacher eine letzte Warnung zukommen lassen. Bald würde ein Haufen grau beanzugter Herren mit diesen fürchterlich schnell schießenden Dauerfeuerpistolen hier auftauchen, und dann...?

Diese juristische Auslassung offenbarte auf der anderen Seite eine solche unglaubliche Impertinenz, dass sie mir innerlich mehr Stärke gab als sie an Drohung herüberbringen sollte.
Aber eine Lösung wusste ich auch nicht. Wer also hilft hier?
Inzwischen hatte ich - im Oktober 2005 -  vom Ayuntamiento ein Zertifikat bekommen, dass mein Haus tatsächlich auf einem Solar steht. Toll! Und ich hatte erfahren, dass es im Cabildo ein Büro gibt, das sich um betrogene oder sich schlecht behandelt fühlende Kunden kümmert. Im Oktober ging ich hin, traf auf offene Ohren, einen die Bedeutung des Vorgangs sofort erkennenden Sachbearbeiter, musste noch 4,83 Euro bezahlen, und die Mühlen begannen zu mahlen. Zwar sehr langsam, aber mit Erfolg.

Am 19. Dezember 2006 erhielt ich von der Regierung der Kanaren aus Las Palmas eine Resolution, in der festgestellt wurde, dass ich für die baulich notwendigen Maßnahmen nicht aufzukommen hätte, sondern diese Sache des Stromversorgers seien. Die entstandenen Auslagen seien zurückzuzahlen, die 137,29 Euro Kostenvoranschlagsgebühren seien sogar illegal. Innerhalb von 30 Tagen seien die Anschlussarbeiten auf Kosten von UnelcoEndesa zu beenden. Und die Definitionshoheit, was denn ein Solar sei, hätten immer noch politische Institutionen, nicht private Firmen.

Klar, dass eine 30-Tage-Frist das Unternehmen grenzenlos überforderte. Aber immerhin erkannte der verantwortliche Ingenieur in Arrecife, dem ich die Regierungsresolution triumphierend unter die Nase hielt, den Schiedsspruch an. Mitte Februar 2007 tauchte ein Trupp Arbeiter auf, der eine Woche brauchte, bis er zwei notwendige neue Pfosten gesetzt hatte. Dann passierte eine Woche lang gar nichts mehr. In der folgenden Woche wurden neue Kabel gezogen. Strom hatte ich immer noch nicht. Irgendwann Anfang April 2007 kam der große Tag. Goliat hatte klein beigegeben.
Resumé: acht lange Jahre gewartet, aber immerhin das Gefühl zu haben, dass man sich auch hier nicht erpressen zu lassen braucht, dass alles zwar ein bisschen länger dauert, aber manchmal auch hier der Kleine gegen den Großen mit den Mitteln des Rechtsstaats sich durchzusetzen vermag – irgendwie hat es sich doch gelohnt.
Ach ja: Die Straßenbarrieren, welche der Stromversorger auf der Straße aufstellte, um den Verkehr vor der Baustelle zu schützen, lehnen immer noch an unserer Gartenmauer.

 

Lesen Sie hierzu auch den Artikel dieser Ausgabe: Belogen und betrogen?
Das Verbraucherbüro bietet Rat und Hilfe



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