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Freizeit
Barranco de Tenegüime - Wasserfälle, Gras und Felsenhühner

von Friederike Klinge


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Blick hinunter in den Barranco de Tenegüime.


Stefan Isenmann sitzt in einem Gumpen, eine durch Wassererosion entstandene Kuhle im Gestein.


Gut sichtbar sind die Basaltsäulen des Kerbtals, entstanden durch intensive Auswaschungen, zu Zeiten, als es auf Lanzarote viel mehr geregnet hat als heute.


Der Aufstieg in den Barranco de Tenegüime im Norden von Lanzarote. Fotos: Klinge/Bernard


(09/08 No. 26) Im Hinterland der Ortschaft Guatiza im Nordosten Lanzarotes liegt der Barranco de Tenegüime – ein abgeschiedener Lebensraum für Lanzarotes Flora und Fauna. Das einsame Kerbtal wird von bis zu 550 Meter hohen Steilwänden eingerahmt.

 

Seit 1987 steht der Barranco de Tenegüime, der Teil des Famara-Massivs ist, unter Naturschutz. 1994 hat es  für dieses Gebiet eine Reklassifikation gegeben, seit dem gilt die Schlucht als „Paisaje Protegido“ – Geschützte Landschaft. Das Tal von Tenegüime erstreckt sich über 421 Hektar und ist mit seiner beeindruckenden Geomorphologie mit bis zu 550 Meter hohen Steilwänden ein abgeschiedener Lebensraum für zahlreiche endemische Pflanzen und seltene Vogelarten.
Ausgangspunkt der Wanderung durch den Barranco de Tenegüime ist eine, außerhalb des Dorfes Guatiza gelegene, Pumpstation in der Nähe des Friedhofs (Genaue Wegbeschreibung Seite 32). Zunächst wandert man durch landwirtschaftlich genutztes Gebiet, das aber immer mehr in brachliegende Flächen übergeht. Mit Glück sieht man eine weidende Ziegenherde. An einem ausgetrockneten Bachlauf entlang wandert man in den Barranco hinein. Anfangs sind die Wände des Kerbtals noch recht niedrig, nur sanft ansteigend und terrassenartig angelegt. Von der einstmals intensiven landwirtschaftlichen Nutzung zeugen noch zahlreiche Feigenbäume.
In den trockenen Monaten des Jahres wandert man einfach am Grund des Tals an einem ausgetrockneten Flussbett entlang. Oft müssen kleinere Felsen oder Geröllhaufen überwunden werden. Stellenweise haben sich in den Gumpen, das sind durch Wassererosion entstandene Kuhlen, in denen sich bei Regen kleine Tümpel bilden, Kalksande angesammelt. Der Kalk ist über Jahrmillionen aus dem Gestein ausgewaschen worden. In den regenreichen Wintermonaten kann es durchaus passieren, dass das Bachbett Wasser führt, das an einigen Stellen regelrecht über die Felsen „fällt“ und so kleine Wasserfälle entstehen lässt. Ist der Grund des Barrancos von Wasser bedeckt oder zu schlammig, wandert man einfach ein bisschen oberhalb an der Wand entlang.
Bei weiterem Vordringen wird die Schlucht tiefer und die Wände höher und steiler. Diese Art des Kerbtals ist durch intensive Auswaschungen entstanden, zu Zeiten, als es auf Lanzarote noch viel mehr geregnet hat als heute. Die Wände des Barranco bestehen stellenweise aus fast perfekten Basaltsäulen, in denen sich viele kleine versteckte Höhlen befinden.
Hier nisten Turmfalken, Felsentauben, Kolkraben und sogar die gefährdeten Gelbschnabelsturmtaucher finden geschützte Brutstätten. Auch die Schleiereule, die auf den Ostinseln eine endemische Art bildet, lebt hier. Den scheuen Triel bekommt man nur mit viel Glück zu sehen, genauso wie das Schmutzgeier-Pärchen welches hier leben soll. Eher kann man mal ein Felsenhuhn oder einen Kanarenpieper, der über die Steilhänge turnt, durchs Fernglas beobachten.
Der Barranco de Tenegüime ist aufgrund seiner Abgeschiedenheit und seiner relativ hohen Feuchtigkeit verhältnismäßig vegetationsreich. Die auf den Kanaren endemische Kanaren-Krummblüte (Campylanthus salsoides, Romero marino) kommt hier sogar in großen Mengen vor. Im Frühjahr blühen die bis zu zwei Meter hohen Sträucher weithin sichtbar rosa bis dunkelviolett. In seinem natürlichen Vorkommen auf Lanzarote beschränkt ist der Oregano-Thymian (Thymus origanoides, Tajose). Man findet die Liliengewächse Breitblättriger Blaustern (Scilla latifolia, Almorrana) und Schweifblatt (Dipcadi serotinum, Tarabaste Gato). Häufig sind auch der Federbusch (Kleinia neriifolia, Verode) und die Lavendelart „Gefiederter Lavendel“ (Lavandula pinnata, Matorrisco). Ferner stößt man auf blau blühenden Ästigen Sommerwurz (Orobanche ramosa, Jopo Ramudo), endemischen Natternkopf (Echium lancerottense, Viborina de Lanzarote), Aronstab (Arisarium simorrhinum, Cachimba), Breitblättrigen Affodil (Asphodelus aestivus, Gamonita) und Bitumenklee (Bituminaria bituminosa, Tedera), der, zerreibt man die Blätter zwischen den Fingern, wirklich wie frischer Bitumen riecht.
Bei einem Besuch des Barranco de Tenegüime ist darauf zu achten, dass die Natur in keiner Weise gestört oder verändert wird. Hinterlassen Sie keinen Müll, reißen Sie keine Pflanzen aus und machen Sie keinen Lärm. Wenn Sie sich respektvoll als stiller Besucher in dieser beeindruckenden Landschaft bewegen, eröffnen sich Ihnen Schönheit, Ruhe und Einzigartigkeit ganz von allein.
Wegbeschreibung:
Aus Richtung Arrecife kommend, biegt man in Guatiza vor der Bus-haltestelle links ab. Der Straße folgen, über die Brücke, die über die neue Umgehungsstraße führt, und dann an der Pumpstation mit den vielen Eukalyptusbäumen den Wagen abstellen. Dem ausgetrockneten Bachlauf in den Barranco hinein folgen. Die Windräder auf dem Risco de Famara dienen als Orientierungshilfe. Kurz vor dem vermeintlichen Ende der Schlucht führt linker Hand ein Trampelpfad die Felswand hinauf (ist bei genauem Hinsehen auszumachen, auf Steinmännchen achten!). Von hier aus kann man weiter wandern bis auf den Risco de Famara hinauf oder über die Hochebene am Rand der Schlucht entlang zum Ausgangspunkt zurück.

 

Diese Wanderung können Sie auch geführt unternehmen, zum Beispiel mit Lanzarotes Wanderprofi Stephan Isenmann. Infos auf www.lanzatrekk.com oder rufen Sie ihn einfach gleich an unter 696 083 345, um einen Wandertermin zu vereinbaren. Frei nach seinem Motto: “Nur wo du zu Fuß warst, warst du wirklich!“



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