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Lokales

Beton und Rechtsprechung auf Lanzarote:
Versuche zur Legalisierung des Nicht-Legalisierbaren

Von: Karl Kunze


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Der „Consejo de la Reserva de la Biosfera“ stellt die Studie “Legalidad urbanistica“ vor. Foto: Cabildo de Lanzarote/Lanzarote37°

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Das Hotel Papagayo Arena von oben.Foto: Cabildo de Lanzarote/Lanzarote37°

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Ursprünglicher Plan und..... Foto: Cabildo de Lanzarote/Lanzarote37°

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was tatsächlich gebaut wurde.Foto: Cabildo de Lanzarote/Lanzarote37°

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Das Bebauungsgebiet Castillo del Águila von oben.Foto: Cabildo de Lanzarote/Lanzarote37°

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Puerto Rubicon mit dem Hotel Gran Meliá Volcan im Hintergrund.Foto: Cabildo de Lanzarote/Lanzarote37°

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Der Baustopp lastet schwer auf den Apartmentruinen der Parzelle 242 B in Costa Teguise.Foto: Cabildo de Lanzarote/Lanzarote37°

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Hotel Princesa Yaiza. Foto: Cabildo de Lanzarote/Lanzarote37°

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Ursprünglicher Eingabeplan.... Foto: Cabildo de Lanzarote/Lanzarote37°

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und was tatsächlich gebaut wurde. Foto: Cabildo de Lanzarote/Lanzarote37°

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Das Lanzarote Paradise in Costa Teguise. Foto: Cabildo de Lanzarote/Lanzarote37°

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Die ausführliche Liste unberücksichtigter Auflagen können Sie über den Link weiter unten im Text öffnen. Grafik: Cabildo de Lanzarote/Lanzarote37°


(12/08 No.29) Dass viele Menschen in Lanzarote und auf den Kanaren insgesamt wieder an die Möglichkeit einer besseren Welt glauben, liegt nicht nur an den großen Ereignissen jenseits des großen Teiches. Hier, vor Ort, auf diesem von der Rechtsprechung als verloren geglaubtem Territorium, wurden Urteile gesprochen, die diesem Glauben heftig widersprachen. Die als illegal erklärten Hotels, vor allem die in Playa Blanca, waren nicht nur Objekte einer offensichtlich funktionierenden Rechtsprechung, sondern auch einer unglaublichen Rührigkeit der hiesigen Inselregierung (Cabildo), und das sowohl im Hinblick auf die Aufarbeitung des Themas als auch auf seine öffentlichkeitswirksame Präsentation.


Und die Politik zeigt nicht nur in der weltweiten Finanzkrise dem Kapital die Instrumente, sondern auch auf unserem kleinen atlantischen Eiland muss ein kleines, aber sehr feines Unternehmergrüppchen wohl hinnehmen lernen,  dass es zumindest nicht mehr alles nach seinem Gusto gestalten kann. Es gibt selbst hier noch ein Gesetz, das ihnen nun mit aller Macht Einhalt gebietet, und es gibt selbst hier Politiker, die gewillt sind, es durchzusetzen, wenn auch dabei mit der Quadratur des Kreises das eigentlich Unmögliche möglich gemacht werden soll und im Kampf einer fundamental rechtsstaatlich ausgelegten Position mit einer mehr pragmatischen Denkweise erstere durchaus Federn lassen muss.

 


Illegale Hotels

 


Die Regierung der Kanaren hatte im Jahr 1991 eine Revision der Bauvorschriften (PIOT - Plan Insular de Ordenación del Territorio) beschlossen, die in den Jahren 1998 bis 2000 im so genannten „Moratorium“ gipfelte. Um dem Wildwuchs in der Lizenzvergabe durch allzu bauwütige Bürgermeister Herr zu werden, wurde ein kompletter Baustopp verhängt. Zwei Bürgermeister dieser Insel, José Francisco Reyes  aus Yaiza und  Juan Pedro Hernández aus Teguise, meinten, sich nicht an Gesetze halten zu müssen. Sie genehmigten weiterhin ohne Rücksich auf Gesetz und Ökologie Hotelburgen, füllten damit auch das Stadtsäckel, aber - der erstere zumindest - eventuell auch die eigenen Taschen, was aus den vermuteten Delikten zu ersehen ist, die Reyes zur Last gelegt werden: Bestechung, Amtsmissbrauch, Veruntreuung öffentlicher Gelder, Beeinflussung und Geldwäsche. Das Fatale: Selbst die EU schoss Subventionen in Höhe von etwa 36,5 Millionen Euro hinzu. Und so ermitteln jetzt nicht nur die ordentlichen Gerichte, sondern auch noch eine Sondereinheit für organisierte Kriminalität und Institutionen der EU gegen Reyes und Konsorten. Rund vier Millionen aus unser aller Steueraufkommen flossen so beispielsweise in die illegale Luxusherberge „Prinzessin Yaiza“.
Seit September 2007 wurden fast 8000 Betten als illegal deklariert, und die Zahl könnte in weiteren Verfahren die doppelte Höhe erreichen, ein Viertel der insgesamt zur Verfügung stehenden 65.000 Betten. Betroffen sind des Weiteren das „Meliá Volcán“, „Iberostar Papagayo“, „Natura Palace“, „Son Bou“, „Gran Castillo“, und nicht zuletzt das „Papagayo Arena“.

Insgesamt sind von den in Betrieb befindlichen Anlagen neun Hotels und sieben Apartmentanlagen als illegal eingestuft worden, was etwa elf Prozent aller Betten ausmacht. Bei den übrigen sechs Anlagen handelt es sich um noch in der Planungsphase oder am Beginn der Bauphase stehende Projekte. Die Initiatoren der Verfahren gegen Reyes waren das Cabildo und die Stiftung César Manrique. Das Cabildo hatte von vornherein den Verdacht, dass einzelne Bürgermeisterämter (Ayuntamientos) sich nicht an die neuen Vorschriften halten würden und führte deshalb eine Pflichtmitteilung der Bürgermeister an die Inselregierung über vergebene Lizenzen ein. Diese Pflichtmitteilung musste allerdings vor den Gerichten erst als rechtens erstritten werden. Nachdem das geklärt war, wurden nun einzelne Bauvorhaben und schon fertig gestellte Bauten, die das Büro des PIOT als unvereinbar mit dem Bebauungsplan der Insel ansah, vor den Gerichten verhandelt.

In allen Fällen bekam das Cabildo Recht. Es wurde eindeutig festgestellt, dass das Cabildo eine vorrangige Rechtsposition vor den einzelnen Bürgermeisterämtern hat. Die 22 Annullierungen von Lizenzen, die bis dato vorliegen, verpflichten nun die Ämter, den Zustand der Legalität wieder her zu stellen. Der lange gerichtliche Weg bis dahin erklärt allerdings auch, warum das Cabildo nicht vorher tätig wurde, sondern erst, als viele der touristischen Bauten schon längst fertig waren. Um eine neue Lizenz zu bekommen, müssen die Eigner der illegalen Bauten also nun zum zweiten Mal den Weg durch die Instanzen gehen. Das Cabildo ist in keinem Fall Ansprechpartner, weil es nur die Übereinstimmung der Lizenzen mit bestimmten Normen zu überprüfen hat. Es sind die Ayuntamientos, die die Urteile umzusetzen haben, sie sind es, die „die gestörte Rechtsordnung wieder herstellen“ müssen.

 


Legalidad urbanistica

 

Gladys Acuña, die neue Bürgermeisterin von Yaiza, ist wahrlich nicht zu beneiden. Das Erbe, das ihr José Francisco Reyes hinterlassen hat, hat die Gemeinde schon bisher an den Rand des finanziellen Ruins getrieben. Wenn es jetzt noch zu Abrissen kommen sollte, werden die Eigner zu Recht Schadenersatzforderungen stellen, deren Höhe die Gemeinde effektiv nicht mehr tragen kann.
„Legalidad urbanistica“, so heißt die von Cabildo in diesem Zusammenhang nun herausgegebene Schrift, die den für diese Publikationen üblichen Rahmen weit sprengt. Dass die „Städtebauliche Legalität“ ein so spannendes Thema ist, wird erst dann klar, wenn man sich vor Augen hält, dass die lanzarotenische Gesellschaft zwar innerhalb einer einzigen Generationen vom Esel auf den Todoterreno, den Vierradantrieb, umgestiegen ist, die Verwaltung und das Rechtswesen jedoch hinterherhinkt und schon bei vielen böse Verletzungen hinterließ.

Dass nun mit den 22 gerichtlichen Annullierungen  von Baugenehmigungen für große touristische Anlagen und Hotels ein klares Machtwort gesprochen wurde, mag noch als „normal“ hingenommen werden, nicht mehr „normal“ ist, wie das hiesige Cabildo mit Hilfe des Biosphärenrates (Consejo de la Reserva de la Biosfera) die Urteile zum Anlass nahm, sich intensiv mit ihnen zu befassen und der Öffentlichkeit ein Dokument vorzulegen, das diese Urteile nicht nur sehr detailliert darstellt, sondern auch darüber informiert, wie man sich einen Ausweg aus der hochkomplizierten Situation vorstellt.

Manuela Armas, die Inselpräsidentin, hebt in der Einleitung ihrer Informationsschrift denn auch hervor, dass die Demokratie ein lebendiger Prozess sei, den es tagtäglich zu kräftigen und zu vertiefen gelte. Es sei notwendig in einer Demokratie, dass der Bürger sähe, dass derjenige, der ein unsauberes Spiel spiele, nicht immer gewinne. Wir alle würden verlieren, wenn die Gleichheit vor dem Gesetz zur Disposition stünde und mit ihr die Selbstbestimmung und die Würde der Menschen. Und sie schloss mit dem für eine Politikerin höchst ungewöhnlichen Satz: „Weder sehe noch wünsche ich mir ein Szenarium von Gewinnern und Verlierern, ich wünsche mir nur eine Möglichkeit, noch etwas reparieren zu können und die Dinge wieder dahin zu stellen, wo sie hingehören.“   

Denn die Lage ist in der Tat höchst verzwickt: Soll man die juristische Position in praktische Politik umsetzen und die illegalen Hotels abreißen, oder soll man einen pragmatischen Weg einschlagen und aus der gegebenen Situation Vorteile für die Allgemeinheit schlagen? Beide Wege ließen die Urteile offen.  Wenn man die Hotels abreißt, dann kostet dies den Steuerzahler unter Umständen viele Millionen, denn die Hotels verfügten über eine damals rechtsgültige Lizenz. Und die Schuld für die ungerechtfertigt verliehenen Lizenzen liegt eindeutig bei den Bürgermeistern. Wenn man die Hotels abreißt, gehen viele Arbeitsplätze verloren. Und das Gelände kann sowieso  nicht mehr in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt werden, so dass ein Abriss einen höheren Umweltschaden verursachen als Nutzen bringen kann. Und das touristische Angebot Lanzarotes schrumpft. Und die Touroperadoren könnten verunsichert reagieren und weniger Touristen nach Lanzarote schicken. Und und und...

Auf der anderen Seite: Die angesprochenen Argumente können nicht die Tatsache aus der Welt schaffen, dass Demokratie in allererster Linie mittels eines unversehrten Rechtsstaates funktioniert, den es vor allen anderen Dingen zu schützen und zu bewahren gilt. Das für alle gleiche Recht war neben der Legitimation der Macht die große Errungenschaft der politischen Bewegungen des 18. und 19. Jahrhunderts, und auf diesem Recht bauen unser Verständnis und unser Erleben von Demokratie auf. Die Rechtstaatlichkeit in irgendeiner Weise zu diskreditieren, kommt einem Versuch gleich, die Staatsform der Demokratie auszuhöhlen.


Die Inselregierung, in ihrer Mehrheit von der sozialistischen PSOE gebildet, war sich dieses Dilemmas bewusst, und fand schließlich eine Antwort, die eminent politisch ist. Denn nach einem der größten deutschen Soziologen, Max Weber, bedeutet „Politik … ein starkes langsames Bohren von harten Brettern mit Leidenschaft und Augenmaß zugleich“. Viele sich widersprechende Argumentationsstränge mussten berücksichtigt werden, die Leidenschaften des eigenen politischen, in diesem Fall des sozialdemokratisch geprägten Denkens wollten in Einklang gebracht werden mit dem Augenmaß des praktischen Politikers, der mit Arbeitsplätzen, Geld und den Rechten der involvierten Menschen umgehen muss. Und in der Tat scheint es ein Lehrstück für praktische Politik zu werden, was da ein ultrakleines Cabildo in einer der ultraperipheren Zonen Europas erarbeitet hat.

 


Die Situation im Einzelnen

 


Um die Situation zu verdeutlichen, die es zu regeln gilt, wurden die einzelnen illegalen Bauwerke aufgelistet und in Verbindung gebracht mit dem Regelwerk, gegen das sie verstoßen. So wird deutlich, dass beispielsweise das „Princesa Yaiza“ gegen alle Normen verstößt, die Apartamentos „Rio Playa Blanca“ gegen „nur“ eine. In der Tabelle handelt es sich nur um die 22 schon als illegal deklarierten Bauten, insgesamt stehen etwa 30 Bauwerke zur Disposition, davon sind 16 komplett in Betrieb.

 


Die Quadratur des Kreises

 


Der oberste kanarische Gerichtshof hat den Verantwortlichen mit seinen Beschlüssen zur Annullierung eine Aufgabe gegeben, um die sie nicht zu beneiden sind. Er stellte fest: „Die Annullierung einer Baulizenz führt zu der Notwendigkeit, eine Realität wieder her zu stellen, die verändert und umgewandelt wurde durch Handlungen, die unter dem Schutz dieser Lizenz stattfanden, die nun annulliert wurde und die deshalb nicht mehr existiert.“ Im Falle, dass die Bauarbeiten noch nicht begonnen haben, dürfen diese nicht weiter durchgeführt werden. Wenn aber schon gebaut wurde, muss die gestörte Rechtsordnung wieder hergestellt werden.

Wie aber soll man eine gestörte Rechtsordnung wieder herstellen, wenn eine für die Bauherren damals rechtsgültige Lizenz annulliert wird, die schon zu Konstruktionen von Gebäuden geführt hat? Eine Möglichkeit besteht darin, das bestehende Gebäude den bestehenden Normen anzupassen (z.B. mittels Verkleinerung, besserer Ausstattung, Einhaltung der Grenzen usw.) und es dann, nach Antragstellung auf eine neue Lizenz, zu legalisieren. Das Gericht macht ausdrücklich zur Pflicht, die neue Lizenz dem Gericht vorzulegen, das die Annullierung verordnet hat. Der neue Antrag muss innerhalb bestimmter Fristen gestellt werden.  Wenn all dies nicht möglich ist, muss man das Gebäude abreißen.

Der andere Weg besteht darin, die Normen zu verändern. Jede Gemeinschaft aber, die auf  die-se Weise den Weg der „normativen Kraft des Faktischen“ geht, kann sich unter Umständen leicht auf Glatteis begeben. Denn wenn Geldmagnaten einmal merken, dass sie nur Fakten schaffen müssen, die groß genug sind, dass man sie nicht mehr so leicht aus der Welt schaffen kann, dann kann man bekannter Weise nur darauf warten, dass sie der Gemeinschaft bald auf der Nase herum tanzen.

Und deshalb stellt das Cabildo klar: „Nachdem Fall für Fall der 22 touristischen Etablissements analysiert wurde, steht fest: Keine dieser Anlagen ist legalisierbar, da sie nicht mit den gültigen  Regeln in Übereinstimmung zu bringen sind…Wenn keines der Etablissements legalisierbar ist...steuern sie auf ihren Abriss zu“.

Wenn man also die Normen verändert, dann kann dies nur auf Basis einer soliden Rechtfertigung dieses Schrittes erfolgen, die den Interessen der Allgemeinheit dient. Denn der Oberste Gerichtshof hat unmissverständlich klar gemacht, dass er Änderungen des Bebauungsplanes nicht akzeptieren wird, die nur deshalb geschaffen werden, um das Illegale legal zu machen. Das wesentliche Kriterium für eine solche Änderung ist deshalb, dass der Allgemeinheit Kompensationen und Vorteile zugute kommen müssen. Diese können bestehen in der „Eindämmung der touristischen Entwicklung“, indem man etwa keine neuen touristisch genutzten Einrichtungen mehr baut, oder in der „Qualifizierung des touristischen Angebotes“ mittels der Erfüllung höherer Wohnstandards oder in der „Verbesserung des touristischen Platzes“, was in diesem Zusammenhang ein besseres Komplementärangebot meint, zum Beispiel Spielplätze, Arztpraxen, Einkaufsmöglichkeiten etc. Zusammenfassend: “weniger Betten, von höherer Qualität, mit einem besseren Komplementärangebot“.

Die Änderung der Normen aufgrund von Kompensationen für die Allgemeinheit ist allerdings in keinem Fall verpflichtend, ist immer freiwillig, und kann dann, wenn ein größerer Verstoß gegen die Bauordnung vorliegt, auch komplett verweigert werden.

Die Informationsschrift des Cabildos listet alle 22 Objekte detailgenau auf und führt aus, was an ihnen im Einzelnen zur Annullierung führte(Seite 22). Im Fall der „Apartamentos Rio Playa Blanca“ beispielsweise fehlten „nur“ die notwendigen Detailstudien und die Genehmigung des Projektes. (…aprobación ni vigencia del Estudio de Detalle del sector… falta de aprobación del proyecto de urbanización del sector.) Es werden vor allem die Kriterien für den  revidierten PIOT von 2000 nicht erfüllt: Unter anderem sind die Wohneinheiten zu klein: 52 m2 Durchschnittswohnfläche (Bungalow) statt 70 m2, 25 m2 Durchschnittswohnfläche (Apartamento) statt der geforderten 35 m2, dazu kommt, dass statt der zulässigen 375 Wohneinheiten 816 gebaut wurden etc.

Die Liste der Verstöße bei den Hotels „Meliá Volcán“ und „Princesa Yaiza“ ist dagegen so lang, dass man mindestens eine extra Seite brauchte, um sie alle aufzuführen.
Aber gerade an diesen architektonisch gelungeneren Hotels wird das Dilemma klar, vor dem sich die Politik dieser Insel sieht. Ein Abriss würde mehr Schaden als Nutzen bringen. Also wird man sich, versehen mit dem Werkzeug der „Kompensationen für das Allgemeinwohl“, etwas einfallen lassen müssen.

Denn im Falle der „Prinzessin Yaiza“ handelt es sich schließlich um einen hochpotenten Eigner, einen, dem laut Meinung der Einheimischen sowieso die halbe Insel gehört. So sind die Kompensationen für sein eigenes Portemonnaie vermutlich gesichert, wenn die Insel ihre Kompensationen und Europa seine Subventionen zurück haben will. Ob also die Drohung mit dem Abriss oder stattdessen die eingeforderten Kompensationen im Falle der Nobelhotels eine wirklich  abschreckende Wirkung haben werden, sei dahingestellt. Viel härter könnte es - wie immer - die kleineren Häuslebesitzer treffen, die nicht wussten, dass sie illegale Häuser besitzen. Aber, da das Cabildo gewillt ist, den Schaden möglichst gering zu halten, bleibt zu hoffen, dass alles nicht so schlimm kommen wird.

 


Ein Schritt ins 21. Jahrhundert

 

 

Es bleibt abzuwarten, inwieweit die Gerichtsbeschlüsse wirklich in praktische Politik umgesetzt werden. Einigen Hotels allerdings droht nun endgültig das Aus, da wurde gegen zu viele Regeln verstoßen. Welche dem notwendigen Statuieren des Exempels zum Opfer fallen werden, darüber gibt es bisher nur Gemunkel. Fest aber scheint zu stehen, dass es mehr als eins sein werden. Die politische Bedeutung dieser Abrissdiskussion aber erscheint fast zweitrangig gegenüber der Art und Weise, wie ein Inselcabildo am Rande Europas es geschafft hat, mit unglaublichem Energieaufwand und Detailkenntnis die Bürger über eine leicht zu lesende Informationsschrift an seinen Überlegungen teil haben zu lassen und sie zur Mitdiskussion aufzufordern. Diese Schrift hat sicher Vorbildcharakter für ganz Europa und hat mitgeholfen, das politische Lanzarote mit atemberaubender Geschwindigkeit ins 21. Jahrhundert zu katapultieren. Aber der Gegner steht Gewehr bei Fuß, bereit, zurück zu schlagen. Es bleibt zu hoffen, dass viele die „Legalidad urbanistica“ lesen werden, und dann auch ihren Initiatoren, allen voran Carlos Espino Angulo und Ana Carasco, Mut machen werden, ihren Weg fortzusetzen. Denn diesen Mut werden sie und ihre Mitstreiter angesichts des hochpotenten Gegners noch brauchen.

 

 

Die ausführliche Liste unberücksichtigter Auflagen sehen Sie hier.

 

 

Zum besseren Verständnis: Der PIOT 91 ist das grundlegende Regelwerk von 1991, das gewisse Normen für die touristische Nutzbarmachung der Insel festlegte, wie beispielsweise eine Obergrenze von 111.000 Betten insgesamt, eine maximale touristische Bebauung von 50% auf Gemeindegrund, die minimale Größe von touristischen Bungalows (70m²) oder Wohnungen (35m²) und vieles mehr.

Die Überarbeitung des PIOT aus dem Jahr 2000 (2. Spalte) hatte zum Ziel, die Zuwachsrate der Touristenströme herabzusetzen und für bessere Qualität der Beherbergungen zu sorgen.
Ein Plan Parcial (3. Spalte) ist ein Instrument der Bauplanung, das detailgenau festlegt, was wann wie gebaut werden darf, beispielsweise die Parzellengröße und das Niveau zur Straße hin beschreibt, die materielle und personelle Ausstattung und so weiter.

Die Normativa Turística schließlich stellt kein eigenes Gesetz dar, sondern ist die Zusammenfassung vieler Regelwerke außerhalb des PIOT, die die touristischen Aktivitäten ordnen.

Und dann gibt es ja auch noch das Ley de costas, das Gesetz, das die Küste vor allzu wilder  Bebauung schützen will, aber nichts mit der Inselregierung zu tun hat, sondern ein nationales Gesetz ist.

Lanzarote37° berichtete darüber, dass der spanische Staat beginnt, das Gesetz rigoros, aber allem Anschein nach auch willkürlich anzuwenden. Von diesem Gesetz ist hier aber nicht die Rede, weil es sich eben nicht um ein Problem des Cabildos oder der Ayuntamientos handelt. Alle Häuser und Anlagen in einem Umkreis bis zu hundert Meter von der Küstenlinie könnten davon betroffen sein, ein Umstand, der für zusätzliche Unruhe sorgt.

 

 

Die komplette Studie „Legalidad urbanistica“ finden Sie im Internet unter www.legalidadurbanistica.org



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