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Abdankung oder Rettung der Nation?

Von: Karl Kunze


Lanzarote-Juan Carlos-37grad-Inselmagazin
Foto: La Moncloa


Von Kronprinz Felipe, hier mit Ministerpräsident Mariano Rajoy, glauben viele Spanier, dass er ein guter König sein wird.
Foto: La Moncloa


Über die Ehe der Könige, hier auf einem Archivbild unter anderem mit dem ehemaligen Ministerpräsidenten José Luis Zapatero (3. von links) und der damaligen Präsidentin der Comunidad de Madrid, Esperanza Aguirre (3. von rechts), wird seit Jahren spekuliert.
Foto: La Moncloa


König Juan Carlos steckt mitten im Umfragetief, wie eine von El Mundo in Auftrag gegebene Studie herausgefunden hat. Verantwortlich ist hauptsächlich der Fall seines Schwiegersohns Iñaki Urdangarin. Eine Mehrheit der Spanier spricht sich für die Abdankung des Monarchen aus. Auf der anderen Seite möchten sie, dass er die Repräsentanten der zerstrittenen Teile der Nation mit seiner kommunikativen Kompetenz wieder zusammenführt.

 

Noch vor 13 Jahren, zum 25. Thronjubiläum „Seiner Hoheit“ Juan Carlos Alfonso Victor Maria I de Borbón y Borbón hielten über 80 Prozent der Spanier ihren König für ein „gutes“ oder sogar für ein „sehr gutes“ Staatsoberhaupt. Über 70 Prozent erachteten ihn darüber hinaus als „unverzichtbar“. Juan Carlos hatte sich zu einer moralischen Instanz gemausert, wobei ihm sein unbedingtes Eintreten für die Demokratie beim Putschversuch vom 23. Februar 1981 half. Aber auch der Umstand, dass es nach dem Tod Francos im Jahr 1975 keine Aufarbeitung der fürchterlichen Verbrechen des Diktators und seiner Anhänger gegeben hatte, keine Anklagen gegen die Mörder und Henker des alten Regimes erhoben werden durften, trug dazu bei, seinen Ruf als jemand zu festigen, der das tief gespaltene Land geeint hatte. Vergessen war, dass er von Franco zum König gemacht wurde, er also ein König von Diktators Gnaden war. Auch als 2012 ein Papier des deutschen Botschafters Lothar Lahn, der von 1977 bis 1982 in Madrid Deutschland vertrat, aus der diplomatischen Versenkung auftauchte, aus dem klar hervorging, dass der Monarch den Putschisten gegenüber keineswegs negativ eingestellt war, hatte dies keine gravierenden Folgen.

Heute, im Mai des Jahres 2013, meinen nach der unlängst von El Mundo durchgeführten Umfrage nur noch 46 Prozent, ihr König verwalte sein Amt  „gut“ oder „sehr gut“. Bei den jüngeren Befragten (18 bis 29 Jahre) meinte sogar ein Viertel, dass er es „schlecht“ oder „sehr schlecht“ ausübe. Selbst sieben Prozent der konservativen und damit meist königstreuen PP-Wähler ist dergleichen Auffassung, wobei allerdings noch 67 Prozent dieser Wählerschaft hinter ihm stehen. Bei den republikanischen Wählern (Sozialdemokraten, Vereinigte Linke) bröckelt auch langsam die Zustimmung. Bei 41 Prozent der sozialdemokratischen Wähler findet der Monarch noch Zustimmung, von 28 Prozent wird er abgelehnt.

Den Tiefpunkt seiner Beliebtheit erlebte der König im April 2012. Die Risikoprämie, die Spanien für Staatsanleihen zu bezahlen hatte, hatte Höchststände erreicht, Repsol-YPF (ein spanisches Unternehmen) war gerade von der Kirchner-Regierung in Argentinien verstaatlicht worden, die Jugendarbeitslosigkeit hatte die 50-Prozent-Marke überschritten, die allgemeine Arbeitslosigkeit marschierte auf die 25-Prozent-Marke zu, viele Menschen begannen, Spanien den Rücken zu kehren – und der König ging auf Elefantenjagd nach Botswana. Dummerweise brach er sich dabei den Oberschenkel. Dadurch kam alles heraus. Dass dann noch ein Bild (wenn auch angeblich aus dem Jahr 2006) in den Medien kursierte, wo er, wie anno Tobak die kolonialen Herren, vor einem erschossenen Elefanten posierte, brachte seinen Ruf endgültig ins Wanken. Die Süddeutsche Zeitung schrieb damals: „Nicht nur von zweifelhafter Moral, sondern auch viel zu teuer sei das Hobby des Monarchen, erregen sich viele Spanier: Bei einer Internetumfrage der rechtsliberalen Zeitung El Mundo gaben 96 Prozent der Befragten an, es für unangebracht zu halten, dass der König in schwierigen wirtschaftlichen Zeiten auf Elefantenjagd geht. Dem König mangele es an ‚Ethik und Respekt‘, kritisierte Cayo Lara, der Chef der linken Oppositionspartei Izquierda Unida. Viele Menschen haben unter der Wirtschaftskrise zu leiden, so Lara. Zudem beweise die Elefantenjagd des Königs, dass er gelogen habe, als er vor kurzem behauptete, die Arbeitslosigkeit Tausender spanischer Jugendlicher bringe ihn um den Schlaf. Ob gelogen oder nicht: Zumindest wird die Bevölkerung sich mit Unbehagen an die Weihnachtsansprache des Monarchen erinnern. Damals hielt Juan Carlos dazu an, auf liebgewonnene ‚wirtschaftliche und soziale Gewohnheiten‘ zu verzichten. Immerhin kostet eine Lizenz zum Elefantentöten etwa 25.000 Euro. Ausführlich berichtete auch die spanische Presse darüber, wie kostspielig das fragwürdige wie exklusive Freizeitvergnügen des Monarchen sei: 20.000 Euro müsse ein Safari-Jäger in Afrika für jeden abgeschossenen Elefanten zahlen.“

Im Juli 2012 stimmten 94 Prozent der Mitglieder des spanischen WWF auf der außerordentlichen Hauptversammlung in Madrid für die Absetzung von Juan Carlos als Ehrenpräsident dieses Natur- und Tierschutzbundes. Dieses Amt hatte er seit 1968 inne. Der Ehrenvorsitz wurde dazu noch generell abgeschafft.

Schon seit Jahren kursieren die Gerüchte, dass es um die Ehe des Monarchenpaares nicht zum Besten bestellt sei. Dass konnte man aber als ein privates Problem abtun. Der König war ja sowieso bekannt als Liebhaber schneller Autos und schöner Frauen. Nicht mehr privat blieb es aber, als auch gegen Teile seiner Familie Anklage erhoben wurde.

Seine Tochter, die Infantin Cristina, ist mit Iñaki Urdangarin, einem ehemaligen Handballspieler, verheiratet, der durch diese Heirat zum Herzog von Palma avancierte. Er war jahrelang Chef einergemeinnützigen Stiftung mit dem Namen Instituto Nóos, das sportliche Großereignisse realisieren sollte. Im Laufe der letzten Jahre hatte sich mehr und mehr der Verdacht erhärtet, dass „Seine Exzellenz“ ganz und gar nicht in gemeinnützigen Kategorien dachte, sondern sich wohl ganz eigennützig bereichert hatte. Im April dieses Jahres passierte dann das Unfassbare: seine Frau, die Prinzessin aus dem Hause Borbón, wurde wie ihr Mann, der zuvor schon angeklagt war, nun mitangeklagt. Hätte dies allein schon einen nicht mehr gut zu machenden Schaden angerichtet, so wiegt zurzeit noch schlimmer, dass die Richter des Provinzgerichtes von Palma de Mallorca in der ersten Maiwoche die Anklage gegen sie aufhob. Denn jetzt glauben 89 Prozent der Spanier, dass in Spanien nicht mehr alle Menschen vor dem Gesetz gleich seien, wie es der König noch in seiner Weihnachtsansprache 2011 vor den Kameras behauptet hatte, in Anspielung auf die Anklage gegen seinen Schwiegersohn Iñaki Urdangarin. Fast 80 Prozent der Spanier sehen den „Fall Urdangarin“ als vom Könighaus schlecht gemanagt an, über 80 Prozent lehnen die Aufhebung der Anklage gegen die Königstochter ab. Das Gericht hat aber eine Wiederaufnahme des Verfahrens wegen Steuerbetrugs und Geldwäsche gegen sie offen gelassen. Eine Rolle spielt dabei die Firma Aizoon, die dem Ehepaar Urdangarin-Borbón zu je 50 Prozent gehört. Von einer Zuteilung eines Teils der öffentlichen Apanage für das Königshaus wurde die Prinzessin schon vor längerer Zeit ausgeschlossen.   

Urdangarin wurde zusammen mit seiner Frau zwar schon im Dezember 2011 von den Aktivitäten des Königshauses ausgeschlossen (er lebte seit 2009 sowieso in den USA), besuchte dann aber heimlich zehn Monate später den genesenden König nach seiner zweiten Hüftoperation im Krankenhaus. Das führte zu einer weiteren Welle der Ablehnung des Managements des Königshauses hinsichtlich dieses Falles. Ab dem 25. Januar dieses Jahres wurde Urdangarin von der königlichen Website gestrichen, wenig später sollte er auf Anordnung eines Ermittlungsrichters zusammen mit seinem Geschäftspartner Diego Torres vom Instituto Nóos eine Kaution in Höhe von 8,1 Millionen Euro hinterlegen. Am 8. Februar benannte die Stadtverwaltung von Palma de Mallorca wegen der Vorwürfe die Rambla dels Ducs de Palma de Mallorca (Allee der Herzöge von La Palma) um – sie heißt jetzt wie früher einfach La Rambla.
Besagter Diego Torres schüttete im gleichen Monat Öl ins Feuer, indem er einige E-Mails des Herzogs der Presse zugänglich machte, wodurch nach Meinung des konservativen El Mundo den Spaniern klar wurde, dass Urdangarin nicht würdig war, einen Adelstitel zu tragen. In einer E-Mail an den Palast verabschiedete sich beispielsweise der amtierende Duque de Palma mit „duque em-Palma-do“ – gröber und anzüglicher geht’s fast nicht: empalmado heißt auf Deutsch in etwa geil, genauer: mit einem Ständer. Noch schlimmer wurde es für das Königshaus, als Briefe auftauchten, in denen klar wurde, dass der König schon sehr viel früher von den zweifelhaften Geschäften seines Schwiegersohns gewusst haben musste. Schon 2004 wurde Urdangarin nämlich nahegelegt, seinen Posten bei Nóos zur Verfügung zu stellen. Und die angebliche deutsche Freundin des Königs, Corinna zu Sayn-Wittgenstein, die den König bei seiner unsäglichen Elefantenjagd begleitete, soll dem Herzog bei der Suche nach lukrativen Nebenjobs zur Seite gestanden haben.

Alle diese Ereignisse führten dazu, dass der König in der Meinung der Spanier deutlich an Prestige verloren hat. Dass er sein Amt „sehr gut“ verwalte, meinten vor einem Jahr noch 26 Prozent, jetzt sind es nur noch zehn, die Note „gut“ fiel von 47 auf 37 Prozent. Ob die Spanier es denn ihrem König zutrauen, das verlorene Prestige des Königshauses wieder herzustellen, wollte El Mundo ebenfalls wissen. 83 Prozent meinten, der König sollte es versuchen, aber nur 31 Prozent trauen es ihm zu. 56 Prozent meinen denn auch folgerichtig, er sei nicht dazu fähig.

Das Land bleibt gespalten in seiner Meinung über die Konsequenzen. 55 Prozent sind schlussendlich der Auffassung, der König solle abdanken. Über seinen Sohn Felipe sind sich jedenfalls fast drei Viertel aller Spanier in ihrer positiven Meinung einig. 65 Prozent sehen den Nachfolger als ebenbürtig an. Hinsichtlich der Abdankung sind, wie zu erwarten, die PP-Wähler für das Verbleiben im Amt, die Wähler von Sozialdemokraten und Vereinigter Linke für die Abdankung.

Was also die allgemeine Meinung im Land betrifft, so steht die Monarchie als solche (noch) nicht zur Disposition. Eine klare Mehrheit steht hinter Prinz Felipe. Ihm wird zugetraut, das Land zu repräsentieren. Aber kann er die zerstrittenen Teile der Gesellschaft wieder vereinen? Zu viele Probleme warten auf eine Lösung. Da sind die ökonomische Krise mit ihren vielfachen Implikationen, die Unabhängigkeitsbestrebungen von Katalonien und dem Baskenland, die Korruption, die hier bis in die Spitzen der Regierung hineinreicht, das vielfache Versagen der Justiz, was für den Rechtsstaat die Katastrophe schlechthin bedeutet – um nur einige der dringlichsten Probleme zu nennen. Diese Aufgabe anzugehen – das wird von dem Monarchen jetzt trotz aller negativen Schlagzeilen erwartet: das auseinanderstrebende Land zu versöhnen und der Seele der Spanier neuen Mut zu geben inmitten des moralischen und ökonomischen Desasters.



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