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Parteien auf den Kanaren
Volkspartei und Sozialisten: Eine unheilige Allianz?

Von: Dr. Karl Kunze


"Manuel Fraga Iribarne", Lanzarote37°, 37 Grad, deutsches Inselmagazin, Inselzeitung, Spanische Parteien, Parteiensystem Spaniens
Manuel Fraga Iribarne. Foto: Partido Popular

"José Maria Aznar", Lanzarote37°, 37 Grad, deutsches Inselmagazin, Inselzeitung, Spanische Parteien, Parteiensystem Spaniens
José Maria Aznar. Foto: Partido Popular

"Felipe Gonzalez", Lanzarote37°, 37 Grad, deutsches Inselmagazin, Inselzeitung, Spanische Parteien, Parteiensystem Spaniens
Pablo Iglesias, Gründer der PSOE. Foto: PSOE

"José Luis Rodríguez Zapatero", Lanzarote37°, 37 Grad, deutsches Inselmagazin, Inselzeitung, Spanische Parteien, Parteiensystem Spaniens
Felipe Gonzalez 1986 bei einer Parteiveranstaltung. Im Gegensatz zu Aznar ist er beim König, obwohl Sozialist, immer gern gesehen. Foto: PSOE


Viele hielten José Luis Rodríguez Zapatero, genannt „Bambi“, nicht für geeignet, dem knorrigen Andalusier Aznar Paroli zu bieten. Foto: Gobierno de España


(12/06 N°5) Angesichts der kommunalen Wahlen im kommenden Jahr wird Lanzarote37° ab dieser Ausgabe die spanischen Parteien vorstellen. In diesem Heft werden wir nur eine kurze Geschichte und Charakterisierung der beiden wichtigsten Volksparteien, der PP (Partido Popular) und der PSOE (Partido Socialista Obrero Español) vornehmen.

 

Konstitutionelle versus nationalistische Partei.

Während auf der gesamtspanischen Ebene zwei Parteien dominieren, existieren gleichzeitig eine Vielzahl kleiner, regionaler Parteien, die aber dennoch im Gesamtstaat Bedeutung haben. So wird zum Beispiel die jetzige Minderheitsregierung von Zapatero von diesen kleineren Parteien mitgetragen. Es sei noch einmal daran erinnert, dass der Begriff der Nation in Spanien anders als in Deutschland gehandhabt wird. Die Verfassung spricht zwar von spanischer Nation, aber im Sprachgebrauch wird er mehr auf die einzelnen Regionen innerhalb des Landes angewandt (Lanzarote37°; Nr. 4). Eine „nationalistische“ Partei ist also keineswegs eine Partei, die einen starken spanischen Zentralstaat befürwortet oder gar einen faschistoiden Polizeistaat, sondern eine Partei, deren Anhänger eine größere Unabhängigkeit von der Zentrale in Madrid anstreben.

 

In Deutschland würde man eine solche Partei eher als „regionalistisch“ bezeichnen. Die beiden großen gesamtspanischen Parteien charakterisiert man daher eher als konstitutionell, weil sie sich an der Verfassung (Konstitution) orientieren, die wiederum die unauflösliche Einheit der Gesamtnation betont und sogar dem Militär die Rolle des Hüters dieser Einheit zuschreibt. Man muss aber auch festhalten, dass einerseits „nationalistische Partei“ nicht Systemopposition bedeutet und andererseits „konstitutionelle Partei“ auch kein quasi militaristisches Festhalten an der Madrider Zentralmacht. Praktisch heißt das, dass zum Beispiel die Coalición Canaria als nationalistische kanarische Partei weder eine ultrarechte Partei ist, noch die Löslösung aus dem spanischen Gesamtverbund will. Und umgekehrt ist es nicht so, dass die PSOE den einzelnen Regionen keine autonomen Rechte zugestehen möchte.

 

Eine Ausnahme war die inzwischen verbotene Herri Batasuna, als politischer Arm der baskischen Separatisten. Diese Partei vertrat die Position einer fundamentalen Systemopposition gegen den Zentralstaat mit einem klaren Anspruch auf ein selbstständiges Staatswesen. So wird das spanische Parteienwesen also durch zwei Merkmale charakterisiert: Auf der einen Seite durch die beiden großen konstitutionellen und die vielen kleinen nationalistischen und regionalen Parteien, und auf der anderen Seite durch ein Miteinander der kleinen Parteien mit einer der beiden großen bei der Regierungsbildung, wofür die jetzige Regierung Zapatero ein gutes Beispiel gibt.

 

Partido Popular (PP): Politische Wurzeln

Die spanische „Volkspartei“ ist eine noch sehr junge Partei, ähnlich der CDU, und geht in ihrer heutigen Form auf die Alianza Popular (AP) zurück. Diese wiederum wurde 1976, also in der Zeit der Transición (Lanzarote37° September 2006, S.28), von Manuel Fraga Iribarne gegründet. Der aber war während der Franco- Diktatur schon in vielen Ämtern tätig gewesen, unter anderem war er von 1962 bis 1969 spanischer Tourismus- und Informationsminister. Nach dem Tode Francos wurde er im Dezember 1975 Innenminister und Vize-Ministerpräsident der ersten Regierung von Adolfo Suárez. Trotz seiner faschistischen Vergangenheit endete seine politische Laufbahn erst in diesem Jahr, als er 83-jährig den Vorsitz der galizischen PP abgab. Und noch heute hat er das Ehrenamt des „Gründungspräsidenten“ der Partei inne. Die Alianza Popular wurde so schon zu Zeiten der Transición zum Sammelbecken der alten und neuen Rechten. 1981, nach dem gescheiterten Putsch und fünf Jahre nach ihrer Gründung, wurde sie es um so mehr, als die damals regierende liberal-konservative UCD (Unión de Centro Democrático) unter Leopoldo Calvo Sotelo eine zweideutige und schwache Politik betrieb, die schließlich zu einem erdrutschartigen Sieg der PSOE 1982 und einer 14-jährigen sozialdemokratischen Regierungszeit führte. Sieben Jahre nach diesem Desaster benannte sich die Partei 1989 in Partido Popular um.

 

Sie führte allerdings bis Mitte der Neunziger Jahre eher ein Schattendasein. Dies lag wohl einerseits daran, dass allen klar war, dass mit dem Namenswechsel der faschistische Hintergrund nicht aus der Welt zu schaffen war, und andererseits war es eine Folge der Sozialstruktur des konservativen Milieus in Spanien. Unternehmer beispielsweise sind traditionell eher konservativ, und die gibt es in nennenswertem Ausmaß nur in Katalonien und im Baskenland. Gerade hier aber hatte Franco grausam gewütet. Dann sind da noch die wenigen Großgrundbesitzer und die vielen kleinen und mittleren Beamten, die als Staatsdiener nicht ihren Job riskieren wollten und konnten. Diese in sich sehr verschiedene konservative Struktur stützte sich traditionell auf drei Säulen, die mangels anderer Ideen zu Grundwerten an sich erhoben wurden: die Krone, die Armee (einschließlich Guardia Civil) und die Kirche. Die Krone hatte sich spätestens 1981 als nicht einzunehmende Hochburg des demokratischen Umbauwillens gezeigt, auch wenn an dieser Einschätzung heute Zweifel erlaubt seien (– dazu aber später). Im gleichen Augenblick hatte sie damit die Armee in ihre Schranken verwiesen. Und die Kirche nahm man in Spanien nach Jahrhunderte währendem Schauspiel von Doppelmoral, Lüge und Intrigenwirtschaft auch nicht mehr so ernst wie vorher.

 

Die Erinnerung an die innige Verbindung von mörderischer Diktatur und dazu schweigender katholischer Kirche mag ebenso dazu beigetragen haben, wie die inzwischen gründlich gewandelte Sexualmoral, die der Kirche ihren Nährboden, nämlich die Erzeugung von Angst, entzog.

 

Aznarismo und erste PP-Regierung

Und so konnte die PP erst wieder Land gewinnen, als der PSOE das gleiche Schicksal beschert wurde, das alle demokratischen Parteien erleiden müssen, wenn sie zu lange an der Macht sind: Sie degenerieren in ihrer Verfilzung und man wird ihrer überdrüssig. Da die PP vorher auch noch die UCD geschluckt hatte, war sie die einzige Partei rechts der Mitte. Sie wurde bei den Parlamentswahlen 1996 mit 38,8% zur stärksten Fraktion, verpasste damit jedoch die absolute Mehrheit. Mit Hilfe einiger kleinerer Parteien wurde José María Aznar am 5. Mai zum Ministerpräsidenten gewählt und eine acht Jahre währende Periode spanischer Geschichte eingeleitet, die vom „Aznarismo“ geprägt wurde. Darunter haben viele verschiedene Beobachter sehr Verschiedenes verstanden.

 

Tatsache ist, dass die Aufarbeitung der Vergangenheit weiter unterdrückt und sogar behindert wurde. Es gab weiterhin Reiterstandbilder und Büsten des Diktators, Straßen und Schulen blieben nach ihm benannt, die Franco-Stiftung wurde weiterhin großzügig unterstützt, während die wenigen republikanischen Überlebenden des Bürgerkrieges, die damals in andere Länder fliehen mussten, mit einer staatlichen Rente von 50 Euro auskommen mussten. Der Versuch einer Katholisierung des Bildungswesens gehört sicherlich ebenso dazu, wie eine Aufblähung des Artikels II der Verfassung, in dem von unauflöslicher Einheit und unteilbarem Vaterland die Rede ist und einen Kreuzzug gegen mehr Autonomie der Regionen zur Folge hatte. Aznars Politik verfolgte weiterhin eine geostrategische Neupositionierung Spaniens als Brückenkopf Europas nach Lateinamerika und Washington.

 

Das vermutliche Ziel war, Spanien an der Seite der USA wieder in den Kreis der Großen dieser Welt – wie früher eben - zurückzuführen. Beides kam unter den Bedingungen des Irak-Krieges dem Versuch der Quadratur des Kreises gleich. Aznar machte sich damit in Europa und im eigenen Land viele Feinde. Dass sein Freund Bush einen völkerrechtswidrigen Krieg führte, war auch den meisten Spaniern klar. Trotzdem hätten sie Aznar sehr wahrscheinlich wieder gewählt, wäre er nicht blind über seine die ETA betreffende Verfolgungswut gestolpert: Aznar wollte Spanien unbedingt von der Geißel des ETA-Terrorismus befreien. Dies war 2004 auch ein ganz wesentliches Wahlkampfthema. Alle Wasser wurden auf dieses Thema geleitet.

Am 11. März 2004, als der Bahnhof Atocha mitten in Madrid in die Luft flog, wusste Aznar dann auch sofort, wo der Schuldige zu suchen war: Es musste einfach die ETA gewesen sein.

 

Die Niederlage

Werner A. Perger, Spanien-Kenner und „Zeit“-Korrespondent, fasst dieses Ereignis so zusammen: „Entschieden wurde die Wahl in den 48 Stunden nach dem grausamen Massaker. Dabei gab den Ausschlag die ignorante und arrogante Art, in der die Regierenden, von Aznar über die Außenministerin bis zum Staatsfernsehen, sich bemühten, ihre Lesart der Tat brachial durchzusetzen. Jede andere Vermutung über die Attentäter als die, dass es sich um baskische Terroristen gehandelt habe, sollte unterbunden werden. Die arabisch-islamistische Spur war tabu. Auf die Eta kam es an, denn dieses Thema ließ sich besser auf die Wahlkampfmühlen der Regierung lenken. Und so sollten die spanischen Journalisten – aber auch viele Korrespondenten der Auslandspresse – auf die Eta-Täter-Version vergattert werden. Die spanischen Botschaften im Ausland wurden auf diese Sprachregelung festgelegt, wobei der spanische Botschafter in Berlin einem richtig leid tun konnte, wie er sich da in seinen Auftritten im Fernsehen mit dieser blassen Vorgabe aus Madrid abstrampelte.

 

Und schließlich war es wieder einmal der Regierungschef selbst, der die öffentliche Meinung nach seinem Wunsch zu formen versuchte, wie immer von oben herab, kurz angebunden und belehrend, ein Mann im Vollbesitz der Wahrheit.“ Aznars starre Behauptung, die ETA sei für die Bombenanschläge verantwortlich, und das schon fast paranoide weitere Festhalten an dieser These, als schon längst deren Unhaltbarkeit feststand, bescherten ihm dann eine Wahlniederlage, die die PSOE nach acht Jahren Opposition wieder an die Macht brachte. Aznar trat vom Parteivorsitz zurück und an seine Stelle trat, auch als Oppositionsführer, Mariano Rajoy.

 

Partido Socialista - Obrero Español

Inmitten der industriellen Revolution wurden in Spanien, wie in anderen Ländern, Parteien gegründet, die den Schutz der bis dahin rechtlosen Arbeiter zum Ziel hatten. Am 2.Mai 1879 wurde von Pablo Iglesias die Partido Socialista del Trabjo (Sozialistische Arbeitspartei) bei einem heimlichen Treffen in Madrid ins Leben gerufen, bei dem Intellektuelle, Arbeiter und vor allem viele Schriftsetzer teilnahmen. Am 20. Juli desselben Jahres wurde in einer Versammlung von 40 Personen das erste Programm verabschiedet, nun als PSOE.

 

Im Untergrund

Franco ließ nach dem Ende des Bürgerkrieges vermutlich über 100.000 Menschen ermorden, andere Quellen sprechen von 400.000. In diesem Klima der Angst, fleißig unterstützt durch Papst und katholische Kirche, ging fast jeder Widerstand gegen den Generalíssimo verloren. Erst Anfang der sechziger Jahre formierte er sich neu. Hauptkräfte waren die Studenten, die „Arbeiterpriester“, die –teils kommunistisch gesteuerten- Arbeiterkommissionen und die nationalen Kräfte in Katalonien und im Baskenland. Die PSOE spielte in dieser Zeit so gut wie keine Rolle. Franco starb am 20. November 1975 friedlich im Bett.  Dennoch hatte die Partei immer wieder aus dem Untergrund agiert, wenn auch mit wenig Erfolg und oft unter Todesgefahr. In den Siebzigern wurde sie für das Regime langsam bedrohlich, weil sie gute Verbindung zu den demokratischen Parteien im übrigen Europa unterhielt. Die Parteikongresse mussten im Ausland stattfinden. Im Februar 1977 erfolgte dann aber unter Parteichef Felipe González die Legalisierung.

 

Tansición

Die Wahl von 1976 gewann die konservativ-liberale UCD, während die PSOE stärkste Oppositionsfraktion wurde. Eine der wesentlichsten Aufgaben dieser Zeit war die Schaffung einer neuen Verfassung. Die nächste Wahl von 1979 konnte wieder die UCD gewinnen, der Abstand zur PSOE aber wurde dünner. In 1100 spanischen Gemeinden beherrschte die PSOE bereits die Rathäuser. In jenen Jahren fand eine breite innerparteiliche Diskussion zum Thema der ideologischen Ausrichtung statt. González setzte sich durch und die PSOE etablierte sich als moderne sozialdemokratisch ausgerichtete Partei unter Ausschluss der Marxisten.

 

Absolute Mehrheit

Der Putsch vom Februar 1981 und die Krise der UCD führten in den Wahlen vom 28. Oktober 1982 zu einem überwältigenden Sieg der PSOE. Am 1. Dezember wurde Felipe González als erster sozialdemokratischer Ministerpräsident in der Geschichte Spaniens vereidigt. Seine Regierungszeit sollte vierzehn Jahre betragen. In diese Zeit fallen viele Reformen. Die Autonomie der Regionen Spaniens wurde weiter ausgebaut, das Heer in eine Berufsarmee umgewandelt, das Schul- und Gesundheitswesen umgestaltet, die Abtreibung wurde legalisiert und die Gleichberechtigung der Frauen kam voran. Mehr als zwei Millionen alte Menschen, die bisher ohne Mittel waren, erhielten eine Rente. Jeder unter 16 erhielt eine staatlich garantierte kostenfreie Schulausbildung, die auch verpflichtend wurde. Die Zahl der Stipendien wurde drastisch erhöht. All dies schuf ein neues Klima, in dem man wieder Vertrauen in die staatlichen Institutionen gewinnen konnte. 1985 wurde Spanien dann in die EU aufgenommen. Die internationale Isolation war ebenfalls durchbrochen. In dieser Zeit entstand das moderne Spanien. Die Partei musste die Macht 1996 dennoch abgeben: 14 Jahre Regierung waren einfach genug. Einige Affären um Filz und Korruption taten das übrige.

 

In der Opposition

In den acht Jahren auf der Oppositionsbank gab sich die PSOE zweimal eine neue Führung. Schließlich wurde im Jahr 2000 José Luis Rodríguez Zapatero als neuer Parteiführer gewählt. Die traditionellen Grundwerte Freiheit, Gleichheit und Solidarität wurden als Grundwerte auch einer neuen sozialistischen Programmatik herausgearbeitet und ein agiler, innovationsfreudiger Staat, der sich einer starken bürgerlichen Gesellschaft als Dienstleister zur Verfügung stellte. Zapatero erhielt damals den Spitznamen „Bambi“. Dies bezog sich auf seine jungenhafte, sanfte Erscheinung. Viele hielten ihn nicht für geeignet, dem knorrigen Andalusier Aznar Paroli zu bieten. Die Umfragen vor der Wahl 2004 ergaben einen leichten Vorsprung für die PP. Wie aber schon oben erwähnt, brauchte Zapatero sich nicht anzustrengen: Er gewann die Wahlen, weil sich Aznar durch seine verlogene Informationspolitik nach dem 11M selbst seiner Chance beraubt hatte.

 

Unheilige Allianz?

Beide Parteien haben eine höchst unterschiedliche Geschichte und Anhängerschaft. Die Parteigrenzen sind schärfer gezogen als in Deutschland. Zu viele Tote, zu viel Grausamkeit, zu viel an gegenseitigem Massakrieren hatte es gegeben. Und dennoch bleibt es dem – vielleicht nur deutschen - Beobachter unverständlich,, wie die Parteien mit dieser Vergangenheit umgehen. Dass die PP die Morde der Nachkriegszeit am liebsten aus den Geschichtsbüchern streichen würde, kann man nach dem oben Gesagten noch nachvollziehen. Völlig unverständlich wird dies jedoch bei der PSOE. Zapateros Großvater wurde von der Rechten umgebracht, aber er, wie auch González, wollen von einer Aufarbeitung der Vergangenheit nichts wissen. Er ist der Auffassung, dass sich in der „Eintracht und dem Konsens der Transición“ die Wurzeln des modernen Spaniens herausgebildet hätten. Vielleicht ist dieses Problem aber gar nicht so persönlich, vielleicht spielen da doch andere Faktoren eine Rolle?

 

Es wird immer wieder gesagt, dass der Putsch von 1981 missglückt sei. Wenn man aber bedenkt, wie nachsichtig die Beteiligten behandelt wurden und Tejero, der mit seiner Pistole im Parlament herumballerte, als sei er im Wald, sogar wieder von den Medien beachtet wird, wenn man bedenkt, wie klammheimlich Zapateros Regierung die letzten Reste diktatorialer Monumente entfernen lässt, wie immer noch keine Anstrengungen unternommen werden, die legalen Vorraussetzungen dafür zu schaffen, wenigstens die Unrechtsurteile rückgängig zu machen etc. etc., kommen einem doch gewisse Zweifel. Und in der Tat sagen nun einige Historiker, dass der Putsch sehr wohl erfolgreich war. Man hatte damals ein Zeichen gesetzt: Wenn ihr (Linken) versucht, uns (Rechten) ans Leder zu wollen, dann werden wir uns wehren. Vielleicht hat dies auch González so gesehen. Und insofern ist es eine noch zu diskutierende These, dass auch die heutige PSOE in unheiliger Allianz mit der PP an der allgemeinen „Abmachung“ über das Totschweigen der Gräueltaten sehr wohl beteiligt ist, allerdings aus ganz anderen Motiven.

 

Anders ausgedrückt: Während die PP versucht, Teile ihrer Anhängerschaft vor möglichen Prozessen zu schützen, versucht die PSOE, sich selbst und ihre Anhänger vor einer Zweitauflage der Ereignisse vom Februar 1981 zu schützen. Dass diese Angst nicht ganz unberechtigt ist, wurde im Januar dieses Jahres klar: General José Mena Aguado drohte unverhohlen mit einem Putsch wegen des Autonomiestatutes für Katalonien. Er wurde zwar sofort kaltgestellt, aber offensichtlich gibt es sie noch immer, die Militärs, die mit einem Eingreifen drohen, sollte irgendwas anders laufen, als sie wollen. Und die PSOE duckt sich. Noch immer keine Ansätze für eine Auseinadersetzung mit der eigenen Geschichte. Sie duckt sich genauso, wie sie es zusammen mit den anderen Parteien tat, als Tejero im Parlament „Alle auf den Boden!“ befahl. Einzig Santiago Carillo, von der kommunistischen Partei, blieb stehen.

 

Und so kann es durchaus sein, dass auch die PSOE letztlich zum Erfüllungsgehilfen der Putschisten wurde. Nicht von denen, die an vorderster Front verheizt wurden und lange Jahre ins Gefängnis wanderten. Eher von denen im Hintergrund. Und denen ging es um die Rettung der Monarchie und ihrem eigenen Schutz vor juristischer Verfolgung. Beides ist bestens gelungen – mit Hilfe beider Parteien.

 

PSOE von 1910-1939
1910: Pablo Iglesias wird erster offizieller Sprecher der Arbeiterbewegung im Parlament
1917: Oktoberrevolution in Russland. Blutige Unterdrückung von Arbeiterstreiks in Spanien. Gründung der Partido Comunista de España
1931: Zweite Republik. Frauen erhalten das Wahlrecht. Zivilehe. Autonomierechte für Basken und Katalanen.
1934: Aufstand linker Gruppen in Asturien. General Franco lässt 3000 Menschen umbringen.
1936: Die „Volksfront“ gewinnt die Wahlen. Franco und andere Generäle putschen. Beginn des Bürgerkrieges
März 1939: Der Generalíssimo zieht als Sieger in Madrid ein. Die linken Parteien gehen in den Untergrund.

 

Autor: Dr. med. Karl Kunze studierte Medizin, Soziologie, Politik und Geschichte in Köln, Düsseldorf und Colombo (Sri Lanka) und arbeitet heute als Allgemeinmediziner in Arrieta, Lanzarote.



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